Die Geistesriesen "Geschichten vom Dorf"

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Montag, 10 August, 2009
Die Geistesriesen "Geschichten vom Dorf"

Es ist wieder einmal gelaufen: auch das 65. Europäische Forum ist Geschichte. „Vertrauen“ hieß sein Motto. Fast ein Schlachtruf in einer Zeit der Krise, in der das Vertrauen Vieler erschüttert oder enttäuscht wurde.

Hat es deshalb so viele Menschen angezogen? Dreieinhalbtausend wieselten während zweier Wochen durch Alpbach, davon 600 Studenten aus 43 Ländern.

Das Dorf boomte. Sorgenfaltig gaben die Weisen aus aller Welt, vom UN-Generalsekretär bis hin zu Nobelpreisträgern, ihre Wortspenden zur internationalen Lage ab. Während die Jungen in Scharen zur Hauptschule zogen, wo die Seminare stattfanden. Lachend, schwätzend, erwartungsvoll.

Und ein Hin und Her war das an den Abenden, - dort ein Konzert, da ein Vortrag, und nachts noch in den Wirtsstuben. Diskussionen, Flirten, Musizieren...

Nun fahren sie ab. Professoren und Bankiers, Botschafter und Manager, Politiker, Organisatoren und Studenten. In Limousinen mit Chauffeuren die einen, mit Taxis zum Flughafen andere, mit dem Postbus zum Bahnhof die Jungen. In einer Landschaft von Laptops und Koffern und Rucksäcken stehen die Stipendiaten beisammen, so fröhlich, so satt vom Gehörten und Erlebten der letzten Wochen, so zuversichtlich, einander wieder zu sehen. Auf bald!

Im nächsten Jahr! In Alpbach?

Nur die knallharte junge Rechtsanwältin, der ich bei einer der Veranstaltungen begegnet bin, lässt sich mit der Abfahrt Zeit. Nun, da die Geistesriesen sich in alle Winde zerstreut haben, wolle sie sich mit dem „Bodensatz“ auseinander setzen; sich fragen, was an Nachhaltigem  für sie geblieben sei. - Und? Schon fündig geworden? - Die Coole wiegt den Kopf. „Die Morgenbetrachtungen“, meint sie, die hätten ihr was gegeben. Diese Morgenbetrachtungen. Täglich um 8.30h im Feuerwehrhaus. Ein halbes Stündchen Innehalten mit Vertretern der großen Weltreligionen unter Schutz und Schirm des Alpbacher Pfarrers. Die Superintendentin der Evangelischen Kirche für Salzburg und Tirol, die dir mit ihren Gedanken das Herz bewegt.

Die Bischöfe Kapellari und Scheuer, die dir den Begriff Vertrauen aus Sicht der Kirche deuten. Der wunderbare Omar Al Rawi, Vertreter des Islam, der die Poesie des Koran vermittelt. Rabbi  Rothschild aus London, der für mehr Liberalität im Judentum eintritt. Der Buddhist Gerhard Weißgrab, der seine Lehre so schlicht begreiflich macht. Man muss nicht studiert haben, um ihnen zu folgen. Das Herz aufmachen und das Hirn, dann nimmt man etwas mit.

Die Rechtsanwältin gehörte zu den wenigen Teilnehmer am Forum, die täglich kamen. In der Mehrzahl waren es Einheimische, die sich zur Morgenstund im Feuerwehrhaus versammelten. Aufmerksam lauschten.

Beim Gehen Gedanken austauschten. Bereichert schienen. All das fiel meiner kritischen Juristin auf. All das gelte auch für sie. Intellekt allein genüge in Zeiten wie diesen offenbar nicht. „Vielleicht“  meinte sie „hat man die eigentlichen Geistesriesen dieses Forums zwischen 8.30h und 9h morgens angetroffen.“
 
Hanna Molden,

"Dorfgeschichte" in der Tiroler Kronenzeitung veröffentlicht

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