Stellungnahme

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Österreichs Muslime verurteilen Terror Mumbai

Islamische Glaubensgemeinschaft: "Gewalttaten aufs Schärfste verurteilt"  

Wien - Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich hat sich gegen die Terrorwelle in Mumbai ausgesprochen. "Die terroristischen Gewalttaten in Mumbai werden von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich aufs Schärfste verurteilt", heißt es in einer Aussendung der Religionsgemeinschaft am Freitag.

"Während sich Hunderttausende Muslime spirituell auf die Pilgerfahrt nach Mekka vorbereiten und dabei ihre persönliche Verantwortung für ein friedliches Zusammenleben reflektieren, erschüttern die grausamen  Gewalttaten - sich zu Unrecht auf den Islam berufender Terroristen - die Weltöffentlichkeit", ist weiter zu lesen.

Der Einsatz von Terror und Gewalt sei ein "Irrweg, der außer menschlichem Leid Unschuldiger nur neuerliche Aggression und damit einen Teufelskreis der Gewalt mit sich bringt".       

"Menschenverachtend"

Wer zum Erreichen bestimmter Ziele Opfer in der Zivilbevölkerung, Tod und  Zerstörung in Kauf nehme, agiere "menschenverachtend". "Keine religiöse Legitimierung findet sich in den Quellen des Islam für das, was sich derzeit im früheren Bombay abspielt.

"Die Wichtigkeit des Betonens gemeinsamer Werte und damit die Zurückweisung von Terror sei gerade in einer immer pluralistischer erscheinenden Welt von Bedeutung, heißt es seitens der Religionsgemeinschaft. Für Muslime könne die Konzentration darauf, dass Frieden mit individuellem Handeln verbunden ist, ein "Ansporn" sein, sich auf diesem Weg einzusetzen.

 

Islamische Verbände und Vereine besorgt über Gewalt an Christen im Norden des Irak

Islamische Verbände und Vereine besorgt über Gewalt an Christen im Norden des Irak

Mit großer Sorge und Betroffenheit verfolgen wir die jüngsten Nachrichten über Angriffe auf die christliche Bevölkerung im Norden des Irak und die steigende Gewalt. Die christliche Minderheit war immer schon ein Zeichen der ethnischen und religiösen Vielfalt des Irak. Eine lange Tradition gegenseitiger Toleranz und Respekts und des friedlichen Miteinanders war ein positives Kennzeichen des Irak.

Die Christen genossen hier umfassende Religionsfreiheit. Ihre Kirchen, Schulen und Institutionen waren nicht zuletzt durch ihre deutliche Sichtbarkeit ein äußerer Beweis dafür. Christliche Feiertage waren arbeitsrechtlich garantiert und christliche Kultur wurde so gepflegt, dass bis heute diese Minderheit die aramäische Sprache, die Sprache Jesu’, beherrscht und verwendet. Christen und Muslime lebten seit Jahrhunderten friedlich miteinander, sind und waren nicht nur Nachbarn, sondern auch Freunde. Die hunderttausenden irakischen Flüchtlinge, die vor allem in Syrien Aufnahme gefunden haben, leben nun wieder konfessionell gemischt Tür an Tür nebeneinander, ohne dass es hier Probleme gäbe.

Es war und ist die Pflicht der Muslime nicht nur in Friedenszeiten Toleranz und Respekt  mit den religiösen Minderheiten zu leben, sondern auch für deren Schutz zu sorgen und ihre Religions- und Gewissensfreiheit zu garantieren. Daher hoffen wir, dass die muslimische Mehrheitsbevölkerung in Mosul ihren Beitrag leistet und gegen die Gewalt ein klares Wort spricht, die Übergriffe aufs Schärfste verurteilt und ihre Solidarität mit den christlichen Mitbürgern zum Ausdruck bringt.

Wir sehen es als unsere religiöse Pflicht an, diese Angriffe auf das schärfste zu verurteilen und drücken unser tiefstes Bedauern und Mitgefühl allen Leidtragenden und Hinterbliebenen aus.

Diese Angriffe stellen leider einen vorläufigen traurigen Höhepunkt in der derzeitigen ohnedies durch ethnische und religiöse Konflikte gespannten Lage im Irak dar.

Wir fordern die irakische Regierung auf, endlich für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen.

