Ramadan

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Sehr geehrte Damen und Herren!

Liebe Freundinnen und Freunde

Unten ein Fragenkatalog zum Thema Ramadan. Außerdem haben wir eine Zusammenstellung von Zitaten aus den Primärquellen von Quran und Sunna (Vorbild des Propheten), die sich speziell darauf beziehen,  eingefügt.

Beste Wünsche für eine gesegnete, erfüllte und friedliche Zeit in diesem Ramadan 2012/1433, der am 20. Juli begonnen hat. Der erste Feiertag nach der Fastenzeit liegt voraussichtlich am 19. August 2012.

Mit den besten Grüßen

Für die IMÖ: Carla Amina Baghajati, baghajati@aon.at


Ramadan - Texte aus den Quellen des Islam

Aus dem Koran:

„Oh ihr Gläubigen! Das Fasten wurde euch vorgeschrieben, wie es denen vorgeschrieben worden war, die vor euch waren, damit ihr wirklich fromm werdet. Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage fasten. Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet! Der Monat Ramadan ist es, in dem der Quran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tag fasten – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein. Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe. Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn Er mich ruft. Deshalb sollen sie auf Mich hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie den rechten Weg einschlagen.“ (2:183-186)

„Und die vor ihrer eigenen Habsucht bewahrt bleiben, denen wird es wohl ergehen.“ (64:16)

„Wer Gutes tut, tut es für seine eigene Seele.“ (45:15)

„Sie geben ihnen (den Bedürftigen) den Vorrang vor sich selbst, auch wenn sie selbst unter Entbehrungen leiden…“ (59:9)

„Und Gottesdiener sind die, wenn sie etwas spenden, weder verschwenderisch, noch knauserig sind, sondern das rechte Maß dazwischen finden….“ (25:67)

„Oh, ihr die ihr glaubt, spendet von den guten Dingen, die ihr erworben habt, und von dem, was Wir für euch aus der Erde hervorgebracht haben, und sucht nicht das schlechte davon aus, um es zu spenden, wo ihr es doch selbst nicht nehmen würdet, es sei denn, ihr würdet ein Auge dabei zudrücken. Und wisst, dass Allah sich selbst genügend ist, des Lobes würdig.“ (2:267)

„Niemals werdet ihr Frömmigkeit erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt….“ (3:29)

„Und es gibt kein Lebewesen auf Erden, dessen Versorgung nicht bei Allah liegt.“ (11:6)

„Sprich: Sind etwa diejenigen, die wissen, denen gleich, die nicht wissen? Doch nur die einsichtigen lassen sich ermahnen.“ (39:9)

„Und ihr gebt nichts als Spende hin, ohne dass ER es euch ersetzt.“ (34:39)

„Und wer Gutes im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen.“ (99:7)

„Und das, was ihr an Gutem für euch vorausschickt, das werdet ihr bei Allah wieerfinden. – Ja, sogar besser und größer an Belohnung.“ (73:20)

„Oh, die ihr glaubt! Sucht Hilfe in Geduld und Gebet; wahrlich Allah ist mit den Geduldigen.“ (2:153)

„Wer aber geduldig ist und verzeiht, dies ist fürwahr ein Zeichen fester Entschlossenheit.“ (42:43)

„Hast du denjenigen gesehen, der die Religion verleugnet? Er ist derjenige, der das Waisenkind schroff abweist, und auch nicht dazu ermutigt, den Bedürftigen zu speisen.“ (107:1-3)

„Nichts Gutes ist in vielen ihrer geheimen Besprechungen, es sei denn jemand ruft zur Mildtätigkeit auf oder zur Güte oder zur Versöhnung unter den Menschen….“ (4:114)

„Doch wenn ihr ein Haus betretet, dann begrüßt euch gegenseitig – mit einem Gruß gleichsam von Allah, voll Segen und Güte.“ (24:61)

„Wir haben fürwahr das Vertrauenspfand (Anvertrautes, Verantwortung) den Himmeln und den Bergen angeboten, doch sie weigerten sich, es zu tragen und schreckten davor zurück. Der Mensch aber nahm es auf sich. Er ist wahrlich ungerecht, unwissend.“ (33:72)

„… und die ihre Wut bezähmen und den Menschen vergeben – und Allah liebt die, die Gutes tun.“ (3:134)

 „Sprich: Oh meine Diener, die ihr euch gegen eure eigenen Seelen maßlos verhalten habt, verzweifelt nicht an Allahs Barmherzigkeit. Allah vergibt fürwahr alle Schuld. Er ist der Allverzeihende, der Barmherzige.“ (39:53)

 

Aus dem Hadith (vorbildliche Lebensweise des Propheten Muhammad):

"Wenn sich jemand nicht der Falschheit in Wort und Tat enthält, dann liegt Allah nichts daran, dass er sich des Essens und Trinkens enthält."

