Interreligiöser Dialog

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Die Geistesriesen "Geschichten vom Dorf"

Es ist wieder einmal gelaufen: auch das 65. Europäische Forum ist Geschichte. „Vertrauen“ hieß sein Motto. Fast ein Schlachtruf in einer Zeit der Krise, in der das Vertrauen Vieler erschüttert oder enttäuscht wurde.

Hat es deshalb so viele Menschen angezogen? Dreieinhalbtausend wieselten während zweier Wochen durch Alpbach, davon 600 Studenten aus 43 Ländern.

Das Dorf boomte. Sorgenfaltig gaben die Weisen aus aller Welt, vom UN-Generalsekretär bis hin zu Nobelpreisträgern, ihre Wortspenden zur internationalen Lage ab. Während die Jungen in Scharen zur Hauptschule zogen, wo die Seminare stattfanden. Lachend, schwätzend, erwartungsvoll.

Und ein Hin und Her war das an den Abenden, - dort ein Konzert, da ein Vortrag, und nachts noch in den Wirtsstuben. Diskussionen, Flirten, Musizieren...

Nun fahren sie ab. Professoren und Bankiers, Botschafter und Manager, Politiker, Organisatoren und Studenten. In Limousinen mit Chauffeuren die einen, mit Taxis zum Flughafen andere, mit dem Postbus zum Bahnhof die Jungen. In einer Landschaft von Laptops und Koffern und Rucksäcken stehen die Stipendiaten beisammen, so fröhlich, so satt vom Gehörten und Erlebten der letzten Wochen, so zuversichtlich, einander wieder zu sehen. Auf bald!

Im nächsten Jahr! In Alpbach?

Nur die knallharte junge Rechtsanwältin, der ich bei einer der Veranstaltungen begegnet bin, lässt sich mit der Abfahrt Zeit. Nun, da die Geistesriesen sich in alle Winde zerstreut haben, wolle sie sich mit dem „Bodensatz“ auseinander setzen; sich fragen, was an Nachhaltigem  für sie geblieben sei. - Und? Schon fündig geworden? - Die Coole wiegt den Kopf. „Die Morgenbetrachtungen“, meint sie, die hätten ihr was gegeben. Diese Morgenbetrachtungen. Täglich um 8.30h im Feuerwehrhaus. Ein halbes Stündchen Innehalten mit Vertretern der großen Weltreligionen unter Schutz und Schirm des Alpbacher Pfarrers. Die Superintendentin der Evangelischen Kirche für Salzburg und Tirol, die dir mit ihren Gedanken das Herz bewegt.

Die Bischöfe Kapellari und Scheuer, die dir den Begriff Vertrauen aus Sicht der Kirche deuten. Der wunderbare Omar Al Rawi, Vertreter des Islam, der die Poesie des Koran vermittelt. Rabbi  Rothschild aus London, der für mehr Liberalität im Judentum eintritt. Der Buddhist Gerhard Weißgrab, der seine Lehre so schlicht begreiflich macht. Man muss nicht studiert haben, um ihnen zu folgen. Das Herz aufmachen und das Hirn, dann nimmt man etwas mit.

Die Rechtsanwältin gehörte zu den wenigen Teilnehmer am Forum, die täglich kamen. In der Mehrzahl waren es Einheimische, die sich zur Morgenstund im Feuerwehrhaus versammelten. Aufmerksam lauschten.

Beim Gehen Gedanken austauschten. Bereichert schienen. All das fiel meiner kritischen Juristin auf. All das gelte auch für sie. Intellekt allein genüge in Zeiten wie diesen offenbar nicht. „Vielleicht“  meinte sie „hat man die eigentlichen Geistesriesen dieses Forums zwischen 8.30h und 9h morgens angetroffen.“
 
Hanna Molden,

"Dorfgeschichte" in der Tiroler Kronenzeitung veröffentlicht

Plattform "Christen und Muslime" zu Gast im Stift Altenburg

Die im Jahr 2006 von Dr. Paul Schulmeister und Dr. Peter Pawlowsky initiierte Plattform Christen und Muslime besuchte auf Initiative von Botschafter a. D. Dr. Walter Greinert mit rund 20 Teilnehmern am 9. Mai das Benediktinerkloster Stift Altenburg.