Diese ethnischen und religiösen Spannungen sind auch eine direkte Folge der US Invasion im Irak. Daher fühlen wir uns bestärkt in unserer prinzipiellen Haltung, dass Konflikte nicht militärisch zu lösen sind. In diesem Sinne sind wir besorgt über den jüngst erfolgten Angriff auf Syrien, aber auch verunsichern uns Rufe nach einem militärischen Angriff auf den Iran.

Rückfragen:

Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi
Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubengemeinschaft in Österreich
0664 383 19 42
omar.al-rawi [at] spw.at

Unterzeichner:

Islamische Religionsgemeinde Wien für Wien, Niederösterreich und Burgenland
Islamische Religionsgemeinde Linz f. OÖ, RPR und Salzburg
Islamische Religionsgemeinde Vorarlberg und Tirol
Islamische Religionsgemeinde Steiermark und Kärnten
Österreichische Islamische Föderation (AIF) verwaltet 50 Gebetsstätten
Initiative muslimische ÖsterreicherInnen IMÖ
Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen (Schura Moschee)
Islamische Liga der Kulturen
Plattform Islam
Muslimischer Lehrerverein
Kulturverein Al-Andalus
Muslimischer Akademikerbund
Dachverband der Bosniaken in Österreich verwaltet 23 Gebetsstätten
Irakhilfswerk
Palästinensische Vereinigung Österreich P.V.Ö.
Liga Kultur Verein für Muli-Kulturellen Brückenbau – Graz
Forum Muslimischer Frauen Österreich

Sahara-Geiseln: Österreichische Muslime richten Apell an Entführer

Schakfeh-Referent wandte sich über Al Jazeera an die Extremistengruppe - Argumentiert mit Tradition der staatlichen Anerkennung in Österreich

Wien - Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) hat die Extremistengruppe "Al Kaida im Islamischen Maghreb" erneut zur Freilassung der beiden Sahara-Geiseln Wolfgang Ebner und Andrea Kloiber aufgerufen. "Im Namen Allahs, mögen Sie die beiden unschuldigen Geiseln unversehrt freilassen. Lassen Sie sie frei, damit sie zu ihren Verwandten zurückkehren können", sagte der persönliche Referent von IGGiÖ-Präsident Anas Schakfeh, Mouddar Khouja, am gestrigen Mittwoch in einem Telefoninterview mit dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera.

Argument der staatlichen Anerkennung

Khouja wiederholte in diesem Zusammenhang das Argument, dass es in Österreich eine staatliche Anerkennung der Muslime gebe, "die sonst in der Europäischen Union nirgends existiert". Daher appelliere er im Namen der 415.000 Muslime in Österreich, die beiden nun schon seit über 100 Tagen in Gefangenschaft lebenden Österreicher freizulassen.

Die beiden Salzburger Touristen waren Ende Februar im Süden Tunesiens verschleppt worden. Sie sollen von ihren Entführern in ein Wüstengebiet im Norden Malis gebracht worden sein. Anfang März bekannte sich die Gruppe "Al Kaida im Islamischen Maghreb" zur Entführung und forderte von der österreichischen Regierung, sich für die Freilassung ihrer in tunesischer und algerischer Haft sitzenden Gesinnungsgenossen einzusetzen. Ein zweimal verlängertes Ultimatum an Österreich, diese Forderung zu erfüllen, ist bereits im April ausgelaufen.

Außenministerin Ursula Plassnik (V) hat am Dienstag bestätigt, dass sie in den vergangenen Tagen "persönliche Gespräche auf höchster Ebene" in Algerien und Mali geführt habe, um die Unterstützung der dortigen Partner bei den Bemühungen zur Freilassung der beiden Geiseln sicherzustellen. "Meine Gesprächspartner versicherten mir ihr großes Interesse an einer baldigen und unversehrten Rückkehr von Andrea Kloiber und Wolfgang Ebner nach Österreich." (APA)

Islamische Glaubensgemeinschaft: BM Hahn/Aussagen zum Kopftuch/Stellungnahme

Starke Irritation nach Minister Hahns Überlegungen zu einem Kopftuchverbot im öffentlichen Dienst

Das Kopftuch im öffentlichen Dienst verbieten zu wollen hat große Besorgnis und vor allem Irritation hervorgerufen. Zahlreiche Musliminnen meldeten sich inzwischen verunsichert bei uns. Hatte nicht derselbe Minister am Tag der Veröffentlichung seiner Aussagen vor tausenden Frauen mit Kopftuch eine Rede gehalten, am Vorabend als Gast bei einem arabischen Kulturverein noch deklariert, „kein Problem mit dem Kopftuch“ zu haben? In seiner Ansprache vor der Muslimischen Jugend drückte Präsident Schakfeh seine Missbilligung nach dem Erwägen eines Kopftuchverbots im öffentlichen Dienst aus und ermutigte die vielen jungen muslimischen Frauen weiter ihren Weg der Partizipation zu gehen.

Keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anerkannter Religionsgemeinschaften

In Österreich hatte bisher ein breiter Konsens geherrscht, wie günstig es ist, das Kopftuchtragen als Angelegenheit der persönlichen Entscheidung und der Religionsfreiheit unaufgeregt gelassen zu behandeln. Die verschiedenen Diskurse zum Thema wurden vor allem über den Umweg der Medienberichterstattung aus dem Ausland zu uns gebracht. Ohne unterschiedlichen Auffassungen aus dem Weg zu gehen, war ein sachlich-konstruktiver Stil auch ein Indikator, warum das österreichische Anerkennungsmodell des Islam eine Basis für den institutionalisierten Dialog schafft, der dann ein Stück „Aufklärung“ für alle bedeutet. Muslime sollten vor sachlich falschen Interpretationen und Einmischungen in die inneren Angelegenheiten so wie die anderen anerkannten Religionsgemeinschaften geschützt sein. Die Feststellung das Kopftuch sei ein „Zeichen der Unterwerfung“ ist solch ein Konstrukt, das Ungleichbehandlung moralisch legitimieren soll. Wenn dann noch „Aufklärung“ ins Spiel gebracht wird, um Mädchen und Frauen vom Kopftuchtragen abzubringen, werden muslimische Frauen vollends ins Opferbild gedrängt und bevormundet.

Selbstbestimmungsrecht der Frau

Als Islamische Glaubensgemeinschaft setzten wir uns eben nicht nur für Wissen über den religiösen Hintergrund des Kopftuches ein und warum dieses KEIN Symbol für Unterdrückung, Fundamentalismus, Ablehnung der westlichen Gesellschaftsordnung usw. ist. Es war uns ein besonderes Anliegen, das Selbstbestimmungsrecht von Frauen und Mädchen herauszuarbeiten. Damit konnte uns auch ein wichtiger Impuls für den innermuslimischen Diskurs gelingen.

Antidiskriminierungsgesetz als Schutz vor Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz

Die österreichische Rechtslage kennt keine „Kopftuchverbote“. Seit bald vier Jahren sollte das Antidiskriminierungsgesetz zusätzlich Bewusstsein schaffen, dass es ein Unrecht darstellt, eine Frau wegen ihres Kopftuchs als potentieller Arbeitgeber abzulehnen. Freilich begegnen Frauen, die auf Arbeitssuche sind, immer noch Ressentiments. Sie erleben häufig, dass die Stelle eben „leider schon vergeben“ ist.

Bewusstseinsbildung durch Sichtbarmachung muslimischer Frauen in der Arbeitswelt

Umso wichtiger ist ein Zeichensetzen auch von öffentlicher und staatlicher Seite. Die Industriellenvereinigung war beispielsweise bereits Kooperationspartner bei der Verleihung der MiA Anerkennungspreise für engagierte Migrantinnen. Diese Veranstaltung war auf Initiative der ÖVP Staatssekretärin Marek entstanden. Frauen mit Kopftuch waren wie selbstverständlich ohne Rechtfertigungsdruck Mitglieder in der Jury und als Kandidatinnen nominiert. Der Bund als größter potentieller Arbeitgeber könnte aktiv werden, um gleichfalls für die Partizipation muslimischer Frauen im Arbeitsbereich Signale zu senden. So nimmt es sich auch reichlich merkwürdig aus, dass Bundesminister Hahn von „Abschottung“ im Zusammenhang mit dem Kopftuch spricht. Dies just über jene Frauen zu sagen, die sich um Integration in den Arbeitsmarkt bemühen, muss den Verdacht nähren, schließlich habe man es sich im Klischee von der dummen, unterdrückten Frau, die bestenfalls als Reinigungskraft arbeite, gut eingerichtet.

Wo bleibt die Chancengleichheit? Wie soll der Schutz vor religiöser Diskriminierung am Arbeitsplatz in die Köpfe dringen, falls der Staat selbst eine Frau mit Kopftuch prinzipiell ablehnen wollte?  Dann müsste sich ein Arbeitgeber, der laut Gesetz mit Sanktionen zu rechnen hätte, wenn er eine Frau wegen ihres Kopftuches nicht einstellt, sich ja moralisch weiter im Recht fühlen.

