Goethe und der Islam

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Goethe und der Islam

„Gottes ist der Orient, Gottes ist der Okzident. Nord und südliches Gelände ruht im Frieden Seiner Hände.“ - Goethe ein Freund des Islam mit nachweisbaren Einflüssen in seinem Werk?  Sein 175. Todesjahr bringt diese Aspekte ins Gespräch, wobei sich Katharina Mommsen besonders verdient macht, deren umfassende Studien durch Peter von Arnim bearbeitet und neu herausgegeben wurden.

 

Inmitten aufgeregter Debatten zum Islam zu entdecken, wie alt gewisse Diskurse sind, fördert Abgeklärtheit und Gelassenheit. Goethes Zugang mutet so noch immer „fortschrittlich“ an – ohne dass er sich von jeglicher Seite vereinnahmen ließe.

 

Das Streben nach Authentizität im Umgang mit dem Koran beeindruckt. Kritisch begegnete er der Unzulänglichkeit vieler europäischer Übertragungen in ihrer ideologischen Verengung auf einen „Lügenpropheten“, der „entlarvt“ werden sollte. Im persischen Dichter Hafis fand er seinen "Zwillingsbruder".

 

Goethe stemmte sich dagegen, aufklärerische Religionskritik von quasi sicherer Warte über die fremde Religion „Islam“ abzuhandeln, wie dies etwa Voltaire in einem polemischen Theaterstück unternommen hatte. Ähnlich wie Lessing und Herder schöpft Goethe bei der Ausformung des Toleranzgedankens bewusst aus der Geisteswelt des Islam, inspiriert von der Ethik des Handelns, einer dem Diesseits zugewandten Lebensbejahung und Naturbezogenheit, sowie universalem Gerechtigkeitsempfinden.

 

Als etliche Romantiker angesichts des um Identität und Stabilität ringenden Europa von einem einigenden (katholischen) Christentum träumten, lehnte er diese Perspektive ab. Seine Vision einer Völker verbindenden „Weltliteratur“ verdient in Zeiten der Globalisierung als Gegenmodell zum "Kulturkampf" wiederentdeckt zu werden, gerade auch von Muslimen.

 

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