Zur Begrifflichkeit „Politischer Islam“:

Gespeichert von osama am

Zur Begrifflichkeit „Politischer Islam“:

Nicht nur in der muslimischen Bevölkerung, sondern bei jedem neutralen Beobachter entsteht der Eindruck, dass der Begriff „Politischer Islam“ als eine Art Code verwendet wird, um populistische Signale in die gesellschaftliche Debatte zu senden und Ressentiments zu bedienen. Daraus ist ein Kampfbegriff entstanden, der dem notwendigen Diskurs um Extremismus und dessen Verhinderung nicht zuträglich ist. 

Von der Bedrohung durch den „politischen Islam“ ist längst durchgehend die Rede, wenn es um die Themen Migration und Integration geht. ÖVP-Bundesministerin Claudia Bauer verwendet ihn laufend, auch und vor allem, um das Kopftuchverbot zu rechtfertigen.

Die fragwürdige Dokumentationsstelle politischer Islam hat zwar versucht, eine Definition für diesen dehnbaren Begriff zu etablieren, aber er bleibt nicht greifbar und ist „wissenschaftlich unbrauchbar“, wie dies der Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker schon längst konstatierte.

Mit dieser Methode wird ständiges Misstrauen gegen eine ganze Bevölkerungsgruppe geschürt. Damit droht eine zunehmende Entfremdung vor allem bei jungen Menschen. Sie fühlen sich nicht gewollt und, vor allem wenn sie irgendwie in ihrer muslimischen Identität sichtbar sind, als potenziell „gefährlich“ an den Rand gedrängt. Eine solche Vorgangsweise führt erst recht zu mehr Abschottung als zu einem notwendigen kritischen innermuslimischen Diskurs.  

Die Übernahme dieser Erzählung und die Verwendung der gleichen Begrifflichkeit durch manche Muslime, auch wenn das gut gemeint ist, macht das nicht besser. Mit einem schiefen Begriff lässt sich nicht arbeiten. Umgekehrt führt das zu Misstrauen gegenüber denjenigen, die ihn verwenden. Es mag sein, dass es mancherorts Applaus gibt. Aber die Erfahrungen zeigen uns, dass wer in den Geruch gerät sich anzubiedern, seine innermuslimische Glaubwürdigkeit aufs Spiel setzt.

Tarafa Baghajati

Obmann der Initiative Muslimischer Österreicher/innen - IMÖ

Wien, 08.07.2026