Der Standard

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Assad muss gehen!

Politische Interventionen aus Moskau und Teheran wären effizienter als militärische

Als George W. Bush 2003 Syrien in die "Achse des Bösen" reihte, galt als Konsens in ganz Syrien, dass das Land im Fall eines US-Militärschlags zu verteidigen sei – unabhängig von der Haltung gegenüber dem Assad-Regime. Die Syrer sind gegen militärische Eingriffe. Zudem haben die US-Interventionen der letzten 20 Jahre weder zu Demokratie noch zu Verbesserungen in betroffenen Ländern (Afghanistan, Irak) geführt.

Drei Gründe werden gegen eine Militärintervention vorgebracht: Tötung von Zivilisten, Zerstörung von Infrastruktur und Etablierung eines politischen Systems gegen den Willen der Bevölkerung. Genau diese Punkte aber bilden das skrupellose Programm des Regimes von Bashar al-Assad. Die roten Linien sind längst überschritten – spätestens seit dem Bombardement von Wohnvierteln wie in Homs, Aleppo, Damaskus, Idlib und Daraa. Die Bilder der Zerstörung verdeutlichen, dass es sich um Verbrechen gegen die Menschlichkeit handelt.

Kann es eine politische Lösung geben? Diese ist abhängig vom Einwirken Russlands, eventuell auch des Iran, als "Schutzmächte" des Regimes: Assad muss gehen! Ein Machtwort aus dieser Richtung würde die Tür zu einer politischen Lösung öffnen – fürs Erste ohne das Regime völlig niederzumachen, wie es, wenn auch unausgesprochen, das Ziel eines Militärschlages scheint. Weiteres Blutvergießen könnte verhindert werden. Der Weg wäre frei, diverse Akteure an einen Tisch zu bringen und ein freies, demokratisches Syrien zu er­richten.

Eine politische Lösung mit Assad dagegen ist nach seinen Verbrechen völlig ausgeschlossen. Dies sollen vor allem jene bedenken, die gegen eine militärische Intervention auftreten. Wer gegen Krieg ist, darf weder blind sein für die militärischen Interventionen der Hisbollah und die militärische Unterstützung durch den Iran und Russland noch dafür, wie untragbar Assad geworden ist. Die Absetzung des Diktators ist der Schlüssel für ein konstruktives, möglichst gewaltfreies weiteres Vorgehen. (DER STANDARD, 9.9.2013)

Tarafa Baghajati (52) ist in Damaskus geboren und Obmann der Initiative muslimischer Österreicher-innen

Tierethik aus unterschiedlichen Blickwinkeln

Julia Schilly, 28. November 2012

Der Verein Weltethos präsentiert eine Sammlung aus Beiträgen, die Tierethik aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten

Wo beginnt Tierquälerei und wo endet religiöse Selbstbestimmung? Wie schwierig es dabei ist, eine Grenze zu ziehen, zeigten die Diskussionen im Rahmen einer Ringvorlesung an der VetMed Wien. Veterinärmediziner, Theologen, Philosophen und Juristen besprachen aktuelle Themen wie Schächten, Tierquälerei oder Tierversuche. Auch speziellere Bereiche wie Qualzuchten, Animal Hording oder Zoophilie wurden beleuchtet. "Wir legen außerdem Wert darauf, dass Vertreter der Weltreligionen zu Wort kommen", erklärt Mitherausgeberin Edith Riether. Sie ist Präsidentin der Initiative Weltethos Österreich. Der Sammelband der Ringvorlesung wird nun im Rahmen einer Podiumsdiskussion präsentiert.

Ethik und Sicht der Weltreligionen verbinden

Die Vortragsreihen, die auch schon an der TU Wien, der Uni Wien oder der Juridischen Fakultät stattgefunden haben, werden vom Verein Weltethos veranstaltet. Innerhalb eines Semesters sollen ethische Fragen und die Sicht der Weltreligionen diskutiert werden. Das soll die Studierenden auf ethische Probleme aufmerksam machen, die sie im Berufsleben antreffen werden.

"Religionen haben über Jahrtausende die Menschen geprägt", berichtet Riether. Daher liege es nahe, dass sie auch unsere Beziehung zu Tieren beeinflusst haben. Sie ergänzt: "Beim modernen Menschen kommt noch dazu, dass er auf die religiösen Hintergründe vergisst und das Tier nur noch als Produktionsmittel betrachtet, aus dem er so viel Gewinn wie möglich heraus schinden kann."

Diskussion rund um das Thema Schächten

Der Vertreter des Hinduismus hatte es in der jeweils anschließenden Diskussion zu den Vorträgen einfacher, da Mensch und Tier generell als göttlich betrachtet werden. Auch im Buddhismus gilt eine Ethik für alle fühlenden Wesen. Die lebhafteste Diskussion entstand erwartungsgemäß rund um das Thema Schächten. Dabei soll das Tier durch einen einzigen Schnitt an der Halsunterseite ausbluten. Denn der Verzehr von Blut ist sowohl im Judentum als auch im Islam verboten. "Hier wurde um Sekunden gestritten, wann der Tod der Tiere bei der Schlachtung eintritt", berichtet Riether.

Viele andere Aspekte des islamischen Glaubens im Bereich Tierethik werden aber in der öffentlichen Debatte geflissentlich ausgeblendet. Dabei würden genau diese Bereich zeigen, dass der Islam trotz der Praktik des Schächtens eine rücksichtsvolle Einstellung zum Tier hat. So wird im Islam die Unfehlbarkeit Allahs zum Beispiel mit der Schönheit der Tiere dargestellt. Im Koran stößt der Leser wiederholt auf positive Tiergeschichten oder Beispiele mit Tieren. Die Kuh, das Vieh, die Biene, die Spinne, die Ameise oder der Elefant sind Namen von Suren, den Abschnitten der heiligen Schrift der Muslime. Laut Koran ist es außerdem verboten, ein Tier vor den Augen eines anderen Tieres zu töten.

Doch auch im Koran hat der Mensch dem Tier gegenüber nicht nur Verantwortung, sondern auch Privilegien. Den Menschen ist erlaubt, Nutztiere zu halten, diese für ihr Wohl und den Transport zu gebrauchen und auch manche Arten von Tieren zu verzehren. "Die Verantwortung liegt darin, für das Wohl der Tiere zu sorgen. Es gehört auf keinen Fall zu den Vorrechten des Menschen, Gottes Geschöpfe körperlich zu misshandeln", ergänzt Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, in seinem Artikel. Jede Verfehlung gegenüber Tieren gelte als ebensolche gegenüber Allah.

Christentum und Stellung der Tiere

In christlichen Schriften und Überlieferungen ist hingegen nur wenig über Tierethik zu finden. Als sekundäre Quellen ist etwa Franz von Assisi am bekanntesten. Tiere werden oftmals als negative Metaphern oder Symbole verwendet. Berühmtes Beispiel ist die Schlange, die Adam und Eva zum Essen des verbotenen Apfels verleitete und damit den Rauswurf aus dem Paradies provozierte.

Die meisten Kleriker, Theologen und Gläubige seien heute unbekümmerte Fleischesser, die das immense tierische Leid in industriellen Tierfabriken ignorieren oder verdrängen, schreibt der römisch-katholischer Theologe Kurt Remele in seinem Beitrag. Bedeutende Theologen wie etwas Thomas von Aquin waren davon überzeugt, dass Gott die Tiere für die Menschen geschaffen und zu ihrem Gebrauch bestimmt hat. Das impliziert, dass sie nach Belieben getötet werden können.

Die heutige biblische Exegese und kirchenamtlichen Erklärungen widersprechen dieser Ansicht teilweise, wie auch Riether betont. Sie hat nach ihrer Karriere als Dolmetscherin im österreichischen Parlament in der Pension Theologie studiert. "Der Aspekt 'Untertan machen' stimmt so nicht", sagt sie. Der Herrschaftsauftrag rechtfertige keineswegs Unterdrückung, Ausbeutung und Verwüstung. Vielmehr sei damit gemeint, dass der Mensch die Tiere umsorgen und hegen soll. "Er soll Verantwortung gegenüber der restlichen Schöpfung Gottes übernehmen", erklärt Riether.

