Kronenzeitung

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Anti-Gewalt-Aktion vor Wiener Moschee

"Nein zu Terror"

"Entsetzt", "fassungslos" und "schockiert" zeigten sich am Freitag Dutzende Muslime nach dem Freitagsgebet in der Wiener Schura-Moschee von den Anschlägen auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo". Auf Plakaten, auf denen "Nein zu Terror", "Nein zur Gewalt" und "Nicht in unserem Namen" stand, hinterließen sie zahlreiche Unterschriften.

Bereits in der Predigt sei der Anschlag - nach einem entsprechenden landesweiten Aufruf der Islamischen Glaubensgemeinschaft -thematisiert worden, berichteten mehrere Besucher der Moschee. "Die Ereignisse in Paris wurden in der Predigt ganz klar verurteilt", erklärte Omar Al-Rawi, SPÖ-Gemeinderatsabgeordneter in Wien und einer der Organisatoren der Aktion.

Anti-Gewalt-Aktion vor Wiener Moschee (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER) Anti-Gewalt-Aktion vor Wiener Moschee (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER) Anti-Gewalt-Aktion vor Wiener Moschee (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER) Anti-Gewalt-Aktion vor Wiener Moschee (Bild: APA/HERBERT NEUBAUER)

Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Auch die theologischen Hintergründe sind laut Al-Rawi angesprochen worden - so hätte der Prophet Mohammed auf Provokationen nie mit Aggression, sondern mit Weisheit reagiert. Zudem sei darauf hingewiesen worden, dass Muslime, die andere Menschen töten, nie den Duft des Paradieses riechen würden.

"ISIS repräsentiert mich nicht"

Auch Plakate mit "Meinungsfreiheit" und "Ich bin Muslim - und ISIS repräsentiert mich nicht" waren nach dem Ende des Gebets vor der Moschee zu sehen. Auch der Voltaire zugeschriebene Spruch "Ich teile Ihre Meinung nicht, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie äußern dürfen" wurde plakatiert. Er habe mit der Aktion "ein wichtiges Zeichen setzen wollen", erklärte Al-Rawi. "Wir sind betroffen, entsetzt und wütend. Der Anschlag macht uns aber auch kämpferisch, gegen eine solche Vereinnahmung unserer Religion aufzutreten."

"Ich habe unterschrieben, weil ich gegen Terror bin", so einer der Moscheebesucher. Seit den Ereignissen in Paris gehe es ihm "sehr schlecht": "Wir sind alle dagegen", betonte er. Eine ganz kleine Gruppe agiere aggressiv - "und wir alle müssen die Strafe bezahlen".

"Dürfen Islam nicht vereinnahmen lassen"

Ähnlich sieht das Mohamed Bassam Kabbani, der am privaten Hochschullehrgang für Islamische Religionspädagogische Weiterbildung unterrichtet. "Wir dürfen den Islam nicht von einer bedeutungslosen Gruppe verändern und vereinnahmen lassen", meinte er.

Die Attentäter würden eine Form des Islams repräsentieren, der aus muslimischer Sicht gar nicht vertretbar sei. Als er von der Attacke erfahren habe, sei er "sehr schockiert" gewesen. Natürlich gebe es auch Auswirkungen auf das Leben als Muslime in Wien - immerhin handle es sich um sein sehr emotionales Thema. "Schade" ist der Anschlag in den Augen anderer Predigtbesucher, für eine später dazugestoßene Frau sind die Pariser Gewalttäter "gar keine echten Muslime". "Wir sagen 'Nein!' zum Terror", erklärte sie.

"Haben keine Angst, aber tiefe Sorge"

Weitere Aktionen sind derzeit laut Al-Rawi derzeit nicht geplant. Wichtig sei aber weiterhin die Arbeit nach innen sowie auch das Setzen von Signalen nach außen - auch im Hinblick auf die geplante Demonstration der Pegida-Bewegung in Wien. "Es ist klar, dass sich diese beiden Extreme gegenseitig in die Hände spielen. Wir haben keine Angst, aber tiefe Sorge, dass die Situation derzeit nicht die beste ist", so der Gemeinderatsabgeordnete.

Geschenkaktion für einen besseren Zusammenhalt

ISLAMISCHES NEUJAHR

22.11.2011, 17:11

http://www.krone.at/Nachrichten/Geschenkaktion_fuer_einen_besseren_Zusammenhalt-Islamisches_Neujahr-Story-303204

Rund um das Islamische Neujahr am Samstag wollen Musliminnen ein Zeichen setzen: Das Verschenken von selbst gebackenen Süßigkeiten samt einer persönlichen Grußkarte an Nachbarn soll die sozialen Beziehungen verbessern. Die Aktion geht auf die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, kurz IGGiÖ, zurück und wird von zahlreichen islamischen Vereinen unterstützt.

