Nahost-Konflikte

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Leserbrief Tarafa BAGHAJATI zum Quergeschrieben-Kommentar Martin Engelberg vom 2. September 2014:

Österreich kann stolz auf seinen Präsidenten Heinz Fischer sein, denn mit ihm äußert sich endlich ein Spitzenpolitiker pointiert und kompetent zum palästinensischen/israelischen Konflikt. Und natürlich kann und soll der BP eine gute Gelegenheit wählen, um diese Meinung der österreichischen, europäischen und internationalen Öffentlichkeit mitzuteilen. Dass BP Fischer mit seiner Kritik an Israel recht hat, zeigt schon dass Herr Martin Engelberg in seinem Die Presse Quergeschrieben-Kommentar vom 2. September 2014 kein einziges Mal die Ausführungen des Herrn Fischers angriff und ihm allein vorwarf dies und jenes NICHT gesagt zu haben. Engelberg versuchte auch Bruno Kreisky zu diskreditieren, aber dies wurde in der Vergangenheit sehr oft versucht, ohne an die richtigen Nahost-Visionen Kreiskys kratzen zu können, da die Geschichte ihm heute in allen Details Recht gibt. Die Formel: Keinen Frieden ohne Gerechtigkeit war schon damals und ist auch heute gültig.

In einem Punkt hat Engelberg allerdings Recht, aber dass betrifft viel mehr die Außenpolitik der Regierung und zwar, dass Tragödien wie in Syrien hier kaum eine adäquate Behandlung finden. Als geborener Syrer hätte ich mir gewünscht, dass Journalisten dies längst thematisierten.

Tarafa Baghajati,
Obmann der IMÖ Initiative muslimischer Österreicher-innen

Islamische Glaubensgemeinschaft: Stopp dem Blutvergießen in Gaza!

Nachdem wiederholte Appelle zu einer sofortigen Einstellung der Kampfhandlungen gegen die Bevölkerung in Gaza kein Gehör fanden, ist es umso wichtiger, dass die Weltöffentlichkeit das Leid der Zivilbevölkerung weiterhin als anklagende Mahnung versteht, alles zu tun, um das Blutvergießen zu stoppen. Von einer Verhältnismäßigkeit der militärischen Operation gegen die Palästinenser kann keine Rede sein. Das Vorgehen Israels ist klar und deutlich zu verurteilen.

Palästinenser leben im Gazastreifen wie in einem riesigen Freiluft-Gefängnis, aus dem es keinen Ausweg gibt. Handel und damit wirtschaftliche Entwicklung ist unter der Militärbesetzung und Blockadepolitik nicht möglich. Dabei geht es hier um eine gesetzlich freie Nation, die von der UNO anerkannt wurde.

In diesem Fastenmonat Ramadan, in dem Menschen muslimischen Glaubens Werte wie Solidarität und Eintreten für Bedürftige noch unmittelbarer als sonst erleben, machen die Ereignisse in Gaza, aber auch die humanitären Katastrophen, die wir in der gesamten Region sehen, besonders betroffen. Die Emotionen sind groß. Dabei sei an ein bekanntes Prophetenwort erinnert: „Stark ist nicht der körperlich starke, sondern der seinen Zorn beherrscht.“ In diesem Monat der Mäßigung sollen wir unsere Anstrengungen darauf richten, mit „Weisheit und schöner Rede“, wie es im Koran heißt, für die gerechte Sache der Unterdrückten einzutreten. Dazu gehört Spendenbereitschaft, um die humanitäre Not zu lindern. Dazu gehört auch argumentativ das Unrecht anzuprangern und für die friedliche Konfliktlösung einzutreten.

Die palästinensische Führung soll darin unterstützt werden, den inneren Versöhnungsprozess voranzutreiben und zu vertiefen, um die Einheit des palästinensischen Volkes zu bestärken. Schließlich soll auch nicht vergessen werden, dass es keinesfalls um einen religiösen, sondern um einen politischen Konflikt geht. Es ist darauf Bedacht zu nehmen zwischen der Politik des Staates Israel und Menschen jüdischen Glaubens zu differenzieren. Eintreten für Gerechtigkeit und Rassismus oder Antisemitismus schließen sich aus.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft appelliert an alle Entscheidungsträger, sich für eine sofortige Beendigung des Militäreinsatzes gegen Gaza einzusetzen. In direkten Gesprächen wie etwa mit Bundesaußenminister Kurz zeigte sich, wie wichtig es ist, gerade bei Krisensituationen im Dialog zu sein. Der Konflikt soll nicht nach Österreich getragen werden. Das friedliche Zusammenleben und der lebendige Austausch der Religionsgemeinschaften darf nicht beeinträchtigt werden.

Wien, am 20. Juli 2014

Dr. Fuat Sanac, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati, Medienreferentin der IGGÖ

zum Interview mit Herrn Oberkantor Shmuel Barzilai: "Radikaler Islam ist ein Problem"

Anmerkung: dieser Brief erging an Herrn  Oberkantor Shmuel Barzilai, an die IKG und  auch an die Presse-Redaktion mit der Bitte um Berücksichtigung in der Berichterstattung bzw. um Veröffentlichung! Da der Brief keinen privaten Charakter besitzt, veröffentlichen wir ihn hiermit zur allgemeinen Information.

Sehr geehrter Herr Oberkantor Shmuel Barzilai!

Sie werden im "Die Presse"-Interview, Print-Ausgabe, 19.07.2010

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/582029/index.do

mit der Aussage zitiert "Der Koran empfehle die Verfolgung Ungläubiger". Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass diese Aussage falsch ist. Diese Behauptung ist ein Stehsatz populärer islamfeindlicher Hetze. Das Phänomen von entstellten oder erfundenen Zitaten aus heiligen Schriften, die der Legitimation rassistischer Argumentationen dienen sollen, ist Ihnen sicher nicht unbekannt. Schließlich wendet auch der Antisemitismus eben diese Methode gerne gegen das Judentum an.

Ich möchte Sie bitten tatsächlich "nicht weiter Öl in das innerösterreichische Feuer zu gießen". Die Behauptungen zur Gaza-Flotte werden auch nicht wahrer, desto öfter sie wiederholt werden. Es fand hier ein Verbrechen eines Staates in internationalen Gewässern statt. Wäre die israelische Regierung von ihrer eigenen Unschuld überzeugt, so hätte sie einer unabhängigen Kommission zugestimmt und das vorhandene Bildmaterial freigegeben.

Doch selbst wenn wir uns hier nicht einig werden sollten, dürfen wir diesen politischen Konflikt nicht weiter religiös aufladen. Die Provokationen der IKG gegenüber der IGGiÖ und die anhaltende verbale Eskalation stimmt mich traurig. Ich wünsche mir als österreichischer Muslim, dass Juden und Muslime baldigst, zumindest in Österreich, zu einem vernünftigen und freundschaftlichen Miteinander zurückfinden. Unsere gemeinsamen Anliegen - wie etwa der Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit - sollten fortan wieder im Vordergrund stehen.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Tarafa Baghajati,
Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

PS: zur Information eine drei minütige Rede in Astana-Konferenz


OSCE High Level Conference on Tolerance and Non-Discrimination

28. – 30. Juni 2010, Astana - Kasachstan

Herr Rabbi Schneyer äußerte in seiner Rede gegen Islamfeindlichkeit den Wunsch, dass auch ein Imam sich gegen Antisemitismus ausspreche. Am Nachmittag desselben Tages, der dem Themenkomplex Antisemitismus gewidmet war, ergriff Tarafa Baghajati die Gelegenheit dem Wunsch Rabbi Schneyers nachzukommen. Im Folgenden der dreiminütige Redebeitrag:

