Tarafa Baghajati in "DIE FURCHE": Die Provokation ist aufgegangen

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Donnerstag, 20 September, 2012
Tarafa Baghajati in "DIE FURCHE": Die Provokation ist aufgegangen

Von Tarafa Baghajati

Veröffentlichet in „DIE FURCHE“ 20. September 2012, Seite 4.  

Wer sich die Frage „Cui bono“ (Wem zum Vorteil?) stellt, kommt unschwer auf die dubiosen Macher des Filmes, angesiedelt im Spektrum jener Islamhasser aus extremistischen evangelikalen und koptischen Kreisen, die sich die Kreuzzugspolitik der Neocons zurückwünschen. Die Provokation, wohl bewusst um den 11. September lanciert, ist aufgegangen. Die Bilder von Aggression und Gewalt unter muslimischen Demonstranten sollten die im Zuge des arabischen Frühlings erfolgte Einstellungsänderung zurückwerfen auf das alte Feindbild.

Auch muslimische Extremisten in Al-Qaida Manier benutzten den Film als Aufhänger für ihre Interessen. Die Ermordung des amerikanischen Botschafters in Benghazi war gewiss keine spontane „Verteidigung des Propheten“, sondern ein seit langem geplantes Verbrechen. Gefehlt hat nur ein Rachgrund. Verwirrt waren fast alle arabischen Führer: Keiner von ihnen, auch nicht Präsident Morsi in Ägypten, hat sich getraut ein simples aber wahres Wort auszusprechen und zwar, dass die Dummheit des Filmchens solche Reaktionen ausschließen sollte und weder die amerikanische Politik, noch ihre Botschaften das Geringste mit dessen Produktion zu tun haben.

Theologisch sollen die Massendemonstrationen überdacht werden und nicht nur Gewalt verurteilt. Der Koran sagt eindeutig, dass man sich von den „Ahnungslosen und Toren“ abwenden solle (z.B. 28:55 und 25:63). Gemeint ist hier, sich nicht provozieren zu lassen und den eigenen Weg unbeirrt weiterzugehen. Nun scheint genau das Gegenteil passiert zu sein – vor allem, wenn zum wiederholten Male die überwältigende Mehrheit jener Muslime ausgeblendet würde, die ihren Abscheu in zivilisierter Weise zum Ausdruck brachten.

Trotzdem haben die Macher des unsäglichen Films nicht alle Ihre Ziele erreicht. In Ägypten ist es zu keinerlei Animositäten zwischen Kopten und Muslimen gekommen; umgekehrt waren Parolen der Ablehnung von religiösem Hass und Verhetzung allgemein präsent. Auch die perfide Behauptung, dass Juden hinter dem Film stünden, löste nicht den gewünschten Effekt aus. Für Islamhasser und Antisemiten wäre nichts bequemer gewesen, als wenn Muslime und Juden sich die Köpfe gegenseitig einschlügen.

Soll der Film verboten werden?

Soll der Film verboten werden? In Österreich würde er mit Sicherheit dem Tatbestand „Herabwürdigung von religiösen Lehren“ § 188 StGB entsprechen. Weder die Dämlichkeit des Filmes, noch die Berufung auf Freiheit der Meinung oder Kunst (schon gar nicht!) könnte dies ändern. Hier kann unser kleines Österreich ein Vorzeigemodell, auch für Deutschland sein, wie die Fälle Susanne Winter und Elisabeth Sabaditsch-Wolf beweisen. Beiden misslang die geplante Provokation der Muslime. Rechtskräftig verurteilt gelingt beiden auch die Pose als angebliche „Retterinnen des Abendlandes“ nicht. Das wichtigste ist also, eine breite, übergeordnete Front gegen Fanatismus und Islamfeindlichkeit zu schaffen. Bewusste Provokationen sollten weder den sozialen, noch den politischen Frieden gefährden. Derartige Aktionen gehen alle an – nicht nur die Muslime als zuerst Betroffene. Die Provokateure müssen daher als Hassprediger mit allgemeinem Gefährdungspotential, sowohl gesellschaftspolitisch als auch verfassungsrechtlich, eingestuft werden. 

Der Autor ist Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

baghajati@aon.at

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