Aufbrechen von Rollenklischees durch Integration in den Arbeitsmarkt

Integration in den Arbeitsmarkt bricht überkommene Rollenbilder nach innen wie außen auf.  Abgesehen von einer Stärkung im frauenrechtlichen Sinne ist Sichtbarkeit im Staatsdienst ein starker Beweis für die Vereinbarkeit einer Identität als Muslimin mit einem Einstehen für die Werte von Demokratie, Pluralismus, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten.

Mit Ängsten Politik zu machen, ist das genaue Gegenteil von „Aufklärung“, wie sie Bundesminister Hahn gerne in den Mund nimmt. Angst schafft ein Sicherheitsbedürfnis, das dann auch Eingriffe in Freiheitsrechte legitimieren soll. In der Debatte um den Islam in Europa sollten wir uns nicht von Ängsten leiten lassen, sondern den bewährten Weg des Dialogs weitergehen.

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati
Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft

 

Verurteilung zu Peitschenhieben nach Vergewaltigung

Pressemitteilung der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen distanziert sich scharf bezüglich des medial kolportierten Falles der Verurteilung eines 19 jährigen Vergewaltigungsopfers zu 90 Peitschenhieben  und hat sich inzwischen direkt an saudische Stellen gewandt.

In einem Schreiben an die saudische Botschaft in Österreich und an den saudischen König Abdullah am 08.03.2007 haben wir dargestellt, dass uns für ein solches Fehlurteil jedes Verständnis fehlt. Die Richter in Katif wurden ersucht ihr Urteil zu überdenken und im Sinne unserer Religion zu revidieren. Für eine detaillierte Aussprache in rechtlicher, wissenschaftlicher und theologischer Sicht stünden wir gerne zur Verfügung.

Hier Ausschnitte aus dem Brief:

"Wir können es als Muslime nicht nachvollziehen, dass die Richter der Stadt Katif ein 19-jähriges Vergewaltigungsopfer zu 90 Peitschenhieben verurteilten ... Diese Frau braucht nach der schrecklichen Vergewaltigungserfahrung dringend therapeutischen Beistand von einem kompetenten Expertenteam, zu welchem unbedingt einfühlsame Frauen gehören müssten. Mit einem solchen Fehlurteil wird zusätzlich zur psychischen und physischen Quälerei der Frau ihr und der Gesellschaft der Eindruck vermittelt, selbst an der Vergewaltigung schuld zu sein. Dagegen ist Vergewaltigung ein Verbrechen seitens des Täters und nie des Opfers (...).

(…) wir bitten Sie auch zu bedenken, wie das Image unserer Religion unter Meldungen leidet, wenn Frauen in ihren elementaren Rechten und in ihrer Würde scheinbar religiös legitimiert verletzt werden.“

Wir hoffen, dass Stimmen aus Österreich zur Aufhebung des Urteils führen und überhaupt ein Umdenken bewirken.

Für die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Tarafa Baghajati, Wien 08.03.2007

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Dipl.- Ing. Tarafa Baghajati
Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen,
www.islaminitiative.at
 e-mail : baghajati [at] aon.at
Vizepräsident von ENAR - European Network against Racism
www.enar-eu.org
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Broder in Wien

Eine FPÖ Aussendung (siehe unten) greift mich im Zusammenhang mit meinem Diskussionsbeitrag bei einem Auftritt des Autors Henryk M. Broder in einer Wiener Bücherei unqualifiziert persönlich an, wozu ich wie folgt Stellung nehme. Mit Herrn Broder ist eine inhaltliche Auseinandersetzung wichtig. Diese ist leider in fast allen medialen Beiträgen zu seinem Besuch in Wien ausgeblieben.

Um keine Missverständnisse im Raum zu lassen, lege ich zunächst meinen Originaltext an die Bücherei Wien zur Information offen:


Unten übermitteln wir Ihnen unsere Stellungnahme zur einseitigen Einladungspolitik der WeltStadt Wien zu Ihrer Information. Natürlich steht Ihnen gerade als Bücherei zu einzuladen wen immer Sie möchten und wir möchten uns hier in keinster Weise einmischen. Gleichzeitig wäre wichtig bei solcher Veranstaltung eine einseitige und noch dazu hetzerische Darbietung zu vermeiden. Wir hoffen, dass die Bücherei Wien durch geeignete Moderation und harte Infragestellung der islamfeindlichen Thesen von Herrn Broder entgegen wirkt.