Qualzucht für die "Schönheit"

Die besprochenen Themen kreisten eher um den Bereich Massentierhaltung, Schlachtung und Fleischverzehr. Doch nicht nur in der Fleischproduktion gebe es Missstände, wie Irene Sommerfeld-Stur mit ihrem Vortrag zeigte: "Selbst dort, wo Tiere definitionsgemäß als 'Companion Animals', also als Gefährten der Menschen gehalten werden, sind sie fast noch mehr als im reinen Nutztierbereich der menschlichen Willkür ausgesetzt." Sommerfeld-Stur beschreibt die gesundheitlichen Auswirkungen: Taubheit, Blindheit, Atemnot, Missbildung der Schädeldecke, chronische Entzündungen der Haut.

Ein Beispiel ist der Dackel, der ursprünglich gezüchtet wurde, um auf der Jagd in Fuchs-, Dachs- oder Kaninchenbauten schlüpfen zu können. Die kurzen, kräftigen Beine und der geringe Brustumfang ermöglichten das. Doch die anatomische Veränderung beruht auf einer Defektmutation, oft kommt es daher zu gesundheitlichen Problemen. Die Rasse ist wegen einer Veränderung des Knorpelstoffwechsels besonders anfällig für Erkrankungen der Bandscheibe.

Doch nicht nur Zuchthunde können betroffen sein: Auch manche Pferde leiden unter einer chronischen Gelenkserkrankung. Sogar Zierfische sind Opfer von menschlichen Züchtungen. Die Löwenkopfvarianten bei den Goldfischen sind aufgrund einer erhöhten Neigung zu Hauterkrankungen als qualzuchtrelevant anzusehen, schreibt die Autorin in ihrem Beitrag.

Das österreichische Tierschutzgesetz setzt bei der Definition der verbotenen Qualzuchten nicht mehr an Merkmalen der Rassen an, sondern an den klinischen Symptomen der betroffenen Tiere. Das Ziel ist also nicht mehr das Verbot bestimmter Rassen, sondern die Vermeidung von Extremvarianten. (Julia Schilly, derStandard.at, 27.11.2012)

Tier-Mensch-Ethik

Herausgeber Edith Riether, Michael Noah Weiss
Lit Verlag
232 Seiten
24,90 Euro

Diskussion Tier-Mensch-Ethik

30. November, 19 Uhr, Hörsaal 3D, Neues Institutsgebäude (NIG), Universitätsstraße 7, 1010 Wien

Es sprechen (Anm. IMÖ: aktualisiert nach der Veranstaltung):

Peter Kampits, Alt-Dekan
Edith Riether, Präsidentin der Initiative Weltethos Österreich
Richard Kisling, Vertreter des LIT-Verlages

Podiumsdiskussion:

Franz Wuketits, Universität Wien
Tarafa Baghajati, Vertreter des Islams

Bimal Kundu, Vertreter des Hinduismus
Gerhard Weissgrab, Vertreter des Buddhismus
Erwin Lengauer, FEWD am Institut für Philosophie, Universität Wien
Daria Hainz, Vertreterin von VIER PFOTEN
Edith Riether

Hintergrund Stiftung Weltethos

Hans Küng erforschte und konzipierte das Weltethos anhand vergleichender Studien über die Weltreligionen sowie über humanistisch orientierte Philosophien und deren ethische Inhalte. Ziel war, globale ethische Standards zu etablieren, die von jedem Menschen vertreten werden können - egal welcher Kultur oder Religion er angehört. 1993 unterzeichneten Vetreter aller großen religiösen Tradition die Erklärung zum Weltethos im Rahmen des Parlaments der Weltreligionen in Chicago.

****** ENDE ******

Buchempfehlung der IMÖ:

http://www.amazon.de/Tier-Mensch-Ethik-Edith-Riether/dp/3643503016

Tier - Mensch - Ethik

Edith Riether (Herausgeberin), Michael Noah Weiss (Herausgeber)

Mit einem Beitrag von Tarafa Baghajati: Mensch-Tier-Beziehung und Tierschutz im Islam

Der Koran als Werbeprospekt?

Gastkommentar von Tarafa Baghajati im Print-Standard 20. April 2012

Kommentar der anderen | Tarafa Baghajati, 19. April 2012, 18:27

Warum die missionarisch geprägte Koran-PR-Aktion in Deutschland weder dem Geist des Buches entspricht noch dessen Verbreitung, geschweige denn der Debatte um den Islam dienlich ist

Zuerst sollte festgehalten werden, dass gegen die Verteilung von religiösen Schriften wie dem Koran prinzipiell nichts einzuwenden ist. In diesem Sinne ist auch die unaufgeregte Haltung des österreichischen Verfassungsschutzes zu begrüßen. An einem Import der polemischen und zugespitzten Debatte aus Deutschland herrscht hierzulande auch keinerlei Bedarf.

Natürlich kann und soll über solche Aktionen gesellschaftspolitisch in aller Offenheit diskutiert werden. Allerdings erfüllt es uns Muslime mit Sorge, wenn in zahlreichen veröffentlichten Debattenbeiträgen, wenn auch selten explizit, in Richtung Kriminalisierung von Korantexten argumentiert wird ("Schutzzonen" etc.). Hinzu kommt der nun allgemein zu Unrecht entstandene Eindruck, dass jeder, der Korane verschenkt, ein Salafist oder gar Extremist sein muss.

In der konkreten Sache selbst stellt sich natürlich die Frage, ob eine flächendeckende Koranverteilung tatsächlich zu einer größeren Informiertheit der Bevölkerung zum Thema Islam führt. Es ist unbestritten, dass der Koran als islamische Hauptquelle für ein besseres Verständnis unserer Religion von großer Bedeutung ist. Aber neben dem Koran sind Einleitungen, Erklärungen und Exegesen unerlässlich, um mit den religiösen Texten nutzbringend umgehen zu können. Zahlreiche Verse sind nicht buchstäblich zu verstehen; vieles erschließt sich erst in der Gesamtschau mit Vor- und Nachtexten unter Berücksichtigung des "Asbab Annuzul", des Offenbarungsanlasses.

Die Muslime haben eigene theologische Wissenschaften entwickelt, um die vielschichtigen heiligen Texte zu ergründen. Die einfachen Gläubigen tradieren von Generation zu Generation nicht nur den Koran, sondern auch all das andere islamische Wissen, in dem ein Verständnis des Korans eingebettet ist.

Das alles ist einem interessierten nichtmuslimischen Publikum allgemein bekannt. Es kann aber kaum davon ausgegangen werden, dass das bei Passanten vorauszusetzen ist, die zufällig auf der Straße ein Koranexemplar in die Hand gedrückt bekommen.

Aus muslimischer Sicht ist auch der laxe Umgang mit dem Koran, als wäre er eine billige Massenware oder Werbematerial, nicht unbedenklich. Muslime bemühen sich um einen würdevollen Umgang mit diesem Buch. Bei dieser Aktion ist aber davon auszugehen, dass nicht selten verteilte Exemplare einfach im Müll landen werden. Islamfeindliche Akteure im Internet kündigten bereits an, bewusst möglichst viele Exemplare den Verteilern abzunehmen, um diese danach herabzuwürdigen.

Muslime haben theologisch gesehen einen Informationsauftrag; aggressive Missionierungsversuche oder - noch problematischer - sektiererisches Verhalten ist auch islamisch gesehen dezidiert unerwünscht. Der islamische "Daiia" (Arabisch Verkünder, Aufklärer) darf nicht anonym agieren und soll in erster Linie ein vorbildhaftes soziales Verhalten an den Tag legen. Sich hinter irgendwelchen Pseudonymen zu verstecken, wie es hier auch passiert, ist nicht vertrauenerweckend. Die Arroganz, die vielen Missionierungsversuchen zugrunde liegt (der Missionar im Alleinbesitz der Wahrheit, der andere ein Nichts) widerspricht dem Geist des Islam, der zuvorderst Bescheidenheit und Demut verlangt und zudem fremde religiöse Traditionen hochschätzt.

Im Koran selbst heißt es (Sure 16, Vers 125): "Lade zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung ein und diskutiere mit ihnen auf die beste Art und Weise ...". Ob solche Aktionen tatsächlich der Weisheit letzter Schluss sind, sei dahingestellt! (Tarafa Baghajati, DER STANDARD, 20.4.2012)

Autor

Tarafa Baghajati ist Obmann der Initiative muslimischer Österreicher/-innen und Kulturreferent der Islamischen Religionsgemeinde Wien.

