Toleranz im Islam ist verpflichtend

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Wenn Bundesministerin Fekter den "gemäßigten Islam" stärken möchte, wäre das Toleranzgebot des Islam von ihr zu betonen und nicht mit der Aussage "Toleranz ist absolutes No go im Islam" Muslimen in Bausch und Bogen abzusprechen. Somit nimmt sie den "Gemäßigten" geradezu ihren religiösen Boden. Denn Wesensmerkmal "gemäßigter Muslime" ist es, jenes Potential ihrer Religion besonders bewusst zu leben, das zu sozialem Ausgleich, Verständnis für andere und Einsicht in von Gott gewollten Pluralismus erzieht. Damit können sie ein Gegengewicht zu jenen zahlenmäßig sehr geringen, aber umso lauteren und gewalttätigeren Kräften bilden, die derzeit das Bild des Islam so nachhaltig schädigen.

Glaubwürdigkeit und Überzeugung gewinnen die "Gemäßigten" dabei, weil sie sich eben auf die muslimischen Quellen beziehen können. Belege für Toleranz als muslimisches Gebot finden sich im Koran, siehe unten angeführte Zitate.

Diese muslimische Argumentation ist ein Schlüssel dazu all jenen, die den Islam als Legitimation für Intoleranz und Gewalt instrumentalisieren, Paroli zu bieten und vor allem ihre etwaige Anziehungskraft bei Frustrierten zu stoppen. Die Islamische Glaubensgemeinschaft hat hier immer wieder sehr wichtige Impulse gesetzt, etwa durch die Europäischen Imamekonferenzen und ihre Abschlussdokumente. Zuletzt im Mai 2010 unter dem Motto "Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht.." (Koran 2:143)

(siehe: http://www.derislam.at/haber.php?sid=181&mode=flat&order=1)http://orf.at/#/stories/2011749/ 

Die jüngste Wortmeldung von Frau Bundesministerin Fekter zeigt daneben den dringenden Bedarf auf, endlich sorgfältiger mit der Bezeichnung muslimischer Gruppierungen und Strömungen umzugehen. Derzeit scheinen die Etikettierungen vor allem auf das Auslösen gewisser Assoziationen zu setzen. "Gemäßigter Islam" steht dann auf einmal für: "nimmt es mit dem Islam nicht so genau, daher ein "Guter". "Gemäßigt" muss aber das Praktizieren der Religion einschließen. Denn gerade zur Lösung der Aufgabe, Muslime als Teil der Gesellschaft zu integrieren, wird es solcher Muslime bedürfen, die glaubwürdig für ihre Glaubensgeschwister aufzeigen, dass es absolut vereinbar ist sich gleichzeitig als Muslim/in und Österreicher/in zu begreifen. Für uns Muslime muss dieser Trend "gemäßigt" in positivem Sinne schon in die Nähe von "religionsfern" zu rücken als ernster Indikator verstanden werden, wie dringend erforderlich Wissen über den Islam ist, um gegen Ängste angehen zu können.

Tausende Muslime in Österreich üben parallel zum derzeitigen Fasten im Ramadan Tugenden wie Geduld, Zurückhaltung und Einfühlungsvermögen. Sie zeigen damit, wie ihre Religion sehr praktische Wege geht, das persönliche Toleranzvermögen immer wieder zu stärken. Wünschenswert wäre, dass dieses Zeugnis einer solchen Mehrheit der Muslime wahrgenommen würde. Wenn ihnen stattdessen generell die Toleranzfähigkeit abgesprochen wird, bedient das nur die Dämonisierung von Muslimen wie sie FPÖ/BZÖ als Wahlkampfprogramm betreiben.

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati
Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Anhang: Zitate zu Toleranz aus dem Koran

"Es gibt keinen Zwang im Glauben..." (Sure 2, Vers 256)

"Für jeden von euch haben Wir ein Gesetz und einen Lebensweg aufgezeigt. Und wenn Allah gewollt hätte, hätte Er euch zu einer einzigen Gemeinschaft gemacht. Doch Er wollte euch prüfen in dem, was Er euch gegeben hat. Darum wetteifert miteinander in guten Werken. Zu Allah werdet ihr alle zurückkehren. Dann wird Er euch Kunde geben davon, worüber ihr zu streiten pflegtet." (Sure 5, Vers 48) - Diese Stelle wurde zur Inspiration für Gotthold Ephraim Lessings Ringparabel in "Nathan der Weise".

"Und beleidigt nicht diejenigen, die sie anstelle von Allah anbeten, damit sie nicht aus Feindseligkeit Allah beleidigen, ohne es zu wissen.

So ließen wir jeder Gemeinschaft ihr Tun schön erscheinen. Dann ist zu ihrem Herrn ihre Rückkehr und Er wird ihnen Kunde geben davon, was sie zu tun pflegten." (Sure 6, Vers 108)

"Und hätte dein Herr es gewollt, so hätten alle, die insgesamt auf Erden sind, geglaubt. Willst du also die Menschen zwingen, Gläubige zu werden?" (Sure 10, Vers 99)

"Sprich: O ihr Menschen, nun ist die Wahrheit von eurem Herrn zu euch gekommen. Wer nun dem rechten Weg folgt, der folgt ihm allein zum Heil seiner eigenen Seele; und wer in die Irre geht, der geht nur zu seinem eigenen Schaden irre. Und ich bin nicht euer Hüter." (Sure 11, Vers 108)

"Und sprich: Es ist die Wahrheit von eurem Herrn: darum lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will." (Sure 18, Vers 29)

"Oh ihr Menschen! Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und zu Völkern und Stämmen gemacht, auf dass ihr einander erkennen möget.

Wahrlich, vor Allah ist jener von euch der Angesehenste, welcher der Gerechteste (Gottesfürchtigste) ist. (Sure 49, Vers 13)

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