"Das Fasten ist ein Schutz. So soll der (der fastet) keine unzüchtigen Reden führen und sich nicht töricht verhalten; und wenn jemand ihn bekämpft oder ihn beschimpft, soll er zweimal sagen: 'Ich faste. Und bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist: Der Mundgeruch des Fastenden ist Allah angenehmer als der Duft von Moschus, denn [Gott sagt:] er lässt ab vom Essen und Trinken und von seinen Begierden um Meinetwillen. Das Fasten ist für Mich, und Ich gewähre die Belohnung dafür. Und die gute Tat wird zehnfach belohnt."

"Für alles ist Zakat zu entrichten, und die Zakat für den Körper ist das Fasten."

"Wer im Ramadan in (festem) Glauben und in der Hoffnung auf Belohnung fastet, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben; und wer im Ramadan (nachts im Gebet) steht in (festem) Glauben und in der Hoffnung auf Belohnung, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben."

„Wenn jemand, während er fastet, aus Vergessenheit isst oder trinkt, so soll er sein Fasten zu Ende leisten. Denn es ist Gott, der ihm da zu essen und zu trinken gegeben hat.“ (nach Bukhari, Muslim, Abu Dawud, Tirmidhi, Nasa’i)

Ein Mann kam zum Propheten und sagte: Ich gehe zugrunde, oh Gesandter Gottes. Er  sagte: Was hat dich zugrunde gehen lassen? Er sagte: Ich habe im Ramadan mit meiner Frau verkehrt. Er sagte: hast du die Möglichkeit einen Sklaven freizugeben? Er sagte: nein. Er sagte: Hast du die Möglichkeit sechzig Bedürftige zu speisen? Er sagte: Nein. Da setzte er sich. Es wurde dem Propheten ein Korb Datteln gebracht. Da sagte er: Gib dies als Almosen. Der Mann sagte: Jemandem, der ärmer wäre als wir, oh Gesandter Gottes? Bei Gott, es gibt in Medina keine Familie, die es nötiger hätte, als wir. Der Prophet lachte, bis seine Eckzähne sichtbar wurden. Dann sagte er: Geh und gib es deinen Angehörigen zu essen. (nach Bukhari, Muslim, Abu Dawud, Tirmidhi, Nasa’i)

„Wer einem Fastenden zum Fastenbrechen zu essen gibt, erhält einen gleichen Lohn wie er, ohne dass es den Lohn des Fastenden irgend schmälert.“ (nach Tirmidhi, Ibn Hanbal)

Der Prophet pflegte, wenn er das Fasten brach zu sagen: Oh unser Gott, für dich faste ich, und von deiner Versorgung breche ich das Fasten.“ (nach Abu Dawud)

„Das Fasten ist ein Schutz. So soll der, der fastet, keine lose Rede führen und sich nicht töricht verhalten; und wenn jemand ihn bekämpft oder ihn beschimpft, soll er zweimal sagen: Ich faste.“

Allah freut sich über Seinen Diener, der Nahrung zu sich nimmt und Ihn dafür preist und der Wasser trinkt und Ihn dafür preist.

Der Gesandte Gottes sagte: „Ich bürge demjenigen für ein Haus am Rande des Paradieses, der Streit meidet, auch wenn er im Recht ist und für ein Heim in der Mitte für jenen, der das Lügen aufgibt, selbst wenn er nur zum Spaß lügt und für ein Heim am höchsten Platz des Paradieses für denjenigen, der sich gut benimmt.“

„Wahrer Reichtum ist nicht Reichtum an Besitz, sondern wahrer Reichtum ist im Herzen.“

„Wenn ein Muslim einen Baum pflanzt, dann ist das, was von dem Baum gegessen wird, eine Sadaqa (Spende) für ihn (als hätte er gespendet), und was auch immer davon gestohlen wird, ist auch eine Sadaqa für ihn, und auch, was davon verloren geht.“

