Khorchide Mouhanad

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Leserbrief zum Artikel "es ist Feuer am Dach"

Leserbrief zum Artikel "Es ist Feuer am Dach"

In der Veranstaltung habe ich klar und deutlich festgestellt, dass ich die Studie des Kollegen Khorchide nicht kommentieren möchte, weil ich diese nicht kenne. Ich habe aus anderen Studien Beispiele gegeben, wo die Fragen die halbe Antwort beinhalten, z.B. wenn muslimische Jugendliche per Fragebogen beantworten sollen, ob sie sich primär als Muslime oder als Österreicher fühlen. Bei solchen irritierenden Fragen, in denen automatisch die Zugehörigkeit zum Islam indirekt als Widerspruch zum Österreicher sein darstellen darf man sich nicht wundern, wenn eine gewisse Anzahl der Befragten bei „Muslim" ankreuzt und dann wird sofort nach Skandal gerufen:  „Muslimische Jugendliche fühlen sich nicht als Österreicher".

Sollte die Frage über Demokratie bei der Studie des Kollegen Khorchide wirklich so gelautet haben: Sind Sie gegen Demokratie, weil sie mit dem Islam nicht vereinbar ist? dann ist die Frage wohl problematisch, weil sie implizit die Behauptung enthält, Demokratie wäre an sich gegen den Islam, was nicht der Fall ist. Aber darüber kann nur nach Durchsicht der Studie dabattiert werden. Zur Frage der Ausbildung hat Herr John offenbar nicht richtig zugehört. Ich habe von Imamen, die von den Gemeinden bestellt werden und nicht von Angestellten und schon gar nicht von Religionslehrern gesprochen.

Bei Muslimen wird noch immer die Tradition der mündlichen Überlieferung gepflegt, es gibt viele anerkannte Imame und auch Gelehrte, die wissenschaftlich und theologisch mehr Wissen besitzen als Uniabsolventen der diversen Scharia Fakultäten. Diese Tradition verdient auch in Europa Respekt. In der gesamten Geschichte und Gegenwart des Islam gibt es eine beachtliche Zahl von Gelehrten, die in ihrem „Brotberuf" ganz gewöhnlichen Berufen nachgehen.

Tarafa Baghajati, Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Wien, 29.01.2009

Links zum Artikel von Gerald John:

http://derstandard.at/?url=/?id=1231153221554

Kulturkampf, abgesagt

Österreichs Muslime bleiben nach Mohammed-Bashing gelassen

Susanne Winter, Spitzenkandidatin der rechten "Verhetzungspartei FPÖ" (Der Standard) für die Gemeinderatswahlen in Graz, ist über die Muslime hergezogen. Deren Prophet Mohammed sei nach heutigen Maßstäben ein "Kinderschänder" (wegen dessen Lieblingsfrau Aischa, die er noch im Kindesalter geheiratet hat). Außerdem habe er den Koran während "epileptischer Anfälle" geschrieben. Das reichte - wie zu erwarten war - für fette Schlagzeilen. Aber reicht es auch für eingeschlagene Fensterscheiben und brennende Botschaften wie beim Karikaturenstreit?

Eher nicht. Denn das Bemerkenswerteste an der gegenwärtigen Aufregung ist das Verhalten der österreichischen Muslime. Omar al-Rawi, Integrationsbeauftragter der Islamischen Gemeinschaft, sagte in einer spontanen Reaktion, die Wähler würden dies zu würdigen wissen. Imam Mouhanad Khorchide erklärte, man dürfe der FPÖ "nicht den Gefallen machen, sich aufzuregen". Carla Amina Baghajati, Sprecherin der Islamischen Gemeinschaft, forderte eine "vernünftige, konstruktive Diskussion", und Tarafa Baghajati, der umtriebige Vormann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, kündigte gar eine "Charmeoffensive" an - offene Moscheen und ganz viel Dialog.

