Gerichtsurteil

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Stellungnahme zum Todesurteil in Sudan

Dieser Urteil wird aufgehoben und nicht vollstreckt, da die Botschaften aus dem Sudan eindeutig in diese Richtung gehen. Aber dennoch inhaltlich folgendes:

Aus rein menschlicher Sicht sind derartige drastische Einschränkungen der Religionsfreiheit ohne Wenn und Aber abzulehnen. Aus theologischer Sicht stehen derartige Urteile nicht im Einklang mit dem Koran, der "Kein Zwang in der Religion!" vorschreibt. Nirgendwo ist eine Belegstelle zu finden, die eine diesseitige Strafe für jene, die ihre Religion verlassen, vorsieht.Die islamische Geschichte und Literatur sind reich an Beispielen von Leuten, die der islamischen Lehre den Rücken kehrten, ohne dass ihnen irgendeine Gefahr drohte. Aber wie kann es dann zu Auslegungen kommen, die mit der Todesstrafe drohen?

Hier liegt es ein Hauptmissverständnis darin, dass zwischen dem schlichten persönlichen Religionswechsel und einem für die Gesellschaft folgenschweren Entscheid, sich gewalttätig gegen die Gemeinschaft betätigen zu wollen, nicht unterschieden wird. Urteile werden so mit der Begründung getroffen, dass hier der "Konvertierte" sich zu einem Hauptfeind im militärischen Sinne deklariert hat und somit als Hochverräter die Strafe verdient. Ein Todesurteil bei Religionswechsel wie im Falle der sudanesischen Frau abzulehnen, ist keine "liberale" Interpretation, sondern die Haltung vieler moderner und alter Gelehrter.Auf alle Fälle ist ein innermuslimischer Dialog über Verurteilungen zum Tode vonnöten. Die islamische Weltkonferenz OIC könnte dann diesbezüglich eine von den maßgeblichen Autoritäten in der islamischen Welt getragene offizielle Haltung zeigen.

Tarafa Baghajati,
Obmann der Initiative muslimischer Österreicher-innen

Mobil: 0664-5215080

Österreichische Muslime kritisieren "Fehlurteil" in Saudi-Arabien

Österreichische Muslime kritisieren "Fehlurteil" in Saudi-Arabien

19-jähriges Vergewaltigungsopfer zu 90 Peitschenhieben verurteilt

Wien - Die "Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen" distanziert sich scharf von der Verurteilung eines 19-jährigen Vergewaltigungsopfers zu 90 Peitschenhieben durch ein Gericht in Saudi-Arabien. Wie aus einer am Wochenende veröffentlichten Pressemitteilung von Imam Tarafa Baghajati hervorgeht, hat sich die von ihm mit gegründete "Initiative" inzwischen direkt an saudische Stellen gewandt. Wie bereits berichtet, soll eine Frau, die von einem Mann erpresst und von einer Gruppe von Männern entführt und vergewaltigt worden sei, von einem Gericht in Saudi-Arabien zu 90 Peitschenhieben verurteilt worden sein. Begründet wurde der Urteilsspruch damit, dass die 19-Jährige einen Mann getroffen habe, mit dem sie nicht verwandt sei, wie die Betroffene in einem anonymen Interview selbst berichtet hatte. Sie sei das Opfer einer Erpressung, sagte die junge Frau. Ein Mann habe sie zu einem Treffen gezwungen, indem er ihr drohte, ihrer Familie über ein angebliches außereheliches Verhältnis zu berichten. Solche Beziehungen sind in Saudi-Arabien verboten.

"Fehlurteil" In einem Schreiben an die saudische Botschaft in Österreich und an den saudischen König Abdullah stellte die "Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen" fest, "dass uns für ein solches Fehlurteil jedes Verständnis fehlt". Die Richter in Katif wurden ersucht, ihr Urteil zu überdenken und im Sinne des Islam zu revidieren.

