Frau im Islam

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"Musliminnen am Wort" - Deklaration muslimischer Frauen

Musliminnen am Wort:

Gegen jede Verbotspolitik auf unseren Köpfen!

Für unser Selbstbestimmungsrecht!

Und die volle Teilhabe an einer pluralen Gesellschaft!

Österreich war über viele Jahrzehnte auf der Basis des Islamgesetzes von 1912 bzw. der IGGÖ seit 1979 ein Vorbild für eine erfolgreiche Politik im Umgang mit der muslimischen Bevölkerung. Dieser bewährte Stil droht dem gegen­wärtigen politischen Diskurs zum Opfer zu fallen. Diese Abkehr vom bewährten Kurs ist ein demokratiepolitisch falsches Signal.

Mit dieser Deklaration von Musliminnen aus allen Teilen der Bevölkerung melden wir uns zu Wort, um vor den negativen gesamtgesell­schaft­li­chen Folgen für das Zusammenleben in Österreich und dem Verlust von Ansehen in Europa und international zu warnen.

Den Beginn der Menschenrechtserklärung von 1948 stellen wir unserer Deklaration voran:

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Geschwisterlichkeit begegnen.“

Aufgrund der Analyse des derzeitigen Diskurses halten wir fest:

  • Unsere Köpfe sind keine Werbefläche! Schluss mit Projektio­nen islamfeindlicher Tendenzen auf das Kopftuch!
  • Was das Kopftuch für eine Frau ausdrückt, bestimmt die Trägerin selbst!
  • Muslimische Identität soll für Frauen nicht auf das Kopftuch­tragen zugespitzt bzw. beschränkt werden!

Wir wenden uns gegen in Umlauf befindliche Narrative und definieren uns selbst:

  • Wir muslimische Schülerinnen und Studentinnen sind Zukunfts­trägerinnen!
  • Wir muslimische Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeberinnen fördern den sozialen Zusammenhalt!
  • Wir muslimische Mütter rücken das Kindeswohl in den Mittel­punkt!
  • Wir Lehrerinnen und Moscheepädagoginnen stärken Mädchen in ihrer Persönlichkeit!

Wir fordern von der Politik:

  • Respekt vor dem Selbstbestimmungsrecht der Frauen:
    • Keine Verbotspolitik auf unseren Köpfen!
    • Kein Eingriff in die Religionsfreiheit!
    • Keine Diskriminierung durch eine Lex Islamica mit expliziten Verboten für Musliminnen!
    • „Schutzverständnis“ darf weder zu Bevormundung, noch zu Entmündigung führen!
       
  • Respekt vor dem Kindeswohl:
    • Anerkennung der Erziehungsarbeit muslimischer Eltern und Kooperation mit ihnen statt pauschaler Verunglimpfung!
    • Fokus auf den gesamtgesellschaftlichen Handlungsbedarf im Sinne des Kindeswohls (Herausforderungen wie etwa Gewalt in der Familie, Verwahrlosung, Sucht oder Scheidungswaisen) und die daraus folgende politische Verantwortung in der Bereitstel­lung dringend notwendiger Ressourcen für Hilfsangebote!
    • Chancengleichheit für Kinder und Schutz vor abwertendem oder gar übergriffigem Verhalten ihnen gegenüber; Beachtung der Kinderrechte (Kinderrechtskonvention von 1992, bes. Art. 14)!
       
  • Übernahme von politischer Verantwortung für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt:
    • Entgegenwirken bei Feindbilddenken und Polarisierung!
    • Schutz vor jeglicher Diskriminierung!
    • Ausschöpfung der bestehenden Rechtslage im Sinne des Gleichheitsgrundsatzes!
       
  • Frauenpolitik, die Musliminnen auf gleicher Augenhöhe einbezieht:
    • Mit uns reden, statt über uns!
    • Anerkennung der persönlichen Entscheidung, das Kopftuch zu tragen oder nicht zu tragen!
    • Schluss mit negativen Zuschreibungen und Unterstellungen, um letztlich Diskriminierung zu rechtfertigen!
       
  • Integration von Musliminnen in den Arbeitsmarkt:
    • Fokus auf die Qualifikation von Frauen und nicht auf das Kopf­tuch oder den fremdländisch klingenden Namen!
    • Vorbildwirkung des Staates als Arbeitgeber in der Umsetzung der EU-Antidiskriminierungsrichtlinie (in Österreich ab 1. Juli 2004 implementiert)!
    • Empowerment im Bildungsbereich muss den vollen Zugang zum Arbeitsmarkt – gerade bei höheren Bildungsabschlüssen –  mit­einschließen!