„Die obere Hand (also die gebende) ist besser als die untere Hand (also die empfangende), und du sollst beim Geben von Sadaqa (Spenden) bei denen anfangen, die von dir abhängig sind; und die beste Sadaqa ist die vom Überfluss gegebene, und wer Tugend erstrebt, dem wird sie Allah schenken, und wer Verzicht übt, den wird Allah reich machen.“

Der Gesandte Allahs sagte zu Anas: Mein Sohn, wenn du dein Zuhause betrittst, dann begrüße deine Leute mit dem Friedensgruß. Dies ist ein Segen für dich und für die Mitglieder deiner Familie.“

Allahs Gesandter sagte: Nur auf zweierlei darf man neidisch sein: Auf jemanden, der von Allah mit Reichtum bedacht wurde, und der es auf rechte Weise ausgibt. Auf jemanden, dem Allah Weisheit verliehen hat, und der danach lebt, urteilt und unterrichtet.“

Aisha berichtete Urwa: „Bei Allah, mein Neffe, wir haben drei Monde in zwei Monaten gesehen, ohne dass in den Wohnungen des Propheten das Herdfeuer entfacht worden wäre. Wir ernährten und von Datteln und Wasser, außer wenn der Prophet Gefährten als Nachbar hatte, die Milchvieh hatten. Sie sandten dann immer etwas Milch.“

„Als Allah die Geschöpfe schuf, schrieb er in ein Buch, das sich über seinem Thron befindet: Meine Barmherzigkeit überwältigt meinen Zorn.“


Ramadaninfo

Spannend gestaltet sich Jahr für Jahr die Bestimmung des Ramadanbeginns. Die Berechnung des muslimischen Fastenmonats nach dem Mondkalender verlangt die Sichtung der schmalen Mondsichel. Da diese in Europa erst später als in den Ländern rund um den Äquator zu erkennen ist, folgen viele Muslime in Österreich weiterhin der Praxis ihres Ursprungslandes, fasten mit jenem Land, das zuerst den Mond gesehen hat oder orientieren sich an der Mehrheit. So sehr die Gläubigen die entstehende Uneinheitlichkeit bedauern – theologisch gesehen ist die mitunter leicht abweichende Datierung ganz „normal“, hat sie doch natürliche Ursachen. Im Zeitalter der Globalisierung fällt diese Tatsache eines manchmal verschiedenen Beginns einfach mehr auf. Wichtig ist, dass der Geist des islamischen Fastens alle eint: die Suche nach innerem Frieden, der nach außen strahlen soll, das Bemühen um Mäßigung und um sozialen Ausgleich und die  Konzentration auf das Wesentliche. Hier Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Praxis des Ramadan:

Ramadan – der Fastenmonat der Muslime
Ein praktischer Überblick mit Antworten auf häufige Fragen

 In der Glaubenspraxis der Muslime haben die „fünf Säulen“ eine zentrale Bedeutung.

Neben dem Bekenntnis des Einen Gottes und Seiner Propheten, an deren abschließender Stelle Muhammad steht, Friede sei mit ihnen allen, dem Gebet, der sozial-religiösen Pflichtabgabe Zakat, ist dies an vierter Stelle das Fastengebot im Monat Ramadan. Die fünfte Säule bildet die Pilgerfahrt nach Mekka, die bei Gesundheit und ausreichenden finanziellen Mitteln einmal im Leben erfolgen sollte.

Wird der Ramadan im Koran erwähnt?

Ja, besonders in der zweiten Sure, ab Vers 183.

„Oh ihr Gläubigen! Das Fasten wurde euch vorgeschrieben, wie es denen vorgeschrieben worden war, die vor euch waren, damit ihr wirklich fromm werdet. Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage fasten. Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet! Der Monat Ramadan ist es, in dem der Quran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tag fasten – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein. Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe. Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn Er mich ruft. Deshalb sollen sie auf Mich hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie den rechten Weg einschlagen.“ (Koran, 2:183-186)

Wann ist Ramadan?

Das islamische Jahr ist ein Mondjahr und damit um ca. 11 Tage kürzer als das Sonnenjahr. Von Jahr zu Jahr verschiebt der Kalender sich darum um diese Anzahl von Tagen gegenüber dem Sonnenjahr nach vorne. Daher kann der Ramadan in allen Jahreszeiten liegen. Muslimische SchülerInnen sind zu den islamischen Feiertagen vom Unterricht befreit.