Tarafa Baghajati, Wien, 23.02.2007

Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen ,
http://www.islaminitiative.at
baghajati [at] aon.at und
Vizepräsident von ENAR - European Network against Racism
 www.enar-eu.org/en/


Dankenswerter Weise wurde mir von der Abteilungsleitung der Städtischen Bücherei das Angebot gemacht, mit Herrn Broder nach seiner Lesung zu diskutieren. Dies habe ich selbstverständlich gerne angenommen. Dass die FPÖ es als „Skandal“ bezeichnet, wenn hier den Betroffenen die Möglichkeit gegeben wurde, ihre Stellungnahme zu den Thesen von Herrn Broder abzugeben, ist der wahre Skandal.

Denn wir halten es für selbstverständlich, dass bei Themen, die Minderheiten betreffen, auch die Betroffenen als Teil der Gesellschaft in geeigneter Form zu Wort kommen. Dafür möchten wir uns bei der Wiener Bücherei ausdrücklich bedanken. Nun ganz stichwortartig die Hauptpunkte aus meinem „Kurzreferat“:

  • Begrüßung und Dank an die Leiterin der Bücherei, dass sie die Situation der Asylwerber in Österreich und Europa (Thema der letzten Lesung) in ihrem ­Eingangsstatement solidarisch erwähnt hat, auch Dank an Herrn Broder für das Thematisieren der Situation der afghanischen Asylwerber in Deutschland und volle Übereinstimmung mit seinen Worten diesbezüglich.
  • Kurzvorstellung: Lebe in Wien inzwischen länger als in meiner Geburtsstadt Damaskus und daher ein Wiener mit Migrationshintergrund (Anmerkung: Herr Broder hat den Begriff Migrationshintergrund bei seiner Lesung einige Male ins Lächerliche gezogen).
  • Humor, Überspitzung Polemik und Ironie können zweifelsohne ein Mittel und Ausdruck gesellschaftspolitischer Kritik sein. Satire kann aufklärerisch aber auch hetzerisch wirken. Manche Passagen von Herrn Broder habe ich lustig und aufklärerisch gefunden, was die pauschalierende Haltung zu Islam und Muslimen betrifft, waren die meisten Aussagen hetzerisch.
  • Die Existenz der Islamfeindlichkeit bzw. Islamophobie zu leugnen ist auch von einem Polemiker nicht akzeptabel. Die offene und klare Haltung der IKG - Israelitische Kultusgemeinde, samt unmissverständlichen Worte des Herrn Präsidenten Muzikant während dem hetzerischen Wahlkampf der FPÖ wurde von mir erwähnt und nochmals ausdrücklich begrüßt.
  • Die These von Herrn Broder „alle Terroristen sind Muslime, somit muss es mit der Religion irgendwie zu tun haben“ ist nicht nur völlig falsch, sondern auch gefährlich. Mit der gleichen Argumentation könnte eine Verbindung zwischen Irakkrieg und Christentum oder eine Verbindung zwischen dem Verhalten des israelischen Militärs in den besetzten Gebieten mit Judentum hergestellt werden, somit wäre ein Weg in Richtung „Religionskrieg“ geöffnet. Dagegen treten wir mit aller Vehemenz auf.
  • Die Konstruktion von Stereotypen wird von Herrn Broder durchgehend gefördert, auch gesellschaftspolitisch problematisch und schädigend. - In Österreich haben die österreichischen Muslime einen Weg der Partizipation beschritten. Alle, teilweise berechtigten Kritikpunkte von Herrn Broder wurden auch im offiziellen Rahmen wie zuletzt bei der Europäischen Imame-Konferenz im April 2006 behandelt und thematisiert. Einen Ausdruck der Schlusserklärung habe ich Herrn Broder übergeben.

Nach der Diskussion habe ich Herrn Broder ein Dossier überreicht mit den rassistischen, menschenverachtenden und islamfeindlichen Schriften, die wir nach der Veröffentlichung unserer kritischen Stellungnahme betreffend einseitiger Einladungspolitik der Organisation WeltStadt Wien und unseres Appells an ihren Präsidenten, Dr. Johannes Hahn, Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, „der Sensibilität der Thematik Rechnung zu tragen und offensichtlicher Verhetzung entgegenzuwirken.“ erhalten haben. Dabei machte ich den Hinweis, dass die Absender sich mit den Thesen von Herrn Broder offensichtlich identifizieren, ja auch als „seine Verteidiger“ auftreten. Das Gespräch mit Herrn Broder war wie erwartet hart und kritisch, jedoch äußerst nett und angenehm. Er hat sich bei mir für das Kommen und für das Kurzreferat bedankt und den Wunsch geäußert, mal „auf einen Cafe“ gemeinsam zu gehen um weiterzudiskutieren. Sehr gerne würde ich das Gespräch jeder Zeit fortsetzen.