Wir fordern innerhalb der muslimischen Community:

  • Verwirklichung der Beschlüsse der Imamekonferenzen  von 2003, 2006 und 2010:
    • Mehr Teilhabe und Mitsprache von Frauen in der Organisation und Führung muslimischer Vereine und Institutionen!
    • Die Rolle der Frauen als Bildungsträgerinnen stärken und diese in den innermuslimischen Diskurs vermehrt einbeziehen!
    • Die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie!
    • Aktives Eintreten gegen Benachteiligung von Frauen und bei Gewalt gegen Frauen!
       
  • Stärkung von Männern, die sich für Frauenrechte einsetzen!
     
  • Keine Ablenkung von den aktuellen vielfältigen politischen Herausforderungen und dem entsprechenden Handlungsbe­darf durch das Kopftuchthema!
     
  • Frauen allein kommunizieren über das Tragen des Kopf­tuchs!

Erläuternde Bemerkungen
 

  1. Analyse

    Die oben genannten Forderungen entspringen einer Analyse des derzeitigen Diskurses:

  • Es wird mehr über uns muslimische Frauen als mit uns geredet.
     
  • Wir haben es satt, als Opfer hingestellt und bemitleidet zu werden. Egal ob wir Kopftuch tragen oder nicht erleben wir im derzeitigen gesellschaftlichen Klima Druck. Wir sehen uns als selbstständige Akteurinnen und verwahren uns gegen selbsternannte „Befreier“ und „Beschützer“. Besonders zynisch empfinden wir es, wenn man uns, sobald wir Diskriminierungserfahrungen öffentlich machen, auch noch unterstellt, uns in der „Opferrolle verstecken zu wollen“.
     
  • Die immer wiederkehrenden Kopftuchdebatten lenken von den eigentlichen gesell­schaft­li­chen Problemen ab und werden somit politisch instrumentalisiert. Polarisierung droht.
     
  • Aus frauenpolitischer Sicht warnen wir eindringlich davor, dass durch die Fokussie­rung auf das Kopftuch unterstellt wird, nur bei „den anderen, den Muslimen“ würden patriarchale Zustände vorherrschen. Jedoch sind gesamtgesellschaftlich Verbesserun­gen auf dem Weg zu allgemeiner Chancengleichheit und Geschlechter­gerechtigkeit immer noch notwendig, wie auch das Frauenvolksbegehren zeigt.
     
  • Verbotspolitik steht im Widerspruch zum Prinzip der Mündigkeit und der Emanzipa­tion von Frauen. Es ist auffällig, dass die Forderung eines Kopftuchverbotes in der Politik am lautesten von Männern erhoben wird. Die angebliche „Befreiung“ der Frauen mündet im Falle von Kleidervorschriften wieder in der Bevormundung. Somit unterscheidet sich jemand, der zum Kopftuch zwingen will, nicht von jemandem, der es verbieten will. Bei der Entscheidung steht Selbstbestimmung im Vordergrund und diese ist zu respektieren.
     
  • Musliminnen werden einerseits als „Integrationsmotor“ beschrieben (z.B. Studie von Zulehner, 2013) mit der Betonung, dass sie als role models traditionelle patriarchale Rollenbilder aufbrechen. Genau das leben wir auch. Andererseits schafft die Verbots­politik Sanktionen, die sich pauschal gegen alle muslimischen Frauen richten.
     
  • In Zeiten brüchiger eigener Identitäten haben manche politischen Gruppen leichtes Spiel, ihr Selbstbild über die Abgrenzung von anderen scheinbar zu festigen und zunehmende Risse in der Gesamtgesellschaft zu überdecken. Das Kopftuch scheint sich dazu in seiner öffentlichen Sichtbarkeit als Projektionsfläche gut anzubieten.
     
  • Eine angeblich bedrohliche Andersartigkeit der Kopftuchträgerinnnen wird konstru­iert. Das verstellt den Blick darauf, dass sich eine Kopftuchträgerin in ihren Anliegen nicht von anderen Frauen unterscheiden muss: Etwa in ihrem Streben nach einer geschlechtergerechten Gesellschaft, in der die volle Chancengleichheit von Männern und Frauen gewahrt ist.
     
  1. Forderungen

Diese konstruierte „bedrohliche Andersartigkeit“ bedarf der Dekonstruktion!