„Von Rabbi Schneyers Worten bin ich heute Vormittag sehr berührt worden. Ich bin österreichischer Muslim, in Damaskus geboren und aufgewachsen, und aktiver Imam in Wien. Wir Muslime verurteilen Antisemitismus auf das Schärfste. Juden sind Ahl ul Kitab, „Leute des Buches“. Wir strecken unseren jüdischen Geschwistern die Hand entgegen. Einen Wunsch möchte ich in Zusammenhang mit den bisher vorgebrachten Redebeiträgen ansprechen. Es sollte nicht konsequent der Nahost-Konflikt mit der Frage des Antisemitismus vermengt werden. Der Konflikt Israel/Palästina ist ein politischer um Land, Menschenrechte und Besatzung und kein religiöser Konflikt zwischen Juden und Muslimen. Und schon gar keiner zwischen Judentum und Islam. Jüdische Menschen können und dürfen nicht verantwortlich gemacht werden für die Politik des Staates Israel. Ebenso wenig ist es möglich, die Muslime verantwortlich für das Verhalten von Regierungen in mehrheitlich islamischen Ländern zu machen. Es bereitet mir Unbehagen, dass Solidarität mit Palästina und dem palästinensischen Volk und/oder Kritik am Staat Israel – sei es manifestiert durch Demonstrationen oder andere politische Aktivitäten – reflexartig von manchen Gruppierungen als antisemitisch eingestuft werden. Lassen Sie uns gemeinsam gegen alle Formen von Diskriminierungen, gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit kämpfen - so werden unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt sein!“ Ende

Tarafa Baghajati, Astana, 29. Juni 2010

Über islamische Solidarität und jüdische Alpträume

Was hat der Wiener Gemeinderat mit Gaza zu tun? Ein Streitgespräch zwischen Peter Menasse und Omar Al-Rawi

Von Walter Hämmerle

Sind Migranten anfällig für Antisemitismus?

"Wiener Zeitung": Spätestens seit der Resolution des Wiener Gemeinderats zu Israels gewaltsamen Vorgehen gegen eine Gaza-Hilfsflotte ist das Verhältnis zwischen Islamischer Glaubensgemeinschaft und Israelitischer Kultusgemeinde auf einem Tiefpunkt angelangt. Die IKG wirft Ihnen, Herr Al-Rawi, eine ‚hetzerische Politik‘ wegen Ihrer Kritik an Israel vor. Zu Recht?

Omar Al-Rawi: Dieser Vorwurf tut weh, weil jeder, der mich kennt, weiß, dass ich stets für einen friedlichen Dialog eintrete. Ich kann diese Kritik nicht nachvollziehen und weise sie zurück.

Peter Menasse: Ich spreche nicht für die Kultusgemeinde, bin noch nicht einmal Mitglied, aber uns – und hier spreche ich für die jüdische Zeitschrift "Nu" – hat dieser Gemeinderatsbeschluss doch ziemlich verblüfft. Das ist keine Sache, die Herrn Al-Rawi alleine angeht, das betrifft den gesamten Wiener Gemeinderat. Dieser ist nach unserem Verständnis einfach kein Organ der Außenpolitik und tatsächlich mischt er sich in diese auch fast nie ein, außer eben, wenn es gegen Israel geht. Das ist ein Problem.

Al-Rawi: Natürlich stimmt, dass der Gemeinderat keine außenpolitische Kompetenz besitzt. Er hat in den letzten Jahren aber immer wieder – nicht oft, aber doch – die Bundesregierung oder die EU aufgefordert, Stellung zu beziehen. So haben wir die Aussagen des iranischen Staatschefs Ahmadinejad zum Existenzrecht Israels genauso verurteilt wie den Angriff auf den Irak oder die Kurden-Frage thematisiert. Israel hat es jetzt erstmals betroffen.

Menasse: Mir geht es um die Verhältnismäßigkeit dieser Resolution: Mittlerweile liegen ja Analysen der Vorgänge vor. Diese zeigen, dass eine türkische Organisation auf dem Boot das Kommando übernommen und sich, wenn auch vielleicht unzulänglich, bewaffnet hat. Israel hat die Soldaten offensichtlich schlecht vorbereitet. Diese wurden von der Gruppe an Bord attackiert – so ist es offensichtlich zu dieser bedauernswerten Überreaktion gekommen. Und das ist dem Gemeinderat einen Beschluss wert, wenn gleichzeitig zehntausende Usbeken in Kirgistan massakriert und zahllose Kurden in der Türkei unterdrückt werden? Selbstverständlich ist dieser Vorfall zu verurteilen, aber die Leute auf dem Schiff waren ganz sicher keine anständigen Menschen, die dem Frieden dienen wollten. Der Gemeinderat wäre gut beraten einzugestehen, dass er überreagiert hat.

Al-Rawi: Ein Vertreter der deutschen Linkspartei, Norman Paech, der mit auf dem Schiff war, schwört, dass es keine Bewaffnung gegeben habe. Zwar sagt er auch, dass er verletzte israelische Soldaten gesehen habe, aber meiner Meinung nach rechtfertigt auch Widerstand nicht, dass neun Menschen erschossen werden. Die Israelis haben leider Bildmaterial konfisziert. Und: Diese Menschen waren sehr wohl anständig.

Menasse: Wir reden hier als Bürger eines Rechtsstaates. In diesem einen Fall steht Aussage gegen Aussage. Angesichts dessen muss man einfach mit kühlerem Kopf an so eine Sache herangehen und nicht schon am nächsten Tag verurteilende Beschlüsse fassen und dann auch noch zu Demonstrationen aufrufen. Ich sage Ihnen etwas: Junge türkische Leute, die in Österreich sicher kein leichtes Leben haben, weil sie oft nicht akzeptiert und frustriert sind – diese Jugendlichen werden durch Demonstrationen dieser Art verführt zu glauben, ihr Leben wäre besser, wenn sie in Österreich Juden angreifen. Es ist absurd, wenn türkische Jugendliche meinen, die Juden wären ihre Feinde und Heinz-Christian Strache und Konsorten ihre Freunde. Das ist doch ein wirklicher Jammer. Statt zu streiten, müssten wir gemeinsam demonstrieren gegen all jene, die uns Juden und Ihre Muslime nicht als vollwertige Menschen sehen. Uns verbindet mehr, als uns trennt, und das müssen wir auch den gefährdeten Jugendlichen beibringen.

Al-Rawi: Da bin ich voll bei Ihnen. Uns trennt die Einschätzung des Nahost-Konfliktes, aber ansonsten haben wir die gleichen Sorgen und Gegner. Wir Muslime haben auch die klare Haltung der Kultusgemeinde zu Fragen wie Minarett- oder Kopftuch-Verbot geschätzt. Antisemitismus ist durch nichts zu rechtfertigen.

Menasse: Sie, Herr Al-Rawi, haben allerdings bei einer Demonstration mitgemacht, bei der es zu antisemitischen Ausfällen gekommen ist. Ich weiß, dass Sie diese Leute nicht eingeladen haben, aber ich an Ihrer Stelle wäre heimgegangen, wenn es zu solchen Vorfällen kommt.

Al-Rawi: Ich bitte Sie, hier genau zu unterscheiden: Es hat eine unangemeldete Demonstration gegeben. Bei dieser wurden Scheiben an einem Haus, aus dem die israelische Flagge hing, eingeschlagen, und auch dieses unselige Plakat mit dem Slogan "Hitler wach auf" hochgehalten. Aber da war ich nicht dabei. Bei der angemeldeten Demonstration Tage später, bei der ich und andere geredet haben, ist es zu keinen antisemitischen Ausfällen gekommen.

Zur angemeldeten Demonstration haben Gruppen aufgerufen, die ansonsten wenig bis nichts miteinander gemeinsam haben. Vereint die Kritik an Israel?

Al-Rawi: Was vereint, ist die Solidarität mit den Palästinensern, nicht die Kritik an Israel. Die türkische Seele hat in diesen Tagen gekocht, weil die Gaza-Hilfsflotte unter türkischer Flagge fuhr und alle neun Toten türkische Bürger waren beziehungsweise aus der Türkei stammten.

Menasse: Diese Demonstranten, waren das Türken oder Österreicher?

