Gewalt im Irak

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Mittwoch, 19 November, 2003
Gewalt im Irak

Dass man keine Massenvernichtungswaffen im Irak finden würde, wusste man im Voraus. Eine Demokratisierung wollte man trotz negativer Erfahrungen wie in Afghanistan erreichen. Was wir heute allerdings erleben, ist ein neuer Gewaltherd mit erschreckendem Ausmaß. Den Analysten bereitet die Tatsache, dass sich die Anschläge im Irak weder in ein bis dahin bekanntes Terrorprofil einordnen, noch eine eindeutige Motivation oder ein Ziel erkennen lassen, Kopfzerbrechen. Die Anschläge der El Kaida richten sich fast ausschließlich gegen amerikanische Einrichtungen. Die Anhänger Saddams kommen als Selbstmordattentäter nicht wirklich in Frage. Katastrophale Sicherheits- und Lebensbedingungen, Destabilisierung – kurz der Zerfall des Iraks, so befürchte ich – sind die Folge.

Wer könnte der Nutznießer des allgemeinen Chaos sein? Begonnen hatte die Gewalt mit dem Pöbel, den die Nachkriegswirren zu Plünderungen und willkürlichen Zerstörungen hinriss. Es folgten gezielte und politisch motivierte Mordanschläge an führenden Politikern.

Betroffen waren vor allem Persönlichkeiten mit Integrationscharakter, die über alle Grenzen und Lager Anerkennung genossen. Dann kam der klassische Widerstandskampf gegen Besatzer. Absolut unverständlich für alle der Angriff gegen die UNO und internationale Hilfsorganisationen.

Eine lange Besatzungszeit scheint unter diesen Umständen unausweichlich. Welche Rolle spielt die über Nacht aufgelöste irakische Armee? Und wer ist verantwortlich für diesen schweren Fehler, militärisch bestens geschulte Kräfte in die Arbeitslosigkeit zu schicken? Ein zehnjähriges Embargo war schuld an der Verrohung einer Gesellschaft.

Menschenunwürdige Lebensbedingungen ließen die Wahrscheinlichkeit immer größer werden, dass jene Menschen, denen man Stück um Stück die Würde nahm, endlich selbst menschenunwürdig zu agieren beginnen würden. Dann kam der Fall Bagdads, wo man Ministerien, Bibliotheken und Museen den Plünderern überließ.

Ein Libanon-Schicksal droht. Das Horrorszenario eines ethnisch und religiös motivierten Bürgerkriegs zeichnet sich ab. Ein Konglomerat von Gruppen, die verschiedene Interessen verfolgen, bildet den Regierungsrat. Schiiten, die als Mehrheit eine Form des Staates vor Augen haben, die die Amerikaner sicher nicht goutieren, Sunniten, die sich noch formieren und sich dabei vom alten Regime zu emanzipieren versuchen. Kurden, die sehr zum Missfallen der Türkei eine lose Konföderation anstreben.

George Bush braucht dringend eine „Exit Strategie“, sonst ereilt ihn des Schicksal seines Vaters, nur eine Amtsperiode zu regieren.

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