Ob wir nun Kopftuch tragen oder nicht, lehnen wir grundsätzlich islamfeindliche Projektionen auf dieses Kleidungsstück ab. Die Sichtbarkeit des Kopftuchs ist gegeben. Aber wir wehren uns entschieden dagegen, dass auf unseren Köpfen Politik betrieben und gesellschaftlicher Zwiespalt geschürt wird. Wir lassen uns nicht zur Litfaßsäule von Botschaften machen, die wir ablehnen. Wir fordern:

Unsere Köpfe sind keine Werbefläche – Schluss mit Projektionen auf das Kopftuch!

  • Die muslimische Identität soll sich für Frauen nicht auf das Kopftuch­tragen zuspitzen!
    Viele muslimische Frauen tragen kein Kopftuch. Wir Musliminnen lassen uns nicht gegenei­nander ausspielen oder gar spalten, sondern sind solidarisch miteinander.  Ob eine Frau ein Kopftuch trägt oder nicht, sagt nicht automatisch etwas darüber aus, ob sie eine „gute Musli­min“ ist. Genauso wenig erlaubt es eine Schlussfolgerung, ob sie „konservativ“ oder „liberal“ ist. Eine Deutungshoheit über die Religiosität einer Frau kommt keinem Menschen zu. Auch hier sind die Gründe sehr individuell. Eine Rechtfertigung für das Nicht-Kopftuchtragen entfällt!
     
  • Was das Kopftuch für sie ausdrückt, bestimmt die Trägerin selbst!
    Die Definitionshoheit über das Kopftuch liegt bei der Trägerin selbst. So vielfältig die Arten des Kopftuchtragens sind, so unterschiedlich können auch die Motivationsgründe und die individuellen Sinnzuschreibungen sein.

    Gemeinsam ist Frauen, die sich für diese Kopfbedeckung entschieden haben, der religiös-spirituelle Zugang in ihrer Lebensgestaltung. Darüber hinaus haben sie viele individuelle Gründe. Eine Rechtfertigung für das Kopftuchtragen entfällt!
     

  • Schluss mit der Zuschreibung, das Kopftuch sei „fremd“!
    Der Islam ist seit 1912 eine in Österreich anerkannte Religion. Österreich ist Heimat - für Musliminnen mit Staatsbürgerschaft, viele von ihnen bereits hier geboren und aufgewachsen, wie für jene, die hier ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben.
     
  • Schluss mit der Verdächtigung, das Kopftuch sei ein „Zeichen der Abgrenzung“!
    Wir sehen uns als Teil der Gesellschaft und treten – sei es im Berufsleben oder im Alltag – für das Allgemeinwohl ein. Wie sich eine Frau kleidet, ist allein ihre Entscheidung. Unabhängig von ihrem Kleidungsstil verdient sie die gleiche Achtung und den gleichen Zugang zu Ressourcen. Wir stehen für den sozialen Zusammenhalt. Frauensolidarität mit dem gemein­samen Ziel der Durchsetzung von Chancengleichheit für Frauen und alle benachteiligten Gruppen ist uns ein entschiedenes Anliegen.
     
  • Schluss mit der Unterstellung, das Kopftuch sei ein „politisches Symbol“ oder gar ein Zeichen des „politischen Islam“
    Wir haben untereinander vielfältige politische Anschauungen. Von einem Kopftuch kann man noch lange nicht auf die politische Orientierung der Trägerin schließen. Unsere politische Teilhabe – etwa in Ausübung des Wahlrechtes – bezieht sich vor allem auf die Zukunft unse­res Lebensmittelpunktes Österreich. Wir stehen auf dem Boden des demokratischen säkularen Rechtsstaates. In der österreichischen Ausprägung eines Kooperationsmodells zwischen dem Staat und den Religionsgemeinschaf­ten sehen wir die Religionsfreiheit und die persönliche Freiheit jeder einzelnen Person gewahrt. Wir sehen uns als Verteidigerinnen dieses Modells und sind uns darin mit vielen Frauen anderer Religionsgemeinschaften einig.
     
  • Schluss mit der Behauptung, das Kopftuch sei das „Symbol der Unterdrückung“!
    Als Musliminnen treten wir selbstbewusst für unsere Rechte ein. In unserem Islamverständnis sind Frauen und Männer mit der gleichen Verantwortlichkeit ausgestattet. Patriarchale Bevormundung egal welcher Couleur lehnen wir ab.
     