Al-Rawi: Na, die Staatsbürgerschaft der Teilnehmer habe ich natürlich nicht überprüft .. .

Menasse: Worauf ich hinaus will, ist: Wir leben in einem Land mit ganz eigener Geschichte. Es ist nicht zu leugnen, dass in Österreich Anti-Israel-Positionen als Code für Antisemitismus verwendet werden – natürlich nicht immer, aber doch sehr oft. Ich rede jetzt nicht von Muslimen, sondern von den Ewiggestrigen. Deshalb müssen wir mit so großer Sensibilität an alle Fragen herangehen, die Israel betreffen. Sie haben es als Gemeinderat mit Ihren Genossen immerhin geschafft, einen Gemeinderatsbeschluss zusammenzubringen. Warum müssen Sie dann auch noch zu einer Demonstration gegen Israel aufrufen? Eine Demonstration ist ja schon per se ein kämpferisches Mittel. Warum haben Sie nicht gemeinsam mit Juden zu einem Friedensmarsch mit Lichterkette aufgerufen oder für eine gemeinsame Aktion für ein besseres Österreich?

Al-Rawi: Das können wir gerne tun. Sie übersehen aber, dass es sich bei Demonstrationen um ein demokratisches Grundrecht handelt. Selbst wenn man selbst keine organisiert, heißt das längst nicht, dass nicht andere die Lücke füllen – das ist ja auch tatsächlich geschehen. Und noch einmal: Auf der angemeldeten Demonstration, bei der ich war, ist nachweislich alles korrekt verlaufen. Aber wir vergessen bei dieser Debatte etwas Wichtiges: Was das friedliche Miteinander – auch zwischen Juden und Moslems – angeht, sind wir in Österreich einsame Spitze. Wir haben Gott sei Dank keine französischen Verhältnisse, auch keine britischen oder italienischen. Hier funktionieren Dialog und freundschaftliche Kontakte in der Regel ausgezeichnet, das ist nicht selbstverständlich.

Wie viel Kritik an Israel ist zulässig, ohne die Grenze zum Antisemitismus zu überschreiten?

Menasse: Jede Kritik ist legitim, man muss nur bedenken, in welchem Kontext dies geschieht und wie berechtigt sie überhaupt ist. Natürlich ist der Vorfall auf dem Schiff ein Akt, der kritisiert werden kann, aber er hatte niemals die Dimension, die zu einem Gemeinderatsbeschluss den Anlass hätte geben dürfen. Das gilt auch für die Demonstrationen, wo dann Glatzen mitmarschiert sind.

Al-Rawi: Noch einmal: Bei unserer Demonstration gab es weder Neonazis noch Glatzen, und Antisemiten sind nicht willkommen.

Menasse: Aber sie sind mitmarschiert: Sag mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist. Sie haben jetzt ein Problem, weil Sie die falschen Freunde haben. Das ist eine ganz wunderliche Koalition aus Links- und Rechtsextremen.

Al-Rawi: Glauben Sie mir, diese Leute waren nicht dabei.

Menasse: Für Juden, die hier leben, gibt es zwei Bilder. Das eine ist: Wenn in der Islamischen Glaubensgemeinschaft Wahlen anstehen, dann ändert sich das Verhalten .. .

Al-Rawi: Das stimmt nicht.

Menasse:...und wenn am 10. Oktober in Wien Gemeinderatswahlen sind, dann vergleichen sämtliche Parteien die Zahl der potenziellen türkisch-stämmigen Wähler mit der Zahl möglicher jüdischer Wähler. Da ziehen die Juden klar den Kürzeren und deshalb sind im Gemeinderat alle, ausnahmslos alle Parteien aufgestanden. Für mich haben Sie mit dieser Aktion der SPÖ einen Bärendienst erwiesen, weil das einfach keine sozialdemokratischen Positionen sind, die Sie vertreten.

Würden Sie, nachdem klar ist, zu welchen negativen Reaktionen dieser Beschluss geführt hat, wieder die Initiative zu einer solchen Aktion des Gemeinderats ergreifen?

Al-Rawi: Ich sehe an dieser Resolution auch heute nichts Falsches.

Menasse: Von einem bin ich überzeugt: Am 11. Oktober, am Tag nach der Wien-Wahl, wäre diese Resolution nicht beschlossen worden, dahinter steckten rein wahltaktische Motive aller Beteiligten.

Al-Rawi: Nein, dafür lege ich die Hand ins Feuer. So wirkungsvoll ist eine Resolution in außenpolitischen Fragen dann auch nicht. Die meisten Wähler haben das gar nicht mitbekommen.

Menasse: Warum ist es dann überhaupt dazu gekommen? Sie und alle anderen haben dabei auf die Wähler geschielt.

Al-Rawi: Weil eine gerechte und friedliche Lösung für Nahost alle angeht. Das Entern der Schiffe hat dazu nicht beigetragen.

Viele christliche Österreicher stehen der starken muslimisch geprägten Zuwanderung mit einem skeptischen Bauchgefühl gegenüber. Wie ist das bei den Juden?

Menasse: Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten, ich weiß es nicht. Selbst bei den wenigen hier lebenden Juden gibt es so viele verschiedene Gruppen: Es gibt Religiöse, die sehr eng miteinander leben, keine Zeitungen lesen und deshalb auch gar keine Außensicht auf die Gesellschaft haben, die sie umgibt. Dann gibt es eher säkulare Juden wie mich, die voll integriert sind und Minderheiten eher als die Nachfolger ihrer eigenen einstigen Probleme sehen. Ein Jude, der seine Geschichte kennt, steht stets auf Seiten der Migranten. Dann will man aber natürlich nicht von Migranten-Kids attackiert werden und hören "Ich hasse alle Juden".

Diesen Jugendlichen fehlt meist das historische Wissen um den Holocaust und seine Folgen. Daher ist ihre Kritik an Israel unbelastet von der besonderen Zurückhaltung, wie sie in Deutschland und Österreich zur Norm geworden ist.

Menasse: Wenn die muslimischen Jugendlichen jetzt wegen Israel eine Aversion gegenüber Juden entwickeln, dann haben sie leider so wenig verstanden, dass es traurig ist. Diese Frage muss all jene beschäftigen, die die Aufgabe haben, diese Kids zu integrieren: Das betrifft zum einen die verantwortlichen Politiker, zum anderen aber sicher auch die vielen islamischen Religionslehrer, die den Jugendlichen Orientierung geben sollten. Es braucht ein Auffangnetz, und das ist in Wien leider nicht gut geknüpft.

Al-Rawi: Die Aufklärung über den Holocaust geschieht, bei der Ausbildung unserer Religionspädagogen ist der Besuch einer Synagoge ein Fixpunkt. Und die meisten Jugendlichen wissen durch die Schule durchaus über den Holocaust Bescheid. Grundsätzlich glaube ich nicht, dass Juden die wachsende Zahl muslimischer Einwanderer beunruhigt. Juden und Muslime sind bei vielen Fragen gemeinsam auf die Barrikaden gegangen, und es war Ariel Muzicant, der gesagt hat, dass die anti-islamischen Parolen der Rechtspopulisten nach ähnlichen Mustern ablaufen wie die antisemitische Hetze der 30er.

Menasse: Ich stimme Ihnen bei allem zu, aber es stellt sich die Frage, wie Sie diese Botschaft an die unterprivilegierten, frustrierten muslimischen Jugendlichen bringen, die auf der Suche nach einfachen Feindbildern sind.

Al-Rawi: Durch Vorträge in den Vereinen, in den Moscheen. Genau zu diesem Zweck betreiben wir ja Basisarbeit.

Menasse: Diese Kids gehen doch nicht zu Vorträgen, die sitzen in den Parks, genau die müssen Sie aber erreichen, das ist Ihre ureigenste Aufgabe.

Al-Rawi: Ich glaube nicht, dass diese Jugendlichen wandelnde Antisemiten sind, die haben vielmehr das Problem, wie können sie ihre Ausbildung beenden, wie bekommen sie dann einen guten Job und so weiter.