Übersicht über die aktuellen Daten:

2012: 20. Juli bis 19. August (19. August voraussichtlich  erster Feiertag, der genau genommen am Vorabend mit Sonnenuntergang beginnt)

Wie wird gefastet?

Von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang halten praktizierende Muslime ein Fasten, das Enthaltung von Essen und Trinken, sowie Geschlechtsverkehr bedeutet.

Und das Rauchen?

Ist auch verboten. Ohnehin ist es als gesundheitsschädlich und verschwenderisch verpönt, bei manchen Gelehrten auch als „haram“, also immer verboten, eingestuft. Im Ramadan muss es beim Fasten unbedingt unterlassen werden. Eine gute Gelegenheit gleich ganz damit aufzuhören!

Aber überhaupt nichts zu trinken kann doch nicht gesund sein?

So wie man sich in den Abend- und Nachtstunden mit Essen stärkt, versorgt man den Körper auch mit ausreichender Flüssigkeit in Vorbereitung auf das Fasten tagsüber. Beklagen viele Mediziner die mangelnde Flüssigkeitsaufnahme aus Nachlässigkeit, ist gerade der Ramadan eine Gelegenheit sehr bewusst die empfohlene Menge von mehr als 2 Litern täglich einzuhalten.

Und nach dem Fasten stopft man Mengen von Essen in sich hinein?

Das Fasten soll den Wert gesunder Nahrung bewusst machen und damit für einen vernünftigen Umgang mit Lebensmitteln sensibilisieren. Der Körper verlangt nach dem Fasten nach verträglichen Speisen und ist gar nicht in der Lage, übermäßige Mengen aufzunehmen. Völlerei wäre nicht im Sinne des Islam, da Fasten auch als sozialer Akt der Solidarität mit Bedürftigen verstanden wird.

Gibt es spezielle Fastenspeisen?

Nach dem Vorbild des Propheten Muhammad brechen viele Muslime ihr Fasten mit einigen Datteln und einem Glas Wasser oder Milch, ehe sie später zu Tisch gehen. Von Region zu Region gibt es Spezialitäten, die vor allem im Ramadan Saison haben, weil sie viel Flüssigkeit enthalten und leicht verdaulich sind. Prinzipiell sind alle vom Islam als „halal“, also „rein“ eingestuften Nahrungsmittel auch während der Fastenzeit zugelassen, da sich der Mensch der Gaben Gottes dankbar erfreuen soll.

Und was ist „halal“?

Es gilt das bekannte islamische Rechtsprinzip: „Was nicht verboten ist, ist erlaubt.“ Ausdrücklich untersagt sind der Verzehr von Schweinefleisch, Blut und Verendetem, sowie Alkohol.

Ich höre immer, dass das Fastenbrechen zu großen Gelagen mit vielen Gästen gerät?

Gastfreundschaft wird gerade im Ramadan hochgehalten. Wird für eine große Anzahl Personen gekocht, bietet man oft eine größere Auswahl von Speisen an. Wenn jemand zufällig etwas nicht mag, soll ja eine Alternative dabei sein. Sicher kann man kritisch anmerken, dass es dabei nicht zu übertriebener Luxusentfaltung kommen soll.

Fasten alle Muslime?

Das Fastengebot wird sehr verbreitet eingehalten. Schätzungen nach Umfragen gehen von 80% in Österreich aus. Vom Fastengebot ausgenommen sind Kinder, Reisende, Frauen im Wochenbett oder während ihrer Menstruation. Alle Menschen, für die Fasten gesundheitlich unmöglich oder nicht zuträglich wäre, sind befreit. Darunter fallen zum Beispiel Kranke, ältere Menschen, Schwangere, aber unter Umständen auch Menschen mit körperlich sehr anstrengenden Berufen. Die Gewissensentscheidung liegt beim Einzelnen. Der Körper gilt als ein so hohes Gut, dass man ihn nach Kräften durch einen verantwortungsvollen Umgang pflegen soll. „Gott will es den Menschen leicht machen.“ – ist eine koranische Aussage, die zusätzlich vor übertriebenen Kasteiungen bewahren soll.

Ist Fasten im Sommer nicht gefährlich?