  • Schluss mit der Sexualisierung des Kopftuchs!
    Wir sind überzeugt, dass Männer sich allen Frauen gegenüber respektvoll zu verhalten haben, unabhängig von ihrem Kleidungsstil. Es ist eine unzulässige Umkehr des Verhältnisses Täter - Opfer will man Frauen, gegen die Männer übergriffig werden, aufgrund ihres Kleidungsstils die Schuld für den männlichen Übergriff zuschieben. Frauen sind Subjekte und keine Objekte!
     
  • Schluss mit der pauschalen Abwertung der religiösen Kopfbedeckung!
    Durch das Bündel an ideologischen Zuschreibungen wird das Kopftuch als Kleidungsstück „verdächtig“ gemacht und damit zugleich die Trägerin selbst. Sie wird dann beschuldigt, die mit dem Kopftuch verbundenen negativen Assoziationen bewusst mitzutragen oder sich dafür missbrauchen zu lassen. Dies wiederum führt dazu, Diskriminierung gegen Kopftuchträgerin­nen zu rechtfertigen, angeblich um die „eigenen Werte“ zu verteidigen. Dadurch entstehen Gräben, wo keine sein müssten. Es geht auch nicht, von außen das muslimische Kopftuch an sich als „diskriminierend“ hinstellen zu wollen, um damit Verbotsforderungen einen liberalen Anstrich zu geben.
     
  1. Das eigene Rollenverständnis

    Selbstverständnis und Außensicht klaffen in der Wahrnehmung muslimischer Frauen dras­tisch auseinander. Daher ist es uns ein Anliegen, zentrale Aspekte unseres sozialen Rollenver­ständnisses selbst zu erklären:

  • Wir muslimische Schülerinnen und Studentinnen sind Zukunftsträgerinnen!
    Entsprechend unseren Interessen besuchen wir verschiedenste Schulen und Universitäten, um in der Gesellschaft und im Berufsleben unseren gleichberechtigten Platz einzunehmen:
     
    • Mit allen unseren Potenzialen gestalten wir Gegenwart und Zukunft der Gesellschaft mit.
    • Wir sind vollständig integriert, partizipieren auf allen Ebenen der Gesellschaft und erwarten uns Chancengleichheit. Als vollwertiger Teil der Gesellschaft wollen wir als solcher wahrgenommen werden.
    • Wir erleben uns selbst als Brückenbauerinnen in vielfältiger Hinsicht, denn wir bringen entsprechende Kompetenzen mit. Als eine davon ist unsere Mehrsprachigkeit ein Gewinn für die Gesellschaft.
       
  • Wir muslimische Arbeitnehmerinnen und Arbeitgeberinnen fördern den sozialen Zusammenhalt!
    Wir sehen uns als wichtige Akteurinnen nicht nur für die Prosperität Österreichs, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt:
     
    • Denn wir leben am Arbeitsplatz jene Diversität, die Österreich immer geprägt hat und zunehmend prägt. Dabei
      wird deutlich, dass in dieser Diversität eine Stärke für den Betrieb liegt, und dass in einem guten Team alle auf gleicher Augenhöhe kooperieren.
    • Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es oft sehr schwierig ist, einen Arbeitsplatz zu finden. Dabei haben es Trägerinnen eines muslimisch klingenden Namens nicht leicht, für Kopftuchträgerinnen ist es noch weitaus schwieriger.
    • Haben wir erst einmal die Gelegenheit erhalten zu arbeiten, wird schnell klar, wo unsere Stärken liegen, u.a.: in unserer vielfältigen Kulturerfahrung, die es uns leicht macht, auf andere Menschen zuzugehen; wir sehen keinen Widerspruch zwischen Glauben und Karriere, keinen Widerspruch zwischen Leistung und Weiblichkeit, keine Grenzen zwischen Spiritua­lität und z.B. einer Managementfunktion.
    • Wir erleben die gleichen Herausforderungen wie andere berufstätige Frauen, vor allem wenn sie Familie haben: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Frage der Kinderbetreuung. Gleichzeitig wollen wir als Vorbilder innerhalb der eigenen Com­munity wirken und dies nutzen, um einen positiven gesellschaftlichen Wandel in Richtung voller Geschlechtergerechtigkeit mitzutragen.
       