Dass die FPÖ sich jetzt als „Hüterin“ Herrn Broders aufstellt, passt offenbar in ihr Weltbild. Muslime als Prügelknaben zu missbrauchen ist bei ihnen schließlich nichts Neues. Dass Muslime „daham“ sind und so natürlich mitreden, wenn gegen sie polemisiert wird, können sie sich wohl schwer gewöhnen. Abschließend ein besonderer Dank an die Städtische Bücherei.

Bei allfälligen Fragen stehe ich gerne zur Verfügung

Tarafa Baghajati

Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen ,
http://www.islaminitiative.at
baghajati [at] aon.at und
Vizepräsident von ENAR - European Network against Racism
 www.enar-eu.org/en/

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Aussendung der FPÖ zur Information:

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Jenewein: Skandalöse Interventionen durch Mitarbeiter der MA 13 bei Lesung von Buchautor Henryk Broder! Mit der Androhung von Disziplinarmaßnahmen sollte die Leiterin der städtischen Bücherei in der Hütteldorfer Straße "gefügig" gemacht werden

Wien, 22-02-2007 (fpd) - Als Sittenbild roter Allmachtsphantasien und Skandal bezeichnete heute der Landesparteisekretär der Wiener FPÖ, Hans-Jörg Jenewein, die Vorgänge rund um eine Lesung des bekannten Buchautors Henryk Broder in einer Städtischen Bücherei am 22.Februar. Broders Buch "Hurra, wir kapitulieren!" war offenbar für manche Vertreter der Einbürgerungspartei SPÖ derart provokativ, dass man mit massiven Druck aus der MA 13 erzwingen wollte, die Lesung Broders zu einer Podiumsdiskussion umzuwandeln. Bereits Stunden vor der Veranstaltung forderte der allseits bekannte Islam-Aktivist Tarafa Baghajati gemeinsam mit Broder am Podium zu sitzen, was dieser jedoch ablehnte.

Die Vorgehensweise der MA 13 in diesem Bereich zeige einmal mehr, dass innerhalb der Wiener SPÖ offenbar bewusst daran gearbeitet werde, jene Stimmen unserer Gesellschaft mundtot zu machen, die nicht in den allgemeinen Gesang der "Multi-Kulti-Träumer" einstimmen möchten. Dass jedoch nicht einmal vor Interventionen und angedrohten Disziplinarmaßnahmen Halt gemacht werde, offenbare das wahre Ausmaß dieser gefährlichen Entwicklung.

Vizebürgermeisterin Grete Laska ist dringend aufgerufen ihre Mitarbeiter innerhalb der MA 13 zur Ordnung zu rufen und sich in aller Form für diesen Nötigungsversuch bei der Leiterin der Bücherei zu entschuldigen. So ein Vorgehen ist einer westlichen Weltstadt unwürdig und auch Herrn Baghajati sei eindringlich auf dem Weg mitgegeben, dass es in unserer Gesellschaft eine Frage von Anstand und Benehmen sei, auf Co-Referate - so wie er es im Anschluß an die Lesung getan hat - zu verzichten, und die primitivsten Regeln einer entsprechenden Diskussion einzuhalten, so Jenewein abschließend. (Schluß)

Rückfragehinweis:   

Klub der Freiheitlichen
Pressestelle
Tel.: (01) 4000 / 81 798

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - www.OTS.AT  ***

OTS0109    2007-02-22/11:38

Muslimische Solidaritätserklärung

Die unterzeichnenden Organisationen zeigen sich besorgt über die zum Teil tendenziöse mediale Berichterstattung und Angriffe der FPÖ gegen namhafte integre muslimische Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Wir solidarisieren uns mit den Betroffenen.

Wir möchten betonen, dass diese Personen uns seit Jahren als offen und gemäßigt bekannt sind. Sie handeln auf der Basis von Demokratie und Pluralismus und im Bekenntnis zu Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Unqualifizierte Angriffe werden von uns aufs schärfste zurückgewiesen. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich ist als Körperschaft öffentlichen Rechts die offizielle Vertretung der Muslime im Lande. Ihre Linie, Stellungnahmen und öffentliche Verlautbarungen werden von uns voll und ganz unterstützt und mitgetragen.

