"Wir sind Teil der Gesellschaft"

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Samstag, 12 August, 2006
"Wir sind Teil der Gesellschaft"

"Die Mitglieder unserer Gemeinde sind sehr besorgt über die Situation im Libanon und sehr traurig über die zivilen Opfer", sagt Mouddar Khouja von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (im SN-Bild). "Insbesondere sind wir sehr traurig über den Verlust unseres Majors Hans Peter Lang.""Unseres" UNO-Majors, sagt Khouja, denn mehr als 55 Prozent der rund 400.000 Muslime in Österreich seien österreichische Staatsbürger. Und die Lebenssituation sei für Muslime in Österreich viel besser als in allen anderen europäischen Ländern. Auch - oder gerade jetzt - in einer nahost- und weltpolitisch sehr schwierigen Phase. "Die Situation in Österreich könnte für viele Länder ein Muster sein", sagt Khouja. "Wir sind in Österreich Teil der Gesellschaft." Die staatliche Anerkennung gebe es für die Muslime in Österreich schon seit 1912. Es gebe vom Staat unterstützten islamischen Religionsunterricht, eine religionspädagogische Akademie und ab 2006/2007 ein islamisch-theologisches Studium an der Uni Wien. Der Glaubensgemeinschaft seien auch keine Übergriffe auf Mitglieder gemeldet worden. Im Gegenteil - es gebe Zuspruch von vielen Seiten, nicht nur für die rund 1800 Libanesen, die in Österreich lebten. Auch die Friedensdemonstration, bei der Muslime der Außenministerin eine Petition, dass sie sich für ein Ende der Kämpfe einsetzen solle, überreicht hätten, sei auf viel Verständnis gestoßen. "Aber viele von uns sind wütend über die Weltgemeinschaft, die den zivilen Opfern bislang keinen Einhalt bot und noch keine klare Resolution zum Libanon zu Stande brachte." Die Gefahr der Radikalisierung in Österreich sei nicht gegeben. Und wenn, beschränke sich die Radikalität auf verbale Äußerungen: "Die Leute sind besonnen." Auch die Imame in den Moscheen riefen zur Besonnenheit auf.

"Kein Kampf der Kulturen"

Der Konflikt im Mittleren Osten sei kein Kampf der christlich-jüdisch-europäischen Werte gegen den Islam. "Es gibt keinen Kampf der Kulturen", sagt Khouja. Zur Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich gebe es trotz allem weiterhin gute Beziehungen. Auch wenn die Standpunkte im Bezug auf den Konflikt im Nahen Osten natürlich diametral auseinander lägen. Und Khouja vermeidet nicht, aufzuzählen, dass in den letzten Wochen mehr als zehn Mal so viele Libanesen wie Israelis getötet worden und dass 95 Prozent der libanesischen Opfer Zivilisten seien. Zu einer Beilegung des Konflikts könnten die Glaubensgemeinschaften von Österreich aus kaum etwas beitragen. "Außenpolitisch haben beide Glaubensgemeinschaften nicht sehr viel Einfluss."

Hoffnung auf Österreich

In der Vergangenheit habe Österreich Akzente in der Vermittlung zwischen Streitparteien im Mittleren Osten setzen können. "Es ist ein Wunsch vieler Mitglieder unserer Gemeinde, dass Österreich diese Rolle wieder übernimmt." Während der EU-Präsidentschaft wären Österreichs Chancen dazu freilich größer gewesen, sagt Khouja. Österreich habe sich beim Karikaturenstreit hervorgetan, als die Außenministerin ein Treffen in Wien organisierte habe, an dem der dänische Außenminister und der syrische Großmufti teilgenommen hätten. Hoffnung auf eine Lösung? "Wir verstehen nicht, wie man den Mittleren Osten über den kleinen Libanon neu ordnen will." Eine Lösung könne es nur geben, wenn ein lebensfähiger palästinensischer Staat entstehe, in dem ein würdiges Leben möglich sei, sagt Khouja. "Wenn ein palästinensischer Staat da ist, ergibt sich vieles." schli

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