Christlich-Muslimischer Dialog ist den Benediktinern von Altenburg eingrundsätzliches Anliegen. Der im Jahr 2006 eröffnete „Garten der Religionen“ zeugt davon ebenso wie die Vienna International Christian-Islamic Summer University, die im Jahr 2008 zum ersten Mal in Altenburg stattfand.

Neben den beiden Initiatoren der Plattform, Dr. Paul Schulmeister und Dr. Peter Pawlowsky, konnte Abt Christian Haidinger OSB als Hausherr des Klosters vor allem Carla Amina Baghajati, die Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und Mitgründerin der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, sowie deren Ehemann Dipl. Ing Tarafa Baghajati, Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Member of ENAR's Advisory Council of Eminent Experts, ENAR - European Network against Racism, herzlich willkommen heißen. Besondere Gäste waren auch Prof. Mag. Dr. Ingeborg Gabriel, Vorständin des Instituts für Sozialethik der Katholischen Fakultät der Universität Wien mit dem international anerkannten Fachmann für Interreligiösen Dialog, Prof. DDDr. Leonard Swidler von der Temple University of Philadelphia USA.

Nach einem Rundgang durch die in Europa einzigartigen Ausgrabungen des Alten Klosters in Verbindung mit herausragender zeitgenössischer Architektur und die einmalige barocke Bibliothek nahmen die Gäste am Mittagsgebet der Mönchsgemeinschaft in der Stiftskirche teil.

Beim gemeinsamen Mittagstisch, zu dem Abt Christian die Gäste in guter benediktinischer Tradition einlud, entwickelten sich erste „interreligiöse“ Gespräche und Begegnungen auch mit den Gastgebern.

Am Nachmittag übernahm P. Michael Hüttl OSB vom Stift Altenburg die Herausforderung, den Muslimischen Gästen nicht nur die Konzilserklärung „Nostra Aetate“, die sich mit der Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen beschäftigt, zu erläutern, sondern auch den im „Garten der Religionen“ dargestellten Islamischen Glaubenszugang aus christlicher Sicht.

Beim gemeinsamen Abschluss im „Salettl“ rezitierten Tarafa Baghajati und Carla Amina Baghajati aus dem Koran und Peter Pawlowsky las aus den Apophthegmata Patrum. 

In Ihren Dankesworten hob Frau Carla Amina Baghajati vor allem die Bedeutung der christlichen Werte für die geschichtliche Entwicklung Österreichs heraus, die auch von den Muslimen anerkannt und geschätzt wird. Diese geschichtliche Bedeutung sei in den Räumen und Ausgrabungen des Klosters Altenburg ebenso eindrucksvoll erlebbar, wie das Bemühen, einander wertschätzend wahr und ernst zu nehmen im „Garten der Religionen“.

Christen und Muslime: Interreligiöser Dialog verlangt größeres Wissen

ÖRKÖ-Vorsitzender betont "Verantwortung aller Gläubigen vor Gott für den Frieden" - Generalsekretäre der Europäischen Ökumenischen Räte tagten in St. Pölten und Wien

Wien (KAP) Der interreligiöse Dialog zwischen Christentum und Islam könne nur dann zur Verständigung und zu einem friedvollen Miteinander beitragen, wenn das gegenseitige Wissen von der Religion des jeweils anderen weiter vertieft wird. Dies betonte der lutherische Altbischof und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ), Herwig Sturm, im Gespräch mit "Kathpress". Anlass des Gesprächs war die jährliche Tagung der Generalsekretäre der europäischen Ökumenischen Räte, die heuer vom 27. bis 30. April in St. Pölten und Wien stattfand. Thematisch standen Fragen einer intensiveren Begegnung von Christen und Muslimen im Mittelpunkt der Tagung.

