Gaza

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Islamische Glaubensgemeinschaft: Stopp dem Blutvergießen in Gaza!

Nachdem wiederholte Appelle zu einer sofortigen Einstellung der Kampfhandlungen gegen die Bevölkerung in Gaza kein Gehör fanden, ist es umso wichtiger, dass die Weltöffentlichkeit das Leid der Zivilbevölkerung weiterhin als anklagende Mahnung versteht, alles zu tun, um das Blutvergießen zu stoppen. Von einer Verhältnismäßigkeit der militärischen Operation gegen die Palästinenser kann keine Rede sein. Das Vorgehen Israels ist klar und deutlich zu verurteilen.

Palästinenser leben im Gazastreifen wie in einem riesigen Freiluft-Gefängnis, aus dem es keinen Ausweg gibt. Handel und damit wirtschaftliche Entwicklung ist unter der Militärbesetzung und Blockadepolitik nicht möglich. Dabei geht es hier um eine gesetzlich freie Nation, die von der UNO anerkannt wurde.

In diesem Fastenmonat Ramadan, in dem Menschen muslimischen Glaubens Werte wie Solidarität und Eintreten für Bedürftige noch unmittelbarer als sonst erleben, machen die Ereignisse in Gaza, aber auch die humanitären Katastrophen, die wir in der gesamten Region sehen, besonders betroffen. Die Emotionen sind groß. Dabei sei an ein bekanntes Prophetenwort erinnert: „Stark ist nicht der körperlich starke, sondern der seinen Zorn beherrscht.“ In diesem Monat der Mäßigung sollen wir unsere Anstrengungen darauf richten, mit „Weisheit und schöner Rede“, wie es im Koran heißt, für die gerechte Sache der Unterdrückten einzutreten. Dazu gehört Spendenbereitschaft, um die humanitäre Not zu lindern. Dazu gehört auch argumentativ das Unrecht anzuprangern und für die friedliche Konfliktlösung einzutreten.

Die palästinensische Führung soll darin unterstützt werden, den inneren Versöhnungsprozess voranzutreiben und zu vertiefen, um die Einheit des palästinensischen Volkes zu bestärken. Schließlich soll auch nicht vergessen werden, dass es keinesfalls um einen religiösen, sondern um einen politischen Konflikt geht. Es ist darauf Bedacht zu nehmen zwischen der Politik des Staates Israel und Menschen jüdischen Glaubens zu differenzieren. Eintreten für Gerechtigkeit und Rassismus oder Antisemitismus schließen sich aus.

Die Islamische Glaubensgemeinschaft appelliert an alle Entscheidungsträger, sich für eine sofortige Beendigung des Militäreinsatzes gegen Gaza einzusetzen. In direkten Gesprächen wie etwa mit Bundesaußenminister Kurz zeigte sich, wie wichtig es ist, gerade bei Krisensituationen im Dialog zu sein. Der Konflikt soll nicht nach Österreich getragen werden. Das friedliche Zusammenleben und der lebendige Austausch der Religionsgemeinschaften darf nicht beeinträchtigt werden.

Wien, am 20. Juli 2014

Dr. Fuat Sanac, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati, Medienreferentin der IGGÖ

Gaza: Die Geschichte von Hamas und der Shisha - الشيشة تواجه الحصار

Wieso das Rauchverbot für Frauen keine gute Idee ist

26.07.2010 | 18:25 | GASTKOMMENTAR VON TARAFA BAGHAJATI (Die Presse)

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/583693/index.do

Dem Rauchen in öffentlichen Räumen wird zunehmend in islamischen und arabischen Ländern Einhalt geboten, vor allem in Flughäfen, Spitälern und an Universitäten. Die Gastronomie hinkt hinterher, und Nichtraucher werden in Restaurants leider weiterhin zwangsbeglückt; Nichtraucherschutz ist hier noch kein Thema.

Die traditionelle Wasserpfeife ist gesundheitspolitisch gesehen sogar noch ein größeres Übel als die Zigarette. Eine von Anfang bis Ende gerauchte Pfeife entspricht dem zugefügten Gesundheitsschaden von etwa zwei Packungen Filterzigaretten. In diesem Sinne macht es ja nichts, wenn sich die Hamas-Regierung an das beliebte „Spielzeug“ herantastet und unpopuläre Maßnahmen zum Schutz der jungen Bevölkerung trifft. Möchte man meinen. Doch nicht das Gesundheitsministerium hat ein Verbot ausgesprochen – es ist das Innenministerium, das das Rauchen von Wasserpfeifen an öffentlichen Plätzen (meist am Strand) untersagt hat, geschlossene Restaurants und Hotels sind ausgenommen. Und das Verbot gilt nicht für alle, es betrifft ausschließlich Frauen. Dass dieses Verbot nur Frauen gilt hat auch in Gaza für Verwunderung und Verwirrung gesorgt, und viele Lokalbesitzer haben die Regelung missverstanden und die Shishas gänzlich weggepackt.

Ein uniformierter hoher Beamter des Innenministeriums verteidigte das Verbot mit Hinweis auf die „guten Sitten“ des Landes. Mit diesem Gesetz macht die Hamas mehrere Fehler in einer Handlung, und zwar gesellschaftlich, politisch, taktisch, menschenrechtlich und theologisch.

Die Hamas unterschätzt die Frauen in Gaza. Frauen, die seit Jahren am Meer gelegentlich eine Wasserpfeife rauchen, meist bei einem Abendausflug mit den Familienangehörigen, werden sich erstens nicht an diese Bevormundung halten, und zweitens werden sie gegen diese einseitige Maßnahme Stimmung machen; wer glaubt, dass diese palästinensischen Frauen arme Hascherl sind, die sich einfach alles gefallen lassen, der irrt. Politisch ist es also alles andere als eine geschickte Handlung. Insbesondere in einer Zeit, in der die ganze Welt zu Recht sich mit Gaza solidarisch erklärt hat und sich für die sofortige, ja auch bedingungslose Beendigung der Blockade einsetzt, erweckt die Hamas-Regierung den Eindruck, als ob es keine gewichtigeren Probleme in Gaza gebe. Ein Innenministerium, das Shisha-Agenden für sich beansprucht, macht sich einfach lächerlich. Der taktische Fehler liegt zudem darin, dass die Hamas zu vergessen scheint, dass ihre Wähler keinesfalls nur aus dem streng religiösen Spektrum stammen. Hätte die Hamas die von ihr propagierte Lebensweise für Frauen bei den Wahlen in den Vordergrund gestellt, wäre es wohl nie zum überwältigenden Wahlerfolg vom 25.Januar 2006 gekommen.

