Irak

Diese Homepage wurde mit einem neuem CMS aufgesetzt und befindet sich daher in Arbeit ...

IS besiegen heißt gegen Assad vorgehen

KOMMENTAR DER ANDEREN | TARAFA BAGHAJATI

3. Oktober 2014, 17:22

Nur ein Systemwechsel bricht die heimliche Allianz zwischen Diktator und Islamisten

Wer IS besiegen will muss sich auch mit Assad beschäftigen

Noch immer wird von der Verbrecherbande IS so berichtet, als ob diese Leute einfach von Himmel gefallen wären. Wer IS bekämpfen will, muss ein wenig zurück in die Geschichte gehen, speziell des Iraks und Syriens. Im Irak ist ISIS ein Spätprodukt des Irakkriegs 2003. Dieser Krieg und die nachfolgende US-Verwaltung etablierte eine konfessionell geführte Regierung und es wurde ein de facto gespaltener Irak zurück gelassen. Schiiten und Kurden wurden gut bedient; arabische Sunniten wurden bestraft, einerseits weil Saddam Hussein aus ihren Reihen stammt, andererseits waren sie selbst schuld an ihrer Misere, da sie sich schrecklich ungeschickt verhielten und alle ihre Möglichkeiten nach dem Motto „alles oder nichts“ selbst vereitelten. Die konfessionelle Spannung, die einen noch nie da gewesenen Hass zwischen Schiiten und Sunniten mit sich brachte, war der Nährboden für extremistische Gedanken auf allen Seiten. In Syrien dagegen waren hunderte extremistische Al Qaida Kämpfer in den Gefängnissen des Assads Regimes inhaftiert; diese hatten früher im Irak – mit Assads Unterstützung - gegen die US-Besatzung gekämpft und wurden daher geduldet. Diese hat Bashar Al Assad im Oktober 2011 freigelassen. Viele von ihnen schlossen sich der Al Nusra Front und ISIS an und es gilt als sicher, dass viele vermummte IS-Führer aus ihren Reihen stammen. Mit diesem Schritt hat Bashar Al Assad seine Strategie, sich als das „kleinere Übel“ gegenüber der Welt zu präsentieren gefestigt. Er setzt alles daran zu zeigen: „Es gibt in Syrien keinen Aufstand, sondern nur Terrorismus“. Dazu nimmt er in Kauf, dass IS Teile Syriens erobern konnte. Er ließ diese Leute frei, während Tausende Anhänger der gemäßigten und friedlichen Opposition bis heute in seinen Gefängnissen unter schlimmsten Bedingungen festgehalten werden. Verschwörungstheorien zufolge ist IS ohnehin seine Erfindung, um seine Gegner zu schwächen. Diese vermeintliche Geheimkoalition zwischen Assad und IS kann zwar nicht bewiesen werden, dass aber Assad durch IS erleichtert wurde sich zu behaupten ist gewiss, da IS seit über einem Jahr der Hauptfeind aller anderen bewaffneten Gruppen ist; und dies im gesamten Norden und Osten des Landes. Es wurden bis vor wenigen Wochen nie militärische Auseinandersetzungen zwischen IS (früher ISIS bzw. Daish „Kürzel auf Arabisch“) und Truppen von Assad gemeldet. Dutzende oppositionelle Kämpfer in Syrien wurden von IS immer wieder hingerichtet oder ermordet.

Wichtig wäre es Präsident Obama folgendes auszurichten: Wer wirklich zur Beendigung des Schreckphänomens IS beitragen will, muss sich für die Freiheit der Syrer engagieren und dass passiert nur durch eine radikale Systemänderung und Schwächung der Macht des Diktators Bashar Al Assad bzw. seiner Geheimdienste. Wer Assad und seine bedingungslose russische und iranische Unterstützung duldet, bekommt IS Daish als Ergebnis.
Jedoch schaut es danach aus, dass angesichts der Schwäche der Obama Administration und der Machtlosigkeit Europas, das Regime und seine Spitze Al Assad persönlich keinerlei Veranlassung sehen auch nur das geringste ihrer absoluten Macht aufzugeben. Hier fühlt sich Assad in einer Sicherheitszone: international von Putin geschützt, regional durch den Iran bedingungslos gestärkt und von der libanesischen Hizbullah Milliz militärisch unterstützt. Je länger dieser Konflikt dauert, umso mehr werden extremistische Gruppierungen in Syrien und im Irak Fuß fassen und die IS wird sich etablieren. Die Nicht-Lösung wird zunehmend nicht nur eine Gefahr für Syrien, den Irak und die gesamte Region, sondern für die ganze Welt und Europa zuerst. Das US-Bombardement könnte hier sogar eine zusätzliche Eskalation und Polarisierung bewirken anstatt IS zu schwächen.

