Kurzbericht und zwei Vorträge 8. Oktober 2011

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Vorträge beim Multi Kultur Festival,

Wiener Messegelände, 8. Oktober 2011

Kurzberichte

Auf Einladung der Islamischen Union Kulturzentren UIKZ in Österreich und in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Islamischen Religionsgemeinde Wien wurden im Rahmen des Multikulturfestivals der UIKZ zwei wichtige Vorträge von Univ. Prof. Susanne Heine und Dr. Peter Pawlowsky gehalten. Beide Vortragenden, langjährig im Bereich des interreligiösen Dialogs aktiv, wurden zuerst von Kulturreferent der IRG Tarafa Baghajati vorgestellt. Nach den Vorträgen gab es eine gemeinsame Begehung. Der Vorsitzende der UIKZ, Herr Ali Yimaz, bedankte sich herzlich bei den Vortragenden für diese wichtigen Impulse und für die starke Bereicherung des Festivals.

Im Folgenden veröffentlichen wir gerne eine kurze Zusammenfassung der Vorträge zur allgemeinen Information.

Anfragen an

Tarafa Baghajati, baghajati [at] aon.at  , 

Kulturreferent der Islamischen Religionsgemeinde Wien (IRG-Wien)


Susanne Heine

Theologin, Professorin an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien

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Einige Stationen, an denen ich der Religion des Islams in Gestalt von gläubigen und glaub­würdigen Menschen begegnet bin, denen ich viel verdanke; durch sie habe ich eine hohe und anspruchsvolle Dialogkultur kennengelernt:

Anfang der 1980er Jahre begegnete ich Abdoldjavad Falaturi im Rahmen der „Internationalen Gesellschaft für Weltreligionen in der Pädagogik“. Falaturi, damals Leiter der Islamischen Akademie in Köln, betrieb ein Forschungsprojekt, das alle Schulbücher in allen europäischen Ländern auf die Darstellung des Islams hin untersuchen sollte. Ich war für Österreich zustän­dig (1995 als Buch erschienenen: Islam zwischen Selbstbild und Klischee). Falaturi war auch bei uns zu Hause zu Gast – mit noch einem anderen Gast, der mir wiederum eine neue Welt erschlossen hat, nämlich Ägypten. Dieser Gast war Mahmoud Zakzouk, damals Professor für Philosophie an der Al-Azhar, später Minister für religiöse Angelegenheiten. Ihm danke ich Einladungen zu den Dialogkonferenzen in Kairo.

Das Schulbuchprojekt brachte mich auch in Kontakt mit der Islamischen Glaubens­gemein­schaft in Österreich und ihrem damaligen Präsidenten Ahmed Abdelrahimsai. Im Rahmen nationaler und internationaler Konferenzen lernte ich Smail Balic kennen und traf auch Groß­mufti Mustafa Ceric. Gespräche über unsere Religionen durfte ich auch mit Prof. Anas Schakfeh erleben, den ich im Abrahamitischen Freundeskreis der Kontaktstelle für Weltreligi­onen der Österreichischen Bischofskonferenz kennengelernt hatte. Ein Kongress, der das Werk von Smail Balic würdigte, führte mich als Vortragende nach Sarajevo.

Aber auch in die türkische Welt durfte ich einen Einblick gewinnen. Der Höhepunkt war für mich eine Einladung zu einem Diyanet-Kongress in Istanbul, an dem ich mit einem Vortrag, in einer regelmäßigen Arbeitsgruppe und an einem Fernsehgespräch teilnahm.

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Ich wurde heute eingeladen, ein Buch vorzustellen, das Anfang des nächsten Jahres erschei­nen wird. Es trägt den Titel „Muslime in Österreich“. Dieses Buch richtet sich an die breite nicht-muslimische Öffentlichkeit, um über Sachverhalte zu informieren, die wenig bekannt sind, und mit dem Ziel, Vorurteile und Unterstellungen gegenüber dem Islam auszuräumen. Dieses Buch hat drei Schwerpunkte und damit drei Autoren, die den Text gemeinsam gestaltet haben:

Der eine Teil betrifft Recht und Rechtsgeschichte, die zur Anerkennung der Religion des Islams als Körperschaft öffentlichen Rechts geführt hat. Verfasser ist Richard Potz, Professor am Institut für Recht und Religion an der Universität Wien.