 

 

 

 

 

Der Standard -Müssen Imame Deutsch predigen? - Gastkommentar von Omar Al-Rawi

Anmerkungen zu jüngsten Forderungen von Sebastian Kurz

Was hat Religion mit Integration zu tun? Eigentlich gar nichts. Integration ist a priori keine religiöse Angelegenheit. Da aber der überwiegende Teil der Muslime Österreichs eine Zuwandergeschichte hat, ergibt sich dies zwangsläufig - und daher geschieht es auch immer wieder, dass sich der neue Integrationsstaatsekretär mit islamischen Themen beschäftigt. Er initiiert das Dialogforum Islam, macht sich Gedanken um die Imame-Ausbildung und möchte die Predigten in den Moscheen auf Deutsch hören. Fast könnte man meinen, er sei der Kulturminister.

Nun ist es sicher vernünftig und notwendig, dass es eine Ausbildungsstätte für Imame in Österreich geben soll. Warum jedoch langfristig die Imame ausschließlich in Österreich ausgebildet werden sollten, bleibt mir ein Rätsel. Zumal es doch auch zum Grundverständnis der Freiheit der Wissenschaft gehört, dass man universitäre Ausbildungen jeglicher Art selbstverständlich auch an ausländischen Universitäten absolvieren darf.

Vielleicht wäre es aber ein akzeptabler Zwischenschritt, für in Österreich lebende Muslime an anerkannten Fakultäten im Ausland Stipendien zu vergeben, um solcherart "einheimische Imame" auszubilden und zu qualifizieren. Im übrigen sollte man nicht vergessen, dass inzwischen zahlreiche ausländische Pfarrer in Österreich tätig sind. Und niemand käme wohl auf die Idee, deren Loyalität zu Österreich oder deren Qualifikationen in Frage zu stellen. Und: Ja, die Imame sollten die deutsche Sprache beherrschen, doch warum sollte ein mazedonischer, türkischer oder albanischstämmiger Muslim seine Predigt nicht in seiner Muttersprache hören dürfen?

Schließlich wird in der polnischen und russischen Kirche auch nicht auf Deutsch gepredigt. Außerdem finden viele Messen auf Ungarisch, Kroatisch und Slowenisch statt. Davon abgesehen wird ja bereits heute in etlichen Moscheen Wiens die Predigt auf Deutsch gehalten. Die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich hat Deutsch als Amtssprache; ihr Schriftverkehr und sämtliche Sitzungen werden in deutscher Sprache abgewickelt.

Die religionspädagogische Akademie unterrichtet auf Deutsch, und unsere 50.000 Schülerinnen und Schüler in den öffentlichen Schulen erhalten ihren Religionsunterricht auf Deutsch. Niemand zweifelt also die Tatsache an, dass Deutsch ein wesentlicher Bestandteil einer funktionierenden Integration ist. Daher braucht es dafür auch keine Vorschrift, weil Deutsch zu sprechen einfach eine Notwendigkeit ist. Wer es nicht tut, verbaut sich und seinen Kindern die Zukunft und den sozialen Aufstieg. (Omar Al-Rawi, DER STANDARD, 29.3.2012)

Autor

Omar Al-Rawi

Ehemals Langjähriger Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, ist Vorstandsmitglied der Initiative muslimische Österreicher/-innen

Systemwechsel in Syrien - ohne Militärintervention

Die Weltgemeinschaft soll klar und deutlich von einem Natoangriff Abstand nehmen - Von Tarafa Baghajati

(Originaltext-Ungekürzte Version)

Das syrische Dilemma

Systemwechsel, aber ohne militärische Intervention!

Kommentar von Tarafa Baghajati, Wien 28. Dezember 2011

Die alte Weisheit gilt noch immer: Wer gegen sein Volk schießen lässt, verliert jede Legitimität auf einen Führungsanspruch. Alle Hoffnungen, die auf  Syriens  jungem, anfangs durchaus populären Präsidenten Bashar Al Assad lagen, mutige Reformschritte in Gang zu setzen, sind zunichte. Wie aber ein möglichst friedlicher Macht- und Systemwechsel zu bewerkstelligen wäre – darüber scheint die ganze Welt zu rätseln.

In drei Punkten herrschte bis vor kurzem bei den revolutionären und oppositionellen Kräften Syriens Konsens: 

− Erstens in der strikten Ablehnung einer militärischen Intervention von außen, von welcher Seite auch immer. Denn ein Szenario wie im Irak ist für Syrien ein Desaster Und das Beispiel Libyens ist weder praktikabel noch nachahmenswert.  

− Konsens bestand auch in der Gewaltfreiheit und der kategorischen Ablehnung des Waffengebrauchs seitens der Revolution.

− Drittens herrscht Einigkeit darüber, dass Syrien eine Konfessionalisierung bzw. Ethnisierung des Konfliktes auf keinen Fall verträgt. Der Systemwechsel soll in gleichberechtigter Weise von allen ethnischen und religiösen Bevölkerungsgruppen getragen sein – von Sunniten,  Alewiten, Christen, Drusen, Kurden, Assyrern und anderen.

Gefährlich ist, dass in den vergangenen Wochen Stimmen aufgekommen sind, die doch eine Außenintervention zu rechtfertigen versuchen, ja sogar verlangen.

Auch die Gewaltlosigkeit und Friedfertigkeit geraten ins Wanken, insbesondere nachdem sich auch Deserteure, jetzt Teil der „Syrischen Freien Armee“, zu Angriffen auf die syrische Armee bekennen, die nicht unbedingt dem Schutz der Bevölkerung dienten.  Es kann nicht sein, dass oppositionelle Militärs alle Militärangehörigen zu legitimen Zielen erklären und auf sie schießen.

Zudem erleben wir Stimmen, die Hass zwischen den Schiiten und Sunniten schüren möchten und die primär nicht eine syrische, sondern eine antiiranische Agenda haben.

Die Infragestellung dieser drei Prinzipien der syrischen Revolution macht die Sache noch viel komplexer und drängt die berechtigten Anliegen der Demonstrationen und ihren Durst nach Freiheit, Würde und Menschenrechte in den Hintergrund.

Eine weitere Herausforderung besteht darin, dass sich die sogenannte schweigende Mehrheit, insbesondere in den Großstädten Damaskus und Aleppo, noch nicht der Protestbewegung angeschlossen haben. Der Hauptgrund liegt darin, dass die syrische Opposition unter fehlenden Führungsfiguren und Kommunikatoren leidet, die in Syrien ihre Wurzeln haben, international agieren können und gesellschaftspolitische Visionen samt gangbaren Wegen zu deren Verwirklichung formulieren.

Ob der in Istanbul gegründete Nationalrat diese Lücke schließen kann, ist mehr als fraglich. Dazu kommt, dass das Regime, anders als seinerzeit in Ägypten und Tunesien, noch immer über eine Mobilisierungskraft und nicht zu unterschätzende Anhängerschaft verfügt. Dieses Spektrum kann niemand völlig aus dem politischen Kalkül ausblenden.

Das Wichtigste, was die Weltgemeinschaft zurzeit machen kann und muss, ist der syrischen Opposition klar und deutlich zu sagen, dass es einen Nato-Angriff auf Syrien nicht geben wird. Zweideutige Formulierungen wie jene von Hillary Clinton oder das öffentliche Nachdenken Frankreichs über einen geschützten Korridor in einer Flugverbotszone (eine nette Formulierung als Alternative zu Militärintervention) bringt die syrischen Kräfte unweigerlich durcheinander. Schon jetzt reden einige Oppositionelle im Ausland, als ob die Nato nur noch auf ihren Befehl warten würde, um einzugreifen. 

Dazu kommt der internationalen Gemeinschaft eine wichtige Rolle bei der Entsendung von Beobachtern zu. Nur durch Beobachter und unabhängige Berichterstattung vor Ort kann das Töten in Syrien gestoppt werden. Die Arabische Liga hat die ersten Beobachter entsandt; mit Spannung darf der erste Bericht erwartet werden.