Musliminnen werde von Einheimischen oft Verschlossenheit vorgeworfen. Umgekehrt beteuerten aber viele muslimische Frauen, sich bessere Kontakte zu wünschen, sagte Carla Amina Baghajati (Bild links), Frauenbeauftragte im Obersten Rat der IGGiÖ. Mit der Nachbarschaftsaktion werde ein großes Bedürfnis getroffen, positiv wahrgenommen zu werden. Sie soll helfen, Opferklischees und negative Zuschreibungen zu überwinden.

"Wir machen das für die Kommunikation"

"Das Echo ist sehr groß. Die Frauen wollen von sich aus ein Zeichen setzen", so Baghajati. Zusammenhalt und Nachbarschaft seien wichtige Werte im Islam, unabhängig von der religiösen oder weltanschaulichen Einstellung der Nachbarn. "Wir machen das für die Kommunikation. Es geht darum, gelassener miteinander umzugehen."

Bisher hätten sich Hunderte Teilnehmerinnen mobilisiert und vernetzt, schlussendlich rechne sie mit mehreren Tausend Frauen, die sich engagieren werden. "Da gibt es Mädchen, die sagen, wir brauchen 200 oder 300 Grußkarten, denn wir gehen durch's Schöpfwerk", berichtete Baghajati. Das Schöpfwerk sind zwei städtische Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien, in denen etwa 8.000 Menschen leben. "Vor allem junge Frauen sehen es auch als 'umgekehrtes Halloween'. Man läutet bei den Nachbarn, aber man verschenkt etwas, anstatt etwas zu verlangen."

"Wir hoffen, die Aktion entwickelt sich zu einer Tradition"

Bisher sind 22 Vereine, darunter die Frauenabteilungen der großen Dachverbände und viele muslimische Frauenvereine, beteiligt. "Wir hoffen, die Aktion entwickelt sich zu einer Tradition", sagte Carla Amina Baghajati.

Die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Hidschra, dem Auszug des Propheten Mohammed aus Mekka nach Medina, am 16. Juli 622 christlicher Zeitrechnung. Gerechnet wird nach dem Mondjahr und dem Mondmonat. Wichtig ist die islamische Zeitrechnung für die religiös bestimmten Feste. Der Hidschra-Tag sei ein Gedenken an die Migrationsgeschichte der ersten Muslime und wie es ihnen gelungen ist, sich in einer neuen Umgebung zu orientieren, so Baghajati.


ISLAMISCHES NEUJAHR

Musliminnen wollen ein Zeichen setzen und verschenken Süßigkeiten

22. November 2011 12:13

http://derstandard.at/1319183464374/Islamisches-Neujahr-Musliminnen-wollen-ein-Zeichen-setzen-und-verschenken-Suessigkeiten

Das Verschenken von selbst gebackenen Süßigkeiten samt einer persönlichen Grußkarte an Nachbarn soll die sozialen Beziehungen verbessern

Rund um das Islamische Neujahr am Samstag (26. November) wollen Musliminnen ein Zeichen setzen: Das Verschenken von selbst gebackenen Süßigkeiten samt einer persönlichen Grußkarte an Nachbarn soll die sozialen Beziehungen verbessern. Die Aktion geht auf die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich zurück und wird von zahlreichen islamischen Vereinen unterstützt. 
Musliminnen werde von Einheimischen oft Verschlossenheit vorgeworfen. Umgekehrt beteuerten aber viele muslimische Frauen, sich bessere Kontakte zu wünschen, sagte Carla Amina Baghajati, Frauenbeauftragte im Obersten Rat der IGGiÖ, im APA-Gespräch. Mit der Nachbarschaftsaktion werde ein großes Bedürfnis getroffen, positiv wahrgenommen zu werden. Sie soll helfen, Opferklischees und negative Zuschreibungen zu überwinden. 

"Das Echo ist sehr groß. Die Frauen wollen von sich aus ein Zeichen setzen", so Baghajati. Zusammenhalt und Nachbarschaft seien wichtige Werte im Islam, unabhängig von der religiösen oder weltanschaulichen Einstellung der Nachbarn. "Wir machen das für die Kommunikation. Es geht darum, gelassener miteinander umzugehen."

Bisher schon hunderte Teilnehmerinnen

Bisher hätten sich hunderte Teilnehmerinnen mobilisiert und vernetzt, schlussendlich rechne sie mit mehreren tausend Frauen, die sich engagieren werden. "Da gibt es Mädchen, die sagen, wir brauchen 200 oder 300 Grußkarten, denn wir gehen durch's Schöpfwerk", berichtete Baghajati. Das Schöpfwerk sind zwei städtische Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien, in denen etwa 8.000 Menschen leben. 
Bisher sind 22 Vereine, darunter die Frauenabteilungen der großen Dachverbände und viele muslimische Frauenvereine, beteiligt. "Wir hoffen, die Aktion entwickelt sich zu einer Tradition", sagte Carla Amina Baghajati. 