Der andere Teil behandelt das muslimische Leben in Österreich, also die Praxis einer aner­kann­­ten Religion: Religions­unterricht, Ausbildung, Seelsorge, Moscheebauten, Friedhöfe, Geschlechterrollen, Familienrecht, Speise- und Bekleidungsvorschriften, muslimi­sche Feste. Verfasser ist Rüdiger Lohlker, Professor für Islamwissenschaft am Institut für Orientalistik an der Universität Wien.

Der abschließende Teil ist der Religion gewidmet und stammt aus meiner Feder: Vorgestellt werden die Entstehungsgeschichte des Islams, eine kleine Geschichte des Propheten Muham­mad, Stationen der Geschichte sowie die Folgen des Kolonialismus. Es geht in diesem Teil aber auch um eine Gegenüberstellung von Islam und Christentum, um wechselseitige Miss­verständnisse zu kor­rigieren. Das letzte Kapitel ist den christlich-muslimischen Begegnungen und Gesprächen in der Geschichte und heute gewidmet. Die Arbeit an dem Manuskript war für mich die Erfah­rung einer sachlichen und freundschaftlichen Zusammenarbeit.

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Der Tenor des Buches ist die gegenseitige Wertschätzung zwischen Christen und Muslimen.

Denn wir treten ein:

  • Für die Überzeugung, dass alle Menschen ohne Ausnahme Geschöpfe Gottes sind.
  • Dafür, dass Christentum und Islam zwei eigenständige Religionen darstellen.
  • Für einen Dialog, in dem nicht Religionen miteinander sprechen, sondern Menschen, die in ihrem je eigenen Glauben verwurzelt sind.
  • Für die Korrektur und den Abbau von Vorurteilen auf beiden Seiten.
  • Für mehr religiöse Bildung auf allen Ebenen – Schule, Universität, Medien usw.
  • Für den Schutz von Minderheiten.
  • Für eine Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Glaubens in Frieden und guter Nachbarschaft zusammenleben.
  • Dafür, dass wir einander die Konfliktgeschichte nicht vorrechnen und uns nicht davon abbringen lassen, miteinander den Frieden zu suchen.

Peter Pawlowsky

Journalist, ehemals Hauptabteilungsleiter im ORF, Leiter der kritischen „Laieninitiative“

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Ich habe sieben Jahre die Religionsabteilung im österreichischen Fernsehen geleitet. Dabei bin ich immer wieder auf das Missverständnis gestoßen, Religion im ORF wäre eine Sache der (christlichen) Kirchen. „Kirchenfernsehen“ und „Kirchenfunk“ sagten die Leute. Das ORF-Gesetz sagt etwas ganz Anderes; der ORF muss „die angemessene Berücksichtigung der Bedeutung der gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesell­schaften“ sicherstellen.

Das geschieht in zwei Religionsabteilungen, eine im Fernsehen auf dem Küniglberg, die andere im Radio in der Argentinierstraße. Beide Abteilungen sind selbstständige und unabhän­gige ORF-Abteilungen wie etwa Information oder Sport. Daher kümmern sie sich nicht nur um die christlichen Kirchen, sondern ebenso um den Islam, das Judentum oder den Buddhis­mus. Wenn Sie das Programm beobachten, werden Sie sehen (und hören), dass alle Religio­nen ein wichtiger Bestandteil des kulturellen Programms im ORF sind.

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Als der Streit um die dänischen Karikaturen über den Propheten Muhammad ausbrach, wurde versucht, dem Streit etwas entgegenzusetzen. So ist die „Plattform Christen und Muslime“ entstanden. In der 2006 herausgegebenen Erklärung, die viele prominente Unterschriften trägt, heißt es u. a.: „Jeder Versuch, uns Christen und Muslime gegeneinander auszuspielen, widerspricht dem, was wir aus der Geschichte gelernt haben, es widerspricht unseren gemein­samen Wünschen und den Erfordernissen, die unsere Heimat an uns stellt.“

Als in der islamischen Welt der „Tag des Zorns“ ausgerufen wurde, haben wir einen „Tag des Dialogs“ veranstaltet – mit einer öffentlichen Bühne auf dem Josefsplatz. Als behauptet wurde, die Gipfelkreuze auf unseren Bergen würden durch Halbmonde ersetzt, haben wir einen gemeinsamen Ausflug auf den Peilstein gemacht. Und auf dieser Linie der Verständi­gung arbeiten wir als Freunde und Freundinnen muslimischen und christlichen Glaubens weiter.                                                            Zur Information: www.christenundmuslime.at

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