Tarafa Baghajati

Abscheu vor den IS Gewaltexzessen – Appell an die Öffentlichkeit diesen Terror nicht mit „dem Islam“

In tiefer Erschütterung verurteilen wir als Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich IS zum wiederholten Male. Angesichts der von ihnen verübten Gräueltaten fehlen die Worte das Entsetzen zu beschreiben. In ihrem politischen Anspruch sind sie völlig wirr und verblendet. Sie haben nicht das geringste Recht, Muslime vertreten zu wollen. So wie sie sich aufführen, pervertieren sie unsere Religion. Sämtliche Werte des Islams von der Achtung der Menschenwürde bis zum Schutz für religiöse und ethnische Minderheiten werden von ihnen mit Füßen getreten. Ihnen muss klar vermittelt werden, dass Muslime sie global dermaßen heftig ablehnen, dass jegliches Eintreten in einen theologischen Diskurs ausgeschlossen ist. Sie sind Verbrecher.

Wir appellieren an die Öffentlichkeit, diese klare Haltung der schärfsten Verurteilung von IS seitens der Muslime wahrzunehmen. Wir vermeiden es, IS mit religiösen Argumenten abzuqualifizieren und zwar nicht, weil wir diese nicht hätten, sondern weil wir ihnen mit dem Einstieg in theologische Dispute keinen Anlass zu ihrer Aufwertung geben möchten. Von jedem Standpunkt der Menschlichkeit und der Barmherzigkeit – auch das ein zentraler Wert des Islams! – richten sie sich selbst.

Es wäre fatal, wenn die Politik des Terrors und Schreckens eine Entfremdung zwischen Muslimen und Andersgläubigen zur Folge hätte. Denn genau dies ist eines der Ziele dieser Terroristen, deren krude Sicht ja von der Polarisierung zwischen ihnen und allen anderen – den „Ungläubigen“ – lebt. Dazu rechnen sie auch uns Muslime, die ihr wirres und gefährliches Weltbild nicht teilen.

Wir drücken unser Mitgefühl mit allen Menschen aus, die unter der Barbarei von IS leiden, insbesondere auch der christlichen und jesidischen Minderheit. Gleichzeitig erinnern wir daran, dass IS nicht über Nacht so stark wurden. Sie konnten sich in Syrien von der Weltöffentlichkeit völlig ungestört ausbreiten, auch weil das dortige Regime ein Interesse daran hat, diesen Terrorismus zu fördern. Dutzende Extremisten wurden von Baschar al Asad eigens dazu aus den Gefängnissen entlassen.

Eine Befriedung der Region kann nur erreicht werden, wenn die Komplexität der Situation erfasst wird. Dazu können unabhängige Medien einen entscheidenden Anteil leisten. An dieser Stelle drücken wir unsere Hochachtung vor der journalistischen Arbeit des ermordeten James Foley aus. Er wie allen seinen Kolleginnen und Kollegen, die unter Gefährdung ihres Lebens ihre Arbeit tun, um gerade angesichts von Propagandaschlachten in Krisenregionen ein möglichst reales Bild der dortigen Lebenswirklichkeit zu vermitteln, ist die vollste Solidarität auszusprechen.

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati
Medienbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Grußadresse der IMÖ zum Hiroshima-Tag 2013

Das Ausmaß der verheerenden direkten und indirekten Auswirkungen von Bomben und bewaffneten Auseinandersetzungen bleibt vor den Augen der Öffentlichkeit zum größten Teil verborgen. Aber das Leid findet jeden Tag statt und ist keineswegs geringer geworden, zum Beispiel heute in Syrien, wo wegen Diktatur und Repressalien über 100.000 Tote zu beklagen sind. Nicht nur in Hiroshima war hauptsächlich die Zivilbevölkerung Leid tragend. Auch in den kriegerischen Konflikten der Gegenwart sind vor allem Zivilistinnen und Zivilisten die am meisten Betroffenen. Mit Gewalt können keine Konflikte gelöst werden. Gewalt bringt nur Gegengewalt hervor. Die Kriege gegen die Menschen in Afghanistan und im Irak haben dies wieder einmal deutlich gezeigt.

Gerade im Nahen Osten drängt die Situation auf die Einrichtung einer atomwaffenfreien Zone. Daher verdienen alle Initiativen für die geplante Konferenz über eine massenvernichtungsfreie Zone im Nahen Osten unsere Unterstützung. Kein Staat im Nahen Osten soll Atomwaffen besitzen dürfen. Das soll für alle gelten, für Israel, das seine Atomwaffen verschrotten soll, genauso wie für den Iran und alle anderen Staaten.

Eine angebliche Bedrohung von angeblichen Massenvernichtungswaffen darf nicht zu Militärschlägen, d.h. zu Kriegen führen. Wir haben im Irak-Krieg gesehen, wie die Lüge von Massenvernichtungswaffen als Legitimation zum Kriegführen eingesetzt wird. Verhandlungen und Kontrollen sind der Weg, um Misstrauen abzubauen und weitere Aufrüstung zu verhindern. Für die USA und Europa gilt, dass wir alle Staaten gleich behandeln müssen – mit zweierlei Maß messen bringt uns nicht weiter.

