STELLUNGNAHMEN, Kein Friede ohne Begegnung

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STELLUNGNAHMEN
Kein Friede ohne Begegnung 
Ein Aufruf der „Plattform Christen und Muslime“ 
Christen und Muslime - Plattform Österreich

Nach dem abscheulichen Terroranschlag vom 2. November in der Wiener Innenstadt brauchte es den mutigen Einsatz der Polizei und die folgenden gerichtlichen Maßnahmen. Was aber nun in der politischen Diskussion zum Vorschein kommt, dient einem friedlichen Zusammenleben nicht. Zwar betont unser Bundeskanzler, dass hier kein Kampf gegen die Religion des Islam geführt werde, sondern nur gegen den „politischen Islam“.

Aber: Jede Religion ist politisch, auch das Christenrum, wenn sie sich für soziale Gerechtigkeit und ein respektvolles Miteinander einsetzt. Feinde unserer Gesellschaft müssen beim Namen genannt werden: Menschen und Gruppen, die gegen Demokratie und Rechtsstaatlichkeit auftreten, gegen andere Religionen als die eigene, gegen Minderheiten und Geschlechtergerechtigkeit. Mit dem Unwort „politischer Islam“ drängt die Politik Muslim/innen in unserem Land in eine Abwehrhaltung, die notwendige innerislamische kritische Diskussionen behindert.

Einander besser verstehen

Die Geburtsstunde der „Plattform Christen und Muslime“ hat mit der Frage zu tun, wie auf Spannungen reagiert werden soll. Der Streit um die dänischen Mohammed-Karikaturen führte 2006 zu blutigen Auseinandersetzungen. Einige von uns, darunter der 2011 zu früh verstorbene Paul Schulmeister, initiierten daraufhin die „Plattform Christen und Muslime“, getragen von muslimischen und christlichen Persönlichkeiten. Es sollte ein Akzent für gegenseitiges Vertrauen gesetzt werden. Auf den „Tag des Zorns“ in der islamischen Welt reagierte die Plattform mit einem öffentlichen „Tag des Dialogs“ in der Wiener Innenstadt, an dem prominente Christ/innen und Muslim/innen teilnahmen.

Für das geistige und soziale Klima

Seither bemüht sich die „Plattform“, ab 2014 als eingetragener Verein, der Überzeugung des Anfangs Geltung zu verschaffen: Öffentliche Gespräche und Veranstaltungen sorgten für ein besseres Verständnis der Religion des Islam. Denn nur Begegnung und Verständigung über gemeinsame Absichten und Ziele kann ein konstruktives Zusammenleben schaffen. Aus dieser Verständigung sind auch gemeinsame wissenschaftliche Projekte und Publikationen hervorgegangen. Christen und Muslime sind, sowie alle Bürgerinnen und Bürger Österreichs, dazu aufgerufen, einander noch besser als bisher zu verstehen, noch mehr voneinander zu wissen – und noch mehr aufeinander zu achten . . . Unser Umgang miteinander prägt nicht nur das geistige und soziale Klima in Österreich, er beeinflusst auch das politische Klima in Europa und das Zusammenleben in einer globalen Schicksalsgemeinschaft (aus unserer Grundsatzerklärung).

Für neue Prozesse der Begegnung

Die „Plattform Christen und Muslime“ gibt nicht auf, für die permanente Verständigung mit muslimischen Mitbürger/innen zu plädieren. Österreich hatte seit den Zeiten der Monarchie eine anerkannte und tolerante Tradition des respektierenden Umgangs mit seiner muslimischen Bevölkerung. Daran können sich Politik und Glaubensgemeinschaften immer noch ein Beispiel nehmen. Es kommt darauf an, schreibt Papst Franziskus in seiner neuen Enzyklika nach seiner Begegnung mit muslimischen Würdenträgern, „Prozesse der Begegnung in Gang zu setzen“ (217). Deshalb bittet die „Plattform Christen und Muslime“ insbesondere die christlichen Kirchen, mehr zu tun, als gemeinsam Trauerkundgebungen abzuhalten. Notwendig ist eine neue Initiative zum permanenten Gespräch, um die muslimischen Mitbürger und Mitbürgerinnen wirklich zu beheimaten und den Extremisten langfristig den Boden zu entziehen.

Tarafa Baghajati und Susanne Heine

– Vorsitzende –OP

Datum: 
Dienstag, 17 November, 2020
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