Was Holland von Österreich lernen könnte

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Was Holland von Österreich lernen könnte

". . . Islamisten in Österreich auf Vormarsch" (Schlagzeile "Die Presse" 13. 11.) Jeder zweite Journalist agiert gerne im Nebenberuf als Islamexperte und handhabt die Furcht einflößenden Begriffe "islamischer Fundamentalismus" oder "Islamismus" mit der größten Selbstverständlichkeit, ohne dass diese je definiert worden wären. Höchste Zeit auf einige grundlegende Unterschiede hinzuweisen: In Österreich ist seit 1979 eine offizielle Vertretung der Muslime installiert, die auf gleicher Augenhöhe mit anderen religiösen und politischen Institutionen handelt. Im Falle eines Filmes mit für Muslime beleidigendem Inhalt würde sofort ein Diskurs durch die Islamische Glaubensgemeinschaft sowohl in Richtung der nicht muslimischen Mehrheit, als auch in Richtung muslimischer Bevölkerung eingeleitet. So könnte einerseits die Stimme der Muslime öffentlich gemacht werden und der mögliche Unmut der Gemeinde, wenn ihr Glaube in den Schmutz gezogen wird, absorbiert werden. Andererseits könnte seriös über Kritik diskutiert werden.

Die exzellenten Kontakte zu verschiedenen Institution schenken den Muslimen in Österreich ein besonderes Selbstbewusstsein, das ihnen hilft, Angriffe gelassener hinzunehmen. Wo sonst werden Muslime zum Iftar (Mahlzeit nach dem Fastenbrechen im Ramadan) beim Bundespräsidenten oder beim Bürgermeister der Bundeshauptstadt eingeladen?

Im Wiener Landtag und in vielen Bezirken agieren mehrere Muslime als gewählte Mandatare, die die der muslimischen Gemeinde widerspiegeln, zwar kritisch, jedoch nicht gegeneinander. Auch religiös praktizierende Muslime, die sonst keine direkte Stimme haben, sehen sich hier vertreten. Die politische Partizipation machte auch das Eingebundensein in den Österreichkonvent zu einer leider zu wenig wahrgenommenen Selbstverständlichkeit. Als einzige Glaubensgemeinschaft wurde die Stellungnahme im österreichischen Parlament durch eine Frau vorgetragen - mit Kopftuch.

Der Umgang mit Meinungsvielfalt und Respekt vor dem anderen wird nicht nur in "Freitagspredigen" gepflegt, sondern gelebt. Wo gibt es sonst bekennende Nichtmuslime, die im Vorstand islamischer Bildungsorganisationen sitzen, eine bekennende Katholikin als Abteilungsleiterin an der Islamischen Religionspädagogischen Akademie? Wo gibt es einen Direktor eines islamischen Gymnasium, der der nichtmuslimischen Mehrheitsgesellschaft angehört? Wo sonst werden gemeinsame Anliegen von Muslimen und Juden (Beispiel: Tierschutzgesetz) gemeinsam politisch vertreten?

All diese Aspekte dienen einem friedlichen Miteinander statt einem bloß geduldeten Nebeneinander. Natürlich gibt es noch viel zu tun. Und selbstverständlich können wir nicht als Oberlehrer auftreten, sondern können auch in sehr vielen Punkte von anderen (insbesondere von Holland, Stichwort Anzahl der sichtbaren Moscheen und Großbritannien, Stichwort muslimische Polizistinnen mit Kopftuch) lernen.

Die Entwicklungen sind wie junge Pflänzchen, die gepflegt werden sollten, um auch Modellwirkung nach außen, insbesondere im EU-Bereich zu gewinnen. Schon jetzt wird Österreich von vielen Staaten als Vorbild, was den Umgang mit Muslimen betrifft, positiv erwähnt. Wir sollen diese Leistungen wirklich nicht kleinreden.

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