  • Wir muslimische Mütter rücken das Kindeswohl in den Mittelpunkt!
    Als Mütter – ob mit oder ohne Kopftuch – ist uns bei unserer Erziehung folgendes wichtig:
    ​​​​​​​
    • Liebe und Zuneigung - gegenüber Buben oder Mädchen - sind Basis unserer Eltern­schaft.
    • Unsere Töchter und Söhne sollen sich zu selbstbestimmten Frauen und Männern entwickeln können, die mit Optimismus und Tatendrang durchs Leben gehen und dabei ihr Glück und ihre Erfül­lung finden.
    • Unsere Töchter und Söhne erziehen wir zu selbstbestimmten Persönlichkeiten, welche die Gleich­wer­tigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter leben.
    • Wir zeigen unseren Kindern, dass gute Charaktereigenschaften wie Fähigkeit zu Empathie, Mut, Geduld, Hilfsbereitschaft und Fleiß allgemeine menschliche Tugenden sind und nicht geschlechtsspezifisch zu definieren sind.
    • Wir geben unseren Kindern notwendige Freiräume für ihre spirituellen und individuel­len Erfahrungen auf dem Weg zur Selbstfindung.
    • Wir sind gegen jede Art von Zwang. Unser verfassungsmäßig garantiertes Erziehungs­recht legen wir so aus, unsere Kinder darin zu unterstützen, mit zunehmender Reife eigene mündige Entscheidungen treffen zu können und diese dann auch vor sich und anderen zu vertreten. Damit liegt die Entscheidung über das Kopftuchtragen bei den Mädchen selbst.
    • Wir sehen die UN-Kinderrechtskonvention (1992) mit ihren wesentlichen Prinzipien als für unser erzieherisches Handeln verbindlich an. Diese Prinzipien können wir auch aus unserem religiösen Verständnis ableiten: Das Recht auf Gleichbehandlung, der Vorrang des Kindeswohls, das Recht auf Leben und Entwicklung und nicht zuletzt die Achtung vor der Meinung des Kindes.
    • In unserer Werteerziehung zeigen wir die Vereinbarkeit einer Identität als muslimisch und zugleich österreichisch-europäisch auf.
       
  • Wir Lehrerinnen und Moscheepädagoginnen stärken Mädchen in ihrer Persönlichkeit!
    ​​​​​​​Als Lehrerinnen an österreichischen Schulen oder Theologinnen und Moscheepädagoginnen (Muallimat) vermitteln wir folgende Prinzipien:
     
    • Das Prinzip der Geschlechtergerechtigkeit ist aus den muslimischen Quellen abzulei­ten.
    • Wir laden ein, über bestehende Widersprüche zwischen Religion und Tradition zu reflektieren.
    • Wir zeigen auf, wie schädliche Traditionen (harmful traditions) auch aus einer islami­schen Argumentation heraus überwunden werden können.
    • Auch wir diskutieren männliche und weibliche Rollenbilder und wie sich diese gesellschaft­lich in Richtung Geschlechtergerechtigkeit verändern können. Gleichzeitig machen wir jungen Menschen Mut, ihre eigene Rolle und ihren eigenen Weg in der Gesell­schaft zu suchen und zu finden.
    • Wir geben jungen Menschen eine spirituelle Verankerung, indem wir Selbstvertrauen in eine Verbindung mit Gottvertrauen stellen.
    • Wir zeigen auf, dass die Werte von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Pluralismus und Menschenrechten mit unserem Islam vereinbar sind, ja aufgrund kundiger Auslegung dessen Geist entsprechen.

Die Deklaration wurde mit der Initiative „Musliminnen am Wort“ im Mai 2018 unter der Projektleitung von Carla Amina Baghajati und Zeynep Elibol ins Leben gerufen. Zum Zeitpunkt der öffentlichen Präsentation am 12. März 2019 hatte sie bereits tausende Unterzeichnerinnen.

Rückfragehinweis:

baghajati [at] derislam.at

zeynep.elibol [at] derislam.at

Gaza: Die Geschichte von Hamas und der Shisha - الشيشة تواجه الحصار

Wieso das Rauchverbot für Frauen keine gute Idee ist

26.07.2010 | 18:25 | GASTKOMMENTAR VON TARAFA BAGHAJATI (Die Presse)

http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/583693/index.do

Dem Rauchen in öffentlichen Räumen wird zunehmend in islamischen und arabischen Ländern Einhalt geboten, vor allem in Flughäfen, Spitälern und an Universitäten. Die Gastronomie hinkt hinterher, und Nichtraucher werden in Restaurants leider weiterhin zwangsbeglückt; Nichtraucherschutz ist hier noch kein Thema.