Menasse: Meine große Sorge ist, dass Jugendliche, die nichts Konstruktives in sich haben – das betrifft längst nicht nur Migranten – in einen Sog geraten und dann plötzlich sagen: "Komm, gehen wir Juden hauen". Und solche Dinge geschehen – noch nicht oft, aber sie geschehen.

Al-Rawi: Das ist ein Horror-Szenario, das Sie hier aufzeigen. Natürlich kann ich nicht ausschließen, dass es unter Hunderttausenden nicht einige solcher Fälle gibt. Aber ich kann Ihnen versichern, dass die Aufklärung über die Folgen von Antisemitismus auch in unserem Interesse liegt. Ich würde mir aber auch die Bekämpfung von Islamfeindlichkeit, nicht zuletzt auch in der jüdischen Gemeinde, wünschen.

Ihr Verhältnis zu Ariel Muzicant ist erheblich gestört, er fordert Sie zum Rücktritt auf. Kann der Bruch zur Islamischen Glaubensgemeinschaft wieder behoben werden?

Al-Rawi: Ich bin ehrlich gesagt überrascht über die Vehemenz dieser wiederholten Attacken, auch der Offene Brief an IGGiÖ-Präsident Schakfeh hat Grenzen überschritten. Aber Muzicant ist der Präsident der Kultusgemeinde, dafür gebührt ihm Respekt und deshalb werde ich ihn auch nicht kritisieren. Mein Verhältnis zur jüdischen Gemeinde ist nicht auf ihn beschränkt. Es gab in der Vergangenheit das Übereinkommen, dass keiner den anderen wegen seiner Haltung zu Nahost kritisiert. Dorthin würde ich gerne wieder zurück. Der Nahost-Konflikt ist für mich ein politisches Problem, kein religiöses.

Menasse: Richtig. Und noch eine Anregung: Meines Wissens nach wird an Wiener Volksschulen noch immer der Sieg über die Türken 1683 als zentraler identitätsstiftender Moment für diese Stadt vermittelt. Da sitzen dann türkische Buben und Mädchen und hören, wie wunderbar es war, dass man damals die Türken besiegt hat. Das wird kaum dazu beitragen, dass sich diese Menschen hier heimisch fühlen. Man könnte ja vielleicht anregen, dass diese Stadt ihre Identität nicht aus Schlachten, sondern aus ihrer Kultur bezieht.

Al-Rawi: Das wäre tatsächlich eine ausgezeichnete Idee.

Peter Menasse

Mag. Peter Menasse, geboren 1947, ist Betriebswirt, Kommunikationsberater und Chefredakteur der jüdischen Zeitschrift "Nu".

Omar Al-Rawi

Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi, geboren 1961 in Bagdad, seit 1988 österreichischer Staatsbürger, ist SPÖ-Gemeinderat und Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft.

Erklärung der Solidaritätsplattform zu den verbalen Attacken in den letzten Tagen

Im Namen der 129 unten angeführten Organisationen, die als gemeinsame Plattform am Freitag, den 4. Juni die Wiener Demonstration in Solidarität mit der Gaza Freiheitsflotille veranstaltet haben, wollen wir hiermit unser Bedauern und  unsere Verwunderung über die verbalen Attacken gegen uns zum Ausdruck bringen.

Wir weisen den Versuch, den politischen Konflikt in Israel/Palästina religiös aufzuladen und in einen Konflikt zwischen Jüdinnen und Juden versus Musliminnen und Muslimen umzuwandeln, entschieden zurück. Die beharrliche Gleichsetzung bzw. Vermengung von Israels Militär- und Besatzungspolitik mit dem Judentum nehmen wir ebenfalls mit Erstaunen zur Kenntnis. Wir interpretieren dieses unzulässigeVorgehen als Versuch jegliche Kritik an den Gewalttaten des israelischen Militärs zu unterbinden.

Wir verurteilen die Diffamierung der zigtausenden Menschen, die mit uns gemeinsam am 4. Juni in Wien demonstriert haben. Wir sind deklarierte Feinde des Antisemitismus, wie zu Anfang der Demonstration vom Podium aus erklärt worden ist. Unsere Haltung gegen den antijüdischen Rassismus wurde im Großteil der Redebeiträge immer wieder dargelegt, wie auch von allen MedienvertreterInnen beobachtet werden konnte. Das antisemitische Plakat mit der Aufschrift "Hitler wach auf" wurde nicht auf unserer Demonstration entfaltet, um in die Kamera gehalten zu werden. Dieses Plakat empört uns ebenso wie alle anderen AntifaschistInnen und wir fordern Polizei und Staatsanwaltschaft auf, diese Person ausfindig zu machen und sie wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz vor Gericht zu stellen. Auf unserer Demonstration kam es zu keinen derartigen Zwischenfällen, der OrdnerInnendienst hat ebenfalls darauf Bedacht gelegt.

Wir verwehren uns dagegen, daß hier auf unappetitliche Weise vom tatsächlichen Verbrechen abzulenken versucht wird - nämlich an der Belagerung Gazas und dem Akt der Piraterie in internationalen Gewässern, der in der Ermordung von mehreren Aktivisten mündete. Wir stehen selbstverständlich nach wie vor  uneingeschränkt hinter unserer gemeinsamen Erklärung vom 2. Juni 2010 und fordern weiterhin die lückenlose Aufklärung der Geschehnisse durch eine internationale Kommission. Wir wissen uns damit im Einklang mit den Vereinten Nationen.

Wir ersuchen Bundeskanzler Faymann bei seinem in Kürze bevorstehenden Israel-Besuch ebenfalls das mörderische Vorgehen im Mittelmeer zu verurteilen und darauf zu drängen, daß die unrechtmäßige Aushungerung Gazas alsbald ein Ende finden werde. Wir bitten den Bundeskanzler auch darum bei seinem Israel-Besuch die VertreterInnen der PalästinenserInnen sowie der israelischen AraberInnen zu treffen.

Wir betonen hiermit zudem noch einmal, daß wir eine bunte, vielfältige und solidarische Plattform bilden, die mit Extremismus nichts zu schaffen hat. Wir werden uns weder von AntisemitInnen instrumentalisieren noch uns von LobbyistInnen der aktuellen israelischen Regierung einschüchtern lassen. In diesem Zusammenhang verurteilen wir auch den Versuch den demokratisch gewählten Abgeordneten des Wiener Landtages Omar Al Rawi mundtot zu machen.

