Zurückweisung unqualifizierter Angriffe der Israelitischen Kultusgemeinde auf eine Demonstration als

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Dialogkultur zwischen Juden und Muslimen in Österreich nicht gefährden!

Von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon bis US-Präsident Obama, von Gremien der EU bis zum Wiener Gemeinderat drückten maßgebliche politische Stimmen ihre Ablehnung des Angriffes israelischer Streitkräfte auf die Hilfsflotte für Gaza aus, dem neun türkische Friedensaktivisten zum Opfer fielen. Durch den internationalen Druck sieht sich der Staat Israel derzeit genötigt, seine Blockadepolitik gegen Gaza zu überdenken.

Vor diesem Hintergrund muss es sehr verwundern, dass die Israelitische Kultusgemeinde eine Demonstration, die genau jene Kritik zum Ausdruck brachte, wie sie weltweit gegen die Politik des Staates Israel laut wurde, frontal angreift. Dabei wird eine inhaltliche Auseinandersetzung vermieden. Stattdessen soll die Strategie diese Demonstration pauschal als "antisemitisch" zu diffamieren wohl jene für sie bequemen Denkschranken aufrecht halten, mittels derer die Politik Israels niemals kritisch in Frage zu stellen sei.

Als Islamische Glaubensgemeinschaft wiederholen und bekräftigen wir unsere Position, dass Kritik an der umstrittenen Politik des Staates Israel niemals in Antisemitismus münden darf. Der Konflikt im Nahen Osten ist ein politischer Konflikt und keinesfalls ein religiöser. In den Redebeiträgen der Demonstration zog sich dieser Gedanke wie ein roter Faden hindurch. Zwei jüdische Rednerinnen konnten dies durch ihre Beiträge verdeutlichen. Besonders weisen wir die unqualifizierten Angriffe auf Omar Al Rawi aufs schärfste zurück. Dies ist weder ein Konflikt zwischen Juden und Muslimen, noch einer zwischen Arabern/ Türken und Juden in Österreich. Im Gegenteil: Wir beziehen in Österreich eine klare Position im Kampf gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit. Und hier ist gerade Omar Al Rawi ein bekannter und anerkannter Proponent.

Aus tiefer Überzeugung und nicht aus gesellschaftspolitischem Kalkül haben wir jede Form des Antisemitismus immer verurteilt und treten aktiv dafür ein, hier in alle Richtungen bewusstseinsbildend zu wirken. Das lange und nachhaltige Engagement im interreligiösen Dialog spricht eine deutliche Sprache. Auch während der Konflikt im Nahen Osten seine Schatten nach Österreich wirft, finden Treffen zwischen Juden und Muslimen auf der Ebene des Dialogs statt und wird bei religiösen Themen mit Österreichbezug zusammengearbeitet.

Wir warnen davor, dieses gesellschaftliche Klima gegenseitigen Respekts und Akzeptanz aufs Spiel zu setzen, indem rechtschaffene Menschen, aufrechte Antifaschisten und Gegner jeglicher Art von Diskriminierung als "Hetzer" ins Eck gestellt werden sollen. Sie dürfen auch nicht in Geiselhaft jener zwei oder drei Gestalten genommen werden, die außerhalb der Demonstrationskultur der Kundgebung agierten. Mit der Verurteilung inakzeptabler Plakattexte wissen wir uns eins mit den Veranstaltern der Demonstration. Bei der Demonstration war gleichzeitig positiv zu bemerken, dass untereinander scharf beobachtet wurde, dass solchen Äußerungen kein Raum gegeben wird. Selbstverständlich sind auch jegliche Übergriffe auf Juden in aller Entschiedenheit zu verurteilen.

Wir hoffen, dass der bisherige Konsens zwischen der Islamischen Glaubensgemeinschaft und der Israelitischen Kultusgemeinde eine fruchtbare Dialogkultur in Österreich zu pflegen, erhalten bleibt, obwohl wir wissen, dass wir in der Palästinafrage verschiedener Meinung sind.

Wien, am 16. Juni 2010
Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati
Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

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