Amina und Tarafa  Baghajati
Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen

IGGiÖ Verurteilung der Gewalt an Christen in Bagdad

Schärfste Verurteilung des frevelhaften Anschlags auf eine Kirche im Irak

Schockiert zeigte sich Präsident Schakfeh, derzeit auf einer Konferenz in Genf, angesichts des Angriffs auf die christliche Bevölkerung in Bagdad. Für die Geiselnahme von betenden Menschen in einer Kirche, die mit dutzenden Toten endete, könne es keinerlei Rechtfertigung geben.

Für die Islamische Glaubensgemeinschaft hatte  Omar Al Rawi in einer ersten Stellungnahme unmittelbar nach Bekanntwerden der hohen Opferzahl wie folgt Stellung genommen: „Wir sehen es als unsere Pflicht an, diese Angriffe auf das Schärfste zu verurteilen, und drücken unser tiefstes Bedauern und unser Mitgefühl allen Leidtragenden und Hinterbliebenen aus. Gleichzeitig fordern wir die Regierung im Irak auf, endlich ihrer Aufgabe nachzukommen und für den Schutz der Bevölkerung,  insbesondere den Schutz der Minderheiten zu sorgen. Es ist zu hoffen, dass die politischen Parteien und Lager endlich ihre Differenzen überwinden  und  sieben Monate nach den Parlamentswahlen eine amtsfähige neue Regierung bilden.“

Die christliche Minderheit war immer schon ein Zeichen der ethnischen und religiösen Vielfalt des Iraks. Eine lange Tradition gegenseitiger Toleranz und Respekts und des friedlichen Miteinanders war ein positives Kennzeichen des Iraks.

Dieser feige Angriff stellt leider einen traurigen Höhepunkt in der derzeitigen ohnedies durch ethnische und religiöse Konflikte gespannten Lage im Irak dar.

Es war und ist die Pflicht der Muslime nicht nur in Friedenszeiten Toleranz und Respekt mit den religiösen Minderheiten zu leben, sondern auch für deren Schutz zu sorgen und ihre Religions- und Gewissensfreiheit zu garantieren. Dies begründet sich auf zahlreiche eindeutige Aussagen im Koran, wo es etwa heißt:

„… Und wenn Allah nicht die einen Menschen durch die anderen zurückgehalten hätte, so wären gewiss Klausen, Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen des  Namen Allahs häufig gedacht wird, niedergerissen worden….“ (Koran, 22:40)

Auch das Beispiel des Propheten Muhammad legt beredtes Zeugnis dafür ab, dass Gotteshäuser der Religionen zu schützen sind. Er stellte zum Beispiel einen eigenen Schutzbrief für das bis heute bestehende Katharinenkloster in der Nähe des Berges Sinai aus.

Daher hoffen wir, dass die muslimische Mehrheitsbevölkerung in Bagdad ihren Beitrag leistet und gegen die Gewalt ein klares Wort spricht, die Übergriffe aufs Schärfste verurteilt und ihre Solidarität mit den christlichen Mitbürgern zum Ausdruck bringt.

Rückfragehinweis:

Omar Al Rawi, Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Oder

Carla Amina Baghajati, Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft.


Gewalt an Christen in Bagdad - Stellungnahme

Mit großer Sorge und Betroffenheit verfolgen wir die jüngsten Nachrichten über den Angriff auf die christliche Bevölkerung in Bagdad und die Geiselnahme von betenden Menschen in eine Kirche.

Die christliche Minderheit war immer schon ein Zeichen der ethnischen und religiösen Vielfalt des Iraks. Eine lange Tradition gegenseitiger Toleranz und Respekt und des friedlichen Miteinanders war ein positives Kennzeichen des Iraks.

Dieser feige Angriff stellt leider einen vorläufigen traurigen Höhepunkt in der derzeitigen ohnedies durch ethnische und religiöse Konflikte gespannten Lage im Irak dar.

Wir sehen es als unsere Pflicht an, diese Angriffe auf das Schärfste zu verurteilen, und drücken unser tiefstes Bedauern und unser Mitgefühl allen Leidtragenden und Hinterbliebenen aus.

Gleichzeitig fordern wir die Regierung im Irak auf endlich ihrer Pflicht nachzukommen um für den Schutz der Bevölkerung insbesondere der der Minderheiten zu sorgen. Es ist zu hoffen, dass die politischen Parteien und Lager endlich ihre Differenzen überwinden, und  7 Monate nach den Parlamentswahlen endlich eine amstfähige neue Regierung bilden.

Es war und ist die Pflicht der Muslime nicht nur in Friedenszeiten Toleranz und Respekt mit den religiösen Minderheiten zu leben, sondern auch für deren Schutz zu sorgen und ihre Religions- und Gewissensfreiheit zu garantieren. Daher hoffen wir, dass die muslimische Mehrheitsbevölkerung in Bagdad ihren Beitrag leistet und gegen die Gewalt ein klares Wort spricht, die Übergriffe aufs Schärfste verurteilt und ihre Solidarität mit den christlichen Mitbürgern zum Ausdruck bringt.

Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi,
Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Christenverfolgung im Irak: Massenauswanderung ist keine Lösung

Der Asyl-Streit zwischen Kardinal und Innenministerium aus muslimischer Sicht - Ein Kommentar der anderen von TARAFA BAGHAJATI

Die Debatte um die christlichen Flüchtlinge aus dem Irak ließ vor mir die Bilder von bosnischen Flüchtlingen bei der Rückkehr in ihre Heimatstädte wiedererstehen. Es gehört zu meinen schönsten Erinnerungen, durch meine damalige Tätigkeit in einem Evaluierungsteam des Bundeskanzleramtes miterlebt zu haben, wie jene Vertriebenen voll Freude in durch österreichische Hilfe renovierte oder neuerrichtete Häuser einziehen konnten. 

Nun diskutieren wir über die Aufnahme christlicher irakischer Flüchtlinge in Österreich und der EU. Wie problematisch die Selektierung von Flüchtlingen nach Religionszugehörigkeit ist, hat der Standard angesichts der diesbezüglichen Differenzen zwischen Kardinal Schönborn und Innenministerin Fekter in der Weihnachtsausgabe profund analysiert. Keine Frage: Ein Bekenntnis zur Aufnahme von Flüchtlingen bleibt auch in schwierigen Zeiten ein Gebot der Stunde. Ein Aspekt allerdings darf in der aktuellen Debatte nicht vernachlässigt werden: So verständlich die Forderung nach zügiger Asyl-Gewährung für diese Flüchtlinge erscheinen mag, so problematisch kann sich diese Art der Solidarität mit christlichen Glaubensgeschwistern auf deren Präsenz in der Region auswirken.

Erfahrungen der Vergangenheit zeigen: Überall wo eine Bevorzugung der christlichen Migration und Auswanderung stattfand, zum Beispiel aus Syrien, Ägypten oder Palästina, wurde damit ein Stück christliche Identität in dieser Region aufgegeben und zum Teil sogar gelöscht. Gewiss wird hier sogleich der Vorwurf laut werden, dass die Auswanderung aufgrund von Repressalien erfolgte. So richtig dies ist, so wenig darf man gleichzeitig außer Acht lassen, dass auch die Mehrheitsbevölkerung leidet - Intellektuelle und Oppositionelle an erster Stelle. Aktive Unterstützung aus Europa zur Auswanderung hat es für diese große Gruppe aber meines Wissens nie gegeben.

Erfahrungen der Vergangenheit zeigen: Überall wo eine Bevorzugung der christlichen Migration und Auswanderung stattfand, zum Beispiel aus Syrien, Ägypten oder Palästina, wurde damit ein Stück christliche Identität in dieser Region aufgegeben und zum Teil sogar gelöscht. Gewiss wird hier sogleich der Vorwurf laut werden, dass die Auswanderung aufgrund von Repressalien erfolgte. So richtig dies ist, so wenig darf man gleichzeitig außer Acht lassen, dass auch die Mehrheitsbevölkerung leidet - Intellektuelle und Oppositionelle an erster Stelle. Aktive Unterstützung aus Europa zur Auswanderung hat es für diese große Gruppe aber meines Wissens nie gegeben.

Natürlich sei jedem Flüchtling gegönnt, sich ein besseres Leben aufbauen zu können. Gesellschaftspolitisch und demografisch aber sind Massenauswanderungen auch im Hinblick auf andere Aspekte langfristig kein Allheilmittel. Hilfe für die christlichen Iraker sollte in erster Linie humanitär und zwar direkt vor Ort erfolgen. In den Nachbarländern, aber auch im Irak selbst halten sich hunderttausende Flüchtlinge auf. Allein in Syrien sind ca. zwei Millionen Iraker gestrandet. Dass es nicht um einen religiösen Konflikt geht, zeigt nicht zuletzt, wie hier christliche und muslimische Flüchtlinge friedlich, wie einst in der Heimat, Tür an Tür wohnen.

Neben der humanitären wäre aber auch politische Unterstützung nötig, die dafür sorgen sollte, dass die Flüchtlinge umgehend in ihre Städte und Häuser zurückkehren und die zerstörten Kirchen wieder aufgebaut werden können. Nicht nur um deren Funktionstüchtigkeit zu garantieren, sondern auch um ein Zeichen des Selbstbewusstseins und der Selbstverständlichkeit christlicher Präsenz im Irak zu setzen. Die örtlichen christlichen Schulen müssen wieder eröffnet und geschützt werden. Nichts und niemand darf die öffentliche Ausübung von Religion beeinträchtigen.