Hinfällig ist Frage, ob das Regime überhaupt abdanken müsse oder doch einen inneren Wandel bewältigen würde. Heute geht es nur mehr um das „Wie?“ und „Wann?“ − und um die große Sorge, wie viele Menschen bis zum Systemwechsel noch ihr Leben lassen müssen. Das Regime redet von einem notwendigen „nationalen Dialog“; die Opposition will nur über „Verhandlungen“ diskutieren. Egal, wie man es nennen will − es bleibt unbestritten, dass gründliche Reformen in Syrien das Ende dieser Ära einer Personen- und Familienmacht bedeuten würden. Russland könnte hier international positiv wirken, wenn es federführend die Einleitung einer Übergangsphase z.B. unter Farouk Al Sharaa, des jetzigen Vizepräsidenten, unterstützen würde.

Tarafa Baghajati, 1961 in Syrien, Damaskus geboren

Zur Person

Tarafa Baghajati, 1961 in Damaskus geboren, ist Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Vorstandsmitglied der "Platform for Intercultural Europe PIE".

Siehe auch folgende Standard-Kommentare des Autors zum Thema "Arabischer Frühling"

http://derstandard.at/1295571276889/Kommentar-der-Anderen-Eine-Hymne-des-Widerstands
http://derstandard.at/1297821791060/Das-syrische-Experiment

Gastkommentar im "Der Standard": Das syrische Experiment

Countdown für einen Systemwechsel - Von Tarafa Baghajati

Nun sind es inzwischen nicht nur Zeichen der Zeit, sondern schrille Weckrufe, die das Regime in Syrien zum Handeln zwingen. Scharfschützen
ermordeten Demonstranten - unbewaffnete Menschen, die Freiheit und Korruptionsbekämpfung forderten. Aber dieser offene Hinweis, dass eine Systemänderung nötig ist, war wohl ihr Todesurteil.

Buthaina Shaaban, vertraute Beraterin des Präsidenten und freundliches Sprachrohr in heiklen Missionen meldet nun, dass Syrien "vor wichtigen Entscheidungen" stehe, die "den Sehnsüchten des Volkes Rechnung tragen werden" . Ja sogar, dass die Bevölkerung an der Entscheidungsfindung teilhaben werde. Allerdings sind dies Beteuerungen, die seit der Machtübernahme Bashar Al Assads von seinem Vater Hafez immer wieder zu hören waren: große Worte, der keinerlei Taten folgten. Der Unmut des Volkes ist daher verständlich.

Will der Präsident sein Amt behalten, wären umgehend Reformen einzuleiten:

1) Aufhebung des seit 1963 geltenden Ausnahmezustands. Denn unter diesem Deckmantel wird ein grausamer Geheimdienstapparat betrieben, für den Assads Bruder Maher und sein Schwager Asef Shaukat stehen;

2) Meinungs- und Pressefreiheit, Abschaffung von Folter und Freilassung der politischen Gefangenen, allen voran Minderjährige und Frauen;

3) Änderung der Verfassung von 1973, wobei vor allem jener Punkt gestrichen werden muss, der die Führungspositionen innerhalb des Staates und der Gesellschaft der arabischen sozialistischen Baath-Partei vorbehält;

4) Erlaubnis der Gründung von konkurrierenden politischen Parteien;

5) Streichung der Privilegien für die Mitglieder der Präsidentenfamilie, von denen vor allem Assads Cousin mütterlicherseits Rami Makhlouf profitiert: Ohne Arrangement mit dem 41-jährigen syrischen Oligarchen läuft bei größerenv wirtschaftlichen Projekten in Syrien praktisch gar nichts.

Werden die Weichen für diese fünf Punkte noch in diesem Jahr glaubwürdig gestellt, ist Optimismus angebracht. Niemand wünscht sich eine
Destabilisierung. Das weiß auch die syrische Regierung, die übers Staatsfernsehen vom Großmufti bis zum christlichen Patriarchen alle Meinungsmacher ins Rennen schickt, um ein Bild von "einigen vom Ausland gesteuerten Störenfrieden" zu zeichnen, dem die nationale Einheit entschlossen gegenüberstehe.

Bashar Al Assad müsste daran gelegen sein, seine Chancen zu nutzen. Denn auf Grund seiner Biographie gilt er als eine zivile Führungspersönlichkeit (er war Augenarzt, ehe er vom tödlich verunglückten älteren Bruder Basel die Erbprinzenrolle übernahm). Vor allem kann Assad für sich verbuchen, dass seine Außenpolitik von der Mehrheit der Bevölkerung ebenso geschätzt wird wie die ökonomische Stabilität und die niedrige Kriminalitätsrate.

Zu den positiven Aspekten gehört auch das säkulare, traditionell minderheitenfreundliche System: Angesichts der Vielfalt von ethnischen und religiösen Minderheiten, darunter auch vielfältige Ausprägungen innerhalb des Islams und des Christentums, besteht ein berechtigtes Interesse, diese Balance nicht aufs Spiel zu setzen.

Schließlich kommt dem Präsidenten auch die Schwäche der syrischen Opposition entgegen. Diese ist im Ausland schwach und im Inland unglaubwürdig. Das gilt sowohl für die Muslimbruderschaft als auch für die zwei Hauptgegner des Regimes im Ausland, die beide einen sehr schlechten Ruf haben: der frühere Außenminister und Vizepräsident Abdulhalim Khaddam und der Onkel des Präsidenten Rifaat Al Assad. Beide sind alte, korrupte ehemalige führende Personen des Systems, die auch heute noch nur ihre eigenen Interessen, aber nie die des Landes verfolgen.

Eine gewaltfreie Lösung muss das bestehende System von der Wurzel her reformieren. Keine religiösen und schon gar keine starr panarabistische Agenden sind gefragt, sondern eine glaubwürdige Politik für alle. Daher genießen Modelle wie in der Türkei Sympathie in Syrien. Wichtig ist, dass die EU und die Türkei gemeinsam assistierend wirken, weise und ohne starke Einmischung.

Diese Vision ist realistisch, ja sogar im Interesse des Präsidenten dringend notwendig. Die Umsetzung hängt aber ganz alleine von der syrischen Führung ab. Die berechtigten Anliegen als feindliche ausländische Manöver abzutun, wird jedenfalls nicht mehr durchgehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.3.2011)

Tarafa Baghajati (49), Austro-Syrer, geboren in Damaskus, ist Obmann der Initiative muslimischer Österreicherinnen, Gefängnisseelsorger und Imam in Wien.


Pressestimmen zum oben angeführten Artikel:

http://jmdinh.net/articles/international/13429

Der Standard – Autriche

Réaliser des visions communes

Les réformes en Syrie doivent avant tout être soutenues par l’UE et la Turquie. C’est ce que demande l’imam viennois Tarafa Baghajati dans une tribune au quotidien de centre-gauche Der Standard : « Une solution pacifique doit venir réformer le système existant jusqu’à ses racines. Il ne faut ni revendications religieuses ni même rigoureusement panarabiques, mais une politique crédible pour tous. C’est pourquoi des modèles comme celui de la Turquie bénéficient d’une certaine sympathie en Syrie. Il est important que l’UE et la Turquie apportent une assistance commune, de manière réfléchie et sans grande ingérence. Cette vision est réaliste et même urgemment nécessaire dans l’intérêt du président. Sa mise en œuvre dépend toutefois entièrement du leadership syrien. Ignorer des revendications justifiées en les taxant de manœuvres hostiles venues de l’étranger ne sera en tout cas plus accepté. » (29.03.2011)

http://www.eurotopics.net/de/archiv/results/archiv_article/DOSSIER85353-Syriens-Praesident-entlaesst-Regierung

Der Standard - Österreich

Reformen in Syrien müssen vor allem von der EU und der Türkei unterstützt werden, fordert der Wiener Imam Tarafa Baghajati in einem Gastbeitrag für die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Eine gewaltfreie Lösung muss das bestehende System von der Wurzel her reformieren. Keine religiösen und schon gar keine starr panarabistische Agenden sind gefragt, sondern eine glaubwürdige Politik für alle. Daher genießen Modelle wie in der Türkei Sympathie in Syrien. Wichtig ist, dass die EU und die Türkei gemeinsam assistierend wirken, weise und ohne starke Einmischung. Diese Vision ist realistisch, ja sogar im Interesse des Präsidenten dringend notwendig. Die Umsetzung hängt aber ganz alleine von der syrischen Führung ab. Die berechtigten Anliegen als feindliche ausländische Manöver abzutun, wird jedenfalls nicht mehr durchgehen." (29.03.2011)


http://www.eurotopics.net/en/archiv/archiv_dossier/DOSSIER85353-Syria-s-president-sacks-government

Der Standard - Austria

The reforms in Syria must be supported by the EU and Turkey, urges Tarafa Baghajati, chairman of the Austrian Muslim Initiative, in a commentary for the left-liberal daily Der Standard: "A non-violent solution must reform the existing system from the roots upwards. Religious agendas are not called for here, to say nothing of rigid pan-Arab ones. What is needed is a believable policy for all concerned. For that reason models such as that in Turkey enjoy sympathy in Syria. The important thing is that the EU and Turkey should both take a wise and helpful stance, keeping interference to a minimum. This vision is realistic and even essential for the president. But its implementation depends solely on the Syrian leadership. In any event, passing off justified demands as hostile foreign manoeuvring will no longer be tolerated." (29/03/2011)


Türkische Version des Artikels (Achtung nicht 1:1 Übersetzung) in der türkischen Zeitung Yeni Hareket

http://www.yenihareket.com/index.php?option=com_content&task=view&id=5783&Itemid=26

Suriye Dönüm Noktasında

Cuma, 08 Nisan 2011

Suriye’de sistem değişikliği için geri sayım başladı.