Wien, 18.06.2010

Rückfragehinweis

Tarafa Baghajati, baghajati [at] aon.at 0664-521 50 80

Unterzeichnerliste, Stand 4. Juni 2010

  1. Islamische Religionsgemeinde Wien für Wien, Niederösterreich und Burgenland
  2. Islamischer Koordinationsrat der muslimischen Vereine in Österreich (ISKORAT, ca. 45 Organisationen)
  3. Islamische Föderation Wien IFW
  4. Union Islamischer Kulturzentren
  5. ATIB Türkisch islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich
  6. IVAÖ Islamische Vereinigung Ahlul-Bayt – Österreich, Verband für die   schiitischen Vereine
  7. Koordinationsforum für Unterstützung Palästina
  8. Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP-Österreich)
  9. Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB)
  10. Frauen in Schwarz (Wien)
  11. Wiener Friedensbewegung
  12. WONDER
  13. Palästinensische Vereinigung Österreich P.V.Ö.
  14. Dachverband Bosnisch Islamische Vereine in Österreich
  15. UETD Union of European Turkish Democrats
  16. Türkische Föderation in Österreich
  17. MJÖ Muslimische Jugend Österreich
  18. Österreichisch-Arabische Union
  19. Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
  20. Islamische Religionsgemeinde Graz für Steiermark und Kärnten
  21. Islamische Religionsgemeinde Linz f. OÖ, RPR und Salzburg
  22. Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich
  23. Liga Kultur
  24. Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen (Schura Moschee)
  25. ABIZ (Anatolisches Bildungszentrum)
  26. Ägäisches Kulturzentrum
  27. Ägyptische Gemeinde in Österreich
  28. Ägyptischer Klub
  29. Ahwazische Kommunikation
  30. Al’Ahli Fanklub
  31. ALIF
  32. Anatolische  Kulturinitiative Neunkirchen
  33. Arabische Organisation für Menschenrechte
  34. Arabischer Kulturverein
  35. Arge für Wehrdienstverweigerung, Gewaltfreiheit und Flüchtlingsbetreuung
  36. ARGE Ja zur Umwelt, Nein zur Atomenergie
  37. ATAM-Türkischer Akademiker in Österreich
  38. AustroArab News
  39. Bangladesch islamischer kulturverein Baitul Mukarram
  40. Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit
  41. Bildungs Förderung (MEKTEB)
  42. Bündnis Mosaik
  43. CARIMA Caritative Arbeitsgemeinschaft
  44. CIRDE-AUSTRIA - Zentrum der islamischen Forschung Dokumentation und Bildung
  45. Dar Al Arqam Moschee
  46. Dewa
  47. EL-MUHLASUN" - Islamischer Sufiten Verein in Österreich
  48. Forum Muslimischer Frauen Österreich
  49. Gaza muss leben
  50. Gesellschaft der palästinensischen Frauen in Europa / Austria
  51. Hania Verein für Frauen und Kinder
  52. Help Austria
  53. IHH Austria
  54. Im Glashaus – Kunst & Kultur
  55. Information u. Kultur Ägypten, Bladi-Bladi
  56. Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen IMÖ
  57. Irakhilfswerk
  58. Irakische Gemeinde in Österreich
  59. Islamische Jugendorganisation in Wien
  60. Islamische Sozial und Kulturverein Bad Vöslau
  61. Islamische Sozialhilfe in Krems
  62. Islamische Vereinigung Österreich „Al-Hidaya Moschee“ Isl.Kulturelle Vereinigung
  63. Islamischer Kulturverein der Türk. Arb in Österreich
  64. Islamischer Kulturverein der Türkischen Arbeiter in Österreich
  65. Islamischer Kulturzentrum Sollenau
  66. Islamisches Institut Österreich
  67. Islamisches Zentrum Imam Ali Wien
  68. ISV Interkulturelle Studenten Vereinigung
  69.  JUWA Jugend Föderation Österreich
  70. JUWEL - Jugendwerk zum Licht
  71. Kinder und Mütter im Not (Rahma)
  72. KJÖ Kommunistische Jugend Österreichs - Ortsgruppe Wien
  73. Kommunistische Gewerkschaftsinitiative International (KOMintern)
  74. Kommunistische Initiative Österreich (KI)
  75. KUGEL Kultur-Geschichte-Literaturverein
  76. Kultur u.Wohltätigkeitsverein  St. Pölten
  77. Kultur u.Wohltätigkeitsverein in Herzogenburg
  78. Kultur und Solidaritätsverein Türkischer Arbeiter in Österreich
  79. Kulturell-Caritative-Union der Muslimen
  80. Kulturelle Vereinigung der Muslime in Pottendorf
  81. Kulturhaus der Emigranten in Niederösterreich
  82. Kulturverein Al-Andalus
  83. Kuturverein Kanafani
  84. Liga Kulturverein für Multi-Kulturellen Brückenbau – Graz
  85. Linkswende
  86. Menschenfreunde International
  87. Mevlana Plattform in Österreich, Bilal Habashi Moschee
  88.  Moschee Ahl ul beit Salzburg
  89. Moschee Ahl ul beit Wien (Irakische Schiiten)
  90. Moschee Al Asr Wien (pakistanische Moschee)
  91. Moschee Al-Mahdi (Türkische Schiiten)
  92. Multikulturelle u.Caritative Vereinigung in Leopoldstadt
  93. Multikulturelleverein der Migranten in Donaustadt
  94. Muslemische Emigranten in Liesing
  95.  Muslimischer Akademikerbund
  96. Muslimischer Arbeiter Union in Wien
  97. Muslimischer Hilfsorganisation in Wien
  98. Muslimischer Lehrerverein für  Wien, NÖ u. Bgld. MLV
  99. Nigerian Islamic forum
  100. Nordafrika Liga
  101. ÖAIKD Verein für Kulturdialog - Alfath Moschee
  102. Österr. –Türk. Kulturv. für Freund. und Solidarität von Sizir u. Umgebung
  103. Österreichisch-Arabische Union
  104. Österreichische Gesellschaft für medizinische Öffentlichkeitsarbeit
  105. Österreichische Islamische Föderation
  106. Österreichischer-Ägyptischer Verein
  107. Österreich-Syrisches Ärztekomitee
  108. Österreisch-Arabische Ärzte Und Apothekervereinigung
  109. Palästina Forum
  110. Perspektive
  111. PGO Palästinensische Gemeinde in Österreich
  112. RAMADAN Internetmedium, Wien
  113. SAMDER
  114. SOLMIT Solidarisches Miteinender
  115. Sudanesischer Kulturverein
  116. Syrische Gemeinde in Österreich
  117. The colourful world of children
  118. Türkisch-Islamischer Kultur Verein-Traiskirchen
  119. Union albanischer Muslime in Österreich
  120. Verband der Ägypter in Österreich
  121. Verband der Österreicher Arabischer Abstammung
  122. Verein der Erleuchtung
  123. Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative/Dar Al Janub
  124. Verein für Arabische Frauen
  125. Verein Palästinensische Frauen in Europa
  126. Verein von Immigranten Tunesiens in Österreich (VIT)
  127. Vereinigung der syrischen Gemeinden in Österreich
  128.  Vereinigung zur Integration u. Solidarität der Muslime in Wien
  129. WAKT Wien Ausbildung, Kultur, Toleranz

Leserbrief: Arroganz des "Fachmanns"

Original Titel: Die Arroganz des selbsternannten "Experten"

Straches Serben, die SPÖ und der Islam, Gastkommentar von Thomas Schmidinger, 10.6. Thomas Schmidinger behauptet in seinem Kommentar, dass er live meine Ansprache bei der Demonstration gehört und dass ich den Märtyrerkult gehuldigt habe, weil ich angeblich die palästinensischen Opfer erwähnt habe, deren Kampf weitergeführt werden sollte.

Dies ist eindeutig unwahr. Herr Schmidinger hat anscheinend meine Rede nicht wirklich gehört, sondern bediente sich der APA-Meldung, die von Internetmedien sofort übernommen worden ist. Es ist jedoch seiner Aufmerksamkeit entgangen, dass diese Meldung einen Fehler aufwies und die APA diesen Fehler umgehend korrigierte. Denn ich habe nicht von den bisher umgekommenen palästinensischen Opfern des Nahost-Konfliktes gesprochen, sondern von den neun toten Friedensaktivisten. Interessant sind die Methoden der letzten Tage, die gegen meine Person angewandt werden. Ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss - eingebracht von allen Parteien - wird zum Anlass genommen, mit Unwahrheiten, Unterstellungen und Diffamierungen zu arbeiten. Hier wird anscheinend der Versuch unternommen, jemanden einzuschüchtern bzw. mundtot zu machen, anstatt sich mit dem Inhalt der Sache politisch auseinanderzusetzen.

Schmidinger möchte zwar Migranten in der Politik haben, aber es dürfen aus seiner Sicht nicht die falschen sein. Dass die von ihm angesprochene Politikerin Alev Korun von den Grünen sich einem internen Wahlverfahren stellen musste, spielt für ihn ebenso wenig eine Rolle wie die von mir erreichten Vorzugsstimmen bei den Wahlen, als ich immer der Drittplazierte war. Anscheinend liegen nicht nur die Parteien falsch, die uns aufgestellt haben, sondern auch die Wählerinnen und Wähler, die falsch gewählt haben. Ein seltsames Demokratieverständnis eines Politikwissenschaftlers. Thomas Schmidinger bezeichnete sich einst selbst als "Philozionisten". Deswegen verwundert es mich nicht, dass er in die gleiche Kerbe schlägt wie viele seiner Zeitgenossen der letzten Tage.