"Wir können es als Muslime nicht nachvollziehen, dass die Richter der Stadt Katif ein 19-jähriges Vergewaltigungsopfer zu 90 Peitschenhieben verurteilten ... Diese Frau braucht nach der schrecklichen Vergewaltigungserfahrung dringend therapeutischen Beistand von einem kompetenten Expertenteam, zu welchem unbedingt einfühlsame Frauen gehören müssten. Mit einem solchen Fehlurteil wird zusätzlich zur psychischen und physischen Quälerei der Frau ihr und der Gesellschaft der Eindruck vermittelt, selbst an der Vergewaltigung schuld zu sein. Dagegen ist Vergewaltigung ein Verbrechen seitens des Täters und nie des Opfers (...) wir bitten Sie auch zu bedenken, wie das Image unserer Religion unter Meldungen leidet, wenn Frauen in ihren elementaren Rechten und in ihrer Würde scheinbar religiös legitimiert verletzt werden", heißt es in dem Schreiben.

(APA/red).

Al-Rawi nach Koran-Urteil: "Verkrustete Traditionen", nicht der Islam


Omar Al-Rawi fand scharfe Worte für Gewalt gegen Frauen. "Vorauseilenden Toleranz" westlicher Gesellschaften gegenüber dem Islam sieht er in dem Urteil der deutschen Richterin nicht.Die Standard 23 März 2007

Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft verurteilt Gewalt gegen Frauen mit scharfen Worten

Wien - Omar Al-Rawi, der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IG) Österreichs meint, dass Gewalt gegen Frauen in muslimischen Familien nicht auf die Religion, sondern auf verkrustete Traditionen patriarchalischer Strukturen zurückzuführen ist. Das sagte der Wiener SPÖ-Gemeinderat am Donnerstagabend in der "ZiB 2" zur Debatte um das Urteil einer Frankfurter Richterin, die in einem Scheidungsverfahren eheliche Gewalt unter Verweis auf den Koran gerechtfertigt hatte.

Al-Rawi, der mit einem "White Ribbon" - einem Symbol gegen Gewalt an Frauen - im Studio erschienen war, sagte, "wenn man sich nicht auskennt, dann redet man sich auf die Religion aus". Die muslimische Glaubensgemeinschaft stelle sich gegen jede Gewalt in- und außerhalb der Familie und gegen jede Form des Terrorismus, sagte Al-Rawi. Leider gebe es immer wieder Leute, die glauben, in der Religion eine Rechtfertigung zu finden.

"Abschaum der Gesellschaft"

Diejenigen, die Gewalt gegen ihre Frauen verübten, seien der "Abschaum der Gesellschaft", sparte der Integrationsbeauftragte nicht mit scharfen Worten. Klar sei, dass weder der Prophet Mohammed, noch seine Gefährten je Gewalt angewendet hätten.

Eine "vorauseilenden Toleranz" westlicher Gesellschaften gegenüber dem Islam sieht Al-Rawi in dem Urteil der deutschen Richterin nicht. Zum Freispruch im Pariser Prozess zu den Mohammed-Karikaturen, in welchem der Chefredakteur eines französischen Satire-Magazins am Donnerstag vom Vorwurf der "öffentlichen Beleidigung einer Personengruppe wegen ihrer Religion" entlastet worden war, sagte Al-Rawi, "Mein Gott, wir haben Meinungsfreiheit". Er würde an Stelle der muslimischen Organisationen, die geklagt hatten, auf eine Berufung verzichten. Man müsse den Weg des Diskurses bestreiten. (APA)

Verurteilung zu Peitschenhieben nach Vergewaltigung

Pressemitteilung der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen distanziert sich scharf bezüglich des medial kolportierten Falles der Verurteilung eines 19 jährigen Vergewaltigungsopfers zu 90 Peitschenhieben  und hat sich inzwischen direkt an saudische Stellen gewandt.

In einem Schreiben an die saudische Botschaft in Österreich und an den saudischen König Abdullah am 08.03.2007 haben wir dargestellt, dass uns für ein solches Fehlurteil jedes Verständnis fehlt. Die Richter in Katif wurden ersucht ihr Urteil zu überdenken und im Sinne unserer Religion zu revidieren. Für eine detaillierte Aussprache in rechtlicher, wissenschaftlicher und theologischer Sicht stünden wir gerne zur Verfügung.