Aus Menschenrechtsperspektive ist jede Gender-Unterscheidung bei Gesetzesvorgaben ohnehin skandalös. Und theologisch ist es gröbster Unfug, da es aus islamischer Perspektive keine Unterscheidung beim Halal und Haram (Erlaubtes und Verbotenes) zwischen Männern und Frauen gibt. Die wenigen islamischen Länder, hier wäre vor allem Saudi-Arabien zu nennen, die es versuchten, über „Sittenwächter“ eine der Regierung passende Moral durchzusetzen, sind kläglich damit gescheitert. Leider neigen nahöstliche Regierungen, und das gilt nicht nur für die Hamas, „Kulturkämpfe“ zu führen, wenn sie politisch nichts zusammenbringen (können). Nicht anders geht es der „konservativen“ Fraktion im Iran; wenn sie einen bedeutenden politischen Kampf verlieren, setzen sie irgendein Kulturgesetz durch, um zu zeigen, dass sie doch die Kraft haben, Gesellschaft zu gestalten. Es muss der Hamas klar sein, dass ihre Macht in Gaza auf die Verwaltung des „größten Freiluftgefängnisses der Welt“ (Erzbischof Desmond Tutu) beschränkt ist. Und nicht die Frauen-Shisha ist eine Gefahr, sondern die politische Zerrissenheit des palästinensischen Volkes.

Dipl.-Ing. Tarafa Baghajati (geb. am 1.September 1961 in Damaskus, Syrien) ist Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ).

meinung [at] diepresse.com ()

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2010)


 http://www.alquds.co.uk/index.asp?fname=data\2010\08\08-18\18j68.htm

الشيشة تواجه الحصار

تحلق قلوبنا كل يوم مخترقة حدود الزمان والمكان لترف فوق بيوت غزة الحبيبة، لتوصل لأهلها منا كل سلام وحب، ومواساة لهم في محنتهم التي يعيشونها تحت ظل حصار خانق لا يفرق بين طفل وسيدة وعجوز.

نتابع بشغف ولهفة أخبار تخفيف الحصار وقوافل المساعدات والأساطيل البحرية التي تمخر عباب البحار وتصطدم بحدود بحرية موصدة، والأنفاق التي تمثل شريان الحياة لهذا القطاع البائس، حيث تمده بما يحتاج أهله من كل متطلبات الحياة، ومن بينها دخان الشيشة!

وكما نتابع نحن تلك الأخبار التي تتردد في لمح البصر بين جنبات القرية الصغيرة المسماة بالكون الفسيح، يتابعها الملايين في أرجاء المعمورة. منهم من يتلمس خبرا طيبا يطمئنه على أهله، ومنهم من يتربص بخبر يفتح به أبواق الدعاية المعادية لحركة حماس الحاكمة في قطاع غزة.

وبين أولئك وهؤلاء تتناقل الأخبار المبشرة والمنذرة، المأساوية والساخرة، المضحكة والمبكية. ولعل أحدث تلك الأخبار التي أفلتت من خلف أسوار القطاع الساحلي المحاصر، ذلك الخبر الذي تضمن حظرا أصدرته وزارة الداخلية في غزة، على تدخين الشيشة.

وقد عجبت لذلك الخبر لما يحمله من مفارقات عدة، لعل أولها أن قرارا صحيا من الدرجة الأولى كهذا يصدر عن جهة لا علاقة لها بالصحة، ولا أعتقد أن فيها متخصصين معنيين بالشأن الصحي. فدوائر الأمن في أي دولة في العالم، أو قل في أي قرية، لا تملك أن تصدر مرسوما أو قرارا متعلقا بأمور صحية، مثل منع تدخين الشيشة.

فليس عندي أدنى مشكلة عندما تصدر أي جهة صحية في أي بلد حظرا على تدخين الشيشة حرصا على صحة المواطنين مدخنين وغير مدخنين. وحري بأصحاب الرأي والمشورة والسلطة في غزة التدخل لسحب أجندة الشيشة من وزارة الداخلية، التي من واجبها حفظ الأمن والعمل على راحة المواطنين وهدوء بالهم بما فيهم مدخني الشيشة، وأن تعطى هذه الأجندة لوزارة الصحة.

أما المفارقة الثانية فهي أن الجهة صاحبة الحظر قصرت المنع على النساء دون الرجال، بدعوى أن مظهر النساء المدخنات يتعارض مع القيم والتقاليد، واسمحوا لي هنا ألا أتحدث عن المخالفات الشرعية التي يحملها دخان الشيشة معه، سواء صادر عن رجال أو نساء.

والمفارقة الثالثة أن الحظر خوفا على التقاليد والأعراف، لا يمتد ليطول الفنادق والمقاهي المغلقة، بل هو حظر مفروض على الأماكن المفتوحة فقط!! فهل التقاليد يجب الحفاظ عليها في الهواء الطلق خوفا من أن تصاب بلفحة هواء في هذا "الصقيع" الذي تعيشه الكرة الأرضية هذه الأيام؟!

والمفارقة الأخيرة أن يطير إلينا هذا الخبر من غزة؛ حيث مآس العيش لا آخر لها، واهتمامات الحياة وهمومها تطحن الصغير قبل الكبير.

أعترف أنني لست من أصدقاء الشيشة ولا الدخان، بل إنني من أشد المعجبين بالقوانين الأوروبية التي صدرت مؤخرا، وتحظر التدخين في الأماكن العامة.

ولكني أعترف أيضا بحبي اشتمام نكهات معسل الشيشة بطعم الفواكه، كما أنني أستمتع بمشاهدة أصحاب الوجوه التي تختفي وراء دخان الشيشة الكثيف وهي تبدو راضية وادعة مع كل نفس يخرجونه من أفواههم.

فما نسمع به من منع الشيشة على النساء في الأماكن المفتوحة في غزة، لهو أمر تضحك منه الثكلى. فشر البلية ما يضحك. فبينما العالم كله يعلن تضامنه اليوم مع شعبنا المظلوم في قطاع غزة، تعلن حكومته الحرب على الشيشة النسائية!

إننا لا نريد رجال أمن مهووسون يلاحقون "خدش الحياء". فمجتمعاتنا بحمد الله تفرق بجملتها بين ما هو لائق وغيره، ولا تحتاج إلى وصي أمني ولا بسطار عسكري. كما أن مثل هذه المحاولات التي أقدمت عليها دول إسلامية، لم تأت بمردود مطلوب، بل أدت إلى انتشار الظاهرة المطلوب منعها.

فليتم منع تدخين الشيشة في غزة لكل من هم دون الثامنة عشرة، شبابا وفتيات، ولكن اتركوا الناس، رجالا ونساءا في حالهم، فهم أدرى بشؤونهم ويعرفون عند أي حد تمتد حرياتهم الشخصية، ويدركون المدى الذي يجب أن تتوقف عنده .