Das Vorbildmodell Österreichs im Umgang mit dem Islam und den Muslimen auf der Grundlage staatlicher Anerkennung darf in keiner Weise in Frage gestellt werden, sondern bedarf des gesellschaftspolitischen Ausbaus und der Weiterentwicklung.

Wien, am 30. Jänner 2006

Die Unterzeichnenden in alphabetischer Reihenfolge:

Al Falah Moschee
Ägyptischer Club in Wien
Ägyptischer Kultur- und Informationsverein
Arabischer Kulturverein
Ar-Rasheed - Nigerianisches Islamischer Forum
ATIB Türkisch-Islamische Union für kulturelle u. soziale Zusammenarbeit – 57 Standorte in Österreich
Bait al Mukarram, Bangladesch, islamischer Kulturverein
Bangladesh Islamic Cultural Centre
Bündnis Mosaik
Dachverband der Bosniaken in Österreich – 23 Standorte in Österreich
Forum Muslimische Frauen
Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen – Schura Moschee
Hidaya Moschee
Ibn Taimia - Islamisches Zentrum
Irakhilfswerk
Islamisches Zentrum in Wien
IMÖ Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
Islamische Religionspädagogische Akademie
Islamische Föderation – 46 Standorte in Österreich
Kulturverein Kanafani
Liga Kultur
Mesdzid El-Iman
MLV, Muslimischer Lehrerverein
Moschee Dar as-Salam
Muslimische Jugend Österreich
Muslimischer Akademikerbund
Nigerianisch Islamischer Verein
Union Islamischer Kulturzentren - 22 Standorte in Österreich
Verein El-Nur – 3 Standorte in Österreich
Verein Solmit-IRGW
Österreichisch-Arabische Ärzte und Apothekervereinigung
Österreichisch-Arabische Union
Österreichisch-Syrisches Ärztekomitee
Palästinensische Vereinigung in Österreich
Plattform Islam
Türkische Föderation – 17 Standorte in Österreich
Verband der syrischen Gemeinden in Österreich
Verein Albanische Muslime
Völkerverständigungsverein Al Andalus

Verurteilung des Mordes an Hrant Dink

Die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen verurteilt aufs schärfste den feigen Mord an dem armenischen Schriftsteller Hrant Dink. Es gibt nichts, was dieses Verbrechen rechtfertigt. Meinungsfreiheit ist ein unschätzbares Gut und diese gilt es insbesondere bei sensiblen Themen zu verteidigen. Rassismus und starrer Nationalismus können nur zu Tragödien führen, wie sich im Falle der Ermordung von Hrant Dink schrecklich zeigt.

Dass aus islamischer Sicht an der Einstufung dieser Tates als Mord und Verbrechen nicht zu rütteln ist, sollte sich von selbst verstehen. Daran ändert gar nichts, ob der Täter am Freitagsgebet an diesem Tag teilgenommen hat oder nicht. Notwendig ist es in die Bildung der jungen Leute zu investieren, damit Pluralismus und Respekt, sowie Akzeptanz des anderen keine leeren Hülsen bleiben.

Wir möchten hiermit der armenischen Gemeinde in Österreich und den Angehörigen des Autors unser Beileid aussprechen und hoffen, dass dieser tragische Fall als mahnendes Zeichen für die Zukunft verstanden wird.

Für die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Dipl.- Ing. Tarafa Baghajati

Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen , http://www.islaminitiative.at
baghajati [at] aon.at und
Vizepräsident von ENAR - European Network against Racism www.enar-eu.org/en/
Mobil 0043 (0) 664-521 50 80

Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen:

Für Rückfragen und Korrespondenz kontaktieren sie bitte:

Omar Al Rawi +43-650-3831942 al-rawi [at] gmx.at
Amina Baghajati +43-1-2595449 baghajati [at] aon.at
Mouddar Khouja +43-6991-9685096 referent [at] derislam.at
Andrea Saleh +43-664-4147620  frauen [at] derislam.at
Tarafa Baghajati +43-664-521 50 80  baghajati [at] aon.at

 

 

Stellungnahme der IGGiÖ zum Vorwurf "Hassprediger" gegen Scheich Adnan Ibrahim

Befremden löst eine anonyme Anzeige gegen den Imam der Schuramoschee Scheich Adnan Ibrahim bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft aus. Denn dieser Gelehrte genießt inzwischen weit über Österreich hinaus einen ausgezeichneten Ruf wegen seiner aufgeklärten und liberalen Haltung, mit der er die Herausforderung aufgreift,  Muslime bei der Entwicklung eines eigenständigen und zugleich authentischen Profils in Europa theologisch zu begleiten.