Unter den angereisten 16 Teilnehmern habe es einen breiten Konsens in der Wahrnehmung gegenseitiger Informationsdefizite gegeben, so Sturm. "Wir wissen viel zu wenig voneinander. Nur wenige Christen wissen wirklich, was ein Muslime glaubt. Und auch im Islam gibt es oft sehr skurrile Vorstellungen vom Christentum", sagte der ÖRKÖ-Vorsitzende. Daher wolle man auch ein gemeinsames Papier verabschieden, in dem die beteiligten Kirchen auf die "gemeinsame und einander verbindende Verantwortung aller Gläubigen vor Gott für den Frieden" hinweisen und zu gegenseitigen Begegnungen ermutigen wollen.

Beeindruckt haben sich die Teilnehmer von der Art des Umgangs mit dem Islam in Österreich gezeigt, so Sturm weiter. Österreich genieße nicht zuletzt aufgrund der nahezu 100 Jahre alten Tradition der staatlichen Anerkennung des Islam eine "Vorbildfunktion". Auch die Tatsache, dass man mit der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) einen einheitlichen Repräsentanten und Gesprächspartner des Islam habe, werde von den Teilnehmern mit Interesse verfolgt.

Die Tagung fand im St. Pöltener Bildungshaus St. Hippolyt statt. Neben der Diskussion von Grundsatzreferaten und Berichten aus den jeweiligen Teilnehmerländern standen darüber hinaus auch Besuche in einer Wiener Moschee und in der Wiener Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA) sowie eine Führung durch den Stephansdom auf dem Programm. Beeindruckt zeigte sich Sturm vom Besuch der Moschee. Als vorbildhaft etwa auch für christliche Kirchen bezeichnete der ÖRKÖ-Vorsitzende die regelmäßigen Tage der offenen Tür in der Moschee. Hier werde bewusst die Begegnung auch mit Andersgläubigen gesucht; eine Offenheit, die er bei manchen christlichen Kirchen vermisse, so Sturm.

Zu einem intensiven Austausch insbesondere über die Fragen des islamischen Religionsunterrichts an öffentlichen Schulen in Österreich kam es dann bei der Begegnung mit der Pressereferentin der IGGiÖ, Carla Amina Baghajati, und der islamischen Religionspädagogin Amena Shakir in der IRPA. In Österreich gibt es derzeit rund 45.000 muslimische Schüler, denen rund 400 islamische Religionslehrer gegenüber stehen.

Baghajati betonte bei dem Gespräch das hohe Maß an Anerkennung, das die islamische Religionspädagogik von Seiten des Staates aber auch an den öffentlichen Schulen genieße. Zwar gebe es insbesondere im Blick auf die Unterrichtszeiten, die oft in den Nachmittagsstunden liegen, noch Verbesserungsbedarf, doch gebe es bereits eine breite Kooperation und oftmals fächerübergreifende Projekte auch mit katholischen und evangelischen Religionslehrern.

 

 

"Ein Ventil in der Krise"

Integrationsbeauftragter Omar Al-Rawi über die Trennung von Staat und Religion, Politik in der Moschee und seine Rolle als Gemeinderat.

Kurier Online: Wie sehen Sie als Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft die Abgrenzung des Islam zu Politik? Die Glaubensgemeinschaft hat ja immer wieder politische Demonstrationen mitorganisiert.
Die Glaubensgemeinschaft hat nicht organisiert, sondern hat Ansprachen auf Demonstrationen gehalten. Die Demonstrationen sind ja ein Ventil für Muslime, die ihre Informationen hauptsächlich von Medien wie Al-Jazeera oder Al-Arabia beziehen; die 24-Stunden-Live-Übertragung aus den Krisengebieten sehen. Da haben viele das Gefühl, sie müssen etwas tun. Ich glaube, der zivilisierte und demokratische Weg über Demonstrationen und Kundgebungen ist ein richtiger Weg. Als der Karikaturen-Streit aufkam, hat die Glaubensgemeinschaft beschlossen, sich nicht einzuklinken und nicht zu mobilisieren. Und es hat dann zwei Demos gegeben: Eine von der kleinen radikalen Islamischen Jugend (nicht zu verwechseln mit der Muslimischen Jugend Österreich MJÖ, Anm.) und eine von Gaddafis Sohn in Wien. Nach dem Papst-Zitat gegen den Propheten Mohammed haben wir statt eines "Tags des Zorns" einen "Tag des Dialoges" organisiert – mit einer Kundgebung und einer Diskussion zwischen Christen und Moslems. Hätten wir es nicht gemacht, hätten andere vielleicht wirklich einen "Tag des Zorns" veranstaltet. Und da könnte alles Mögliche passieren. Es ist also eine Gratwanderung, eine Verantwortung, solche Dinge zu verhindern. Aber zurücklehnen und nichts tun ist auch nicht der richtige Weg.