طرفه بغجاتي

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مهندس/ طرفه عدنان بغجاتي

رئيس مبادرة المسلمين والمسلمات النمساويين

www.islaminitiative.at

عضو مجلس إدارة منتدى "من أجل أوروبا متعددة ثقافياً

Platform for Intercultural Europe PIE

عضو المجلس الاستشاري للشبكة الأوروبية لمناهضة العنصرية

ENAR - European Network against Racism

www.enar-eu.org

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baghajati [at] aon.at

zum Interview mit Herrn Oberkantor Shmuel Barzilai: "Radikaler Islam ist ein Problem"

Anmerkung: dieser Brief erging an Herrn  Oberkantor Shmuel Barzilai, an die IKG und  auch an die Presse-Redaktion mit der Bitte um Berücksichtigung in der Berichterstattung bzw. um Veröffentlichung! Da der Brief keinen privaten Charakter besitzt, veröffentlichen wir ihn hiermit zur allgemeinen Information.

Sehr geehrter Herr Oberkantor Shmuel Barzilai!

Sie werden im "Die Presse"-Interview, Print-Ausgabe, 19.07.2010

http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/582029/index.do

mit der Aussage zitiert "Der Koran empfehle die Verfolgung Ungläubiger". Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass diese Aussage falsch ist. Diese Behauptung ist ein Stehsatz populärer islamfeindlicher Hetze. Das Phänomen von entstellten oder erfundenen Zitaten aus heiligen Schriften, die der Legitimation rassistischer Argumentationen dienen sollen, ist Ihnen sicher nicht unbekannt. Schließlich wendet auch der Antisemitismus eben diese Methode gerne gegen das Judentum an.

Ich möchte Sie bitten tatsächlich "nicht weiter Öl in das innerösterreichische Feuer zu gießen". Die Behauptungen zur Gaza-Flotte werden auch nicht wahrer, desto öfter sie wiederholt werden. Es fand hier ein Verbrechen eines Staates in internationalen Gewässern statt. Wäre die israelische Regierung von ihrer eigenen Unschuld überzeugt, so hätte sie einer unabhängigen Kommission zugestimmt und das vorhandene Bildmaterial freigegeben.

Doch selbst wenn wir uns hier nicht einig werden sollten, dürfen wir diesen politischen Konflikt nicht weiter religiös aufladen. Die Provokationen der IKG gegenüber der IGGiÖ und die anhaltende verbale Eskalation stimmt mich traurig. Ich wünsche mir als österreichischer Muslim, dass Juden und Muslime baldigst, zumindest in Österreich, zu einem vernünftigen und freundschaftlichen Miteinander zurückfinden. Unsere gemeinsamen Anliegen - wie etwa der Kampf gegen Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit - sollten fortan wieder im Vordergrund stehen.
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Tarafa Baghajati,
Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

PS: zur Information eine drei minütige Rede in Astana-Konferenz


OSCE High Level Conference on Tolerance and Non-Discrimination

28. – 30. Juni 2010, Astana - Kasachstan

Herr Rabbi Schneyer äußerte in seiner Rede gegen Islamfeindlichkeit den Wunsch, dass auch ein Imam sich gegen Antisemitismus ausspreche. Am Nachmittag desselben Tages, der dem Themenkomplex Antisemitismus gewidmet war, ergriff Tarafa Baghajati die Gelegenheit dem Wunsch Rabbi Schneyers nachzukommen. Im Folgenden der dreiminütige Redebeitrag:

„Von Rabbi Schneyers Worten bin ich heute Vormittag sehr berührt worden. Ich bin österreichischer Muslim, in Damaskus geboren und aufgewachsen, und aktiver Imam in Wien. Wir Muslime verurteilen Antisemitismus auf das Schärfste. Juden sind Ahl ul Kitab, „Leute des Buches“. Wir strecken unseren jüdischen Geschwistern die Hand entgegen. Einen Wunsch möchte ich in Zusammenhang mit den bisher vorgebrachten Redebeiträgen ansprechen. Es sollte nicht konsequent der Nahost-Konflikt mit der Frage des Antisemitismus vermengt werden. Der Konflikt Israel/Palästina ist ein politischer um Land, Menschenrechte und Besatzung und kein religiöser Konflikt zwischen Juden und Muslimen. Und schon gar keiner zwischen Judentum und Islam. Jüdische Menschen können und dürfen nicht verantwortlich gemacht werden für die Politik des Staates Israel. Ebenso wenig ist es möglich, die Muslime verantwortlich für das Verhalten von Regierungen in mehrheitlich islamischen Ländern zu machen. Es bereitet mir Unbehagen, dass Solidarität mit Palästina und dem palästinensischen Volk und/oder Kritik am Staat Israel – sei es manifestiert durch Demonstrationen oder andere politische Aktivitäten – reflexartig von manchen Gruppierungen als antisemitisch eingestuft werden. Lassen Sie uns gemeinsam gegen alle Formen von Diskriminierungen, gegen Antisemitismus und Islamfeindlichkeit kämpfen - so werden unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt sein!“ Ende

Tarafa Baghajati, Astana, 29. Juni 2010

Palästina-Plattform für Al-Rawi und gegen "islamfeindliche Agitation"

Eine Plattform mit über 129 Organisationen und Vereinen weist "infame Behauptungen" der Israelitischen Kultusgemeinde gegen den SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi entschieden zurück.

In einer Solidaritätserklärung für den Wiener Landtagsabgeordneten und Gemeinderat Omar Al-Rawi (SPÖ) hat die Palästina-Solidaritätsplattform von 129 Organisationen und Vereinen am Dienstag gegen die Kritik der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) am Integrationsbeauftragten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) Position bezogen. Die Versuche der offiziellen politischen Führungspersonen der IKG, Präsident Ariel Muzicant und Generalsekretär Raimund Fastenbauer, Al-Rawi "mundtot zu machen", würden aufs Schärfste zurückgewiesen, heißt es in der vom Sprecher der Plattform, Tarafa Baghajati, in Wien veröffentlichten Erklärung.

"Islamfeindlichen Agitation"

"Die infamen Behauptungen gegen Omar Al-Rawi werden nicht wahrer, indem sie ständig wiederholt werden. Wir verstehen uns selbstverständlich als deklarierte Feinde des Antisemitismus und erwarten uns von der Führung der IKG mit gleicher Selbstverständlichkeit ein Ende der islamfeindlichen Agitation. Trotz unserer unterschiedlichen Auffassungen im Nahost-Konflikt rufen wir die offizielle jüdische Gemeinde dazu auf, zu einem vernünftigen und freundschaftlichen Miteinander zurückzufinden."

