Nationalratspräsidentin Prammer überreicht Demokratiepreis 2008

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Donnerstag, 13 November, 2008
Nationalratspräsidentin Prammer überreicht Demokratiepreis 2008

Lupac-Stiftung zeichnet Volksschule und muslimische Initiative aus

Nationalratspräsidentin Prammer überreicht Demokratiepreis 2008 Lupac-Stiftung zeichnet Volksschule und muslimische Initiative aus

Wien (PK) – Nationalratspräsidentin Barbara Prammer überreichte heute im Rahmen eines Festakts im Parlament den Demokratiepreis 2008. Mit dem von der Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie gestifteten Preis wurden eine Wiener Ganztagsvolksschule und die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen ausgezeichnet. Sie teilen sich das Preisgeld in der Höhe von 15.000 €.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer hielt bei der Preisverleihung fest, das Kuratorium der Lupac-Stiftung sei mit großer Überzeugung dem Vorschlag der Jury gefolgt. Unter anderem hob sie das Engagement der beiden Preisträger für eine Stärkung des demokratischen Bewusstseins und für Toleranz hervor. Die Demokratie sei ein sehr filigranes Gebilde, meinte Prammer, das eine aktive Zivilgesellschaft brauche, um nachhaltig abgesichert zu werden. Es sei notwendig, einen Kontrapunkt zum zunehmenden politischen Desinteresse zu setzen, die Volksschule Europaschule in der Brigittenau und die Initiative muslimischer Österreicherinnen und Österreicher agierten hier vorbildhaft. In diesem Zusammenhang verwies Prammer auch auf die Notwendigkeit, politische Bildung zu forcieren, wobei sie die Schule und die Politik gleichermaßen gefordert sieht.

Bernhard Perchinig von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften machte darauf aufmerksam, dass 15 Prozent der in Österreich lebenden Menschen nicht in Österreich geboren seien und in den österreichischen Haushalten mehr als 50 Sprachen gesprochen würden. Die soziokulturelle und sprachliche Vielfalt in Österreich ist damit seiner Meinung nach durchaus mit traditionellen Einwanderungsländern wie den USA und Kanada vergleichbar. Hinter den Zahlen stecke eine große Integrationsleistung, unterstrich Perchinig, sowohl seitens der Zugewanderten als auch seitens der einheimischen Bevölkerung.

Eine positive Grundhaltung gegenüber kultureller Vielfalt und ein wertschätzender Umgang mit Verschiedenheit habe sich allerdings erst in den 1980-er Jahren entwickelt, gab Perchinig zu bedenken. Zudem hinke die Integration im Bereich der politischen Teilhabe nach wie vor hinten nach. Politische Parteien und Institutionen öffneten sich nur langsam für ZuwanderInnen. Gleichzeitig ist laut Perchinig die Diskriminierung von Menschen mit anderer Hautfarbe wieder im Zunehmen begriffen. Diese negative Entwicklung könne den Weg Österreichs zu einer offenen Gesellschaft aber nur erschweren und nicht unbegehbar machen, zeigte er sich zuversichtlich. Die beiden Preisträger sind für ihn, wie er sagte, gute Beispiele dafür, wie man mit Vielfalt produktiv umgehen könne.

Oliver Rathkolb, Vorstand des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Wien, begründete die Auswahl der Volksschule Europaschule durch die Jury. Unter den zahlreichen Einreichungen habe es eine Reihe spannender, interessanter und innovativer Bewerbungen gegeben, skizzierte er, die Ganztagsvolksschule sei jedoch nicht zuletzt durch ihr ungewöhnliches Leitbild besonders hervorgestochen. Die Schule schätze etwa kulturelle Vielfalt, wolle zur Weltoffenheit erziehen und unterstütze eigenverantwortliche, demokratische Projektarbeit. Darüber hinaus hob Rathkolb die angebotenen Sprachkurse für Mütter mit Migrationshintergrund und die Wahl von Schülerräten hervor. In jeder Klasse wird jeweils ein Mädchen und ein Bursche gewählt und diese dann in Entscheidungen der Schule eingebunden.

Zweiter Preisträger ist die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen. Die Initiative besteht seit nunmehr bald zehn Jahren und hat sich, wie die zweite Laudatorin, VfGH-Vizepräsidentin Brigitte Bierlein erklärte, unter anderem eine stärkere Beteiligung von Muslimen am politischen und öffentlichen Leben nach dem Motto "Integration durch Partizipation" zum Ziel gesetzt. Gleichzeitig fungiere sie unter dem Leitgedanken "Nicht über Muslime reden, sondern mit ihnen" als Mittlerin zwischen Religionen und Kulturen. Die Initiative mache deutlich, sagte Bierlein, dass es möglich sei, die Identität als Muslim/in mit dem Bewusstsein der Zugehörigkeit zu Österreich und zu Europa zu verbinden. Als konkrete Projekte der Initiative führte die VfGH-Vizepräsidentin u.a. den Tag der offenen Moschee, Fortbildungsveranstaltungen für die Exekutive, die Förderung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie Schulprojekte an.

Der Demokratiepreis der Margaretha Lupac-Stiftung wurde heuer zum dritten Mal verliehen. Eine Jury unter dem Vorsitz des Politikwissenschafter Manfried Welan wählte die Preisträger aus insgesamt 70 Bewerbungen aus.

Eingerichtet ist die nach ihrer Geldgeberin Margaretha Lupac benannte Stiftung beim Parlament. Ihr Ziel ist es, den Gedanken der Demokratie und des Parlamentarismus zu fördern und das Prinzip der Toleranz im Diskurs über Fragen der Politik, der Kunst und der gesellschaftlichen Entwicklungen zu festigen. Im kommenden Jahr wird die Stiftung wieder einen Wissenschaftspreis ausschreiben.

Der heutige Festakt im Parlament wurde durch das Nexus-Quartett musikalisch umrahmt. (Schluss)

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