Noch einmal: Niemand darf seinem Körper durch das Fasten Schaden zufügen. Wer diesbezüglich Sorge hat, sucht am besten einen Facharzt auf, um individuell zu klären, was zuträglich ist.

Geht das, dass man nichts isst, aber trinkt – gilt das als Fasten?

Nein, das religiöse Fasten der Muslime beinhaltet, sich von Essen und Trinken zu enthalten.

 Was passiert, wenn man nicht fastet?

Alle erwachsenen Menschen, die das Fasten versäumen, sollen die Anzahl der nicht gefasteten Tage im Laufe des Jahres nachholen. Wem das aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, der kann für jeden nicht gefasteten Tag einen Bedürftigen mit Nahrungsmitteln für einen Tag versorgen. Dies kann auch eine finanzielle Leistung, muss also kein Essenspaket  sein. Aber man sollte so viel spenden, wie das auch dem eigenen Lebensstandard bei der Ernährung entspricht.

Ist das normal, dass schon Volksschulkinder fasten?

Für Kinder ist die Ramadanzeit ein Erlebnis, denn es herrscht eine besondere, im Idealfall sehr ausgeglichene und fröhliche Stimmung. Oft möchten Kinder dem Beispiel der Erwachsenen nacheifern und schon mitfasten. Tatsächlich sollen Kinder schrittweise an das Fasten herangeführt werden. Von Familie zu Familie kann variieren, wie das geschieht. Da wird die eine oder andere Mahlzeit ausgelassen, bis ein ganzer Fastentag erreicht ist. Natürlich ist auch die Konstitution der Kinder zu berücksichtigen. Die meisten Kinder aber schätzen sich selbst sehr gut ein und profitieren davon, so ganz bewusst mit Nahrung umzugehen. Als das Fasten in der Winterzeit lag, probierten mehr Kinder das Fasten aus als jetzt, wo die Fasttage wieder sehr viel länger geworden sind.

Was ist ein „Ramadankalender“?

Bei muslimischen Lebensmittelhändlern und in den Gebetsräumen liegen handliche Folder auf. Diese Kärtchen weisen für jeden Tag im Ramadan aus, wann die exakte Uhrzeit des Beginns der Morgendämmerung ist, die Gebetszeiten und natürlich dabei auch die Abenddämmerung. So lässt sich auf einen Blick die Fastenzeit für den jeweiligen Tag erkennen.

Aber gibt es nicht auch „Ramadankalender“ für Kinder?

Ja, in den letzten Jahren hat sich – wohl angeregt von den Adventkalendern – unter Muslimen in Österreich der Brauch zu entwickeln begonnen, dass Kinder einen Ramadankalender geschenkt bekommen. Für jeden Tag des Monats wartet ein kleines Päckchen darauf zu Sonnenuntergang, wenn die Großen das Fasten brechen, abgeschnitten zu werden. So nehmen auch jene Kinder, die noch nicht fasten, am Ramadan mehr persönlichen Anteil. Das Warten auf den Zeitpunkt, wann das kleine Geschenk abgeschnitten werden darf, ist auch eine Vorbereitung darauf beim späteren Fasten sich zurückhalten zu können, ja allgemein eine Übung in Geduld.

Wie ist das mit Impfungen?  Dürfen Fastende Injektionen annehmen?

Eine Injektion bricht das Fasten. Der Tag wäre also nachzuholen, bzw. wenn keine unmittelbare medizinische Notwendigkeit besteht, ein späterer Zeitpunkt zu wählen. Daher richten es sich die Muslime im Allgemeinen so ein, dass sie Schutzimpfungen, Zahnarztbesuche und ähnliches nicht gerade in diesem Monat absolvieren müssen. Finden an den Schulen Reihenimpfungen statt, so ist dies eine der Gesundheit dienende Maßnahme, die auch aus Sicht des Islam zu begrüßen ist. Ältere Schülerinnen und Schüler, die es mit dem Fasten bereits so ernst wie Erwachsene nehmen, werden sich an Terminen im Ramadan möglicherweise entschuldigen. Ein Hinweis auf die Möglichkeiten die Impfung etwa bei Eltern-Kind Zentren nachholen zu lassen, ist hier sinnvoll. Um den Ablauf möglichst reibungslos zu gestalten, wäre es wünschenswert, wenn die muslimischen Kinder und Jugendlichen schon vor dem Impftermin bekannt geben, ob sie teilnehmen oder nicht, damit man sich besser darauf einstellen kann. Im Trubel der Aktion aufbrechende Diskussionen führen wohl kaum weiter.