Nach dem Verbot der "Internationalen Humanitären Hilfsorganisation" (IHH) durch das deutsche Innenministerium wegen Unterstützung von Sozialvereinen der palästinensischen Hamas hatte die IKG das österreichische Innenministerium ersucht, "in ähnlicher Weise hinsichtlich der österreichischen Zweigstelle tätig zu werden." Die IKG forderte zudem Al-Rawi auf, "sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen"

Die türkische humanitäre Organisation IHH (Insani Hak ve Hürriyetler Vakf), die die von Israel in internationalen Gewässern gewaltsam geenterte Gaza-Hilfsflotte organisiert hatte, begann ihre Arbeit in Bosnien, sie bekam vor drei Jahren den "Ehrenpreis" des türkischen Parlaments. Mit dem jetzt in Deutschland verbotenen Hilfsverein hat sie nichts zu tun.

© DiePresse.com

Erklärung der Solidaritätsplattform zu den verbalen Attacken in den letzten Tagen

Im Namen der 129 unten angeführten Organisationen, die als gemeinsame Plattform am Freitag, den 4. Juni die Wiener Demonstration in Solidarität mit der Gaza Freiheitsflotille veranstaltet haben, wollen wir hiermit unser Bedauern und  unsere Verwunderung über die verbalen Attacken gegen uns zum Ausdruck bringen.

Wir weisen den Versuch, den politischen Konflikt in Israel/Palästina religiös aufzuladen und in einen Konflikt zwischen Jüdinnen und Juden versus Musliminnen und Muslimen umzuwandeln, entschieden zurück. Die beharrliche Gleichsetzung bzw. Vermengung von Israels Militär- und Besatzungspolitik mit dem Judentum nehmen wir ebenfalls mit Erstaunen zur Kenntnis. Wir interpretieren dieses unzulässigeVorgehen als Versuch jegliche Kritik an den Gewalttaten des israelischen Militärs zu unterbinden.

Wir verurteilen die Diffamierung der zigtausenden Menschen, die mit uns gemeinsam am 4. Juni in Wien demonstriert haben. Wir sind deklarierte Feinde des Antisemitismus, wie zu Anfang der Demonstration vom Podium aus erklärt worden ist. Unsere Haltung gegen den antijüdischen Rassismus wurde im Großteil der Redebeiträge immer wieder dargelegt, wie auch von allen MedienvertreterInnen beobachtet werden konnte. Das antisemitische Plakat mit der Aufschrift "Hitler wach auf" wurde nicht auf unserer Demonstration entfaltet, um in die Kamera gehalten zu werden. Dieses Plakat empört uns ebenso wie alle anderen AntifaschistInnen und wir fordern Polizei und Staatsanwaltschaft auf, diese Person ausfindig zu machen und sie wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz vor Gericht zu stellen. Auf unserer Demonstration kam es zu keinen derartigen Zwischenfällen, der OrdnerInnendienst hat ebenfalls darauf Bedacht gelegt.

Wir verwehren uns dagegen, daß hier auf unappetitliche Weise vom tatsächlichen Verbrechen abzulenken versucht wird - nämlich an der Belagerung Gazas und dem Akt der Piraterie in internationalen Gewässern, der in der Ermordung von mehreren Aktivisten mündete. Wir stehen selbstverständlich nach wie vor  uneingeschränkt hinter unserer gemeinsamen Erklärung vom 2. Juni 2010 und fordern weiterhin die lückenlose Aufklärung der Geschehnisse durch eine internationale Kommission. Wir wissen uns damit im Einklang mit den Vereinten Nationen.

Wir ersuchen Bundeskanzler Faymann bei seinem in Kürze bevorstehenden Israel-Besuch ebenfalls das mörderische Vorgehen im Mittelmeer zu verurteilen und darauf zu drängen, daß die unrechtmäßige Aushungerung Gazas alsbald ein Ende finden werde. Wir bitten den Bundeskanzler auch darum bei seinem Israel-Besuch die VertreterInnen der PalästinenserInnen sowie der israelischen AraberInnen zu treffen.

Wir betonen hiermit zudem noch einmal, daß wir eine bunte, vielfältige und solidarische Plattform bilden, die mit Extremismus nichts zu schaffen hat. Wir werden uns weder von AntisemitInnen instrumentalisieren noch uns von LobbyistInnen der aktuellen israelischen Regierung einschüchtern lassen. In diesem Zusammenhang verurteilen wir auch den Versuch den demokratisch gewählten Abgeordneten des Wiener Landtages Omar Al Rawi mundtot zu machen.

