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FRAUENSOLIDARIT?T, ?ber kulturelle Grenzen hinweg PDF Print E-mail
Written by Andrea Saleh   
Friday, 07 July 2006



"Eine über die Gleichheit der Chance hinausgehende Gleichmachung der Menschen ist die höchste Ungerechtigkeit." (Karl Jaspers, deutscher Philosoph)

Wien, im September 2004



Frauen, speziell wenn sie Migrantinnen und/oder Musliminnen sind, stehen in Fragen der Gleichbehandlung häufig gesellschaftlichen Hürden und Diskriminierung gegenüber (z.B. bei der Arbeitssuche). Das äußere Erscheinungsbild kann in manchen Fällen zum gewichtigeren Kriterium als Persönlichkeit, Kompetenz und Ausbildung werden. So wollen wir für Frauenanliegen, die besonders (aber nicht nur) für Musliminnen von Wichtigkeit sind, sensibilisieren. Wir möchten uns an der Schaffung einer Begegnungskultur aktiv beteiligen und für die weibliche Entscheidungs- und Entfaltungsfreiheit sowie gegen jegliche Bevormundung und Diskriminierung eintreten.


Folgende Prinzipien und Maßnahmen liegen uns am Herzen:

- Integration statt Ausgrenzung


- Möglichkeit der selbstbestimmten Lebensgestaltung von Frauen

- Unbeschränkter Zugang zu Bildung und Chancengleichheit für alle

- Bewusstseinsbildung gegen Ausgrenzungs- und Unterdrückungsmechanismen
  sowie gesellschaftliche Benachteiligung und Bevormundung von Frauen

- Maßnahmen zur Erleichterung der gesellschaftlichen Teilhabe von Frauen

- Aufmerksamwerden für Chancen der gegenseitigen kulturellen Bereicherung statt 
  Gleichmachungsbestreben

Wir beobachten mit zunehmender Sorge, wie in manchen europäischen Ländern eine verfehlte Integrationspolitik auf dem Rücken von Frauen ausgetragen wird. Die gesetzliche Anerkennung des Islam wirkt sich in Österreich positiv auf Partizipationsprozesse und somit auf eine konstruktive Art von Integration aus. Die Beziehung zwischen MuslimInnen und NichtmuslimInnen ist zwar auch hier teilweise durch Missverständnisse geprägt, doch ist der Umgang miteinander im Vergleich zu Ländern wie Deutschland oder Frankreich wesentlich weniger von Emotionen und Vorbehalten belastet, und auf Grund der gesetzlichen Lage auch von positivem politischen Willen gekennzeichnet.

Das Beispiel des Kopftuchverbotes für Schülerinnen in Frankreich zeigt, wie sehr durch populistisch genutzte, demagogisch hochgespielte Interpretationen um Eingliederungsprozesse und Rechte der Religionsausübung faktisch nur Frauen in diskriminierender Weise getroffen werden.
Dies mit dem Resultat, dass zahllosen muslimischen Mädchen der Bildungsweg abgeschnitten wird, wenn sie sich für eine religiöse Lebensweise entschieden haben, die sich in ihrer Art der Bekleidung manifestiert. Frauen haben den Preis für eine misslungene Integrationspolitik zu bezahlen, die noch dazu die große Gefahr einer weiteren Polarisierung und der zunehmenden Ghettoisierung von Bevölkerungsteilen in sich birgt. Statt Entspannung und Verständigung folgen zunehmendes gegenseitiges Unverständnis und Groll.

Unser Anliegen ist es auch, die konstruktive Situation in Österreich hervorzuheben, die nicht zuletzt auf der Gesetzeslage beruht (durch die ein  Kopftuchverbot erst gar nicht zur Disposition steht), aber auch auf umfassenden (auch politischen) Bemühungen zu einem fruchtbringenden, von gegenseitigem Respekt getragenen, Dialog.

Außerdem wollen wir unsere Solidarität mit den französischen muslimischen Mädchen ausdrücken und bewusst machen, dass es sich bei diesem oder ähnlichen Verboten um ebensolchen einseitigen, ausschließlich gegen Frauen gerichteten Zwang handelt, dem man eigentlich (oder angeblich?) entgegenzutreten beabsichtigt. Dabei ist gerade Bildung ein wesentlicher Faktor zur Förderung von Selbständigkeit und Befreiung aus Abhängigkeitszuständen und Bevormundung. Repressive Maßnahmen gegen Minderheiten sind kein positives Zeichen für die Verständigung zwischen Religionen und Kulturen, erzielen aber in globalisierten Zeiten weltweite Signalwirkung - in die falsche Richtung, wie wir meinen.


