Mehr Gelassenheit im "Karikaturenstreit"

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Mittwoch, 15 Februar, 2006
Mehr Gelassenheit im "Karikaturenstreit"

FURCHE Kolumne: Februar 2006

Reflexion als Weg zu mehr Gelassenheit scheint im Karikaturenstreit vonnöten, um Lehren für die Zukunft zu ziehen.

Keine Dialogverweigerung, sondern Einbeziehen der Betroffenen, um gemeinsam ein Krisenmanagement zu entwickeln. Hätte man dies in Dänemark beherzigt, wäre es wohl nicht zu der bedrohlichen Eskalation gekommen.

Erst recht, wenn nicht Provokation um der Provokation willen betrieben worden wäre. Wer Meinungsfreiheit unter Beweis stellen will, indem er mutwillig auf den religiösen Gefühlen einer Minderheit herumtrampelt, ist kein Held, sondern geschmacklos und verletzend.

Ist die Geschichte nicht auch als Indikator für den viel zitierten innereuropäischen Wertediskurs zu sehen? Hier wurde die Definition über die populistische Abgrenzung, ein Vorführen der angeblichen Minderwertigkeit anderer angestrebt, sonst hätte man die Zielscheibe im eigenen Kulturkreis gesucht. Meinungsfreiheit als Recht sich ohne Furcht vor Konsequenzen der Mächtigen frei ausdrücken zu können soll die Konsequenzen für die Gesellschaft als Frage der sozialen Verträglichkeit im Auge haben. Als Kulturgut soll Meinungsfreiheit mit einer Kultur der Meinungsfreiheit verbunden sein.

Irgendwie ist es paradox: So beruhigend selbstverständlich Meinungsfreiheit im Westen geworden ist, dass es mitunter an einer persönlichen Verinnerlichung mangelt, so verinnerlicht hat man die Sehnsucht nach Meinungsfreiheit in vielen islamischen Ländern – und kann durch die fehlende Selbstverständlichkeit mitunter schwer damit umgehen. Demokratiemangel hat dabei nichts mit einem Mangel des Islam zu tun, aber viel mit dem Wesen von Diktaturen.

Die Bereitschaft zu verantwortlichem Handeln als unabdingbar bewusst zu machen – dies ist ein wichtiger Beitrag der Religionsgemeinschaften.

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