Wien, 18.06.2010

Rückfragehinweis

Tarafa Baghajati, baghajati [at] aon.at 0664-521 50 80

Unterzeichnerliste, Stand 4. Juni 2010

  1. Islamische Religionsgemeinde Wien für Wien, Niederösterreich und Burgenland
  2. Islamischer Koordinationsrat der muslimischen Vereine in Österreich (ISKORAT, ca. 45 Organisationen)
  3. Islamische Föderation Wien IFW
  4. Union Islamischer Kulturzentren
  5. ATIB Türkisch islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich
  6. IVAÖ Islamische Vereinigung Ahlul-Bayt – Österreich, Verband für die   schiitischen Vereine
  7. Koordinationsforum für Unterstützung Palästina
  8. Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP-Österreich)
  9. Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB)
  10. Frauen in Schwarz (Wien)
  11. Wiener Friedensbewegung
  12. WONDER
  13. Palästinensische Vereinigung Österreich P.V.Ö.
  14. Dachverband Bosnisch Islamische Vereine in Österreich
  15. UETD Union of European Turkish Democrats
  16. Türkische Föderation in Österreich
  17. MJÖ Muslimische Jugend Österreich
  18. Österreichisch-Arabische Union
  19. Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
  20. Islamische Religionsgemeinde Graz für Steiermark und Kärnten
  21. Islamische Religionsgemeinde Linz f. OÖ, RPR und Salzburg
  22. Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich
  23. Liga Kultur
  24. Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen (Schura Moschee)
  25. ABIZ (Anatolisches Bildungszentrum)
  26. Ägäisches Kulturzentrum
  27. Ägyptische Gemeinde in Österreich
  28. Ägyptischer Klub
  29. Ahwazische Kommunikation
  30. Al’Ahli Fanklub
  31. ALIF
  32. Anatolische  Kulturinitiative Neunkirchen
  33. Arabische Organisation für Menschenrechte
  34. Arabischer Kulturverein
  35. Arge für Wehrdienstverweigerung, Gewaltfreiheit und Flüchtlingsbetreuung
  36. ARGE Ja zur Umwelt, Nein zur Atomenergie
  37. ATAM-Türkischer Akademiker in Österreich
  38. AustroArab News
  39. Bangladesch islamischer kulturverein Baitul Mukarram
  40. Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit
  41. Bildungs Förderung (MEKTEB)
  42. Bündnis Mosaik
  43. CARIMA Caritative Arbeitsgemeinschaft
  44. CIRDE-AUSTRIA - Zentrum der islamischen Forschung Dokumentation und Bildung
  45. Dar Al Arqam Moschee
  46. Dewa
  47. EL-MUHLASUN" - Islamischer Sufiten Verein in Österreich
  48. Forum Muslimischer Frauen Österreich
  49. Gaza muss leben
  50. Gesellschaft der palästinensischen Frauen in Europa / Austria
  51. Hania Verein für Frauen und Kinder
  52. Help Austria
  53. IHH Austria
  54. Im Glashaus – Kunst & Kultur
  55. Information u. Kultur Ägypten, Bladi-Bladi
  56. Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen IMÖ
  57. Irakhilfswerk
  58. Irakische Gemeinde in Österreich
  59. Islamische Jugendorganisation in Wien
  60. Islamische Sozial und Kulturverein Bad Vöslau
  61. Islamische Sozialhilfe in Krems
  62. Islamische Vereinigung Österreich „Al-Hidaya Moschee“ Isl.Kulturelle Vereinigung
  63. Islamischer Kulturverein der Türk. Arb in Österreich
  64. Islamischer Kulturverein der Türkischen Arbeiter in Österreich
  65. Islamischer Kulturzentrum Sollenau
  66. Islamisches Institut Österreich
  67. Islamisches Zentrum Imam Ali Wien
  68. ISV Interkulturelle Studenten Vereinigung
  69.  JUWA Jugend Föderation Österreich
  70. JUWEL - Jugendwerk zum Licht
  71. Kinder und Mütter im Not (Rahma)
  72. KJÖ Kommunistische Jugend Österreichs - Ortsgruppe Wien
  73. Kommunistische Gewerkschaftsinitiative International (KOMintern)
  74. Kommunistische Initiative Österreich (KI)
  75. KUGEL Kultur-Geschichte-Literaturverein
  76. Kultur u.Wohltätigkeitsverein  St. Pölten
  77. Kultur u.Wohltätigkeitsverein in Herzogenburg
  78. Kultur und Solidaritätsverein Türkischer Arbeiter in Österreich
  79. Kulturell-Caritative-Union der Muslimen
  80. Kulturelle Vereinigung der Muslime in Pottendorf
  81. Kulturhaus der Emigranten in Niederösterreich
  82. Kulturverein Al-Andalus
  83. Kuturverein Kanafani
  84. Liga Kulturverein für Multi-Kulturellen Brückenbau – Graz
  85. Linkswende
  86. Menschenfreunde International
  87. Mevlana Plattform in Österreich, Bilal Habashi Moschee
  88.  Moschee Ahl ul beit Salzburg
  89. Moschee Ahl ul beit Wien (Irakische Schiiten)
  90. Moschee Al Asr Wien (pakistanische Moschee)
  91. Moschee Al-Mahdi (Türkische Schiiten)
  92. Multikulturelle u.Caritative Vereinigung in Leopoldstadt
  93. Multikulturelleverein der Migranten in Donaustadt
  94. Muslemische Emigranten in Liesing
  95.  Muslimischer Akademikerbund
  96. Muslimischer Arbeiter Union in Wien
  97. Muslimischer Hilfsorganisation in Wien
  98. Muslimischer Lehrerverein für  Wien, NÖ u. Bgld. MLV
  99. Nigerian Islamic forum
  100. Nordafrika Liga
  101. ÖAIKD Verein für Kulturdialog - Alfath Moschee
  102. Österr. –Türk. Kulturv. für Freund. und Solidarität von Sizir u. Umgebung
  103. Österreichisch-Arabische Union
  104. Österreichische Gesellschaft für medizinische Öffentlichkeitsarbeit
  105. Österreichische Islamische Föderation
  106. Österreichischer-Ägyptischer Verein
  107. Österreich-Syrisches Ärztekomitee
  108. Österreisch-Arabische Ärzte Und Apothekervereinigung
  109. Palästina Forum
  110. Perspektive
  111. PGO Palästinensische Gemeinde in Österreich
  112. RAMADAN Internetmedium, Wien
  113. SAMDER
  114. SOLMIT Solidarisches Miteinender
  115. Sudanesischer Kulturverein
  116. Syrische Gemeinde in Österreich
  117. The colourful world of children
  118. Türkisch-Islamischer Kultur Verein-Traiskirchen
  119. Union albanischer Muslime in Österreich
  120. Verband der Ägypter in Österreich
  121. Verband der Österreicher Arabischer Abstammung
  122. Verein der Erleuchtung
  123. Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative/Dar Al Janub
  124. Verein für Arabische Frauen
  125. Verein Palästinensische Frauen in Europa
  126. Verein von Immigranten Tunesiens in Österreich (VIT)
  127. Vereinigung der syrischen Gemeinden in Österreich
  128.  Vereinigung zur Integration u. Solidarität der Muslime in Wien
  129. WAKT Wien Ausbildung, Kultur, Toleranz

Leserbrief: Arroganz des "Fachmanns"

Original Titel: Die Arroganz des selbsternannten "Experten"

Straches Serben, die SPÖ und der Islam, Gastkommentar von Thomas Schmidinger, 10.6. Thomas Schmidinger behauptet in seinem Kommentar, dass er live meine Ansprache bei der Demonstration gehört und dass ich den Märtyrerkult gehuldigt habe, weil ich angeblich die palästinensischen Opfer erwähnt habe, deren Kampf weitergeführt werden sollte.

Dies ist eindeutig unwahr. Herr Schmidinger hat anscheinend meine Rede nicht wirklich gehört, sondern bediente sich der APA-Meldung, die von Internetmedien sofort übernommen worden ist. Es ist jedoch seiner Aufmerksamkeit entgangen, dass diese Meldung einen Fehler aufwies und die APA diesen Fehler umgehend korrigierte. Denn ich habe nicht von den bisher umgekommenen palästinensischen Opfern des Nahost-Konfliktes gesprochen, sondern von den neun toten Friedensaktivisten. Interessant sind die Methoden der letzten Tage, die gegen meine Person angewandt werden. Ein einstimmiger Gemeinderatsbeschluss - eingebracht von allen Parteien - wird zum Anlass genommen, mit Unwahrheiten, Unterstellungen und Diffamierungen zu arbeiten. Hier wird anscheinend der Versuch unternommen, jemanden einzuschüchtern bzw. mundtot zu machen, anstatt sich mit dem Inhalt der Sache politisch auseinanderzusetzen.