Neben der humanitären wäre aber auch politische Unterstützung nötig, die dafür sorgen sollte, dass die Flüchtlinge umgehend in ihre Städte und Häuser zurückkehren und die zerstörten Kirchen wieder aufgebaut werden können. Nicht nur um deren Funktionstüchtigkeit zu garantieren, sondern auch um ein Zeichen des Selbstbewusstseins und der Selbstverständlichkeit christlicher Präsenz im Irak zu setzen. Die örtlichen christlichen Schulen müssen wieder eröffnet und geschützt werden. Nichts und niemand darf die öffentliche Ausübung von Religion beeinträchtigen.

Schlussendlich sollte man aber auch mehr Augenmerk auf das zweifelhafte Treiben evangelikaler, vor allem aus den USA stammender Kräfte legen und deren Versuche der Missionierung in Zusammenarbeit mit den "Neocons" nicht auch noch aktiv fördern. Prediger aus dieser Ecke haben es weniger - da kaum aussichtsreich - darauf abgesehen, Muslime zu missionieren, als vielmehr christlichen Orientalen die "Wahrheit" zu verkünden. Und diese Aktivitäten bereiten den eingesessenen Kirchen mehr Kopfzerbrechen als viele andere Schwierigkeiten. Denn die US-Missionare werden von der Bevölkerung als Teil der Besatzung gesehen, aufgrund ihrer aggressiven Selbstpräsentation als die einzig "wahren Christen" im herrschenden Chaos von extremistischen Gruppen mit dem Christentum an sich gleichgesetzt und der Kollaboration bezichtigt. Diese pauschale Simplifizierung wiederum soll Angriffe auf die Christen "rechtfertigen".

Europa ist aufgerufen, sich der Thematik in ihrer ganzen Komplexität anzunehmen. In arabischen Staaten, die gemeinhin als "Entwicklungsländer" gelten, laufen für die dorthin geflüchteten Iraker offizielle Unterstützungsprogramme, während die lokale Bevölkerung zusätzlich, trotz eigener Bedürftigkeit, auf zivilgesellschaftlicher Basis Hilfe leistet. Wer redet in Europa darüber, welche Integrationsleistung das für finanzschwache und vergleichsweise arme Länder bedeutet?

Fazit: Europa wäre gut beraten, sich für die Christen im Irak und für die Iraker überhaupt politisch einzusetzen, es darf sich nicht mit der Aufnahme von ein paar tausend Flüchtlingen aus der Verantwortung stehlen.
 
Weitere Informationen www.islaminitiative.at
Der Autor ist Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Muslim-Appell an den Irak

Sorge über Gewalt gegen Christen

Wien. Die islamischen Verbände und Vereine Österreich haben sich besorgt über Gewalt an Christen im Norden des Irak gezeigt.

In einer von Omar Al-Rawi, dem Integrationsbeauftragten der Islamischen Glaubengemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), übermittelten Erklärung heißt es unter anderem: "Es war und ist die Pflicht der Muslime nicht nur in Friedenszeiten Toleranz und Respekt mit den religiösen Minderheiten zu leben, sondern auch für deren Schutz zu sorgen und ihre Religions- und Gewissensfreiheit zu garantieren", heißt es weiter in der Stellungnahme, die die Angriffe in Mosul scharf verurteilt. Die irakische Regierung wird aufgefordert, endlich für die Sicherheit der Bevölkerung zu sorgen.

Erfreut zeigte sich die IGGiÖ in einer weiteren Stellungnahme über die Freilassung der beiden Sahara-Geiseln. Gleichzeitig bitte man aber um eine Differenzierung zwischen islamischen Extremisten und Muslimen in Österreich. Die Entführer hätten nicht islamisch gehandelt.

 

Islamische Verbände in Österreich sorgen sich um Christen im Nordirak

Muslimische Gruppen sehen religiöse Vielfalt gefährdet

Wien (APA) - Mehr als ein Dutzend islamischer Verbände in Österreich haben am Montag die jüngsten Verfolgungen und gewalttätigen Übergriffe gegen Christen im Nordirak verurteilt. In letzter Zeit häuften sich Berichte zu Übergriffen gegen die christliche Bevölkerung in der Region rund um die nordirakische Metropole Mossul (Mosul). Die Verbände sehen es laut einer Aussendung der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) als ihre "religiöse Pflicht" an, "diese Entwicklung aufs Schärfste zu verurteilen", und rufen zu Toleranz und Respekt auf. Die irakische Regierung solle zudem "endlich für die Sicherheit der Bevölkerung" sorgen.

"Die christliche Minderheit war immer schon ein Zeichen der ethnischen und religiösen Vielfalt des Irak", heißt es in der Aussendung. Sie habe ihre Kultur so pflegen können, dass sie etwa "bis heute die aramäische Sprache, die Sprache Jesu, beherrscht und verwendet". Es gebe eine lange Tradition gegenseitigen Respekts zwischen Muslimen und Christen in der Region.

