Tag der Nachbarschaft im Islamischen Zentrum

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Samstag, 19 Juni, 2010
Tag der Nachbarschaft im Islamischen Zentrum

Leopoldine Weidinger: Von der Demo in die Moschee

19.06.2010 von ERICH KOCINA (Die Presse)

Am Tag nach der Demonstration gegen ein islamisches Kulturzentrum besucht Initiatorin Leopoldine Weidinger am Tag der offenen Tür die Moschee am Hubertusdamm.

Soll ich mir ein Kopftuch umbinden?“ Gleich beim Eingang bemüht sich Leopoldine Weidinger, nur ja nichts falsch zu machen. „Das ist eine Frage des Respekts.“ Noch am Freitag stand sie vor dem Floridsdorfer Bezirksamt auf einem Rednerpult und protestierte gegen den Bau eines islamischen Kulturzentrums in ihrer Gasse. Nun steht sie in der Eingangshalle von Wiens einziger Moschee am Hubertusdamm. Es ist „Tag der offenen Tür“ - oder besser „Tag der Nachbarschaft“, wie es die Initiatoren nennen.

Nachbarschaft - ein Begriff, mit dem Weidinger in den vergangenen Wochen wenig Freude hatte. Mitte April erfuhr sie, dass schräg gegenüber von ihrer Wohnung ein türkisch-islamisches Kulturzentrum entsteht. In der Rappgasse, einer kleinen, fast schon ländlichen Einbahnstraße mitten in Floridsdorf. Bis zu 500 Menschen sollen hier jeden Freitag zum Gebet kommen. Und damit die gelebte Ordnung in der kleinen Gasse massiv durcheinanderwirbeln.

Weil sie bei der Bezirksvorstehung auf taube Ohren stieß, stieg sie selbst auf die Barrikaden und gründete eine Bürgerinitiative. Bisheriger

Höhepunkt: Am Freitag versammelte Weidinger bei einer Demonstration rund 200 Menschen am Floridsdorfer Spitz. Und stand plötzlich auf demselben Podium wie FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache, der dort gegen den Islam im Allgemeinen und Moscheebauten im Speziellen wetterte.

In Geiselhaft der FPÖ. „Sie können nichts dafür“, sagt SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi, dem Weidinger im Inneren der Moschee am Hubertusdamm begegnet, „aber der glatzerte Nazi, der dem Strache zugejubelt hat, der hat alles hingemacht.“ Tatsächlich war in den Berichten über die Demonstration nur mehr wenig von Weidingers Ängsten zu sehen oder zu hören. Dass 500 Menschen in der kleinen Gasse für Lärm und Parkplatznot sorgen würden, dass es mit der Ruhe vorbei sei, all das trat in den Hintergrund. Was hängen blieb, waren Straches Tiraden gegen den Islam und Bilder von Skinheads mit „Ehre, Freiheit, Vaterland“-Schriftzug auf dem T-Shirt.

„Was hätte ich denn tun sollen?“ Fast schon gebetsmühlenartig wiederholt Weidinger, dass sie Strache nicht eingeladen habe. Alle vier Parteien im Bezirk hätten Einladungen bekommen, nur die FPÖ habe sie wahrgenommen. FP-Bezirksobmann Wolfgang Irschik hätte fünf Minuten Redezeit gehabt - und auf einmal sei nicht er, sondern Strache auf dem Podium gestanden. Das war so nicht geplant.

Mit Islamfeindlichkeit, sagt Weidinger, habe sie nämlich nichts zu tun.

Sie respektiere alle Kulturen. Mit einem kurdischen Nachbarn habe sie einmal gemeinsam Weihnachten gefeiert. Und auf ihren Reisen sei sie schon in so manchem Tempel, so mancher Moschee gewesen. Und so nickt sie auch zustimmend, als im Festsaal Moderator Tarafa Baghajati sich große und repräsentative Moscheebauten in Österreich wünscht. „Das will ich auch!“ Nur eben nicht direkt in ihrer Gasse, schräg gegenüber von ihrem Fenster.

Die Türken. „Sie haben das alles ohne Genehmigung gemacht“, schimpft Weidinger dann. Sie, das ist der türkische Dachverband Atib, der das Zentrum in der Rappgasse betreibt - jener Verein, der österreichweit schon rund 60 derartige Zentren eingerichtet hat. „Die reden zwar von Integration“, sagt Weidinger, „aber alles, was sie mir sagen ist ,null Problem‘. Sie verstehen einfach unsere Kultur nicht.“ Unsere Kultur, darunter fällt die deutsche Sprache, aber auch einfach oben ohne im Garten liegen. Was nicht mehr gehe, weil man vom oberen Geschoß des Zentrums in den Garten sieht.

Hier am Hubertusdamm, da sei es anders, meint sie. Da würden auch nicht nur Männer herumlaufen, so wie im Atib-Zentrum. Und mit den Menschen hier könne man sprechen, man verstehe ihre Sorgen, sagt sie nach einem Gespräch mit Carla-Amina Baghajati, Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Und mit einem fast euphorischen Lächeln verlässt sie nach zwei Stunden die Moschee am Hubertusdamm. Aber bei aller neu gewonnenen Sympathie für den Islam - gegen das Zentrum in der Rappgasse werde sie weiter kämpfen.

Bürgerinitiative

Weil in der Rappgasse in Wien-Floridsdorf ein türkisch-islamisches Zentrum entstehen soll, gründete Leopoldine Weidinger eine Bürgerinitiative. Bei einer Demonstration am Freitag sprach auch FPÖ-Chef Strache auf dem Podium.

www.rfd.at/rappgasse

Tag der offenen Tür

Gestern, Samstag, feierte die Moschee am Hubertusdamm anlässlich des 30-jährigen Bestehens den Tag der Nachbarschaft.

© DiePresse.com

Tag der offenen Tür

Samstag, den 19. Juni 2010 feierte die Moschee am Hubertusdamm anlässlich des 30-jährigen Bestehens den Tag der Nachbarschaft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2010)

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