Tunus ve Mısır'da rejime karşı vuku bulan ayaklanmalar Suriye yönetimini halkın iradesine yönelik harekete zorluyor. Hürriyet için hak arayan ve yolsuzlukla mücadelede barışçıl çözümlere müteallik, mevcut sisteme karşı gösterilerde bulunan ve sistem değişikliği için mesaj veren insanlar hunharca katledildi.

Devlet Başkanının güvenlik danışmanı ve sözcüsü Buthania Shaaban, Suriye'nin ''Önemli kararlar verme“ aşamasında olduğunu ve halkın özlemlerinin ve beklentilerinin dikkate alınması ve bu kapsamda halk iradesinin gözardı edilememesi gerektiğini vurguladı. Somut olarak olağanüstü halin kaldırılmasını ve parti kararlarının değiştilmesi gerektiğini açıkladı. Ancak, bu vaadler Beşar Esad'ın babası Hafız'ın iktidarından buyana dile getirilen vaadlerdir. Lakin bu güçlü söylemleri hiç bir faaliyet takip etmedi. Söylemler akim kaldı. Binaenaleyh Halkın öfkesini ve hoşnutsuzluğunu bu çerçevede anlamak iktiza eder.

Suriye halkı Esad'ın bu va’adlerinin somut adımlar halinde gerçekçi bir planla uygulamaya geçmesini ümid ediyordu. Esad‘ın 30 Mart 2011 tarihindeki açıklaması bu isteklere bir meşruiyyet kazandırdı fakat maalesef bunu somut bir plan takip etmedi.

Eğer devlet Başkanı görevinde kalarak gerçekten refah ve hürriyet dönemini getirmek istiyorsa, aşağıdaki öngörülen reformların derhal başlatılması gerekmektedir:

1) 1963'den kalma olağanüstü halin kaldırılması. (Olağanüstü hâl bahanesiyle acımasız bir istihbarat çalişması yürütülmekte),

2) İfade ve basın özgürlüğünün verilmesi, işkencenin kaldırılması, (Siyasi mahkumların özellikle çocuk ve kadınların refaha kavuşması gerekmektedir),

3) 1973'den kalma anayasanın değiştirilmesi, özellikle yönetimi sadece Arap Sosyalist Baas Partisine layık gören 8.kararnamenin ortadan kaldırılması,

4) Siyasi partilerin kurulması için izin verilmesi ve bunun için gerekli altyapının oluşturulması,

5)Devlet Başkanının ailesine yönelik imtiyazların kaldırılması. (Örneğin Beşar Esad’ın kuzeninin izni haricinde suriyede hiç bir iktisadi, ekonomik işlem hayata geçirilemiyor).

Şayet bu beş madde 2011 yılı içersininde hayata geçirilirse, o zaman iyimser bir bakış sergilenebilir.

Mevcut Suriye Yönetimi devlet televizyonundan Müftü ve Hırıstiyan Patriği’ni de kullanarak yaptırmış olduğu propagandalarla halkı yatıştırma gayreti içersinde. Bu propagandalar saatlerce devletin tekelindeki TV kanalından halka dikta edilmektedir.

Ancak bu manipülasyonların halktan destek görmeyeceği açık ve net anlaşılmaktadır. Bu yüzden Beşar El Esad’ın yönetimde kalmak için kendisini diğer otokratlardan farklı kılması gerekir.

Beşar Esad’ın Suriye'nin kendi kimliğinden ödün vermeksizin diğer Arap olmayan ülkelerle ve aynı zamanda İran'la olan temasını sürdürmesi, Filistin ve Lübnan direniş hareketlerini desteklemesi ve İsrail'le bir barışa girmemesi, sadece kendi halkı tarafından değil, bütün Arap ülkelerinde de saygılığını artırmaktadır.

Suriye halkınca devlet içerisindeki İstikrar ve suç oranının düşüklüğü takdir ediliyor. Bu sistem de seküler, kültürel ve azınlıklara düşman olmayan bir anlayıştan bahsedilebilir. Azınlıklara Suriye'de eşitlik hatta ayrıcalık gösterilmekte, bunun icin hiç bir azınlık Suriye'de bir sistem değişikliğini istemez. Hırıstiyan azınlıkla ilişkiler Avrupa içinde bir örnek bir modeli olabilir.

Tek istisna ana dili ve kültürü bakımından dezavantajlara uğrayan Kürtler. Bu da çözülmesi gereken önemli sorunlardan biri. Bu dengeyi korumak etnik ve dini çeşitlilik bakımından önemli.

Muhalefetin güçsüz oluşu yönetime avantaj sağlıyor. Gerek Müslüman Kardeşler gerekse iki ana rakip olan başkan yardımcısı Abdülhalim Khaddam ve amcası Rifaat Al Assad veyahutta yolsuzluğa bulaşmış oldukları için ülke içinde ve dışında inandırıcı değiller.

Dini veya pan-arabist bir yaklaşıma değil, herkes için güvenilir bir politikaya ihtiyaç var. Bunun için barışçıl ve köklü bir reform gerekmekterdir. Türkiye gibi örnek modeller bu yüzden Suriye'de büyük ilgi görmektedir.

Her şeyi birebir almamakla beraber Türkiye Cumhuriyetinin Başbakanı Recep Tayyip Erdoğan’ın izlemiş olduğu politikası Suriye için büyük örnek teşkil edebilir. AB ve Türkiye bu değişim sürecinde çok fazla müdahale etmektense "asistanlık" rolünü üstlenebilir. Bu Esad için de yararlı olacaktır.

Protestolara cevap olarak hükümet değişikliği yetmemeyeceği gibi, barışçıl gösterileri yabancı düşmanların manevrası olarak tanımlamak tamamen bir saptırmadır.

Tarafa Baghajati (1961 Şam doğumlu) İnitiative Muslimischer ÖsterreicherInnen, Avusturya Müslümanlar inisiyatifi Başkanı, Platform for Intercultural Europe ve European Muslim Initiative for Social Cohesion yönetim kurulu üyesi Başkanı. Aynı zamanda Imam ve Viyana cezaevi din görevlisidir.

Dipl.- Ing. Tarafa Baghajati
Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Eine Hymne des Widerstands

Anmerkung: Unten ist der Artikel auf Arabisch und Englisch zu finden

Warum ein Diktator nach dem anderen als Liebkind des Westens abdanken muss - von Tarafa Baghajati

... und warum es nicht mehr angeht, Islam und Demokratie als Gegensatzpaar darzustellen.

Als der junge tunesische Nationaldichter Abu al-Qasim Asch-Schabbi (1909-1934) unter französischer Besatzung ein Lied schrieb mit der legendären Strophe Wenn eines Tages das Volk sich zum Leben entschließt / Dann muss das Schicksal mit ihnen sein / Die Dunkelheit muss weichen / Und die Fesseln werden gebrochen, ahnte er nicht, dass diese Strophe kombiniert mit einem Teil eines Gedichtes des ägyptisch-syrischen Schriftstellers Mostafa Saadeq Al-Rafe'ie als Hymne der Revolution und des Widerstandes dienen wird. Eine tunesisch-ägyptische Kombination, die in diesen Tagen entgegen allen Erwartungen wiederauflebt.