Schmidinger möchte zwar Migranten in der Politik haben, aber es dürfen aus seiner Sicht nicht die falschen sein. Dass die von ihm angesprochene Politikerin Alev Korun von den Grünen sich einem internen Wahlverfahren stellen musste, spielt für ihn ebenso wenig eine Rolle wie die von mir erreichten Vorzugsstimmen bei den Wahlen, als ich immer der Drittplazierte war. Anscheinend liegen nicht nur die Parteien falsch, die uns aufgestellt haben, sondern auch die Wählerinnen und Wähler, die falsch gewählt haben. Ein seltsames Demokratieverständnis eines Politikwissenschaftlers. Thomas Schmidinger bezeichnete sich einst selbst als "Philozionisten". Deswegen verwundert es mich nicht, dass er in die gleiche Kerbe schlägt wie viele seiner Zeitgenossen der letzten Tage.

Hier werden Strache, die Serben und andere erwähnt, um zum Eigentlichen zu gelangen: mich wegen meiner Einstellung zum Nahost-Konflikt zu attackieren und gleichzeitig auch die Islamische Glaubensgemeinschaft zu denunzieren. Ein Strickmuster, das er bereits auch in der Auseinandersetzung während des Irak-Krieges bedient hat. Persönliche Animositäten und politische Gegnerschaft enden bei Schmidinger stets in persönlicher Diffamierung. Viel mehr verwundert mich, dass Qualitätsmedien wie "Die Presse" dieses Spiel eines Pseudo-Wissenschaftlers nicht durchschauen und ihm ein Forum bieten, um seine persönliche Agenda zu verbreiten.

Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi Abgeordneter zum Wr. Landtag und Gemeinderat der Stadt Wien

Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich

Solidaritätsplattform zur Erstürmung des Hilfsschiffs Rachel Corrie

PRESSEMITTEILUNG

Zu der Erstürmung des Hilfsschiffs Rachel Corrie möchte ich im Namen unserer Solidaritätsplattform von 129 Organisationen auf drei wichtige Faktoren hinweisen:

1) Der Name des Schiffes ist nicht zufällig gewählt.

Rachel Ailene Corrie (* 10. April 1979 in Olympia, Washington; ? 16. März 2003 in Rafah) war eine Aktivistin der International Solidarity Movement (ISM), die von einem Bulldozer der israelischen Streitkräfte (IDF) überrollt und getötet wurde. Sie hatte versucht die Zerstörung von Häusern von palästinensischen Flüchtlingen in Gaza zu verhindern und ist seither einewichtige Symbolfigur des gewaltlosen Widerstands und verdient gerade in diesen Momenten höchster Anerkennung.

2) Die Handlung der israelischen Armee ist in unseren Augen nichts weniger als staatlich organisierte Piraterie.

3) Die Tatsache, dass eineinhalb Jahre nach der Zerstörung von Gaza, nicht einmal Baumaterial nach Gaza geliefert werden darf, ist Zeugnis der Brutalität und Herzlosigkeit der israelischen Politik. Offenbar ist das Ziel der Blockade des Gazastreifens, das Leid der Zivilbevölkerung in Gaza ins Unerträgliche zu steigern, womit jegliche Hoffnung auf einen gerechten Frieden zerstört wird.

Tarafa Baghajati, Wien 5. Juni 2010

Petition an Bundeskanzler Werner Faymann

Übergeben am 4.6.2010 aus Anlass der Demonstration gegen den israelischen Angriff auf die Solidaritätsflotte „Free Gaza“

Die Organisatoren der Demonstration, 128 Organisationen der Zivilgesellschaft aus den unterschiedlichsten politischen und religiösen Bereichen, verurteilen die israelische Militäraktion gegen die Schiffe von „Free Gaza“, bei der mindestens neun Menschen getötet und Dutzende schwer verletzt worden sind, auf das Schärfste und wenden sich aus tiefer Besorgnis über die weitere Entwicklung in Gaza bzw. im gesamten Nahen Osten mit den folgenden Forderungen an Bundeskanzler Werner Faymann:

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!

  1. Wir ersuchen Sie eindringlich, von dem in den nächsten Wochen geplanten Besuch in Israel Abstand zu nehmen.
  2. Sollten Sie aus irgendwelchen Gründen unserer Bitte nicht entsprechen, dann erwarten wir zumindest von Ihnen eine unmissverständliche Verurteilung der israelischen Militäraktion während Ihres Besuches sowie auch die klare Aufforderung an die Israelische Regierung, die nunmehr seit einigen Jahren andauernde fast vollständige Abriegelung des Gazastreifens ohne weitere Verzögerung aufzuheben. Des weiteren ersuchen wir Sie auch, während Ihres Besuches in Israel unbedingt auch mit VertreterInnen der israelischen Araber, welche ja ca. 10% der Abgeordneten der Knesseth stellen, das Gespräch zu suchen.
  3. Angesichts der von Israel ausgelösten weiteren Verschärfung der Spannungen in der gesamten Region erwarten wir auch, dass die Zusammenarbeit zwischen dem Österreichischen Bundesheer und der Israelischen Armee beendet wird.
  4. Wir erwarten auch, dass Sie sich im Rahmen Ihrer Möglichkeiten in der EU sowie in den Vereinten Nationen für eine sofortige unabhängige internationale Untersuchung der israelischen Militäraktion einsetzen. In diesem Zusammenhang  verlangen wir auch eine klare Weisung an den österreichischen Vertreter im Sicherheitsrat, diese Frage auf jeden Fall kurzfristig auf die Tagesordnung des Sicherheitsrates zu setzen und sich dort unbedingt für die Einrichtung einer derartigen Untersuchungskommission auszusprechen.
  5. Schließlich erwarten wir von der Österreichischen Bundesregierung im Rahmen ihrer eigenen bilateralen Möglichkeiten sowie vor allem auch im Rahmen der EU die bereits bestehenden rechtlichen Möglichkeiten zur Verhängung von Sanktionen gegen Israel zu nutzen. Kurzfristig fordern wir eine Sistierung des Kooperationsübereinkommens zwischen der EU und Israel.

Die Petition wurde  von der Delegation der Solidaritätsplattform (Tarafa Baghajati, Paula Hourani, Omar Al Rawi, Fritz Edlinger und Muhammad Turhan) im Bundeskanzleramt übergeben. In einem ausführlichen Gespräch wurden die Anliegen der Solidaritätsplattform dargelegt und erörtert.