Nach Auffassung der unterzeichnenden Verbände "war und ist die Pflicht der Muslime", Toleranz und Respekt gegenüber der religiösen Minderheit zu leben und das Recht auf Religionsausübung zu gewährleisten. Aufgrund der bisherigen friedlichen Koexistenz der verschiedenen Religionen im Norden des Golfstaates hoffen die islamischen Verbände in Österreich, dass "die muslimische Mehrheitsbevölkerung in Mosul ihren Beitrag leistet und gegen die Gewalt ein klares Wort spricht".

Kritik wird in der Aussendung an den USA laut. Die Spannungen seien "eine direkte Folge der US-Invasion im Irak". Der jüngst erfolgte US-Angriff auf Syrien sowie Rufe nach einen militärischen Angriff auf den Iran gäben zusätzlichen Grund zur Sorge.

(Schluss) fpr/rok/mp

Omar Al-Rawi besorgt über Gewalt an Christen im Norden des Irak

„Die gezielte Ermordung eines Geschäftsmannes war ein trauriger Höhepunkt in der derzeitigen ohnedies von ethnischen und religiösen Konflikten gespannten Lage im Irak“, zeigte sich der Integrationssprecher der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Wiener SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi am Dienstag besorgt über jüngste Entwicklungen im Irak. „Christen und Muslime leben seit Jahrhunderten friedlich miteinander, sind und waren nicht nur Nachbarn, sondern auch Freunde“, stellte er klar und betonte: „Daher begrüße ich die Entscheidung der irakischen Regierung 900 Polizisten zusätzlich zum Schutz der christlichen Minderheit abzustellen.“****

Zudem sprach Al-Rawi seine Hoffnung aus, dass „die muslimische Mehrheitsbevölkerung in Mosul ihren Beitrag leistet und gegen die Gewalt ein klares Wort ausspricht, die Übergriffe aufs Schärfste verurteilt und ihre Solidarität mit den christlichen Mitbürgern zum Ausdruck bringt“. Denn, so Al-Rawi abschließend: „Das hat immer der islamischen und irakischen Tradition entsprochen.“ (Schluss)

Rückfragehinweis:

Pressedienst der SPÖ-Wien
Tel.: ++43/ 01/ 53 427-222
wien.presse [at] spoe.at (mailto:)
http://www.wien.spoe.at

Es fehlt eine Vision für den Frieden

Eine Zweistaatenlösung ist im Nahostkonflikt weiter entfernt als je zuvor

Frieden schaffen ohne Phrasen

Heute gedenken die Palästinenser ihrer Flucht und Vertreibung aus Israel vor 60 Jahren. Doch eine Zweistaatenlösung ist im Nahostkonflikt weiter entfernt als je zuvor

60 Jahre Israel, das ist kein Grund zum Feiern. Auch in Israel selbst ist von Feierstimmung nicht viel zu spüren. Natürlich können viele Israelis in der Tatsache, dass der jüdische Staat bis heute existiert, schon einen Grund zur Freude sehen. Aber das vermag kaum darüber hinwegzutrösten, dass ihr Land heute keineswegs den Träumen seiner ideologischen Gründerväter entspricht. Denn auch wenn die Schriften von Theodor Herzl durchaus von kolonialistischem Gedankengut geprägt waren, so hat der Begründer des Zionismus doch immer auf ein friedliches Zusammenleben der Völker im Nahen Osten gehofft. Ein Israel, das sich nur mit Angriffen aus F16-Militärflugzeugen auf Gaza zu behaupten weiß, zählte gewiss nicht zu seinen Vorstellungen.

In seinem Buch "Der Judenstaat" forderte Herzl: "Und fügt es sich, dass auch Andersgläubige, Andersnationale unter uns wohnen, so werden wir ihnen einen ehrenvollen Schutz und die Rechtsgleichheit gewähren." Doch aus seiner Idee ist ein Staat hervorgegangen, der seit 60 Jahren ein Fünftel seiner Bevölkerung als Bürger zweiter Klasse behandelt - die nichtjüdischen Araber, also die in Israel verbliebenen Palästinenser, die in institutionalisierter Form diskriminiert werden. Israel ist zudem ein Staat, der seit über 40 Jahren gegen das Völkerrecht verstößt, indem er Gebiete besetzt, ohne den Verpflichtungen einer Besatzungsmacht gegenüber der Zivilbevölkerung nachzukommen: Das überlässt er lieber der UNO und ausländischen Hilfsorganisationen. Unter diesen Umständen von der "einzigen Demokratie im Nahen Osten" zu sprechen, klingt nicht nur in palästinensischen Ohren wie Hohn.

Immerhin können die Palästinenser, insbesondere die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO), für sich beanspruchen, die Palästinafrage auf die internationale Agenda gesetzt zu haben. Bis Mitte der Siebzigerjahre hinein hatten es israelische Regierungen ja kategorisch abgelehnt, sich überhaupt mit dem Problem auseinanderzusetzen. Legendär ist die Antwort von Golda Meir, Israels Ministerpräsidentin von 1969 bis 1974, als sie gefragt wurde, was sie zum Palästinenserproblem sagen würde. Sie schaute sich nach links und rechts um, bevor sie antwortete: "Ich sehe hier keine Palästinenser. Sie etwa?"