Ich finde schade, dass ich gar nicht weiß, ob die muslimischen Kinder in meiner Klasse fasten...

Mitunter trifft man seitens Muslimen auf die Befürchtung, dass das Fasten auf Unverständnis oder Ablehnung stoßen könnte. Darum versuchen manche muslimischen SchülerInnen kein Aufhebens davon zu machen und dies vor KlassenkollegInnen und LehrerInnen eher zu verbergen. Solche Dinge offen anzusprechen kann aber beiden Seiten nur nützen. Das muslimische Kind gerät nicht in Verlegenheit, wird ihm etwas zu essen angeboten,  die Lehrkraft weiß die Situation besser einzuschätzen.

Und wann wird das Fasten dann Pflicht?

Mit Erreichen der Pubertät, dem Zeitpunkt von dem ab der Heranwachsende als religiös mündig gilt.

Wie ergeht es Berufstätigen mit dem Fasten?

Während der Fastenzeit soll man seinen Alltag nach Kräften genauso meistern und mit dem gleichen Elan arbeiten wie sonst auch, denn Fasten soll nicht zu Müßiggang führen, sondern im Gegenteil zu Konzentration in aller Aktivität. Viele Berufstätige sind noch unterwegs, wenn die Dämmerung einsetzt und können nicht gleich zu Hause essen. Zum Fastenbrechen nehmen sie dann oft einfach ein paar Datteln zu sich, bis es Gelegenheit für eine größere Mahlzeit gibt. Berufstätige sollen also wie sonst auch möglichst voll im Leben stehen und sich als Teil der Gesellschaft sehen, für deren Wohlergehen sie Mitverantwortung tragen.

Dann hat der Ramadan also einen sozialen Aspekt?

Natürlich! Beim Fastenden wird ein Solidaritätsgefühl mit den Menschen geweckt, für die der Zugang zu Nahrung immer schwierig ist. Das soll auch dazu anspornen, gerade in diesem Monat freigiebig zu sein und unabhängig von der vorgeschriebenen Zakat (Pflichtabgabe von 2,5 % des stehenden Vermögens jährlich an selbst zu bestimmende Bedürftige) Spenden an Arme zu geben. Vor dem Ende des Monats muss die sogenannte „Zakat al fitr“ bezahlt werden, sonst wäre das Fasten nicht vollständig. Dieser Betrag geht auch an caritative Zwecke. Pro Kopf in der Familie muss der Gegenwert für eine Mahlzeit geleistet werden. Man soll dabei das geben, was auch dem eigenen Lebensstandard entspricht. Wenigstens am Feiertag soll kein Mensch in der Gesellschaft Hunger leiden müssen. Das hat auch etwas mit dem Anspruch des Islam zu tun, soziale Gerechtigkeit verwirklicht sehen zu wollen.

Und wohin geben die Muslime hier in Österreich ihre Spendengelder?

Viele der ca. 60 Gebetsstätten allein in Wien bietet zum Fastenbrechen ein Gratismenu für alle an, die sich einfinden. Das Geld dazu stammt aus solchen Spenden.

Daneben soll man im Islam schauen, wo in unmittelbarer Umgebung Hilfe gebraucht wird und dort möglichst unauffällig Unterstützung gewähren. Denn aus dem eigenen sozialen Engagement eine Show zu machen, könnte die gute Absicht in Frage stellen.

Viele Muslime geben aber auch Geld in Länder, wo Hilfe dringend gebraucht wird und aus denen sie vielleicht ursprünglich stammen, so dass es vielleicht sogar persönliche Kontakte gibt und die Hilfe direkt ankommt.

In den Gebetsräumen ist dann im Ramadan mehr los?

Ja, man kommt auch zu einem speziellen Gebet in der Dunkelheit zusammen. Dies wird oft so gestaltet, dass über den Ramadan hinweg während dieses Gebets der in dreißig Abschnitte geteilte Koran durch den Imam, den Vorbeter, mit schöner Stimme kunstvoll rezitiert wird. Manche Leute halten während der letzten zehn Nächte eine besondere Andacht, zu der sie die Moschee gar nicht verlassen.

Und die Frauen?