Hier Ausschnitte aus dem Brief:

"Wir können es als Muslime nicht nachvollziehen, dass die Richter der Stadt Katif ein 19-jähriges Vergewaltigungsopfer zu 90 Peitschenhieben verurteilten ... Diese Frau braucht nach der schrecklichen Vergewaltigungserfahrung dringend therapeutischen Beistand von einem kompetenten Expertenteam, zu welchem unbedingt einfühlsame Frauen gehören müssten. Mit einem solchen Fehlurteil wird zusätzlich zur psychischen und physischen Quälerei der Frau ihr und der Gesellschaft der Eindruck vermittelt, selbst an der Vergewaltigung schuld zu sein. Dagegen ist Vergewaltigung ein Verbrechen seitens des Täters und nie des Opfers (...).

(…) wir bitten Sie auch zu bedenken, wie das Image unserer Religion unter Meldungen leidet, wenn Frauen in ihren elementaren Rechten und in ihrer Würde scheinbar religiös legitimiert verletzt werden.“

Wir hoffen, dass Stimmen aus Österreich zur Aufhebung des Urteils führen und überhaupt ein Umdenken bewirken.

Für die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Tarafa Baghajati, Wien 08.03.2007

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Dipl.- Ing. Tarafa Baghajati
Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen,
www.islaminitiative.at
 e-mail : baghajati [at] aon.at
Vizepräsident von ENAR - European Network against Racism
www.enar-eu.org
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"Kein Zwang in der Religion" soll für alle gelten!

Zu Recht beanspruchen die Muslime Österreichs für sich als anerkannte Religionsgemeinschaft und Teil der österreichischen Realität die gleichen Rechte, Gleichbehandlung und uneingeschränkte Freiheit der Ausübung ihrer Glaubenspraxis. So problematisch das Prinzip der eziprozität ist, indem mit der Formel: "Solange Christen in Teilen der islamischen Welt unterdrückt sind, dann sollen die Muslime in Europa nicht lautstark für ihre Rechte eintreten" Sippenhaftung betrieben würde, entbindet dies Muslime nicht von der Verpflichtung, die Menschenrechtssituation in vielen islamischen Ländern zu kommentieren und kritisch zu hinterfragen.

Den jüngsten Anlass dazu bildet ein in seiner Heimat mit einem Todesurteil bedrohter, zum Christentum konvertierter Afghane.

Aus rein menschlicher Sicht sind derartige drastische Einschränkungen der Religionsfreiheit ohne wenn und aber abzulehnen und zu verurteilen. Aus theologischer Sicht stehen derartige Urteile nicht im Einklang mit dem Koran, der "Kein Zwang in der Religion!" vorschreibt. Nirgendwo ist eine Belegstelle zu finden, die eine diesseitige Strafe für jene, die ihre Religion verlassen, vorsieht.

Der Prophet lebte mit den "Munafiqin", den Heuchlern, bzw. Apostaten, in Medina Tür an Tür. Ihres offensichtlichen Unglaubens konnte er gewiss sein. Doch zu keinem Zeitpunkt wurde ein Urteil verkündet, wie es in Afghanistan im Raum stand.

Die islamische Geschichte und Literatur ist reich an Beispielen von Leuten, die der islamischen Lehre den Rücken drehten, ohne dass ihnen irgendeine Gefahr drohte. Ibn Al-Rawandi, einer der intellektuellsten Denker und Philosophen, wird in vielen Büchern positiv erwähnt.

