Jörg Haider soll Geschichte Lernen

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Mittwoch, 29 August, 2007
Jörg Haider soll Geschichte Lernen

Mit der Forderung nach Bauverbot für Moscheen gefährde Jörg Haider den Sozialen Frieden, sagt Omar Al-Rawi

Am 31.1.1782 erließ  Kaiser Joseph II das berühmte  Toleranzedikts. Den Protestanten wurde der Bau von Gotteshäusern erlaubt. Mit zwei Einschränkungen: Sie durften nicht wie eine Kirche aussehen und es durften keine Glocken läuten. Für die damalige Zeit war das sicher ein großer Schritt in Richtung Öffnung und Toleranz gegenüber Andersgläubigen.

Nicht zeitgemäß. Heute, 225 Jahre später, würde so ein Beschluss aber als lächerlich und nicht mehr zeitgemäß betrachtet. Doch das ist haargenau das, was wir im Zusammenhang mit Muslimen erleben. Gebetshäuser für Muslime ja, aber sie sollen bitte nicht wie Moscheen aussehen und es darf keinen Ruf des Muezzin geben. Dabei war der erste Initiator für den Bau einer Moschee in Österreich niemand geringerer als Kaiser Franz Josef I.  Im Jahre 1878 fielen nach einem Beschluss des Berliner Kongresses die Provinzen Bosnien und Herzegowina an Österreich-Ungarn. Die Muslime wurden zur zweitstärksten Volksgruppe im Vielvölkerstaat. Nach anfänglichen Problemen lernten die Muslime Österreich lieben. Viele von ihnen dienten in der kaiserlichen Armee. Kaiser Franz Joseph I. ließ zwei Gebetsräume auf Wiener Kasernengeländen errichten und beauftragte einen Mufti mit ihrer religiösen Betreuung.

In Hinterhöfen. Im Jahre 1912 verabschiedete der Kaiser das Islamgesetz zur Errichtung einer eigenen muslimischen Kultusgemeinde. Damit wurde die hanefitische Schule des Islams als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt. Nach dem Ende der  Monarchie schrumpfte die Zahl der Muslime rapide, bis sie durch Arbeitsmigration und Zuwanderung wieder auf 400.000 anwuchs. Österreich wollte lang nicht einsehen, dass es ein Einwanderungsland geworden ist, und die Zuwandere träumten immer wieder von der Rückkehr. Daher lebte man in einer Art Provisorium. Gebetshäuser wurden vorwiegend in Hinterhöfen, Kellerlokalen, aufgelassenen Fabriken und kleinen Wohnungen errichtet.

Selbstbewusst. Dann kam der Paradigmenwechsel. Muslime der 2. und 3. Generation kennen nur Österreich als ihre Heimat und wollen selbstbewusst in der österreichischen Gegenwart ankommen. Sie sehnen sich nach einem würdigen Ort für ihre Gebete. Sie wollen raus aus Fabriken und Hinterhöfen.

Ein Islam, der sich nicht verstecken muss, wird auch bereit sein, sich kritischen Fragen zu stellen. Jeder, der Interesse an der Integration des Islam hat, sollte dies begrüßen und unterstützen. Wer so etwas verhindern und populistisch ausschlachten will, sollte bedenken, dass in der Zwischenkriegszeit einige Formen der antisemitischen Hetze mit Angriffen auf orientalisch aussehende  Synagogen begonnen haben. Daher lernen sie endlich Geschichte Herr Haider und lassen Sie die Kirche im Dorf. In Kärnten leben gerade 11.000 Muslime, so viel wie in einer einzigen Straße in Berlin Kreuzberg. Es ist unverantwortlich, den sozialen Frieden und den guten Ruf Österreich aufs Spiel zu setzen.

Omar Al-Rawi ist Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubengemeinschaft in Österreich

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