Die wirkliche Überraschung dieser Revolutionen liegt darin, dass die Massen (anders als im Iran 1979) führerlos sind. Überrascht war die Opposition noch mehr als die Regierungen. Keine der Oppositionsparteien, weder die islamischen noch die linken noch die nationalen, können für sich die "Initialzündung" beanspruchen, umgekehrt müssen gerade sie sich fragen, was sie jahrzehntelang falsch gemacht haben.

Nicht nur die Regierung hatte ein Problem mit Meinungsfreiheit, auch die Opposition inklu-sive der Muslimbruderschaft. Innerhalb der starren hierarchischen Strukturen dieser Bewegungen wird ein kritischer, fragender und nachdenklicher Geist nicht geduldet.

Doch statt sich auf deren "göttlichen Wahrheiten" bequem auszuruhen, müssen nachvollziehbare politische Programme für die gesamte bunte Bevölkerung entwickelt werden. Der nach Tunesien zurückgekehrte Rachid al-Ghannouchi von der islamischen Reformbewegung An-Nahda betont die Notwendigkeit eines Mehrparteiensystems. In Ägypten muss das neue System sich für das Wohl aller Bürger einsetzen.

Lehren aus der tunesischen Revolution sollten auch die USA und Europa ziehen. Lange Zeit galten sowohl Zine El-Abidin Ben Ali als auch Hosni Mubarak als die Lieblingskinder des Westens, als Garant gegen einen "islamischen Vormarsch" , als ein stabilisierender Faktor in einer geopolitisch sonst instabilen Region. Und sie waren keine Gefahr für Israel, sondern im Falle Ägyptens hoch geschätzte "Friedenspartner" . Dass bei diesem westlichen Egoismus, gepaart mit Arroganz, doppelten Standards und Heuchelei, die Menschenrechte und ihre Freiheit und Würde auf der Strecke blieben, wurde beharrlich übersehen. Gipfel des Zynismus waren Versuche, Islam und Demokratie als Gegensatzpaar darzustellen und Muslime per se als demokratieunwillig. Die demonstrierenden, großteils muslimischen Massen strafen nun diese Behauptung Lügen.

Syrien als Vorreiter?

Die Bezeichnung "Diktator" war für die Achse des Bösen reserviert. Erst als Ben Ali mit dem Flugzeug flüchtete, wurde im Westen das Wort "Diktator" in den Mund genommen.

Allen noch scheinbar fest im Sattel sitzenden nahöstlichen Staatschefs erteilen die Ereignisse ebenfalls eine Lektion. Sie wären gut beraten, schnell einen Umdenkprozess in die Wege zu leiten. Der syrische Staatschef Bashar Al Assad könnte hier ein Beispiel geben, wenn er freie Wahlen durchführt. Er könnte sie sogar demokratisch gewinnen, zumal er bei breiten Schichten der Bevölkerung durchaus beliebt ist und seine Hände nicht mit Blut befleckt sind.

Der Konflikt um Israel und Palästina bleibt als Schlüsselthema ein überaus hartes und unberechenbares Terrain. War Israel bis jetzt der Unterstützung der ägyptischen Führung sicher, könnte dieser bequeme Status nun wackeln. Auch die israelische Führung wird einen rauen Wind zu spüren bekommen. Die Politik der Diktate und der Missachtung aller Uno-Resolutionen wird nicht mehr mit der gleichen Kaltblütigkeit aufrechterhalten bleiben können. Alle diese Faktoren werden uns in den nächsten Jahren beschäftigen, aber nach den Ereignissen in Tunesien und Ägypten unter einem ganz anderen, herausfordernden Licht. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.2.2011)

Tarafa Baghajati (49), geboren in Damaskus, ist Obmann der Initiative muslimischer Österreicherinnen, Vorstandsmitglied der Platform for Intercultural Europe sowie der European Muslim Initiative for Social Cohesion, Gefängnisseelsorger und Imam in Wien.


نشيد المقاومة

الكاتب: طرفة بغجاتي*

عندما ألف الشاعر القومي التونسي الشاب أبو القاسم الشابي قصيدة تحت الاحتلال الفرنسي، مطلعها إذا الشعب يوما أراد الحياة فلا بد أن يستجيب القدر ولا بد لليل أن ينجلي ولا بد للقيد أن ينكسر، لم يكن يعرف أن هذه الأبيات ستمثل مع أبيات من قصيدة لكاتب مصري سوري، وهو مصطفى صادق الرافعي، نشيدا للثورة والمقاومة. فكما التقى الشعر القومي اللاهب في كل من تونس ومصر، يعتمل مزيج ثوري شعبي تونسي مصري هذه الأيام، على عكس كل التوقعات.

إن المفاجأة الحقيقية لهذه الثورات التي ضربت وتضرب جنبات النظامين التونسي والمصري تكمن في أن الجماهير في كلا البلدين (وذلك خلافا لما حدث في إيران عام 1979) انطلقت بلا قيادة تحركها أو أيديلوجيات تحركها صوب اتجاه معين، بل جاءت تحركات الجماهير الاحتجاجية بصورة عفوية من قلب الشارع معبرة عنه وعن تطلعاته.

وقد كان هذا التحرك الشعبي الهادر مفاجئا للمعارضة، أكثر من المفاجأة التي صدم بها الأنظمة نفسها. فأي من أحزاب المعارضة، سواء الإسلامية أو اليسارية أو القومية، لا يمكنه أن ينسب لنفسه الفضل في إطلاق "الشرارة الأولى"، بل إن التساؤل يتبادر إليهم الآن عن سبب إخفاقاتهم المتتالية على مدى السنوات، بل والعقود الماضية في تكوين جبهات يمكنها أن تحرك الشعوب، وتعبر عن مطالبها بصورة حقيقية.

فليست الأنظمة وحدها هي التي تعاني مشكلة مع إطلاق حرية التعبير؛ حيث إن المشكلة ذاتها تعاني منها المعارضة أيضا، بما فيها الإخوان المسلمين. فداخل الهياكل الهرمية الجامدة لهذه الحركات لا يتم السماح بأن تنبعث روح النقد أو التساؤل أو التشكيك. يتعين على هذه الحركات، وبدلا من الارتكاز على ما يرونه "الحقيقة الإلهية"، أن يعملوا على صياغة برامج سياسية قابلة للتطبيق وتحظى بالقبول بين جميع أطياف السكان.

وينطق بهذا المضمون، ما أكده زعيم حركة النهضة الإسلامية العائد إلى تونس، راشد الغنوشي، من أن هناك ضرورة ملحة لوجود تعددية حزبية. كما أن النظام الجديد في مصر ينبغي عليه أن يعمل لصالح جميع المواطنين.

وينبغي في الولايات المتحدة وأوروبا أيضا استخلاص العبر والدروس من الثورة التونسية. فقد ظل زين العابدين بن علي، وكذلك الرئيس  حسني مبارك كالأطفال المدللين للغرب، وذلك كضمان في مواجهة "اعتلاء الإسلاميين صدارة المشهد"، وكعامل استقرار في منطقة غير مستقرة من الناحية الجيوسياسية. وهما لم يشكلا أي خطر يذكر على إسرائيل، بل إنه في حالة مصر، كان مبارك "شريكا ذا مكانة في السلام". لقد أغفل الغرب دوما في ظل هذه الأنانية، والغطرسة وازدواجية المعايير والنفاق، حقوق الإنسان وحريته وكرامته. وقد تمثلت قمة العبثية في محاولات إظهار الإسلام والديمقراطية على أنهما متضادين، وأن المسلمين غير راغبين بالديمقراطية. أما المتظاهرون الآن، ومعظمهم من الجماهير المسلمة، يوجهون سهام العقوبة إلى هذه الادعاءات.

لقد كان مصطلح "الديكتاتور" توصيفا خاصا لقادة من وصفهم الرئيس الأمريكي السابق جورج بوش بأنهم محور الشر، مقصورا عليهم. وفقط عندما هرب بن علي على متن طائرته، تناقلت ألسنة القيادات في الغرب لفظ الديكتاتور ووصمت به الرئيس الفار.

ويبدو كذلك أن من يُعتقد أنهم ثابتون فوق متون عروشهم من زعماء دول الشرق الأوسط قد استخلصوا العبر من الأحداث. وتوجه لهم النصائح بأن يعيدوا التفكير بصورة فورية في سياساتهم تجاه شعوبهم. ويمكن أن يكون الرئيس السوري بشار الأسد نموذجا في هذا الإطار، إذا ما أجريت انتخابات حرة.

