Rauscher Hans

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Moscheen sind keine Symbole der Intoleranz

Es wäre traurig, wenn gerade Österreich das allgemeine Menschenrecht auf Religionsfreiheit für muslimische Bürger dieses Landes einschränken würde - von Omar Al-Rawi


Moscheebauten zu verhindern, verstößt nicht nur gegen die Freiheit der Religionsausübung, sondern auch gegen den Gleichheitsgrundsatz, das Diskriminierungsverbot, sowie gegen den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Zusätzlich würde es die Europäischen Konvention der Menschenrechte, die Österreich ratifiziert hat, verletzen.

Hans Rauscher weist in seiner Standard-Kolumne vom 22. 3. mit Recht auf die Problematik hin, die manche Zuwanderer in Bezug auf ihre ethnischen Loyalitäten haben. Doch damit die Ablehnung "europäischer Werte" zu suggerieren, kann ich nicht ganz nachvollziehen.

In diesem Kontext möchte ich gerne auf eine vor kurzem veröffentlichte Gallup-Langzeit-Untersuchung hinweisen, die auf der Basis von 50.000 Interviews den vielfach angenommenen, grundlegenden Gegensatz im Denken von Muslimen und Bürgern westlicher Gesellschaften nicht bestätigte. In entscheidenden Fragen herrschte vielmehr weitgehend Übereinstimmung: So würde etwa der Studie zufolge die große Mehrheit der Muslime "die Meinungsfreiheit durchsetzen, wenn sie eine neue Verfassung schreiben könnte".

Überraschend erscheint auch die Haltung zur Gleichberechtigung der Geschlechter. Die Mehrheit der Befragten im Iran, Saudi-Arabien und Indonesien befürworten gleiche Rechte für Männer und Frauen. Gewaltsame Konfrontationen werden mehrheitlich abgelehnt. Viele Befragte artikulierten aber auch, dass die Tatsache, dass ihr Glaube vom Westen nicht respektiert wird, zu den Dingen zählt, die sie am meisten am Westen stören.

Im Übrigen gibt es in vielen islamischen Ländern wie Syrien, Ägypten, Indonesien oder dem Irak seit jeher Kirchen, die als solche erkennbar sind (mit Kreuz und Glockenturm). In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden jüngst fünf Kirchen auf Staatskosten errichtet, im Golfstaat Katar vorigen Monat eine neue katholische Kirche eingeweiht, und sogar in Saudi-Arabien gibt es nach dem Besuch des Königs Abdullah beim Papst Hinweise, dass sich die rigide Haltung langsam erweicht.

Es wäre angesichts solch positiver Entwicklungen traurig, wenn gerade Österreich, das als europäisches Modell im Umgang mit dem Islam gilt, sich von Populisten à la Jörg Haider oder konservativen Bischöfen des "Opus Dei" beeinflussen ließe und das allgemeine Menschenrecht auf Religionsfreiheit für muslimische Bürger dieses Landes einschränken würde. Gott sei Dank war die klare Haltung des Wiener Kardinals Schönborn unmissverständlich. (Omar Al-Rawi/DER STANDARD-Printausgabe, 25.3.2008)
 
Zur Person: Omar Al-Rawi ist Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich.

Eingebildete Krankheit?

Betrifft: "Das Problem mit der 'Islamophobie'" von Hans Rauscher, Standard, 19. 12. 2006 Selbstverständlich müssen auch wir Muslime uns von fehlgeleiteten Tendenzen in eigenen Reihen und radikalem Gedankengut befreien und emanzipieren. Islamophobie aber nur auf den "klassischen" Bereich des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit zu reduzieren, entspricht nicht ganz der Realität. Überall, wo man mit Klischees, Verallgemeinerungen und Vorurteilen agiert, ist man von dieser "Phobie" nicht weit entfernt. Was insbesondere dann problematisch wird, wenn sie in staatlichen Institutionen auftritt.

Wenn etwa in Baden-Württemberg muslimische Anwärter auf die deutsche Staatsbürgerschaft anders behandelt werden als Nicht-Muslime, dann hat diese Ungleichbehandlung schon mit der religiösen Zugehörigkeit zu tun. Wenn in deutschen Schulen Lehrer/innen mit großen Schmuckkreuzen, einer Kippa oder Nonnentracht unterrichten dürfen, aber nicht mit einem Kopftuch, dann sind nun einmal nur Muslime betroffen. Und wenn eine Pharmazeutin in Österreich ihr Studium mit Auszeichnung absolviert und seit zwei Jahren auf einen Platz für ihr Aspirantenjahr wartet, um ihre Ausbildung abzuschließen und keine Chance wegen ihres Kopftuches bekommt, wird das der Emanzipation der muslimischen Frau wohl nicht gerade dienlich sein.

Heute ist es schon ein Politikum eine Moschee errichten zu wollen. Ob in Telfs oder in Bad Vöslau feilscht man um Zentimeter, die ein Minarett an Höhe haben darf.
Auf den in Bau befindlichen islamischen Friedhof in Wien wurde in den letzten sechs Monaten Schändungen, Sachbeschädigungen und ein Brandanschlag verübt. Dies sind alarmierende Zeichen, und die dadurch hervorgerufenen Ängste können nicht nur als subjektives "Gefühl des Beleidigtwerdens" abqualifiziert werden.

Wenn schließlich rechtspopulistische Parteien ihr ganzes politisches Programm auf "Pummerin statt Muezzin" und "Daham statt Islam" ausrichten, dann liegt nicht nur Fremdenfeindlichkeit vor, sondern ganz bestimmt Islamophobie.

Hans Rauscher hat Recht, wenn er sagt, dass die Muslime keine Opfer einer religiösen Verfolgung durch die Mehrheitsbevölkerung sind. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass das Phänomen der Islamophobie nicht existiert.

Und macht Islamophobie dadurch auch nicht zum Kavaliersdelikt.

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