Hier werden Strache, die Serben und andere erwähnt, um zum Eigentlichen zu gelangen: mich wegen meiner Einstellung zum Nahost-Konflikt zu attackieren und gleichzeitig auch die Islamische Glaubensgemeinschaft zu denunzieren. Ein Strickmuster, das er bereits auch in der Auseinandersetzung während des Irak-Krieges bedient hat. Persönliche Animositäten und politische Gegnerschaft enden bei Schmidinger stets in persönlicher Diffamierung. Viel mehr verwundert mich, dass Qualitätsmedien wie "Die Presse" dieses Spiel eines Pseudo-Wissenschaftlers nicht durchschauen und ihm ein Forum bieten, um seine persönliche Agenda zu verbreiten.

Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi Abgeordneter zum Wr. Landtag und Gemeinderat der Stadt Wien

Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Petition an Bundeskanzler Werner Faymann

Übergeben am 4.6.2010 aus Anlass der Demonstration gegen den israelischen Angriff auf die Solidaritätsflotte „Free Gaza“

Die Organisatoren der Demonstration, 128 Organisationen der Zivilgesellschaft aus den unterschiedlichsten politischen und religiösen Bereichen, verurteilen die israelische Militäraktion gegen die Schiffe von „Free Gaza“, bei der mindestens neun Menschen getötet und Dutzende schwer verletzt worden sind, auf das Schärfste und wenden sich aus tiefer Besorgnis über die weitere Entwicklung in Gaza bzw. im gesamten Nahen Osten mit den folgenden Forderungen an Bundeskanzler Werner Faymann:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!

  1. Wir ersuchen Sie eindringlich, von dem in den nächsten Wochen geplanten Besuch in Israel Abstand zu nehmen.
  2. Sollten Sie aus irgendwelchen Gründen unserer Bitte nicht entsprechen, dann erwarten wir zumindest von Ihnen eine unmissverständliche Verurteilung der israelischen Militäraktion während Ihres Besuches sowie auch die klare Aufforderung an die Israelische Regierung, die nunmehr seit einigen Jahren andauernde fast vollständige Abriegelung des Gazastreifens ohne weitere Verzögerung aufzuheben. Des weiteren ersuchen wir Sie auch, während Ihres Besuches in Israel unbedingt auch mit VertreterInnen der israelischen Araber, welche ja ca. 10% der Abgeordneten der Knesseth stellen, das Gespräch zu suchen.
  3. Angesichts der von Israel ausgelösten weiteren Verschärfung der Spannungen in der gesamten Region erwarten wir auch, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Österreichischen Bundesheer und der Israelischen Armee beendet wird.
  4. Wir erwarten auch, dass Sie sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten in der EU sowie in den Vereinten Nationen für eine sofortige unabhängige internationale Untersuchung der israelischen Militäraktion einsetzen. In diesem Zusammenhang  verlangen wir auch eine klare Weisung an den österreichischen Vertreter im Sicherheitsrat, diese Frage auf jeden Fall kurzfristig auf die Tagesordnung des Sicherheitsrates zu setzen und sich dort unbedingt für die Einrichtung einer derartigen Untersuchungskommission auszusprechen.
  5. Schließlich erwarten wir von der Österreichischen Bundesregierung im Rahmen ihrer eigenen bilateralen Möglichkeiten sowie vor allem auch im Rahmen der EU die bereits bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zur Verhängung von Sanktionen gegen Israel zu nutzen. Kurzfristig fordern wir eine Sistierung des Kooperationsübereinkommens zwischen der EU und Israel.

Die Petition wurde  von der Delegation der Solidaritätsplattform (Tarafa Baghajati, Paula Hourani, Omar Al Rawi, Fritz Edlinger und Muhammad Turhan) im Bundeskanzleramt übergeben. In einem ausführlichen Gespräch wurden die Anliegen der Solidaritätsplattform dargelegt und erörtert.

Wien, 4.6.2010

Für Rückfragen:

Tarafa Baghajati,
baghajati [at] aon.at

Erklärung zum Israelischen Angriff auf Solidariätsflotte im Mittelmeer

Erklärung der unterzeichnenden Organisationen

Siehe Unterzeichnerliste unten

Am  Freitag, 4. Juni 2010 fand zwischen 15.00 und 18.00 Uhr eine Großdemonstration mit ca. 12.000 TeilnehmerInnen in Wien statt. Die Route führte nach dem Treffpunkt vor der Oper über den Ring zum Ballhausplatz, wo
eine Abschlusskundgebung gehalten wurde. Die Petition wurde  von der Delegation der Solidaritätsplattform (Tarafa Baghajati, Paula Hourani, Omar Al Rawi, Fritz Edlinger und Muhammad Turhan) im Bundeskanzleramt übergeben.

In einem ausführlichen Gespräch wurden die Anliegen der Solidaritätsplattform dargelegt und erörtert.

Auf das Schärfste verurteilen wir das blutige Vorgehen der israelischen Marine und Armee gegen die Hilfsflotte für Gaza. Diese  völkerrechtswidrige exzessive Gewaltanwendung in internationalem Gewässer kostete wahrscheinlich das Leben von mindestens zehn FriedenaktivistInnen. Einmal mehr ignoriert die israelische Regierung Mindeststandards des Völkerrechts – wie schon im Libanon Krieg 2006 und Gaza Krieg 2008/2009. Wenn ständig sanktionslos internationale Abkommen gebrochen werden, dann meint die israelische Regierung wohl, sie stünde über dem Völkerrecht und könne sich alles erlauben.

Dieser Angriff darf daher nicht allein als eine Angelegenheit des Nahen Ostens gesehen werden. Mit dieser Aktion nimmt Israel die Internationalisierung des Konflikts scheinbar bewusst in Kauf. Der Angriff ist nicht nur als Angriff auf die PalästinenserInnen zu verstehen, sondern betrifft vor allem Europa. Die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Corrigan Maguire, der bekannte schwedische Autor Henning Mankell, die beiden deutschen Parlamentarierinnen Inge Höger und Annette Groth, sowie Abgeordnete aus Norwegen, Schweden, Bulgarien, Irland und viele weitere EuropäerInnen wurden hier zur Zielscheibe dieser aggressiven und menschenverachtenden Politik. Entlarvend ist die Verhängung einer Nachrichtenzensur, wodurch bis jetzt keine Aufklärung über die tatsächliche Zahl der Toten und Verletzten und deren Identität gegeben ist. Auch die Kommunikationssperre in Bezug auf die widerrechtlich verschleppten hunderten AktivistInnen, deren Schiffe mit Gewalt nach Israel gebracht wurden, fällt in dieses Bild der propagandistischen Unterdrückung für die israelische Regierung  unangenehmer Tatsachen. Die verschleppten Menschen sollen umgehend freigelassen werden. Es bedarf internationalen Drucks, um eine rasche und lückenlose Aufklärung, möglichst durch unabhängige internationale Organe, zu gewährleisten.

Wir fordern die Österreichische Bundesregierung und die Europäische Union auf, eine eindeutige Verurteilung des Gewaltakts auszusprechen und die militärische Kooperation des Bundesheeres mit Israel mit sofortiger Wirkung einzustellen. Kritische Worte reichen offensichtlich nicht aus, um die israelische Regierung zur Einhaltung internationaler Standards zu bringen. Wer beharrlich UNO-Resolutionen ignoriert und stattdessen immer neue Gewaltakte setzt, wird auch jetzt nicht auf die Sprache der Diplomatie reagieren, sondern nur auf politische, spürbare Konsequenzen. Sanktionen gegen Israel sehen wir als angezeigten Weg, diese Gewaltpolitik in die Schranken zu weisen.