بل إن الأسد يمكنه أن يحقق الفوز بطريقة ديمقراطية؛ حيث إنه يحظى بشعبية واسعة لدى طبقات عريضة من السكان، كما أن يده غير ملطخة بالدماء.

سيبقى الموضوع الرئيس، والمتمثل في الصراع حول إسرائيل وفلسطين حاجزا صعب تخطيه. وإذا كانت إسرائيل إلى الآن آمنة للدعم الذي تتلقاه من القيادة المصرية، فإن هذا الوضع المريح يتأرجح الآن. كما أن القيادة الإسرائيلية تستشعر رياح التغيير. إن سياسة الإملاء وتجاهل قرارات الامم المتحدة لن تتم مقابلتها بنفس البرود الموجود الآن. إن كل هذه العوامل ستشغلنا على مدى السنوات القليلة المقبلة، ولكن بعد الأحداث التي وقعت في تونس ومصر، سيكون هذا الانشغال تحت ضوء مختلف للغاية.

 

مهندس/ طرفه عدنان بغجاتي

رئيس مبادرة المسلمين والمسلمات النمساويين 

http://www.islaminitiative.at

 عضو مجلس إدارة منتدى "من أجل أوروبا متعددة ثقافيا

" Platform for Intercultural Europe PIE "

عضو المجلس الاستشاري للشبكة الأوروبية لمناهضة العنصرية
 ENAR - European Network against Racism

www.enar-eu.org

عضو مجلس إدارة  المبادرة الأوروبية المسلمة للترابط الاجتماعيEMISCO
البريد الإلكتروني : baghajati [at] aon.at


Hymn of Resistance

Op-ed by Tarafa BAGHAJATI, “DER STANDARD” newspaper, print edition of February 1st, 2011

http://derstandard.at/1295571276889/Kommentar-der-Anderen-Eine-Hymne-des-Widerstands

Why do dictators have to resign one by one as pet-children of the West– by Tarafa Baghajati

...and why it is out of date to picture Islam and democracy as a pair of opposites

When, under French occupation, young Tunisian national poet, Abu Al-Qasim Ashabbi (1909-1934), wrote a song with the legendary verse: “When one day a nation’s people decides to live, then fate has to be with them; darkness has to yield and chains are broken”, he could never have suspected that this verse together with a strophe of a poem by Egyptian-Syrian Writer Mostafa Saadeq Al-Rafe’ie shall serve as a hymn of resistance – a Tunisian-Egyptian combination now resurging against all expectations. 

But the real surprise of this revolution is the fact, that the crowds have no leader (unlike Iran in 1979). The opposition was even more surprised than the governments. None of the opposition parties - neither the Islamic, nor the Leftist or the National opposition - may lay claim to providing the “initial spark”; on the contrary, it is them, who have to ask themselves now, what they have been doing wrong for decades.

Not only the government has a problem with a freedom of opinion; the opposition – including the Moslem Brotherhood - has it too. The rather rigid hierarchal structure of the latter’s movement does not tolerate a critical, questioning and contemplating mind.
Instead of resting comfortably on “divine truths”, it is now necessary to elaborate comprehensive political programmes for the entire colourful spectrum of the population. Rachid Al-Ghannouchi, member of Tunisian’s An-Nahda reform movement, who returned to Tunisia, stressed the necessity of a multi-party system. Also in Egypt, a new regime has to stand up for the welfare of all citizens.

But also the USA and Europe should learn their lesson from the Tunisian Revolution. For a long period of time, Zine El-Abidin Ben Ali, as well as Hosni Mubarak, were considered to be pet-children of the West as a surety against an “Islamic rise”, as a stabilising factor in a region, which is otherwise geopolitically unstable. Also, they were no threat to Israel; on the contrary – as for Egypt – they rather were highly respected “partners for peace”. 

Western egoism along with arrogance, double standards and hypocrisy lead to constantly and persistently ignoring the fact, that human rights, freedom and the dignity of peoples fell by the wayside. The attempts to picture Islam and democracy as a pair of opposites and Muslims per se as being reluctant to democracy in general, is the peak of cynicism. Those demonstrating crowds, most of which are of Muslim faith, now belie such claims.

Syria as a pioneer?

The term “dictator” had earmarked the axis of evil.  It was only when Ben Ali fled by aeroplane, that the West started to use the word “dictator”.

Those events also teach a lesson to all leaders of middle-eastern countries, who are seemingly still sitting firmly in the saddle. They would be well-advised to initiate a rapid change of mind. Syrian president Bashar Al-Assad could be a pioneer in this regard, if he were to conduct free elections. He would even be able to win these elections democratically, because he is quite popular among large sections of the population and does not have blood on his hands.

The conflict of Israel and Palestine remains to be a key issue and an utmost hard and unpredictable territory.  While Israel could always count on the support of Egypt’s leadership in the past, this comfortable state might topple now. The Israeli leadership will also find itself confronted with a rougher wind. Thus it shall not be able to maintain its policy of dictates and disregard for UN resolutions with the same cold-bloodedness. All those factors will continue to occupy us in the coming years; but – after the developments in Tunisia and Egypt - in a completely other, more challenging light.

(DER STANDARD – print edition, Feb. 1st, 2011)

Tarafa Baghajati (49), born in Damascus – Syria, is the chair of the Austrian Muslim Initiative (AMI)
http://www.islaminitiative.at ;

member of the Steering Group of the Platform for Intercultural Europe (PIE) http://www.intercultural-europe.org/

member of the board of the European Muslim Initiative for Social Cohesion (EMISCO)

member of ENAR's Advisory Council of Eminent Experts,
ENAR - European Network against Racism
www.enar-eu.org

Vice Chair of the Islamic Institute for Adults Education-Vienna (WIIEB)
baghajati [at] aon.at

Muslime, bitte melden

Die IGGiÖ will einen Überblick über Gläubige und Moscheen in Österreich

Seit Beginn 2010 bittet die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) alle österreichischen Muslime, Moscheen und muslimischen Verbände, sich bei ihr zu registrieren. Anders als im Christentum gibt es im Islam keine Taufe - daher fehlt der IGGiÖ bisher der Überblick über mögliche Mitglieder.

Als die Gemeinschaft 1979 gegründet wurde, lebten in Österreich 4000 bis 5000 Muslime. Heute sind es 400.000 bis 500.000, schätzt Amina Baghajati von der IGGiÖ: etwa sechs Prozent der Bevölkerung. Die letzte offizielle Erhebung war die Volkszählung im Jahr 2001. Damals lebten 340.000 Muslime im Land: rund vier Prozent der Bevölkerung.

Langfristiges Ziel der IGGiÖ ist es, dass Eltern ihre Kinder gleich nach der Geburt als Muslime registrieren - so selbstverständlich, wie sie sie am Standesamt melden. Gründe dafür gibt es viele: Ein Adressverzeichnis erleichtert Zusendungen und Vernetzung. Der Bedarf für muslimische Seelsorge oder Bildungseinrichtungen kann erhoben werden. Es erleichtert die Ausstellung eines Bescheides über die muslimische Religionszugehörigkeit für den Religionsunterricht oder einen Platz auf dem islamischen Friedhof. Schließlich sollen so die Wahlberechtigten für die lokalen Vertretungen bestimmt werden, die wiederum den Schurarat wählen, eine Art "Parlament" der österreichischen Muslime. Noch 2010 sollen diese Wahlen durchgeführt werden.

Einfach wird die Registrierung nicht. In Österreich darf es laut dem Islamgesetz aus dem Jahr 1912 nur eine staatlich anerkannte Vertretung der Muslime geben: "Wer sagt: ,Ich bin Muslim', wird von der IGGiÖ vertreten - so wie es nur eine katholische Religion gibt", erklärt Nikolaus Pelinka, Sprecher des Unterrichtsministeriums, das für Kultusangelegenheiten zuständig ist. Doch allein in Wien gibt es aber etwa 100 Gebetsräume und Vereine verschiedenster islamischer Strömungen - und vor allem türkisch-religiöse Gruppen wollen von der IGGiÖ nicht vertreten werden. Die Religionsgemeinschaft der Aleviten (60.000 Mitglieder) hat sich sogar vor dem Verfassungsgerichtshof beschwert und fordert eine Aufhebung des Islamgesetzes.