Beachtung fanden bisher unter anderem folgende Aktivitäten und Stellungnahmen:

  • Maßgebliche Beteiligung bei der ersten österreichischen Imamekonferenz im April 2005 mit einem klaren Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten und einer Absage an Fanatismus und Gewalt
  • Fatwa gegen Terrorismus (aus Anlass der Anschläge in London)
  • Forderung nach Einhaltung von Frauenrechten
  • Eintreten für Religions- und Meinungsfreiheit (Anlassfälle Theo van Gogh, Abdu Rahman)
  • Kampf gegen FGM, zuletzt bei Al Azhar Konferenz in Kairo
  • Kritische Auseinandersetzung auch mit der politischen Geschichte in der muslimischen Welt

Daher möchten wir eindringlich darauf hinweisen, wie verfehlt die leichtfertige Verwendung einer Vokabel wie „Hassprediger“ ist, wird mit einer solchen ernsten Beschuldigung doch wiederum eine scheinbare Berechtigung für eine generelle Abwehrhaltung geliefert: Wer angeblich hasst, den darf man hassen.  Es sollte zudem eine Selbstverständlichkeit sein, bei dermaßen schwerwiegenden Vorwürfen die Stellungnahme des Betroffenen einzuholen.

Scheich Adnan Ibrahim selbst gab gegenüber der Islamischen Glaubensgemeinschaft an, eine Anzeige wegen Rufschädigung gegen Unbekannt einbringen zu wollen.

Im Folgenden eine kleine Linkliste als Überblick und für weitere Recherche. Als Interviewpartner war Scheich Adnan vom hauseigenen Magazin des Innenministeriums genauso gefragt wie in einer großen ORF Dokumentation und österreichischen Printmedien, gab ein viel übernommenes Interview für Reuters und für eine der großen dänischen Tageszeitungen, Berlinske.

www.bmi.gv.at/oeffentlsicherheit/2006/03_04/Islam_in_Oesterreich.pdf
http://wien.orf.at/stories/47203/
http://www.kathpress.at/content/site/home/database/6017.html
http://www.politikforum.de/forum/showthread.php?t=111658&pp=15
http://religion.orf.at/projekt03/news/0611/ne061127_fgm_fr.htm
www.stopfgm.net/dox/0506_MuslimInnen%20aktiv%20gegen%20FGM.pdf
http://www.falter.at/web/print/detail.php?id=119
http://www.document.no/2006/06/osterriksk_imam_fordommer_terr.html
http://www.kult-co-tirol.at/text/anal_m94.htm
http://www.wwrn.org/article.php?idd=21150&sec=33&con=47
http://www.amp.ghazali.net/html/austrian_muslims.html
http://www.schule.at/index.php?url=events&&url=events&archiv=1&modul=&bundesland=W&time=archiv<

Vor Beginn des europäischen Jahrs für Chancengleichheit: Ungleichbehandlung von Babys als Schande für Österreich

Die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen teilt uneingeschränkt die bisherigen Proteste gegen die durch das Sozialministerium vollstreckte Praxis, die Auszahlung des Kindergeldes für ausländische Babys in Österreich lebender Eltern zu verweigern, bis diese nach langwierigen formalen Wegen einen eigenen Aufenthaltstitel besitzen.

Wir rufen allen politisch Verantwortlichen im Land in Erinnerung, dass das Jahr 2007 als „Europäisches Jahr für Chancengleichheit“ ausgerufen wurde. Es wäre eine Schande für Österreich, wenn auch noch dann Österreich durch die Ungleichbehandlung von Babys und Jungmüttern negative Schlagzeilen in der Welt schreibt.

Dass der FPÖ diese diskriminierende Maßnahme noch zu wenig weit reichend ist und sie für eine generelle Streichung des Kindergeldes für hier legal lebende und Steuer zahlende nichtösterreichische Bürger auftritt, zeigt, dass Diskriminierung und Menschenverachtung für diese Partei nicht nur ein Wahl- sondern ein politisches Programm ist.

Fragen und Kontakt:

Dipl.- Ing. Tarafa Baghajati
Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen,
http://www.islaminitiative.at
Vizepräsident von ENAR - European Network against Racism
www.enar-eu.org/en/
Mobil 0043 (0) 664-52150 80, e-mail : baghajati [at] aon.at

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