Inter Mailand hat den Islam nicht beleidigt

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Dienstag, 18 Dezember, 2007
Inter Mailand hat den Islam nicht beleidigt

Es ist es bedauerlich, dass ein ganz normales sportliches Ereignis in einen Kultur- und Religionskampf umgemünzt werden soll.

Beleidigungen, Beschimpfungen, Rassismus und Gewalt gehören leider beim Fußball zum Alltag. Diese Strömungen zu unterbinden ist nicht nur Aufgabe der Fifa, Uefa und der Fußballverantwortlichen, sondern eine gesamtgesellschaftspolitische Aufgabe. Nun hat es sich bis jetzt um eher plumpen Rassismus und Gewalt gehandelt, ohne dass je eine kulturelle oder gar religiöse „Begründung“ dahinter steckte. Jetzt sieht sich ein türkischer Rechtsanwalt, der für den offenbar nationalistischen Verein „Sohn des Türken“ von einem Spiel gegen Inter Mailand berichtete, von deren Trikots beleidigt. Er will nicht nur die Kreuze auf den Shirts thematisieren, sondern fordert die Bestrafung Inter Mailands und die Annullierung des Rückspiels in der lombardischen Metropole 0:3 nach dem septemberlichen 1:0-Sieg der Türken in Istanbul.

Ein Anlass für eine kurze Analyse aus muslimischer Sicht:

Hätte Inter Mailand diese Trikots mit dem roten Kreuz, die in der Tat an das Kreuz des Templerordens erinnern, gesondert für ein Spiel gegen eine muslimische Mannschaft entworfen, dann wäre es möglicherweise gerechtfertigt, eine provokative Absicht in den Raum zu stellen.

Hätte dieses Kreuz absolut nichts mit der Stadt Mailand zu tun, wäre die Frage möglich gewesen: Warum gerade gegen Istanbul? Das Trikot zeigt aber das Wappen Mailands, das die Stadt seit dem Ende des 12. Jahrhunderts führt. Auch Wien hat ein Kreuz im Stadtwappen, ohne dass dies je von muslimischen Wienern zu Protest geführt hätte.

Hätte Fenerbahce Istanbul gegen Inter Mailand gewonnen, wäre der beleidigte Anwalt sicherlich nicht so zimperlich gewesen und hätte auf keinen Fall die Annullierung des Resultates eingeklagt, sonder in euphorischer Freude mit türkischer Fahne in der Hand gejubelt. Aber selbst dann wäre es fatal, darin einen Sieg gegen „die Kreuzzügler“ hineinzuinterpretieren! Es bleibt was es ist: Ein Verein hat gegen einen anderen gewonnen, nichts mehr!

Hätte der türkische Verein Trikots mit einem Halbmond in Anlehnung an die türkische Fahne oder an ein türkisches Wappen getragen, wäre es genauso unverständlich, wenn ein italienischer Anwalt sich beleidigt fühlte und von einer Zurschaustellung der eingebildeten Überlegenheit des osmanischen Reiches oder gar der Religion Islam gegenüber dem Christentum spräche. Um dann im Falle des Verlierens unter dieser Begründung die Annullierung zu verlangen.

„Die Dressen wurden aus technischen Gründen gewählt, weil die Mannschaften sonst nur sehr schwer zu unterscheiden gewesen wären“, meint der österreichische Schiedsrichter Konrad Plautz. Von Fenerbahce Istanbul kam nicht der geringste Protest. Noch ein Grund der die Absurdität des Protestes unterstreicht.

Nun steht es jedem zu, seine Gefühle zu zeigen und gegebenen Falls rechtliche Schritte einzuleiten. In diesem Fall freilich ist es bedauerlich, dass ein ganz normales sportliches Ereignis in einen Kultur- und Religionskampf umgemünzt werden soll.

Tarafa Baghajati ist Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.12.2007)

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