Eingebildete Krankheit?

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Donnerstag, 21 Dezember, 2006
Eingebildete Krankheit?

Betrifft: "Das Problem mit der 'Islamophobie'" von Hans Rauscher, Standard, 19. 12. 2006 Selbstverständlich müssen auch wir Muslime uns von fehlgeleiteten Tendenzen in eigenen Reihen und radikalem Gedankengut befreien und emanzipieren. Islamophobie aber nur auf den "klassischen" Bereich des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit zu reduzieren, entspricht nicht ganz der Realität. Überall, wo man mit Klischees, Verallgemeinerungen und Vorurteilen agiert, ist man von dieser "Phobie" nicht weit entfernt. Was insbesondere dann problematisch wird, wenn sie in staatlichen Institutionen auftritt.

Wenn etwa in Baden-Württemberg muslimische Anwärter auf die deutsche Staatsbürgerschaft anders behandelt werden als Nicht-Muslime, dann hat diese Ungleichbehandlung schon mit der religiösen Zugehörigkeit zu tun. Wenn in deutschen Schulen Lehrer/innen mit großen Schmuckkreuzen, einer Kippa oder Nonnentracht unterrichten dürfen, aber nicht mit einem Kopftuch, dann sind nun einmal nur Muslime betroffen. Und wenn eine Pharmazeutin in Österreich ihr Studium mit Auszeichnung absolviert und seit zwei Jahren auf einen Platz für ihr Aspirantenjahr wartet, um ihre Ausbildung abzuschließen und keine Chance wegen ihres Kopftuches bekommt, wird das der Emanzipation der muslimischen Frau wohl nicht gerade dienlich sein.

Heute ist es schon ein Politikum eine Moschee errichten zu wollen. Ob in Telfs oder in Bad Vöslau feilscht man um Zentimeter, die ein Minarett an Höhe haben darf.
Auf den in Bau befindlichen islamischen Friedhof in Wien wurde in den letzten sechs Monaten Schändungen, Sachbeschädigungen und ein Brandanschlag verübt. Dies sind alarmierende Zeichen, und die dadurch hervorgerufenen Ängste können nicht nur als subjektives "Gefühl des Beleidigtwerdens" abqualifiziert werden.

Wenn schließlich rechtspopulistische Parteien ihr ganzes politisches Programm auf "Pummerin statt Muezzin" und "Daham statt Islam" ausrichten, dann liegt nicht nur Fremdenfeindlichkeit vor, sondern ganz bestimmt Islamophobie.

Hans Rauscher hat Recht, wenn er sagt, dass die Muslime keine Opfer einer religiösen Verfolgung durch die Mehrheitsbevölkerung sind. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass das Phänomen der Islamophobie nicht existiert.

Und macht Islamophobie dadurch auch nicht zum Kavaliersdelikt.

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