Auch das offizielle Österreich ließ seine Muslime nicht allein. "Absolut inakzeptabel" seien Winters Sprüche, so Bundespräsident Heinz Fischer. Kanzler Alfred Gusenbauer sagte beim Festakt zum einjährigen Regierungsjubiläum: "Niemand hat das Recht, andere zu beleidigen." An dieser Stelle erhielt er den mit Abstand längsten Applaus. Die evangelische Kirche zeigte Susanne Winter wegen Volksverhetzung an.

Diesmal wird der clash of civilizations also mit vertauschten Rollen gespielt. Xenophobe fundamentalistische Wirrköpfe auf der einen Seite, die Muslime dagegen auf der Seite der Vernunft und des friedlichen Dialogs. Und nahezu das gesamte offizielle Österreich erklärt Frau Winter zum politischen Paria. Wunderbar, eigentlich. Liefe es immer so, der Kampf der Kulturen würde glatt ausfallen.

Geplante "Charmeoffensive"

Reaktionen: "Man kann das nicht totschweigen"

Die Grazer FP-Spitzenkandidatin sorgt mit ihren Attacken gegen den Islam für Empörung

Der palästinensische Scheich Adnan Ibrahim hat seine Predigt für das Freitagsgebet in der Leopoldstädter Schura-Moschee schon fast im Kopf. Der Imam, dessen Gotteshaus jede Woche vor allem arabische Gläubige aufsuchen, hat für seine Diplomarbeit nämlich das wahre Alter der Gattin des islamischen Propheten Mohammed mittels komplizierter Zeitrechnungen erforscht, wie Omar al Rawi, Integrationsbeauftragter der muslimischen Gemeinschaft Österreichs versichert: „Aischa war bei ihrer Verehelichung mindestens zwanzig Jahre alt – diese Erkenntnis kann Adnan Ibrahim mit religiösen wie historischen Quellen belegen.“ Und noch etwas will der Scheich am Freitag seinen muslimischen Mitbrüdern mit auf den Weg geben: „Dass das Verheiraten von Kindern im Islam absolut nichtig und inakzeptabel ist.“

Seit die Grazer FP-Spitzenkandidatin Susanne Winter beim blauen Neujahrstreffen am Sonntag den Begründer des Islam als „Kinderschänder“ verunglimpfte, weil sich dieser ein sechsjähriges Mädchen zur Frau genommen habe, sind Österreichs Muslime höchst beunruhigt. Auch die Staatsanwaltschaft wurde aktiv und prüft den Verdacht der Verhetzung. Jetzt muss Winter zu ihren Aussagen Stellung nehmen. Sollte es zu einer Anklageerhebung und Verurteilung kommen, drohen bis zu zwei Jahren Haft.

Besorgte Muslime

In der Islamischen Glaubensgemeinschaft ist man alarmiert: Obwohl die Glaubensgemeinschaft zuerst noch die Grazer Gemeinderatswahl am Sonntag abwarten wollte, um auf Winters Islam-Attacken angemessen zu reagieren, treten Vertreter und Vereine nun doch schon Dienstagabend zusammen, um über die jüngsten politischen Entgleisungen zu beraten. Präsident Anas Schakfeh will die „zornigen“ Muslime beruhigen, um Ausschreitungen und Krawalle zu verhindern. Er erhalte laufend Anrufe und E-Mails von besorgten Muslimen, versuche auf sie einzuwirken, könne allerdings mögliche Auseinandersetzungen nicht ausschließen, sagt er. Für die Islamische Glaubensgemeinschaft steht jedenfalls fest: „Man kann diese ungeheuerlichen Dinge nicht einfach totschweigen“, erklärt Sprecherin Carla Amina Baghajati. „Wir brauchen zu den Aussagen eine vernünftige, konstruktive Diskussion.“