Wien, 4.6.2010

Für Rückfragen:

Tarafa Baghajati,
baghajati [at] aon.at

Erklärung zum Israelischen Angriff auf Solidariätsflotte im Mittelmeer

Erklärung der unterzeichnenden Organisationen

Siehe Unterzeichnerliste unten

Am  Freitag, 4. Juni 2010 fand zwischen 15.00 und 18.00 Uhr eine Großdemonstration mit ca. 12.000 TeilnehmerInnen in Wien statt. Die Route führte nach dem Treffpunkt vor der Oper über den Ring zum Ballhausplatz, wo
eine Abschlusskundgebung gehalten wurde. Die Petition wurde  von der Delegation der Solidaritätsplattform (Tarafa Baghajati, Paula Hourani, Omar Al Rawi, Fritz Edlinger und Muhammad Turhan) im Bundeskanzleramt übergeben.

In einem ausführlichen Gespräch wurden die Anliegen der Solidaritätsplattform dargelegt und erörtert.

Auf das Schärfste verurteilen wir das blutige Vorgehen der israelischen Marine und Armee gegen die Hilfsflotte für Gaza. Diese  völkerrechtswidrige exzessive Gewaltanwendung in internationalem Gewässer kostete wahrscheinlich das Leben von mindestens zehn FriedenaktivistInnen. Einmal mehr ignoriert die israelische Regierung Mindeststandards des Völkerrechts – wie schon im Libanon Krieg 2006 und Gaza Krieg 2008/2009. Wenn ständig sanktionslos internationale Abkommen gebrochen werden, dann meint die israelische Regierung wohl, sie stünde über dem Völkerrecht und könne sich alles erlauben.

Dieser Angriff darf daher nicht allein als eine Angelegenheit des Nahen Ostens gesehen werden. Mit dieser Aktion nimmt Israel die Internationalisierung des Konflikts scheinbar bewusst in Kauf. Der Angriff ist nicht nur als Angriff auf die PalästinenserInnen zu verstehen, sondern betrifft vor allem Europa. Die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Corrigan Maguire, der bekannte schwedische Autor Henning Mankell, die beiden deutschen Parlamentarierinnen Inge Höger und Annette Groth, sowie Abgeordnete aus Norwegen, Schweden, Bulgarien, Irland und viele weitere EuropäerInnen wurden hier zur Zielscheibe dieser aggressiven und menschenverachtenden Politik. Entlarvend ist die Verhängung einer Nachrichtenzensur, wodurch bis jetzt keine Aufklärung über die tatsächliche Zahl der Toten und Verletzten und deren Identität gegeben ist. Auch die Kommunikationssperre in Bezug auf die widerrechtlich verschleppten hunderten AktivistInnen, deren Schiffe mit Gewalt nach Israel gebracht wurden, fällt in dieses Bild der propagandistischen Unterdrückung für die israelische Regierung  unangenehmer Tatsachen. Die verschleppten Menschen sollen umgehend freigelassen werden. Es bedarf internationalen Drucks, um eine rasche und lückenlose Aufklärung, möglichst durch unabhängige internationale Organe, zu gewährleisten.

Wir fordern die Österreichische Bundesregierung und die Europäische Union auf, eine eindeutige Verurteilung des Gewaltakts auszusprechen und die militärische Kooperation des Bundesheeres mit Israel mit sofortiger Wirkung einzustellen. Kritische Worte reichen offensichtlich nicht aus, um die israelische Regierung zur Einhaltung internationaler Standards zu bringen. Wer beharrlich UNO-Resolutionen ignoriert und stattdessen immer neue Gewaltakte setzt, wird auch jetzt nicht auf die Sprache der Diplomatie reagieren, sondern nur auf politische, spürbare Konsequenzen. Sanktionen gegen Israel sehen wir als angezeigten Weg, diese Gewaltpolitik in die Schranken zu weisen.

Den österreichischen Außenminister Michael Spindelegger ersuchen wir eine Weisung an den österreichischen UN-Botschafter Thomas Mayr-Harting zu erteilen, die Frage von internationalen Sanktionen gegen Israel auf die
Tagesordnung des Sicherheitsrates zu setzen. Diese Sanktionen sollten solange in Kraft bleiben, bis Israel die völkerrechtswidrige Abriegelung des Gazastreifens aufhebt.

An den Herrn Bundeskanzler Werner Faymann appellieren wir, seine für den 23.und 24.  Juni  2010 geplante Reise nach Israel aus Protest abzusagen.

Den Hinterbliebenen und den Familien der Opfer gilt unser Mitgefühl.

Die Verantwortlichen für dieses Massaker im Mittelmeer müssen angeklagt und vor ein internationales Gericht gestellt werden.

Wien, 04.06.2010

Rückfragehinweis (auch für Ergänzungen in der Unterzeichnerliste):
Tarafa Baghajati, baghajati [at] aon.at