Die Moschee ist prinzipiell ein Ort für Frauen und Männer. Die Frauen nehmen gerade am Gebet im Ramadan zur späten Abendzeit gerne teil. Und wenn sie zum Beispiel  wegen kleiner Kinder zu Hause bleiben, so treffen sie sich doch nach Möglichkeit untereinander. Dann kann auch eine Frau die Vorbeterinnenrolle übernehmen.

 Liegt ein besonderes spirituelles Erlebnis im Ramadan?

Der Ramadan gilt als „Monat des Koran“, weil die erste Offenbarung an den Propheten Muhammad im Ramadan erging. Einige Nächte, besonders die „Nacht der Allmacht“, von der man nur weiß, dass sie im letzten Drittel des Ramadan liegt, gelten als besonders segensreich. So bemüht man sich um ein intensives Koranstudium und darum, den Koran wenigstens einmal ganz durchzulesen. Die Fastenzeit macht besonders empfänglich dafür, sich Zeit zum Innehalten zu nehmen. Meint „Islam“ Frieden finden und fördern zwischen sich und Gott und zwischen sich und den Menschen, so ist diese Zeit besonders reich, wieder ein Stück auf diesem Weg zu gehen.

Und ist das Verhältnis zu anderen Menschen im Ramadan dadurch ein anderes?

Vielleicht ein bewussteres. Denn das Fasten würde seinen Wert verlieren, wenn man gleichzeitig etwa schlechte Nachrede im Mund führen würde, im Umgang ungeduldig ist oder sich zu Streit herausfordern lässt. Gibt es im Ramadan noch etwas, was man im Verhältnis zu einem anderen Menschen gerne bereinigen würde, so ist jetzt ein besonders willkommener Zeitpunkt. Der Ramadan gilt auch als Monat der Versöhnung.

Aber wenn der Ramadan vorbei ist, dann gibt es ein Freudenfest, dass alles überstanden ist?

Ein Fest schon und auch aus Freude - in der Zuversicht, dass Gott das Fasten annehmen möge. Viele Muslime sind aber auch ein wenig wehmütig, weil die besondere Stimmung des Ramadan nun zu Ende geht. Man sagt ja, dass der Ramadan auch ein Motor für das übrige Jahr sein soll, sich mit sich selbst und seiner Umwelt im reinen zu finden.

Und wie wird gefeiert?

Das Fest nach Ramadan, arabisch Eid, türkisch und bosnisch Bayram, heißt mancherorts auch „Zuckerlfest“, weil vor allem die Frauen die Taschen voller Zuckerln haben, um alle Kinder damit beschenken zu können.

Der familiäre Charakter ist ganz wichtig. Kinder dürfen sich über neue Kleidung freuen, bekommen ein Extra-Taschengeld, um sich kleine Wünsche erfüllen zu können oder die Eltern haben Geschenke vorbereitet. Viele Männer beschenken auch ihre Frau mit neuem Gewand oder bereiten ihr eine andere Freude. Anschaffungen werden gerne jetzt getätigt. Verwandtenbesuche sind am ersten Tag üblich, am zweiten besucht man sich im Bekannten- und Freundeskreis. Die festlich hergerichteten Wohnungen stehen zu den Feiertagen weit offen, weil immer wieder auch überraschend Besucher vorbeikommen können.

Eine religiöse Feier gibt es auch?

Ganz in der Früh findet ein Gebet in der Moschee statt, zu dem die Familien zusammenkommen. Dieses Gemeinschaftsgebet wird möglichst zentral und allgemein gehalten. Die kleineren Gebetsräumlichkeiten haben daher häufig für diesen Anlass geschlossen, damit sich alle zusammenfinden. Bei schönem Wetter liegen manchmal sogar die Gebetsteppiche im Freien, um allen Menschen Platz bieten zu können. Das Fest kann ja in verschiedenen Jahreszeiten liegen  und gewinnt seinen Charakter so nicht unbedingt aus der jahreszeitlichen Stimmung.

Das ist auch von den Sprachen her ein buntes Gemisch, denn Menschen vieler verschiedener Ursprungsländer treffen sich. Dabei wächst die Gruppe der sogenannten zweiten und dritten Generation ständig. Deutsch ist immer selbstverständlicher die gemeinsame Sprache.

Carla Amina Baghajati
Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich
Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
e-mail: baghajati@aon.at
www.islaminitiative.at
www.derislam.at