Inwieweit darf ein Imam sich politisch äußern?
Auch hier kommt das Prinzip der Ventilwirkung zum Tragen. Ich glaube, dass man globalisierte Probleme, die die Menschen einfach tangieren, nicht übergehen darf. Nachdem sich der Großteil der Kriege in islamischen Ländern abspielt – Libanon, Irak, Palästina, Kaschmir, Checheneyn – ergibt sich das zwangsläufig. Diese Menschen stehen unter Druck, haben eine Riesenangst, dass ihre Eltern, ihre Kinder da unten sterben könnten. Solche Menschen brauchen eine seelsorgerische Betreuung, und das ist dann eben auch Aufgabe des Imam.
Und nicht nur das: Wenn man sieht, wie Terroristen den Islam missbrauchen, dann muss ich das thematisieren und aufarbeiten. Es reicht nicht zu sagen, "tut es nicht".

Die politischen Probleme in der Welt sind also ein Teil der Predigt?
Nein. Ich rede von Pragmatismus. Ich bin grundsätzlich ein Anhänger davon, dass solche Themen nicht in den Moscheen behandelt gehören. Man kann das ja im Rahmen eines Vortrags machen. Bei den Predigten geht es auch um Armut, um die Erderwärmung, um Globalisierung. Sie brauchen einen aktuellen Anlass. Der Bezug zu den Menschen und ihrer Lebenswelt ist eine wichtige Sache, gerade wenn es um Gewalt, um Frauenthemen, um FGM (Genitale Verstümmelung, Anm.) geht. Auch als das Hochwasser in Österreich war, war das in den Moscheen ein Thema, viele haben für betroffene Österreicher gespendet.

Haben Sie in Moscheen Wahlkampf für Ihre Kandidatur im Gemeinderat betrieben?
Ja, in Moscheen im Sinne von Kulturvereinen. Nicht im Rahmen einer Predigt, eines Gottesdienstes. Aber Moscheen sind ja auch Versammlungsorte mit Kantinen, wo man Tee trinken kann, dort ja. Im Übrigen auch nicht nur ich, auch muslimische Kandidaten anderer Parteien. Vor der Moschee hab ich meine Flyer verteilt, dazu stehe ich. Ich bin auch stolz, dass die Menschen zu den Wahlen gegangen sind.

Was hat Ihre politische Tätigkeit als Gemeinderat in der muslimischen Community bewirkt?
Durch meine Tätigkeit haben mich die Vereine zu Podiumsdiskussionen eingeladen, auch zur Rechenschaft gezogen. Das politische Interesse der Muslime ist in den letzten Jahren stark gestiegen. Wenn ich gegen Radikalismus, FGM (Genitalverstümmelung), Ehrenmorde, Zwangsehen auftreten will, dann hab ich das Standing der Community, das zu transportieren. Damit transportiere ich ja auch die Wünsche der Mehrheitsgesellschaft.

Lassen sich die politische Funktion des Gemeinderats und die Funktion als Integrationsbeauftragter in der Glaubensgemeinschaft vereinbaren?
Meine Rolle als Integrationsbeauftragter hat eine gesellschaftspolitische und keine religiöse Funktion. Das Realisieren von Projekten wie beispielsweise einem Islamischen Friedhof in Wien ist sowohl kommunal- als auch integrationspolitisch zu sehen. Ich war nie im Leben ein Mufti oder Imam, ich hatte nie ein religiöses Amt. Daher sehe ich darin auch kein Problem.