Unterzeichnerliste, Stand 4. Juni 2010

1.   Islamische Religionsgemeinde Wien für Wien, Niederösterreich und Burgenland
2.   Islamischer Koordinationsrat der muslimischen Vereine in Österreich (ISKORAT, ca. 45 Organisationen)
3.   Islamische Föderation Wien IFW
4.   Union Islamischer Kulturzentren
5.   ATIB Türkisch islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich
6.   IVAÖ Islamische Vereinigung Ahlul-Bayt – Österreich, Verband für dieschiitischen Vereine
7.   Koordinationsforum für Unterstützung Palästina
8.   Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP-Österreich)
9.   Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB)
10. Frauen in Schwarz (Wien)
11. Wiener Friedensbewegung
12. WONDER
13. Palästinensische Vereinigung Österreich P.V.Ö.
14. Dachverband Bosnisch Islamische Vereine in Österreich
15. UETD Union of European Turkish Democrats
16. Türkische Föderation in Österreich
17. MJÖ Muslimische Jugend Österreich
18. Österreichisch-Arabische Union
19. Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
20. Islamische Religionsgemeinde Graz für Steiermark und Kärnten
21. Islamische Religionsgemeinde Linz f. OÖ, RPR und Salzburg
22. Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich
23. Liga Kultur
24. Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen (Schura Moschee)
25. ABIZ (Anatolisches Bildungszentrum)
26. Ägäisches Kulturzentrum
27. Ägyptische Gemeinde in Österreich
28. Ägyptischer Klub
29. Ahwazische Kommunikation
30. Al’Ahli Fanklub
31. ALIF
32. Anatolische  Kulturinitiative Neunkirchen
33. Arabische Organisation für Menschenrechte
34. Arabischer Kulturverein
35. Arge für Wehrdienstverweigerung, Gewaltfreiheit und Flüchtlingsbetreuung
36. ARGE Ja zur Umwelt, Nein zur Atomenergie
37. ATAM-Türkischer Akademiker in Österreich
38. AustroArab News
39. Bangladesch islamischer kulturverein Baitul Mukarram
40. Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit
41. Bildungs Förderung (MEKTEB)
42. Bündnis Mosaik
43. CARIMA Caritative Arbeitsgemeinschaft
44. CIRDE-AUSTRIA - Zentrum der islamischen Forschung Dokumentation und Bildung
45. Dar Al Arqam Moschee
46. Dewa
47. EL-MUHLASUN" - Islamischer Sufiten Verein in Österreich
48. Forum Muslimischer Frauen Österreich
49. Gaza muss leben
50. Gesellschaft der palästinensischen Frauen in Europa / Austria
51. Hania Verein für Frauen und Kinder
52. Help Austria
53. IHH Austria
54. Im Glashaus – Kunst & Kultur
55. Information u. Kultur Ägypten, Bladi-Bladi
56. Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen IMÖ
57. Irakhilfswerk
58. Irakische Gemeinde in Österreich
59. Islamische Jugendorganisation in Wien
60. Islamische Sozial und Kulturverein Bad Vöslau
61. Islamische Sozialhilfe in Krems
62. Islamische Vereinigung Österreich „Al-Hidaya Moschee“ Isl.Kulturelle Vereinigung
63. Islamischer Kulturverein der Türk. Arb in Österreich
64. Islamischer Kulturverein der Türkischen Arbeiter in Österreich
65. Islamischer Kulturzentrum Sollenau
66. Islamisches Institut Österreich
67. Islamisches Zentrum Imam Ali Wien
68. ISV Interkulturelle Studenten Vereinigung
69. JUWA Jugend Föderation Österreich
70. JUWEL - Jugendwerk zum Licht
71. Kinder und Mütter im Not (Rahma)
72. KJÖ Kommunistische Jugend Österreichs - Ortsgruppe Wien
73. Kommunistische Gewerkschaftsinitiative International (KOMintern)
74. Kommunistische Initiative Österreich (KI)
75. KUGEL Kultur-Geschichte-Literaturverein
76. Kultur u.Wohltätigkeitsverein  St. Pölten
77. Kultur u.Wohltätigkeitsverein in Herzogenburg
78. Kultur und Solidaritätsverein Türkischer Arbeiter in Österreich
79. Kulturell-Caritative-Union der Muslimen
80. Kulturelle Vereinigung der Muslime in Pottendorf
81. Kulturhaus der Emigranten in Niederösterreich
82. Kulturverein Al-Andalus
83. Kuturverein Kanafani
84. Liga Kulturverein für Multi-Kulturellen Brückenbau – Graz
85. Linkswende
86. Menschenfreunde International
87. Mevlana Plattform in Österreich, Bilal Habashi Moschee
88. Moschee Ahl ul beit Salzburg
89. Moschee Ahl ul beit Wien (Irakische Schiiten)
90. Moschee Al Asr Wien (pakistanische Moschee)
91. Moschee Al-Mahdi (Türkische Schiiten)
92. Multikulturelle u.Caritative Vereinigung in Leopoldstadt
93. Multikulturelleverein der Migranten in Donaustadt
94. Muslemische Emigranten in Liesing
95. Muslimischer Akademikerbund
96. Muslimischer Arbeiter Union in Wien
97. Muslimischer Hilfsorganisation in Wien
98. Muslimischer Lehrerverein für  Wien, NÖ u. Bgld. MLV
99. Nigerian Islamic forum
100. Nordafrika Liga
101. ÖAIKD Verein für Kulturdialog - Alfath Moschee
102. Österr. –Türk. Kulturv. für Freund. und Solidarität von Sizir u. Umgebung
103. Österreichisch-Arabische Union
104. Österreichische Gesellschaft für medizinische Öffentlichkeitsarbeit
105. Österreichische Islamische Föderation
106. Österreichischer-Ägyptischer Verein
107. Österreich-Syrisches Ärztekomitee
108. Österreisch-Arabische Ärzte Und Apothekervereinigung
109. Palästina Forum
110. Perspektive
111. PGO Palästinensische Gemeinde in Österreich
112. RAMADAN Internetmedium, Wien
113. SAMDER
114. SOLMIT Solidarisches Miteinender
115. Sudanesischer Kulturverein
116. Syrische Gemeinde in Österreich
117. The colourful world of children
118. Türkisch-Islamischer Kultur Verein-Traiskirchen
119. Union albanischer Muslime in Österreich
120. Verband der Ägypter in Österreich
121. Verband der Österreicher Arabischer Abstammung
122. Verein der Erleuchtung
123. Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative/Dar Al Janub
124. Verein für Arabische Frauen
125. Verein Palästinensische Frauen in Europa
126. Verein von Immigranten Tunesiens in Österreich (VIT)
127. Vereinigung der syrischen Gemeinden in Österreich
128. Vereinigung zur Integration u. Solidarität der Muslime in Wien
129. WAKT Wien Ausbildung, Kultur, Toleranz

SP-Al-Rawi und SP-Yilmaz verurteilen Angriff der israelischen Armee auf Gaza-Hilfsflotte

Wien (OTS/SPW-K) - "Mit Schock und Entsetzen haben wir heute die Nachrichten erhalten über das vorgehen der Israelische Marine gegen den humanitären Einsatz eine internationale Hilfsflotte mit mindestens 10 Toten und mehreren Verletzten.", sagen die SPÖ-Gemeinderätin Nurten Yilmaz und der SPÖ-Gemeinderat Omar Al-Rawi.

Es sei seit Tagen bekannt gewesen, das sich mehrere AktivistInnen auf den Weg gemacht haben, um die israelische Blockade gegen Gaza zu durchbrechen und Hilfsgüter wie 500 Rollstühle und 100 Fertighäusern zu liefern.

Unter den Aktivisten ist der bekannte schwedische Schriftsteller Henning Mankell, zwei deutsche Bundestagsabgeordnete sowie Dutzende weitere europäische Abgeordnete. Außerdem waren der frühere Friedensnobelpreisträger Mairead Corrigan Maguire aus Nordirland, die 85 Jahre alte Holocaust-Überlebende Hedy Epstein sowie eine ehemalige Abgeordnete und ein Ex-Oberst aus den USA an Bord der Schiffe.

"Dieses brutale Vorgehen - noch dazu in internationalen Gewässern - gegen Aktivistinnen und Aktivisten, verurteilen wir auf das  Schärfste.

Wir hoffen, die EU und die österreichische Bundesregierung unternimmt alles, um diesen Vorfall zu untersuchen und gegebenenfalls eine Verurteilung der Schuldigen und Sanktionen zu verhängen.", sind sich Yilmaz und Al-Rawi einig. Auch sollte sich die Welt endlich des Elends der Bevölkerung in Gaza bewusst werden und über die Aufhebung der Blockade gegen die Zivilbevölkerung ernsthaft nachdenken.

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