Auf letzteres hofft auch Imam Mouhanad Khorchide. Er will beim Freitagsgebet in seiner Wiener Gemeinde „deeskalierend wirken“. Man dürfe der FPÖ „nicht den Gefallen machen, sich aufzuregen“. Klar sei, dass die Freiheitlichen „mit dem Feuer spielen“. Für Khorchide ist das alles vor allem nur eines: Kalkül und Inszenierung. „Die Frau Winter hat eine Woche zuvor wahrscheinlich gar nicht gewusst, was sie da sagen wird. Die FPÖ hat da abgetestet, wie weit sie gehen kann.“ Früher seien es die Ausländer, dann die Muslime gewesen, jetzt gebe es aber eine „extreme Steigerung: Nun wird der Prophet direkt beleidigt.“

Für den Politikwissenschafter Peter Filzmaier ist das „strategische Kalkül“ der FPÖ aber längst aufgegangen. Schließlich habe es sich um eine Veranstaltung der lokal fünftstärksten Partei gehandelt, und trotzdem habe diese es zur bundesweiten Top-Meldung geschafft. Einen Rücktritt Winters wäre daher „unlogisch“.

Geplante „Charmeoffensive“

Der Sprecher der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, Tarafa Baghajati, sieht die Latte für islamfeindliche Aussagen dank ÖVP-Politikern wie dem niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll, der Minarette als „artfremd“ bezeichnet hat, sozusagen hochgelegt: „Da muss die FPÖ jetzt natürlich noch eines draufsetzen.“ Baghajati will die Aussagen Winters nicht überbewerten, sieht jedoch die Gefahr, dass damit für Österreich eine „Rufschädigung“ entsteht. Er erwartet sich daher vom Bundespräsidenten abwärts „ganz klare Aussagen, dass diese Herabwürdigungen in keinster Weise eine österreichische Meinung“ ist. Baghajati regt eine „Charmeoffensive“ an, im Zuge derer die Moscheen vor allem Nichtmuslimen für Debatten über strittige Fragen den Islam betreffend offenstehen sollen.

Im Grazer Rathaus kam der Interreligiöse Beirat der Stadt am Montag zu einer außerordentlichen Tagung zusammen. In einer gemeinsamen Stellungnahme kritisierten die Religionsvertreter die „Pauschaldiffamierungen und Generalbeschuldigungen“ Winters. Der Vorsitzende des Grazer Menschenrechtsbeirates, Völkerrechtler Wolfgang Benedek, der den Wahlkampf monatelang analysierte und mit einem Ampelsystem bewertete, fordert Winter zum Rücktritt auf und sieht „einen Schaden und eine ernste Gefährdung“ für Graz: „Wie ernst die Lage ist, sehen Sie, wenn Sie türkische Zeitungen lesen, die bereits davon berichten.“

Der Präsident der ägyptischen Gemeinde, Soleiman Ali, der für die SPÖ bei den Gemeinderatswahlen kandidiert, erstattete zudem Anzeige gegen Winter wegen Herabwürdigung von Religionsgemeinschaften (§188 Strafgesetzbuch) und Verhetzung (§283). Was die Verhetzung anlangt, rechnet Robert Kert, Strafrechtsexperte an der Universität Wien, nicht mit einer Verurteilung.

Seit Montag gibt es aber nun auch in Winters eigenen Reihen einen Islamverteidiger: Der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer forderte eine differenzierte Sichtweise: „Den Islam als solchen als Übel anzusehen halte ich nicht wirklich für angebracht.“

Selbst die Noch-Klubobfrau der FPÖ im Grazer Gemeinderat, Margit Uray-Frick, ist empört über ihre Parteikollegin. Sie steht kurz vor dem Parteiaustritt. "Das ist nicht mehr meine Partei", sagte Uray-Frick. "Mir stellt's die Gänsehaut auf. Jetzt ist Schluss mit lustig."

(cms, kmo, nw, pm/DER STANDARD, Printausgabe, 15.1.2008/APA)

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