Die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Hidschra, dem Auszug des Propheten Mohammed aus Mekka nach Medina, am 16. Juli 622 christlicher Zeitrechnung. Gerechnet wird nach dem Mondjahr und dem Mondmonat. Wichtig ist die islamische Zeitrechnung für die religiös bestimmten Feste. Der Hidschra-Tag sei ein Gedenken an die Migrationsgeschichte der ersten Muslime und wie es ihnen gelungen ist, sich in einer neuen Umgebung zu orientieren, so Baghajati. (APA)

Die Geistesriesen "Geschichten vom Dorf"

Es ist wieder einmal gelaufen: auch das 65. Europäische Forum ist Geschichte. „Vertrauen“ hieß sein Motto. Fast ein Schlachtruf in einer Zeit der Krise, in der das Vertrauen Vieler erschüttert oder enttäuscht wurde.

Hat es deshalb so viele Menschen angezogen? Dreieinhalbtausend wieselten während zweier Wochen durch Alpbach, davon 600 Studenten aus 43 Ländern.

Das Dorf boomte. Sorgenfaltig gaben die Weisen aus aller Welt, vom UN-Generalsekretär bis hin zu Nobelpreisträgern, ihre Wortspenden zur internationalen Lage ab. Während die Jungen in Scharen zur Hauptschule zogen, wo die Seminare stattfanden. Lachend, schwätzend, erwartungsvoll.

Und ein Hin und Her war das an den Abenden, - dort ein Konzert, da ein Vortrag, und nachts noch in den Wirtsstuben. Diskussionen, Flirten, Musizieren...

Nun fahren sie ab. Professoren und Bankiers, Botschafter und Manager, Politiker, Organisatoren und Studenten. In Limousinen mit Chauffeuren die einen, mit Taxis zum Flughafen andere, mit dem Postbus zum Bahnhof die Jungen. In einer Landschaft von Laptops und Koffern und Rucksäcken stehen die Stipendiaten beisammen, so fröhlich, so satt vom Gehörten und Erlebten der letzten Wochen, so zuversichtlich, einander wieder zu sehen. Auf bald!

Im nächsten Jahr! In Alpbach?

Nur die knallharte junge Rechtsanwältin, der ich bei einer der Veranstaltungen begegnet bin, lässt sich mit der Abfahrt Zeit. Nun, da die Geistesriesen sich in alle Winde zerstreut haben, wolle sie sich mit dem „Bodensatz“ auseinander setzen; sich fragen, was an Nachhaltigem  für sie geblieben sei. - Und? Schon fündig geworden? - Die Coole wiegt den Kopf. „Die Morgenbetrachtungen“, meint sie, die hätten ihr was gegeben. Diese Morgenbetrachtungen. Täglich um 8.30h im Feuerwehrhaus. Ein halbes Stündchen Innehalten mit Vertretern der großen Weltreligionen unter Schutz und Schirm des Alpbacher Pfarrers. Die Superintendentin der Evangelischen Kirche für Salzburg und Tirol, die dir mit ihren Gedanken das Herz bewegt.

Die Bischöfe Kapellari und Scheuer, die dir den Begriff Vertrauen aus Sicht der Kirche deuten. Der wunderbare Omar Al Rawi, Vertreter des Islam, der die Poesie des Koran vermittelt. Rabbi  Rothschild aus London, der für mehr Liberalität im Judentum eintritt. Der Buddhist Gerhard Weißgrab, der seine Lehre so schlicht begreiflich macht. Man muss nicht studiert haben, um ihnen zu folgen. Das Herz aufmachen und das Hirn, dann nimmt man etwas mit.

Die Rechtsanwältin gehörte zu den wenigen Teilnehmer am Forum, die täglich kamen. In der Mehrzahl waren es Einheimische, die sich zur Morgenstund im Feuerwehrhaus versammelten. Aufmerksam lauschten.

Beim Gehen Gedanken austauschten. Bereichert schienen. All das fiel meiner kritischen Juristin auf. All das gelte auch für sie. Intellekt allein genüge in Zeiten wie diesen offenbar nicht. „Vielleicht“  meinte sie „hat man die eigentlichen Geistesriesen dieses Forums zwischen 8.30h und 9h morgens angetroffen.“
 
Hanna Molden,

"Dorfgeschichte" in der Tiroler Kronenzeitung veröffentlicht

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