Seine Leistungen werden einfach anerkannt. Seine Religion ist eine Sache zwischen ihm und Gott. Al-Mutanabbi, der Star aller arabischen Dichter schlechthin, hat für sich einmal sogar das Prophetentum beansprucht und ist bis heute trotz seiner umstrittenen Persönlichkeit der meist zitierte Poet in der arabischen Welt. Die Geschichten von Abu-Nuuas und seiner Liebe zum Wein, aber auch seine homosexuellen Neigungen füllen Bücher mit Anekdoten, etwa dass seine Familie ihn mit einer der schönsten Frauen verheiratete, er aber schon in der Hochzeitsnacht einen Freund vorzog. Abu Al-Alaa Al Maarri und seine offene Religionskritik führten zu keinen Sanktionen. Ganz im Gegenteil sind Bibliotheken, wissenschaftliche Symposien und Straßen nach ihm benannt.

Auch heute ist die Praxis nicht von Schwert und Blut gekennzeichnet. Der Bekannte zeitgenössische Philosoph und Religionskritiker Jalal Sadiq Al-Azm verkehrt jeden Tag auf den Straßen Damaskus und bereist die arabischen Länder und die islamische Welt, ohne dass Leibwächter gebraucht werden.

Aber wie kann es dann zu solchen Auslegungen kommen, die mit der Todesstrafe drohen? Hier liegt es ein Hauptmissverständnis darin, dass zwischen dem schlichten persönlichen Religionswechsel und einem für die Gesellschaft folgenschweren Entscheid, sich gewalttätig gegen die Gemeinschaft betätigen zu wollen, nicht unterschieden wird. Urteile werden so mit der Begründung getroffen, dass hier der "Konvertierte" sich zu einem Hauptfeind im militärischen Sinne deklariert hat und somit (lt. Urteil) als Hochverräter die Strafe verdient. Aber selbst bei dieser Auslegung ist Vorsicht geboten.

Zu Zeiten des Propheten betrieb Hatib Spionage und übermittelte Informationen an die Feinde in Mekka. Auch nach Bekanntmachung seines Verrates geschah ihm nichts. Ein Todesurteil bei Religionswechsel wie im Falle des Afghanen abzulehnen, ist keine "liberale" oder zusammen gebastelte Interpretation, sondern die Haltung vieler moderner Gelehrter, auch wenn sie durchaus dem eher konservativen Lager angehören, wie der syrische kurdische Theologe Said Ramadan Al-Buti und der weit über die Grenzen seiner Heimat Ägypten bekannte Scheich Al-Qaradawi. Im Falle Abdu Al-Rahmans wären die afghanischen Gerichte gut beraten gewesen, ihn nicht für "geistig minderbemittelt" zu erklären, um der Sache auszuweichen und international Schaden abzuwenden, sondern ihn einfach frei zu lassen. Leider war hier Karsai nicht der richtige, "theologischen Mut" zu zeigen. Unter Besatzung können heikle politische Entscheidungen niemals den Charakter wahrer Eigenständigkeit zeigen. Und so bleibt es eine politisch pragmatische Lösung, der man weder ein glaubhaftes Eintreten für die Menschenrechte, noch eine überzeugte religiöse Haltung abkauft.

Auch wenn es nicht direkt mit dem Fall in Afghanistan in Verbindung gebracht werden kann, wäre es auf Grund der Diskussion der letzten Zeit über die Karikaturen in Dänemark ein Fehler die oben angeführte Argumentation dahingehend zu interpretieren, dass somit Tür und Tor einer aggressiven Herabwürdigung der religiösen Gefühle von Minderheiten in Europa geöffnet werden kann. Ein respektvoller Umgang miteinander bleibt immer der bessere Weg. Hier sollte die Bilanz zwischen freier Meinungsäußerung und Respekt gegenüber Minderheiten weiterhin angestrebt werden, und zwar überall und jenseits der rechtlichen Situation. Auch hier gilt aber die Ablehnung von Gewalt, da die Lösung gewiss nicht darin liegt.

Auf alle Fälle ist ein innermuslimischer Dialog über solche Verurteilungen von Nöten und zwar gesellschaftlich, institutionell und theologisch. Die islamische Weltkonferenz könnte dann diesbezüglich eine von den maßgeblichen Autoritäten in der islamischen Welt getragene offizielle Haltung zeigen.

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