Einige Worte zur islamischen Bekleidung und mehr ....


Der Islam als Religion befürwortet, ja betont sogar Pluralität, die als von Gott gewollt zu gegenseitigem Kennenlernen, Austausch und Bereicherung führen soll. Nach islamischer Auffassung gibt es daher nicht nur eine einzige zulässige und anerkannte Lebensweise. Zwang und Unterdrückung (von Männern gleichermaßen wie von Frauen) lehnt die islamische Lehre ab. Gerechtigkeit ist ein wichtiges islamisches Prinzip.

Der überwiegende Teil der Musliminnen will das Kopftuch nicht als religiöses oder gar politisches Symbol, sondern einzig als Ausdruck gelebter Religiosität und positiver Einstellung zur eigenen Identität verstehen. Deswegen lehnen die meisten Musliminnen eine Politisierung ihrer Art der Bekleidung – die für Sie eine Frage des Gewissens ist –  ab bzw. können derartige Sichtweisen gar nicht nachvollziehen.

Nachfolgend einige Koranverse (Koran = Buch des Islam) zu den angesprochenen Themen , die für sich selbst sprechen. Muslimisches Denken und Handeln orientiert sich an diesen Grundsätzen.

Pluralität und Toleranz:

"Und wenn Gott gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Er wollte euch aber in alledem, was Er euch gegeben hat, auf die Probe stellen. Darum sollt ihr in den guten Dingen wetteifern ..."  (5:48)

"Und sprich: Es ist die Wahrheit von eurem Herrn: Darum lass den gläubig sein, der will und den ungläubig sein, der will." (18:29)

"Und hätte dein Herr es gewollt, so hätten alle, die insgesamt auf Erden sind, geglaubt. Willst du also die Menschen zwingen, Gläubige zu werden?" (10:99)

"Es gibt keinen Zwang im Glauben (in der Religion)." (2:256)

Gerechtigkeit:

"Oh ihr Gläubigen! Haltet Gottes Rechtsbestimmungen ein und seid bei euren Aussagen gerecht! Euer Hass gegen einige Menschen soll euch nicht dazu verleiten, ungerecht zu sein. Seid gerecht, so kommt ihr der Frömmigkeit am nächsten! Fürchtet Gott! Gott weiß genau, was ihr tut!" (5:8)

"Wahrlich, Gott gebietet, Gerechtigkeit walten zu lassen, das Gute zu tun und den Nahestehenden zu geben, und Er verbietet das Schändliche und Unrechte und Gewalttätige. Er ermahnt euch, auf dass ihr nachdenken möget." (16:90)

Mann und Frau:

"Und es gehört zu Seinen Zeichen, dass Er für euch Gefährten erschaffen hat aus euch selbst, damit ihr Ruhe und Frieden in ihnen findet. Und er hat Liebe und Barmherzigkeit zwischen euch gesetzt. Wahrlich, darin sind Zeichen für Leute, die nachdenken." (30:21)

"Und die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einer des anderen Freund. Sie gebieten das Rechte und verbieten das Unrechte ..." (9:71)

"Wer das Rechte tut und gläubig ist, sei es Mann oder Frau, dem werden Wir ein gutes Leben geben. Und Wir werden ihn nach seinen besten Werken belohnen." (16:97)

Bekleidung:

"Sage den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren sollen. Das ist geziemender für sie. Siehe, Gott kennt ihr Tun. Und sage den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke senken und ihre Keuschheit wahren und ihre Reize nicht zur Schau stellen sollen, außer was (anständigerweise) sichtbar ist ..." (24:30 ff)

"Oh Prophet! Sage deinen Frauen und deinen Töchtern und den Frauen der Gläubigen, dass sie etwas von ihrem Übergewand über sich ziehen sollen. So werden sie eher erkannt und (daher) nicht belästigt. Und Gott ist verzeihend, barmherzig." (33:59)

"Oh Kinder Adams! Wahrlich, wir sandten auf euch hinab Kleidung, um eure Blöße zu bedecken und als Prunkgewand. Doch das Gewand der Frömmigkeit ist das Beste!" (7:26)

Last Updated ( Friday, 07 July 2006 )
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