zum Interview mit Herrn Oberkantor Shmuel Barzilai: "Radikaler Islam ist ein Problem"

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Anmerkung: dieser Brief erging an Herrn  Oberkantor Shmuel Barzilai, an die IKG und  auch an die Presse-Redaktion mit der Bitte um Berücksichtigung in der Berichterstattung bzw. um Veröffentlichung! Da der Brief keinen privaten Charakter besitzt, veröffentlichen wir ihn hiermit zur allgemeinen Information.

Sehr geehrter Herr Oberkantor Shmuel Barzilai!

Sie werden im "Die Presse"-Interview, Print-Ausgabe, 19.07.2010

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/582029/index.do

mit der Aussage zitiert "Der Koran empfehle die Verfolgung Ungläubiger". Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass diese Aussage falsch ist. Diese Behauptung ist ein Stehsatz populärer islamfeindlicher Hetze. Das Phänomen von entstellten oder erfundenen Zitaten aus heiligen Schriften, die der Legitimation rassistischer Argumentationen dienen sollen, ist Ihnen sicher nicht unbekannt. Schließlich wendet auch der Antisemitismus eben diese Methode gerne gegen das Judentum an.

Ich möchte Sie bitten tatsächlich "nicht weiter Öl in das innerösterreichische Feuer zu gießen". Die Behauptungen zur Gaza-Flotte werden auch nicht wahrer, desto öfter sie wiederholt werden. Es fand hier ein Verbrechen eines Staates in internationalen Gewässern statt. Wäre die israelische Regierung von ihrer eigenen Unschuld überzeugt, so hätte sie einer unabhängigen Kommission zugestimmt und das vorhandene Bildmaterial freigegeben.

Doch selbst wenn wir uns hier nicht einig werden sollten, dürfen wir diesen politischen Konflikt nicht weiter religiös aufladen. Die Provokationen der IKG gegenüber der IGGiÖ und die anhaltende verbale Eskalation stimmt mich traurig. Ich wünsche mir als österreichischer Muslim, dass Juden und Muslime baldigst, zumindest in Österreich, zu einem vernünftigen und freundschaftlichen Miteinander zurückfinden. Unsere gemeinsamen Anliegen - wie etwa der Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit - sollten fortan wieder im Vordergrund stehen.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Tarafa Baghajati,
Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

PS: zur Information eine drei minütige Rede in Astana-Konferenz


OSCE High Level Conference on Tolerance and Non-Discrimination

28. – 30. Juni 2010, Astana - Kasachstan

Herr Rabbi Schneyer äußerte in seiner Rede gegen Islamfeindlichkeit den Wunsch, dass auch ein Imam sich gegen Antisemitismus ausspreche. Am Nachmittag desselben Tages, der dem Themenkomplex Antisemitismus gewidmet war, ergriff Tarafa Baghajati die Gelegenheit dem Wunsch Rabbi Schneyers nachzukommen. Im Folgenden der dreiminütige Redebeitrag:

„Von Rabbi Schneyers Worten bin ich heute Vormittag sehr berührt worden. Ich bin österreichischer Muslim, in Damaskus geboren und aufgewachsen, und aktiver Imam in Wien. Wir Muslime verurteilen Antisemitismus auf das Schärfste. Juden sind Ahl ul Kitab, „Leute des Buches“. Wir strecken unseren jüdischen Geschwistern die Hand entgegen. Einen Wunsch möchte ich in Zusammenhang mit den bisher vorgebrachten Redebeiträgen ansprechen. Es sollte nicht konsequent der Nahost-Konflikt mit der Frage des Antisemitismus vermengt werden. Der Konflikt Israel/Palästina ist ein politischer um Land, Menschenrechte und Besatzung und kein religiöser Konflikt zwischen Juden und Muslimen. Und schon gar keiner zwischen Judentum und Islam. Jüdische Menschen können und dürfen nicht verantwortlich gemacht werden für die Politik des Staates Israel. Ebenso wenig ist es möglich, die Muslime verantwortlich für das Verhalten von Regierungen in mehrheitlich islamischen Ländern zu machen. Es bereitet mir Unbehagen, dass Solidarität mit Palästina und dem palästinensischen Volk und/oder Kritik am Staat Israel – sei es manifestiert durch Demonstrationen oder andere politische Aktivitäten – reflexartig von manchen Gruppierungen als antisemitisch eingestuft werden. Lassen Sie uns gemeinsam gegen alle Formen von Diskriminierungen, gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit kämpfen - so werden unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt sein!“ Ende

Tarafa Baghajati, Astana, 29. Juni 2010

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