Zur Person:

Omar Al-Rawi wurde 1961 in Bagdad geboren und lebt seit 1978 in Österreich.
Seit 1999 ist er Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Im selben Jahr gründete er die "Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen" mit.
2001 kandidierte Al-Rawi für den Wiener Gemeinderat, seit 2002 ist er Abgeordneter zum Wiener Landtag und Gemeinderat.
Artikel vom 09.07.2007, 23:02 | KURIER ONLINE | Nicole Thurn

Plattform "Christen und Muslime" in der Schura-Moschee

Muslime luden Initiatoren der „Plattform Christen und Muslime“ zum Freitaggebet in ihre Moschee

Nußbaumer: Christen und Muslime haben als Geschwister eine unzerstörbare Nähe – Pawlowsky: Sorge vor kommendem Wahlkampf – Schulmeister: Brandstifter dürfen keine Chance erhalten!

Mehr als 500 Muslime waren zum traditionellen Freitagsgebet in der Wiener Shura-Moschee (2,. Bezirk an der Lasallestraße) versammelt, als Scheich Adnan Ibrahim die drei christlichen Gäste vorstellte: Prof. Heinz Nußbaumer, Dr. Peter Pawlowsky und Dr. Paul Schulmeister – die Initiatoren der „Plattform Christen und Muslime“. 

Begrüßung durch Scheich Adnan Ibrahim

Er stellte die drei Gäste als „Weise“ in Österreich vor und dankte ihnen für ihr Engagement. Dabei unterstrich er, dass die Initiative zur Gründung der Plattform von christlicher Seite ausgegangen war, ohne dass man dabei auf einen persönlichen Vorteil bedacht gewesen wäre oder dies in irgendeiner Weise „nötig gehabt hätte“. Im Vordergrund ständen das gute Zusammenleben und der gegenseitige Respekt zwischen Menschen unterschiedlicher Religion. Insbesondere nach der von vielen als Rückschlag empfundenen Stimmung nach dem so genannten Karikaturenstreit sei dies zu fördern.

Scheich Adnan betonte auch, dass Christen den Muslimen besonders nahe stünden. Im Koran werde dies in Beziehung zur Bescheidenheit gesetzt, die als charakteristisch für die Christen gelten könne.

Persönliche Vorstellung der Plattform und der drei Gäste von Tarafa Baghajati

Tarafa Baghajati von der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen rief kurz Eckpunkte aus der Biographie der Gäste ins Gedächtnis, um ihre herausragende Rolle auch für den gesellschaftspolitischen und religiösen Diskurs zu würdigen. Er bemerkte, dass das Zustandekommen der Plattform auch das Ergebnis des langjährigen intensiven interreligiösen Dialogs sei. Sich zu kennen und so ein Verhältnis des Vertrauens aufzubauen, mache ein gemeinsames Eintreten erst möglich.

Zusammenfassende Übersetzung der Rede Scheich Adnans durch Omar Al Rawi

Der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft schloss mit der Bemerkung, dass es an sich absolut unüblich sei in einer Moschee oder einem muslimischen Gebetsraum zu klatschen – dies aber heute gebrochen wurde, weil die Anwesenden einfach zeigen wollte, wie sehr sie die Worte der Gäste und das Anliegen der Plattform schätzten.


Hier der veröffentlichte Beitrag in der KAP www.kathpress.at mit einigen weiteren Detailinformationen:

"Christen und Muslime haben einen gemeinsamen Vater"

Muslime luden Initiatoren der "Plattform Christen und Muslime" zum Freitagsgebet in Leopoldstädter Moschee – Nußbaumer: Ob Religionen trennen oder zusammenführen, obliegt der Verantwortung jedes einzelnen - Pawlowsky äußert Sorge vor kommendem Wahlkampf - Schulmeister: Brandstiftern keine Chance geben

http://www.kathpress.at/content/site/home/database/6017.html?SWS=3e63fdf5d58

Wien, 18.6.06 (KAP) "Christen und Muslime haben einen gemeinsamen Vater": Das betonte der katholische Publizist Prof. Heinz Nußbaumer vor rund 500 Muslimen in der Shura-Moschee in Wien-Leopoldstadt, wo er und zwei weitere Initiatoren der "Plattform Christen und Muslime" - Peter Pawlowsky und Paul Schulmeister – Gäste beim Freitagsgebet waren. Wer Gott in die Mitte seines Lebens stelle, könne seinen Glauben gar nicht als trennend und spaltend empfinden, betonte Nußbaumer. Unter Christen und Muslime gebe es wie unter Geschwistern zwar Differenzen und auch Streit, "aber immer auch eine unzerstörbare Nähe", so Nußbaumer.