Heute würde sich jeder israelische Politiker der Lächerlichkeit preisgeben, wenn er das Problem schlicht leugnen würde. Die palästinensischen Organisationen aber, die seit dem Vertrag von Oslo von 1993 in den besetzten Gebieten aktiv sind, tun sich heute vor allem dadurch hervor, dass sie sich gegenseitig lähmen. Fatah und Hamas trachten in beschämender Weise danach, sich gegenseitig zu vernichten, wohl wissend, dass sie damit einzig die palästinensische Sache zu Grabe tragen.

Derzeit lassen sich die Palästinenser - hauptsächlich nach geografischen Gesichtspunkten - in vier Gruppen unterteilen: Neben der Million, die in Israel lebt, sind das vor allem jene 3,5 Millionen, die in den besetzten Gebieten leben, die im Sechs-Tage-Krieg 1967 von Israel erobert wurden. Daneben haben sich mehrere Millionen als Flüchtlinge über die benachbarten arabischen Ländern verstreut, und viele leben in der Diaspora, in Europa und den USA.

Palästinensern wie Israelis fehlt eine Vision, wie sich die Zukunft beider Völker gestalten sollte. Bisher schien die Sache klar: Mehrmals haben sich israelische wie palästinensische Politiker zu einer Lösung bekannt, die zu zwei Staaten führen würde: einem palästinensischen, der rund 22 Prozent der Fläche des historischen Palästinas umfassen würde, und Israel, das sich auf 78 Prozent beschränken müsste. Diesem Plan haben auch die Mitgliedsstaaten der Arabischen Liga bei ihrem Treffen 2002 in Beirut zugestimmt, ihr Angebot an Israel gilt bis heute.

Die Vielzahl der Probleme, die mit diesem Plan verbunden sind, wird allerdings gerne verdrängt. Denn für die meisten Palästinenser hängt die Zustimmung zu einer Zweistaatenlösung von drei Bedingungen ab. Erstens müssten die israelischen Siedlungen im Westjordanland, die völkerrechtswidrig erbaut wurden und somit illegal sind, geräumt werden, zweitens sollte Ostjerusalem zur Hauptstadt des palästinensischen Staats werden, und drittens sollte es zu echten Verhandlungen über das Rückkehrrecht von Palästinensern kommen, denen laut UN-Resolution 194 vom Dezember 1948 eine "frühestmögliche" Rückkehr ausdrücklich zusteht. Zu keinem Zeitpunkt haben Israels Regierungen auch nur ein Minimum an Bereitschaft gezeigt, ernsthaft über diese drei Essentials zu verhandeln. Faktisch steht Israel damit einer Zweistaatenlösung im Wege, und die ständigen Friedensverhandlungen und Konferenzen samt ihren hohlen Absichtserklärungen sind zu einem leeren Ritual verkommen, das keinen Schritt näher zu einer Lösung geführt hat.

Verschärft wird das Problem dadurch, dass es im gesamten Nahen Osten heute an Führungspersönlichkeiten fehlt, die in der Lage wären, eine grundsätzliche Lösung unter ihr Volk zu bringen. Israels Regierungschef Olmert ist von Affären angeschlagen, und nicht mit Ariel Scharon oder Menachem Begin zu vergleichen, und auch Mahmud Abbas oder die aktuelle Führung der Hamas besitzen nicht den Einfluss an ihrer Basis, den einst ein Jassir Arafat oder ein Scheich Jassin hatten. Ägyptens Präsident Mubarak sorgt sich vor allem um den eigenen Machterhalt, und auch Syriens Staatschef Assad reicht nicht an das Charisma seines Vaters heran.

Angesichts der zunehmenden Teilung und Zersiedlung des Westjordanlands stellen sich immer mehr Israelis und Palästinenser die Frage, ob die viel beschworene Zweistaatenlösung noch zeitgemäß ist. Bedeutet Frieden nicht, langfristig bestehende Grenzen zu überwinden, wie es der heutigen EU gelungen ist? Warum sollte dies im Nahen Osten nicht möglich sein? Schließlich lässt es sich nicht leugnen, dass sämtliche Grenzziehungen in dieser Region, ob es sich nun um Palästina, Israel, den Libanon oder den Irak handelt, künstliche waren, die das kulturelle, gesellschaftliche, religiöse und ethnische Mosaik der Bevölkerung in keiner Weise widergespiegelt haben.