Den österreichischen Außenminister Michael Spindelegger ersuchen wir eine Weisung an den österreichischen UN-Botschafter Thomas Mayr-Harting zu erteilen, die Frage von internationalen Sanktionen gegen Israel auf die
Tagesordnung des Sicherheitsrates zu setzen. Diese Sanktionen sollten solange in Kraft bleiben, bis Israel die völkerrechtswidrige Abriegelung des Gazastreifens aufhebt.

An den Herrn Bundeskanzler Werner Faymann appellieren wir, seine für den 23.und 24.  Juni  2010 geplante Reise nach Israel aus Protest abzusagen.

Den Hinterbliebenen und den Familien der Opfer gilt unser Mitgefühl.

Die Verantwortlichen für dieses Massaker im Mittelmeer müssen angeklagt und vor ein internationales Gericht gestellt werden.

Wien, 04.06.2010

Rückfragehinweis (auch für Ergänzungen in der Unterzeichnerliste):
Tarafa Baghajati, baghajati [at] aon.at

Unterzeichnerliste, Stand 4. Juni 2010

1.   Islamische Religionsgemeinde Wien für Wien, Niederösterreich und Burgenland
2.   Islamischer Koordinationsrat der muslimischen Vereine in Österreich (ISKORAT, ca. 45 Organisationen)
3.   Islamische Föderation Wien IFW
4.   Union Islamischer Kulturzentren
5.   ATIB Türkisch islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich
6.   IVAÖ Islamische Vereinigung Ahlul-Bayt – Österreich, Verband für dieschiitischen Vereine
7.   Koordinationsforum für Unterstützung Palästina
8.   Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP-Österreich)
9.   Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB)
10. Frauen in Schwarz (Wien)
11. Wiener Friedensbewegung
12. WONDER
13. Palästinensische Vereinigung Österreich P.V.Ö.
14. Dachverband Bosnisch Islamische Vereine in Österreich
15. UETD Union of European Turkish Democrats
16. Türkische Föderation in Österreich
17. MJÖ Muslimische Jugend Österreich
18. Österreichisch-Arabische Union
19. Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
20. Islamische Religionsgemeinde Graz für Steiermark und Kärnten
21. Islamische Religionsgemeinde Linz f. OÖ, RPR und Salzburg
22. Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich
23. Liga Kultur
24. Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen (Schura Moschee)
25. ABIZ (Anatolisches Bildungszentrum)
26. Ägäisches Kulturzentrum
27. Ägyptische Gemeinde in Österreich
28. Ägyptischer Klub
29. Ahwazische Kommunikation
30. Al’Ahli Fanklub
31. ALIF
32. Anatolische  Kulturinitiative Neunkirchen
33. Arabische Organisation für Menschenrechte
34. Arabischer Kulturverein
35. Arge für Wehrdienstverweigerung, Gewaltfreiheit und Flüchtlingsbetreuung
36. ARGE Ja zur Umwelt, Nein zur Atomenergie
37. ATAM-Türkischer Akademiker in Österreich
38. AustroArab News
39. Bangladesch islamischer kulturverein Baitul Mukarram
40. Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit
41. Bildungs Förderung (MEKTEB)
42. Bündnis Mosaik
43. CARIMA Caritative Arbeitsgemeinschaft
44. CIRDE-AUSTRIA - Zentrum der islamischen Forschung Dokumentation und Bildung
45. Dar Al Arqam Moschee
46. Dewa
47. EL-MUHLASUN" - Islamischer Sufiten Verein in Österreich
48. Forum Muslimischer Frauen Österreich
49. Gaza muss leben
50. Gesellschaft der palästinensischen Frauen in Europa / Austria
51. Hania Verein für Frauen und Kinder
52. Help Austria
53. IHH Austria
54. Im Glashaus – Kunst & Kultur
55. Information u. Kultur Ägypten, Bladi-Bladi
56. Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen IMÖ
57. Irakhilfswerk
58. Irakische Gemeinde in Österreich
59. Islamische Jugendorganisation in Wien
60. Islamische Sozial und Kulturverein Bad Vöslau
61. Islamische Sozialhilfe in Krems
62. Islamische Vereinigung Österreich „Al-Hidaya Moschee“ Isl.Kulturelle Vereinigung
63. Islamischer Kulturverein der Türk. Arb in Österreich
64. Islamischer Kulturverein der Türkischen Arbeiter in Österreich
65. Islamischer Kulturzentrum Sollenau
66. Islamisches Institut Österreich
67. Islamisches Zentrum Imam Ali Wien
68. ISV Interkulturelle Studenten Vereinigung
69. JUWA Jugend Föderation Österreich
70. JUWEL - Jugendwerk zum Licht
71. Kinder und Mütter im Not (Rahma)
72. KJÖ Kommunistische Jugend Österreichs - Ortsgruppe Wien
73. Kommunistische Gewerkschaftsinitiative International (KOMintern)
74. Kommunistische Initiative Österreich (KI)
75. KUGEL Kultur-Geschichte-Literaturverein
76. Kultur u.Wohltätigkeitsverein  St. Pölten
77. Kultur u.Wohltätigkeitsverein in Herzogenburg
78. Kultur und Solidaritätsverein Türkischer Arbeiter in Österreich
79. Kulturell-Caritative-Union der Muslimen
80. Kulturelle Vereinigung der Muslime in Pottendorf
81. Kulturhaus der Emigranten in Niederösterreich
82. Kulturverein Al-Andalus
83. Kuturverein Kanafani
84. Liga Kulturverein für Multi-Kulturellen Brückenbau – Graz
85. Linkswende
86. Menschenfreunde International
87. Mevlana Plattform in Österreich, Bilal Habashi Moschee
88. Moschee Ahl ul beit Salzburg
89. Moschee Ahl ul beit Wien (Irakische Schiiten)
90. Moschee Al Asr Wien (pakistanische Moschee)
91. Moschee Al-Mahdi (Türkische Schiiten)
92. Multikulturelle u.Caritative Vereinigung in Leopoldstadt
93. Multikulturelleverein der Migranten in Donaustadt
94. Muslemische Emigranten in Liesing
95. Muslimischer Akademikerbund
96. Muslimischer Arbeiter Union in Wien
97. Muslimischer Hilfsorganisation in Wien
98. Muslimischer Lehrerverein für  Wien, NÖ u. Bgld. MLV
99. Nigerian Islamic forum
100. Nordafrika Liga
101. ÖAIKD Verein für Kulturdialog - Alfath Moschee
102. Österr. –Türk. Kulturv. für Freund. und Solidarität von Sizir u. Umgebung
103. Österreichisch-Arabische Union
104. Österreichische Gesellschaft für medizinische Öffentlichkeitsarbeit
105. Österreichische Islamische Föderation
106. Österreichischer-Ägyptischer Verein
107. Österreich-Syrisches Ärztekomitee
108. Österreisch-Arabische Ärzte Und Apothekervereinigung
109. Palästina Forum
110. Perspektive
111. PGO Palästinensische Gemeinde in Österreich
112. RAMADAN Internetmedium, Wien
113. SAMDER
114. SOLMIT Solidarisches Miteinender
115. Sudanesischer Kulturverein
116. Syrische Gemeinde in Österreich
117. The colourful world of children
118. Türkisch-Islamischer Kultur Verein-Traiskirchen
119. Union albanischer Muslime in Österreich
120. Verband der Ägypter in Österreich
121. Verband der Österreicher Arabischer Abstammung
122. Verein der Erleuchtung
123. Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative/Dar Al Janub
124. Verein für Arabische Frauen
125. Verein Palästinensische Frauen in Europa
126. Verein von Immigranten Tunesiens in Österreich (VIT)
127. Vereinigung der syrischen Gemeinden in Österreich
128. Vereinigung zur Integration u. Solidarität der Muslime in Wien
129. WAKT Wien Ausbildung, Kultur, Toleranz

SP-Al-Rawi und SP-Yilmaz verurteilen Angriff der israelischen Armee auf Gaza-Hilfsflotte

Wien (OTS/SPW-K) - "Mit Schock und Entsetzen haben wir heute die Nachrichten erhalten über das vorgehen der Israelische Marine gegen den humanitären Einsatz eine internationale Hilfsflotte mit mindestens 10 Toten und mehreren Verletzten.", sagen die SPÖ-Gemeinderätin Nurten Yilmaz und der SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi.