Leider wüssten Christen und Muslime zu wenig vom Glauben des jeweils anderen. Eine Mehrheit habe die Pflicht, sich um die Gedankenwelt der Minderheiten zu kümmern. Aber auch der Rückzug einer Minderheit in die Isolation wäre kein Beitrag zum Miteinander. Kardinal Franz König habe immer gesagt, dass man nur von festen Fundamenten aus Brücken zueinander bauen kann, betonte der Publizist: "Wir würden also nichts dadurch gewinnen, sollten wir in der Treue zu unserer eigenen Religion schwankend werden".

Immer wieder würden gläubige Menschen gefragt, "ob die Religion die tiefere Ursache für so viel Argwohn und Gegnerschaft in der Welt ist oder ob sie die Rettung aus all dem sein könnte, was uns trennt". Nußbaumer wörtlich: "Ich meine, es gibt darauf nur eine ehrliche Antwort: Beides ist möglich. Wir selbst sind es, die darüber entscheiden. Gott hat uns Menschen in die Freiheit entlassen. Aber auch in die Verantwortung. Wir gestalten heute, was morgen Geschichte sein wird".

Er selbst habe von Muslimen viel gelernt, so Nußbaumer weiter. Auf seinen vielen Reisen durch die islamische Welt habe er eine "ganz andere islamische Wirklichkeit" erlebt als jene, die ihm in den westlichen Medien gegenüber trete. Nußbaumer schloss seine Ausführungen mit einem Gebet aus dem ersten gemeinsamen Gebetbuch von Juden, Christen und Muslime in Deutschland.

"Gastgeber" Scheich Adnan Ibrahim stellte die drei christlichen Gäste in der Shura-Moschee als "Weise" in Österreich vor und dankte ihnen für ihr Engagement. Dabei würdigte er, dass die Initiative zur Gründung der "Plattform" von christlicher Seite ausgegangen war. Im Vordergrund stünden das gute Zusammenleben und der gegenseitige Respekt zwischen Menschen unterschiedlicher Religion.

Der frühere Leiter der ORF-TV-Abteilung Religion, Peter Pawlowsky, erinnerte daran, dass mit dem Engagement für ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen auch "eine österreichische Tradition verteidigt" werde: "Muslime haben bei uns seit einem Jahrhundert Heimatrecht". Um die politische Anerkennung der Religionsgemeinschaften beneide das Ausland Österreich. Gerade in den letzten Monaten hätten sich jedoch "gegenseitige Vorwürfe, Unterstellungen und Verunglimpfungen" gehäuft. "Und es ist zu befürchten, dass sich das im Wahlkampf noch steigert und zuspitzt", sagte der Publizist. Wählerstimmen durch das Schüren von Angst und Vorurteilen zu fangen, sei "zwar leider eine verbreitete Strategie, hat aber mit einer seriösen Vorstellung von Demokratie nichts zu tun".

In seinem Schlusswort erinnerte Paul Schulmeister von Präsidium der Katholischen Aktion an den Anlass zur Gründung der "Plattform Christen und Muslime", den in Dänemark entstandenen "Karikaturenstreit". In Österreich sollten "Brandstifter" keine Chance erhalten. Christen und Muslime in Österreich müssten sich als Bürger einer gemeinsamen Heimat verstehen. Als Demokraten müssten sie auf der Basis gemeinsamer Grundwerte der Verfassung solidarisch handeln, um Ausländerfeindlichkeit gerade in Wahlkampfzeiten abzuwehren, betonte Schulmeister.

(Informationen: Internet: www.christenundmuslime.at).

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