Ein Frieden mit offenen Grenzen, Entmilitarisierung und Demokratisierung der Region wären ein Ziel, für das es sich einzusetzen lohnte. Klar, dass auch die arabischen Regierungen einer solchen Lösung im Wege stehen. Schließlich haben sie die Lage der Palästinenser dazu missbraucht, ihren Militärregimes Legitimität zu verleihen und so skrupellose wie korrupte Geheimdienstapparate auszubauen, die glaubten, sich unter dem Vorwand der "Verteidigung gegen den zionistischen Feind" alles erlauben zu können. Gerade die EU könnte und sollte sich hier mit ihrer Erfahrung, aber auch aus Verpflichtung gegenüber dieser Region stärker einbringen. Schließlich waren es europäische Großmächte wie Frankreich und Großbritannien, die als ehemalige Kolonialmächte das heutige Gesicht der Region mit geprägt haben. Von den USA ist ein solcher Einsatz kaum zu erwarten.

Tarafa Baghajati, 1961 in Damaskus geboren, wohnt seit 1986 in Österreich. Er ist Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Mitglied von ENAR, dem European Network against Racism

Muslime melden sich zu Wort

Brief des Tages: Replik auf "Keine Stimme des Bedauerns", Leserbrief, von Pfarrer Wolfgang Pucher, 22. März

Pfarrer Wolfgang Pucher vermisst in einem veröffentlichten Leserbrief eine klare Verurteilung des Mordes an dem irakischen Erzbischof Paulos Faradj seitens der Muslime in Österreich. Nun ist es mir ein Anliegen, dies nicht nur als Muslim, sondern auch als einer, der aus dem Irak stammt, zu tun. Die Behauptung, dass wir uns nie zu Angriffen gegen Kirchen in der islamischen Welt geäußert haben, entspricht nicht der Wahrheit. Es dürften nicht all unsere Stellungnahmen bis zu ihm durchgedrungen sein.

Allerdings sollten wir die Situation im Irak genauer betrachten. Dort herrscht seit dem Einmarsch der US-Truppen vor fünf Jahren ein regelrechter Bürgerkrieg. Opfer sind Muslime und Christen, Araber und Kurden, Sunniten und Schiiten und andere Minderheiten. Jede Gruppe hat einen hohen Blutzoll geliefert und mit vielen Opfern bezahlt. Es vergeht kaum ein Tag, wo nicht im Schnitt 50 Menschen durch Terrorangriffe ihr Leben verlieren. Wollten wir jede dieser Taten verurteilen, müssten wir fast stündlich solche Meldungen veröffentlichen. So zu tun, als wäre die Situation im Irak eine reine Hetzjagd gegen Christen, ist eine Verkennung der Situation und der Sicherheitslage des Iraks.

Es ist auch eine Frage der Zuständigkeit der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Als der israelische Minister Liebermann die israelischen Araber "Fünfte Kolonne" nannte und ihren Transfer - ein Euphemismus für ethnische Säuberungen - forderte und die arabischen Knesset-Abgeordneten mit Hamas-Kontakten als Verräter hingerichtet werden sollen; oder als sich in Polen konservative Kräfte Sorgen um die Wertevermittlung des Kinder-TV machten und die Teletubbies verdächtigten, Kindern homosexuelle Verhaltensweisen nahezubringen; oder als der mittlerweile verstorbene US-evangelikaler Hassprediger Pat Robertson zur Liquidation des venezolanischen Staatspräsidenten durch US-Elitesoldaten aufrief, kam niemand auf die glorreiche Idee, die israelitische Kultusgemeinde, die katholische Kirche oder sonst eine andere kirchliche Institution Österreichs aufzufordern, diese Aussagen zu kommentieren oder sich davon zu distanzieren. Und das ist richtig und gut so. Auch als George Bush und seine Evangelikalen mit "christlichem Eifer" sich berufen fühlten, einen "Kreuzzug" zu führen, nahmen wir es nicht als eine christliche Einstellung und forderten niemanden auf, sich mit den Worten "Jetzt reicht's mir" zu distanzieren.

Die IGGiÖ ist eine österreichische Institution, die vor allem die religiösen Belange österreichischer Muslime verwaltet und vertritt. Sie meldet sich selbstverständlich zu FPÖ-Aussagen, wenn diese die Muslime mit Aussagen wie "Daham statt Islam" angreift, oder um Susanne Winters unselige Aussagen zurückzuweisen.

Es dürfte dem Herrn Pfarrer entgangen sein, dass wir nicht zu Demonstrationen gegen die Karikaturen aufgerufen haben und dass wir nach der Regensburger Rede des Papstes zum Tag des Dialogs statt zum Tag des Zornes aufgerufen haben. Die Österreichische Imame-Konferenzen deklarierten sich eindeutig gegen Gewalt und für Religionsfreiheit.

Es ist nicht unsere Aufgabe, wöchentlich Aussagen oder Rülpser Bin Ladens oder von wem auch immer in der Welt zu kommentieren. Unsere Aufgabe ist es, solch extremistisches Gedankengut zu bekämpfen.

Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi Integrationsbeauftragter der IGGiÖ

 

 

 

Seiten

Share
RSS - Irak abonnieren