Es sei seit Tagen bekannt gewesen, das sich mehrere AktivistInnen auf den Weg gemacht haben, um die israelische Blockade gegen Gaza zu durchbrechen und Hilfsgüter wie 500 Rollstühle und 100 Fertighäusern zu liefern.

Unter den Aktivisten ist der bekannte schwedische Schriftsteller Henning Mankell, zwei deutsche Bundestagsabgeordnete sowie Dutzende weitere europäische Abgeordnete. Außerdem waren der frühere Friedensnobelpreisträger Mairead Corrigan Maguire aus Nordirland, die 85 Jahre alte Holocaust-Überlebende Hedy Epstein sowie eine ehemalige Abgeordnete und ein Ex-Oberst aus den USA an Bord der Schiffe.

"Dieses brutale Vorgehen - noch dazu in internationalen Gewässern - gegen Aktivistinnen und Aktivisten, verurteilen wir auf das  Schärfste.

Wir hoffen, die EU und die österreichische Bundesregierung unternimmt alles, um diesen Vorfall zu untersuchen und gegebenenfalls eine Verurteilung der Schuldigen und Sanktionen zu verhängen.", sind sich Yilmaz und Al-Rawi einig. Auch sollte sich die Welt endlich des Elends der Bevölkerung in Gaza bewusst werden und über die Aufhebung der Blockade gegen die Zivilbevölkerung ernsthaft nachdenken.

Juden und Muslime: 60 Jahre Entfremdung

Es wäre an der Zeit, dass Juden und Muslime an ihre positive Geschichte wieder anzuknüpfen beginnen

Spätestens seit der zweiten Intifada im Herbst 2000 ist der Hauptfeind Israels in den besetzten Gebieten die national-religiöse Hamas. Den zweiten Libanonkrieg 2006 führte Israel gegen die islamisch schiitische Hizbullah, die im Jahr 2000 den Abzug der israelischen Truppen aus dem Südlibanon erzwungen hatte. Und in jüngster Zeit hat Israel erstmals einen nichtarabischen Staat zum Hauptfeind gekürt, die islamische Republik Iran.

Der erste Palästinenseraufstand 1987 bis 1991 im Westjordanland und Gazastreifen stand noch unter der Führung linksnationalistischer Gruppen, der erste Libanonkrieg ab 1982 wurde hauptsächlich noch gegen die PLO und die prosyrische Amal geführt und bis in die 70er Jahre hinein war das sozialistische Ägypten Israels größter Feindesstaat, später dann die von säkularen Bathregimen geführten Länder Syrien und Irak.

Es ist offensichtlich, der Untergang der Sowjetunion und der unaufhaltsame Niedergang des linken Panarabismus führte auf arabischer Seite zu einer Islamisierung des Konfliktes. Auf der israelischen Seite der Barrikade geht diese Entwicklung einher mit einem Niedergang des an der Arbeiterbewegung orientierten aschkenasischen Zionismus. Dieser hat die Besiedelung und Eroberung Palästinas zwar auch mit einem national-religiösem Narrativ aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert legitimiert, das da besagt, es gäbe eine ungebrochene 2000jährige Stammesgeschichte einer jüdischen Ethnie, die die einzig wahre Besitzerin des Landes ist. Doch die nun erstarkende religiöse Rechte und der an Kraft gewinnende politische Messianismus führen diesen religiösen Diskurs bis ins Extrem.

Ein ahistorischer Blick auf den Konflikt läßt einen heute daher rasch zu dem Trugschluß kommen, daß es sich hierbei um einen Religionskrieg handelt, um einen Kampf zwischen Juden und Muslimen. Dieser Gedanke hat an Attraktivität gewonnen, seitdem in der internationalen Politik der „Kalte Krieg“ von der These vom „Kampf der Kulturen“ abgelöst worden ist. In den „clash of civilizations“ läßt sich ein jüdisch-muslimischer Krieg nämlich wunderbar einordnen.

Tatsächlich hat sich die Auseinandersetzung um Israel-Palästina keineswegs verändert. Es handelt sich nach wie vor um einen nationalen politischen Konflikt um Land und Wohnrecht, um einen der letzten Kolonialkonflikte der Weltgeschichte. Die Interessen und Forderungen der Konfliktparteien sind unverändert, lediglich die religiöse Rhetorik ist relativ neu. Dieses Jahr wird, je nach Sichtweise, an 60 Jahre Medinat Israel bzw. an 60 Jahre Nakba gedacht. Dieses Gedenkjahr sollte aber auch dazu genützt werden, um sich in Erinnerung zu rufen, dass das Verhältnis der ältesten und der jüngsten der drei monotheistischen Religionen über viele Jahrhunderte lang sehr gut war. Erinnert sei an dieser Stelle exemplarisch an die muslimisch-jüdische Herrschaft über Spanien, an die vielen jüdischen Minister der Khalifen bis zur Herrschaft von König Ghazi im Irak und der Regierung von Saad Zaglool in Ägypten oder an das gute Zusammenleben, wie es die Kairoer Geniza belegt, der Fund von 200.000 jüdischen Manuskripten in einer Synagoge des 11. Jahrhunderts.

Um den Kulturkämpfern auf beiden Seiten den Wind aus den Segeln zu nehmen, muss auch hervor gestrichen werden, dass es kaum eine religiöse Feindschaft zwischen Juden und Muslimen geben kann. Judentum und Islam sind theologisch einander viel näher als jeweils zum Christentum. Der Islam hat niemals das Judentum zum „Feind Gottes“ weil „Mörder Gottes“ erklärt. Der Koran hält hingegen zeitlos fest: „Und unter Moses Volk gibt es Leute, welche zu der Wahrheit leiten und ihr gemäß gerecht handeln.“ [7:159] Heute oftmals als antijüdisch interpretierte Passagen des Korans beziehen sich nicht auf theologische Grundsätze oder gar auf alle Menschen jüdischen Glaubens, sondern ausschließlich auf die Politik bestimmter jüdischer Gruppen zur Zeit des Propheten.

Es wäre an der Zeit, dass Juden und Muslime an ihre positive Geschichte wieder anzuknüpfen beginnen. Insbesondere die jüdischen und muslimischen Gemeinden Europas könnten hier Pionierarbeit leisten. Als religiöse Minderheiten sind sie oftmals mit ähnlichen Problemen konfrontiert. Es bleibt umstritten, ob es möglich ist Antisemitismus und Islamfeindlichkeit miteinander zu vergleichen. Fakt ist allerdings, dass Parallelitäten unverkennbar sind und dass beide Gruppen mitunter rassistischen Ausgrenzungen ausgesetzt sind. Der lange Schatten des Nahostkonfliktes und die sich selbst erfüllende These vom Kulturkampf hat eine Situation geschaffen, die nahelegt, dass man nur entweder gegen Antisemitismus oder gegen Islamfeindlichkeit sein kann, nicht gegen beides zugleich. Es muss den Communities gelingen, sich dieser unsinnigen Dynamik zu entziehen. Hier können gerade Österreichs Juden und Muslime richtungweisend werden.

Bei alldem darf sich Europa nicht saturiert zurücklehnen und dabei zusehen, wie sich „die Muslime und die Juden die Köpfe einschlagen“. Denn die Ursache für dieses Missverhältnis liegt auch in der christlich-europäischen Politik und Geschichte. (derStandard.at, 26.10.2010)

Tarafa Baghajati,  (Wien, Mai 2008 / publiziert Jänner 2010 in derstandard.at)

Tarafa Baghajati
ist Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen,
Vorstandsmitglied “Platform for Intercultural Europe PIE” und
Mitglied des Ehrenbeirats des European Network against Racism (ENAR)

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