Stärker als religiöse Unterschiede präge die Muslime aber ihre unterschiedliche Herkunft, meint Baghajati. Die meisten Muslime in Österreich stammen aus der Türkei oder Bosnien, andere kommen aus dem Iran oder Saudi-Arabien.

Den Abnabelungsprozess von der Herkunftsgesellschaft will die IGGiÖ erleichtern. Langfristig soll eine eigene Identität entstehen, muslimisch und österreichisch gleichzeitig. Dann, so Baghajati, werde eine Registrierung keine Zählung mehr, sondern ein "spannender Transformationsprozess" sein.

(tob, DER STANDARD - Printausgabe, 26. Februar 2010)

Juden und Muslime: 60 Jahre Entfremdung

Es wäre an der Zeit, dass Juden und Muslime an ihre positive Geschichte wieder anzuknüpfen beginnen

Spätestens seit der zweiten Intifada im Herbst 2000 ist der Hauptfeind Israels in den besetzten Gebieten die national-religiöse Hamas. Den zweiten Libanonkrieg 2006 führte Israel gegen die islamisch schiitische Hizbullah, die im Jahr 2000 den Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon erzwungen hatte. Und in jüngster Zeit hat Israel erstmals einen nichtarabischen Staat zum Hauptfeind gekürt, die islamische Republik Iran.

Der erste Palästinenseraufstand 1987 bis 1991 im Westjordanland und Gazastreifen stand noch unter der Führung linksnationalistischer Gruppen, der erste Libanonkrieg ab 1982 wurde hauptsächlich noch gegen die PLO und die prosyrische Amal geführt und bis in die 70er Jahre hinein war das sozialistische Ägypten Israels größter Feindesstaat, später dann die von säkularen Bathregimen geführten Länder Syrien und Irak.

Es ist offensichtlich, der Untergang der Sowjetunion und der unaufhaltsame Niedergang des linken Panarabismus führte auf arabischer Seite zu einer Islamisierung des Konfliktes. Auf der israelischen Seite der Barrikade geht diese Entwicklung einher mit einem Niedergang des an der Arbeiterbewegung orientierten aschkenasischen Zionismus. Dieser hat die Besiedelung und Eroberung Palästinas zwar auch mit einem national-religiösem Narrativ aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert legitimiert, das da besagt, es gäbe eine ungebrochene 2000jährige Stammesgeschichte einer jüdischen Ethnie, die die einzig wahre Besitzerin des Landes ist. Doch die nun erstarkende religiöse Rechte und der an Kraft gewinnende politische Messianismus führen diesen religiösen Diskurs bis ins Extrem.

Ein ahistorischer Blick auf den Konflikt läßt einen heute daher rasch zu dem Trugschluß kommen, daß es sich hierbei um einen Religionskrieg handelt, um einen Kampf zwischen Juden und Muslimen. Dieser Gedanke hat an Attraktivität gewonnen, seitdem in der internationalen Politik der „Kalte Krieg“ von der These vom „Kampf der Kulturen“ abgelöst worden ist. In den „clash of civilizations“ läßt sich ein jüdisch-muslimischer Krieg nämlich wunderbar einordnen.

Tatsächlich hat sich die Auseinandersetzung um Israel-Palästina keineswegs verändert. Es handelt sich nach wie vor um einen nationalen politischen Konflikt um Land und Wohnrecht, um einen der letzten Kolonialkonflikte der Weltgeschichte. Die Interessen und Forderungen der Konfliktparteien sind unverändert, lediglich die religiöse Rhetorik ist relativ neu. Dieses Jahr wird, je nach Sichtweise, an 60 Jahre Medinat Israel bzw. an 60 Jahre Nakba gedacht. Dieses Gedenkjahr sollte aber auch dazu genützt werden, um sich in Erinnerung zu rufen, dass das Verhältnis der ältesten und der jüngsten der drei monotheistischen Religionen über viele Jahrhunderte lang sehr gut war. Erinnert sei an dieser Stelle exemplarisch an die muslimisch-jüdische Herrschaft über Spanien, an die vielen jüdischen Minister der Khalifen bis zur Herrschaft von König Ghazi im Irak und der Regierung von Saad Zaglool in Ägypten oder an das gute Zusammenleben, wie es die Kairoer Geniza belegt, der Fund von 200.000 jüdischen Manuskripten in einer Synagoge des 11. Jahrhunderts.

Um den Kulturkämpfern auf beiden Seiten den Wind aus den Segeln zu nehmen, muss auch hervor gestrichen werden, dass es kaum eine religiöse Feindschaft zwischen Juden und Muslimen geben kann. Judentum und Islam sind theologisch einander viel näher als jeweils zum Christentum. Der Islam hat niemals das Judentum zum „Feind Gottes“ weil „Mörder Gottes“ erklärt. Der Koran hält hingegen zeitlos fest: „Und unter Moses Volk gibt es Leute, welche zu der Wahrheit leiten und ihr gemäß gerecht handeln.“ [7:159] Heute oftmals als antijüdisch interpretierte Passagen des Korans beziehen sich nicht auf theologische Grundsätze oder gar auf alle Menschen jüdischen Glaubens, sondern ausschließlich auf die Politik bestimmter jüdischer Gruppen zur Zeit des Propheten.

Es wäre an der Zeit, dass Juden und Muslime an ihre positive Geschichte wieder anzuknüpfen beginnen. Insbesondere die jüdischen und muslimischen Gemeinden Europas könnten hier Pionierarbeit leisten. Als religiöse Minderheiten sind sie oftmals mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Es bleibt umstritten, ob es möglich ist Antisemitismus und Islamfeindlichkeit miteinander zu vergleichen. Fakt ist allerdings, dass Parallelitäten unverkennbar sind und dass beide Gruppen mitunter rassistischen Ausgrenzungen ausgesetzt sind. Der lange Schatten des Nahostkonfliktes und die sich selbst erfüllende These vom Kulturkampf hat eine Situation geschaffen, die nahelegt, dass man nur entweder gegen Antisemitismus oder gegen Islamfeindlichkeit sein kann, nicht gegen beides zugleich. Es muss den Communities gelingen, sich dieser unsinnigen Dynamik zu entziehen. Hier können gerade Österreichs Juden und Muslime richtungweisend werden.

Bei alldem darf sich Europa nicht saturiert zurücklehnen und dabei zusehen, wie sich „die Muslime und die Juden die Köpfe einschlagen“. Denn die Ursache für dieses Missverhältnis liegt auch in der christlich-europäischen Politik und Geschichte. (derStandard.at, 26.10.2010)

Tarafa Baghajati,  (Wien, Mai 2008 / publiziert Jänner 2010 in derstandard.at)

Tarafa Baghajati
ist Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen,
Vorstandsmitglied “Platform for Intercultural Europe PIE” und
Mitglied des Ehrenbeirats des European Network against Racism (ENAR)

Addis Abeba Anti-FGM Konferenz mit IMÖ-Beteiligung

Internationale Konferenz in Äthiopien - "Goldenes Buch" widemt sich dem Thema in mehreren Sprachen

Wien / Addis Abeba - Noch bis morgen, Freitag, findet in Addis Abeba eine islamische Gelehrtenkonferenz zum Thema weibliche Genitalverstümmelung ("Female genital mutilation"; FGM) statt. Die dreitägige Konferenz in Äthiopiens Hauptstadt wurde vom deutschen Menschenrechtsaktivisten Rüdiger Nehberg und seiner Organisation Target ins Leben gerufen.

"Islam gebietet Schutz"

"Viele Gelehrte haben das Thema als solches bisher gar nicht wahrgenommen", erklärt Tarafa Baghajati von der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen. Baghajati referiert als einziger muslimischer Europäer bei der Konferenz: "Es gilt klar auszusprechen, dass der Islam den Schutz des menschlichen Körpers gebietet und das Recht der Frau auf eine gesunde, erfüllte Sexualität unterstreicht."

Um diese Botschaft auch möglichst niederschwellig zu verbreiten, wird bei der Konferenz unter anderem ein "Goldenes Buch" präsentiert, das sich dem Thema in mehreren Sprachen widmet. Da es in den Regionen, in denen FGM noch immer weit verbreitet ist, einen hohen Anteil an Analphabeten gibt, auch in Comicform. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD/Printausgabe 16.04.2004)

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