Kurt Krenn und der Islam

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Kurt Krenn und der Islam

Die Muslime in Europa streben nicht nach Eroberung , sondern fühlen sich als Europäer.

Man könnte auf die Alltagsgeschichten von Elisabeth Spira als Quelle tippen, hätte es sich bei den Aussagen über den Islam nicht um einen österreichischen katholischen Bischof gehandelt. Wenn ein solcher sich erlaubt, eine Weltreligion pauschal als aggressiv zu bezeichnen und gleich danach die dritte Türkenbelagerung verkündet, dann ist eine inhaltliche Auseinandersetzung unabdingbar. Er hat ausgesprochen, was Stammtischgespräch ist und in den verschiedensten Diskussionsforen im Internet herumgeistert. Trotzdem ist Gelassenheit angebracht. Denn ein fruchtbarer Dialog mit geistlichen Würdenträgern und Laien ist in Österreich eine erfreuliche nachweisbare Realität.

Gerade in St. Pölten gab es im letzten Jahr viele Aktivitäten, die durchaus einen Weg des Miteinander skizzieren. Im Rahmen des österreichischen Lehrplans arbeitende Religionslehrer würden Kindern verkünden, der Islam werde Europa bald okkupiert haben - welch seltsame Feststellung. Ist doch bei Schulpsychologen bekannt, daß muslimische Kinder, die meist aus sozial schwachen Familien mit Migrationshintergrund stammen, eher unter Minderwertigkeitsgefühlen und Ausgrenzung leiden als unter Eroberungsträumerei.

Rührend ist die Bewunderung Krenns für die intakte Fruchtbarkeit der Muslime, die trotz grünen Lichts für Verhütungsmethoden seitens der islamischen Theologie mehr Kinder auf die Welt bringen. Daraus die Islamisierung Österreichs abzuleiten, ist zwar ein Griff in die unterste Schublade, aber durchaus geeignet, die inzwischen langweilig gewordene Überfremdungsdiskussion zu aktivieren. Daß dies rein demographisch ein Unfug ist, spielt da überhaupt keine Rolle.

Eine angebliche Überlegenheit des Katholizismus gegenüber dem Islam auf dessen Alter zurückzuführen, ist eine Neuigkeit. Versäumt hat Krenn zu erwähnen, daß laut seiner Logik eigentlich dem Judentum die Führerschaft gebührte. Die Rolle der muslimischen Gelehrten und Philosophen als Wegbereiter der Renaissance scheint ausschließlich als Bildungslücke beim Herrn Bischof vorhanden zu sein. Na ja, Denker wie Averroes standen lange auf dem Index.

Der Koran und damit der Islam hat seine Verbindung zu Evangelium und Thora nie bestritten, sieht er sich doch in direkter Nachfolge. Gemeinsamkeiten als "Abschreiberei" abzutun, ist von jedem, der sich ernsthaft mit dem Koranstudium beschäftigt hat, nur mit Kopfschütteln zu quittieren.

Es ist zu befürchten, daß die Aussagen von Bischof Krenn nur ein Vorspiel für die Kommentatoren und "Islamexperten" bilden, die ihre Feder für Analysen, ein Jahr nach dem 11. September, spitzen. Wie ein roter Faden zieht sich in der Diskussion der Gedanke "Wir wissen zuwenig" durch - alte Klischees und Feindbilder feiern gleichzeitig fröhliche Urständ.

Verwunderlich sind nicht die Aussagen Krenns, sondern eher die Reaktionen bzw. Nichtreaktionen. Hannes Swoboda ist zum Fernschreiber geeilt, durch die Trennung in gute "Liberale" und böse "Fundamentalisten" leider jedoch an der Oberfläche geblieben. Weihbischof Krätzls Worte sind beachtenswert. Sich aber vor allem auf das Konzil zu berufen, ist wenig. Daß der Islam in Europa keine "Import-Export-Ware" ist, wird viel zu wenig beachtet. Es bildeten sich in den letzten Jahrzehnten bunte muslimische Gemeinden, die sich sehr wohl als muslimische Europäer fühlen.

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