Die traditionelle Wasserpfeife ist gesundheitspolitisch gesehen sogar noch ein größeres Übel als die Zigarette. Eine von Anfang bis Ende gerauchte Pfeife entspricht dem zugefügten Gesundheitsschaden von etwa zwei Packungen Filterzigaretten. In diesem Sinne macht es ja nichts, wenn sich die Hamas-Regierung an das beliebte „Spielzeug“ herantastet und unpopuläre Maßnahmen zum Schutz der jungen Bevölkerung trifft. Möchte man meinen. Doch nicht das Gesundheitsministerium hat ein Verbot ausgesprochen – es ist das Innenministerium, das das Rauchen von Wasserpfeifen an öffentlichen Plätzen (meist am Strand) untersagt hat, geschlossene Restaurants und Hotels sind ausgenommen. Und das Verbot gilt nicht für alle, es betrifft ausschließlich Frauen. Dass dieses Verbot nur Frauen gilt hat auch in Gaza für Verwunderung und Verwirrung gesorgt, und viele Lokalbesitzer haben die Regelung missverstanden und die Shishas gänzlich weggepackt.

Ein uniformierter hoher Beamter des Innenministeriums verteidigte das Verbot mit Hinweis auf die „guten Sitten“ des Landes. Mit diesem Gesetz macht die Hamas mehrere Fehler in einer Handlung, und zwar gesellschaftlich, politisch, taktisch, menschenrechtlich und theologisch.

Die Hamas unterschätzt die Frauen in Gaza. Frauen, die seit Jahren am Meer gelegentlich eine Wasserpfeife rauchen, meist bei einem Abendausflug mit den Familienangehörigen, werden sich erstens nicht an diese Bevormundung halten, und zweitens werden sie gegen diese einseitige Maßnahme Stimmung machen; wer glaubt, dass diese palästinensischen Frauen arme Hascherl sind, die sich einfach alles gefallen lassen, der irrt. Politisch ist es also alles andere als eine geschickte Handlung. Insbesondere in einer Zeit, in der die ganze Welt zu Recht sich mit Gaza solidarisch erklärt hat und sich für die sofortige, ja auch bedingungslose Beendigung der Blockade einsetzt, erweckt die Hamas-Regierung den Eindruck, als ob es keine gewichtigeren Probleme in Gaza gebe. Ein Innenministerium, das Shisha-Agenden für sich beansprucht, macht sich einfach lächerlich. Der taktische Fehler liegt zudem darin, dass die Hamas zu vergessen scheint, dass ihre Wähler keinesfalls nur aus dem streng religiösen Spektrum stammen. Hätte die Hamas die von ihr propagierte Lebensweise für Frauen bei den Wahlen in den Vordergrund gestellt, wäre es wohl nie zum überwältigenden Wahlerfolg vom 25.Januar 2006 gekommen.

Aus Menschenrechtsperspektive ist jede Gender-Unterscheidung bei Gesetzesvorgaben ohnehin skandalös. Und theologisch ist es gröbster Unfug, da es aus islamischer Perspektive keine Unterscheidung beim Halal und Haram (Erlaubtes und Verbotenes) zwischen Männern und Frauen gibt. Die wenigen islamischen Länder, hier wäre vor allem Saudi-Arabien zu nennen, die es versuchten, über „Sittenwächter“ eine der Regierung passende Moral durchzusetzen, sind kläglich damit gescheitert. Leider neigen nahöstliche Regierungen, und das gilt nicht nur für die Hamas, „Kulturkämpfe“ zu führen, wenn sie politisch nichts zusammenbringen (können). Nicht anders geht es der „konservativen“ Fraktion im Iran; wenn sie einen bedeutenden politischen Kampf verlieren, setzen sie irgendein Kulturgesetz durch, um zu zeigen, dass sie doch die Kraft haben, Gesellschaft zu gestalten. Es muss der Hamas klar sein, dass ihre Macht in Gaza auf die Verwaltung des „größten Freiluftgefängnisses der Welt“ (Erzbischof Desmond Tutu) beschränkt ist. Und nicht die Frauen-Shisha ist eine Gefahr, sondern die politische Zerrissenheit des palästinensischen Volkes.

Dipl.-Ing. Tarafa Baghajati (geb. am 1.September 1961 in Damaskus, Syrien) ist Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ).

meinung [at] diepresse.com ()

© DiePresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.07.2010)


 http://www.alquds.co.uk/index.asp?fname=data\2010\08\08-18\18j68.htm

الشيشة تواجه الحصار

تحلق قلوبنا كل يوم مخترقة حدود الزمان والمكان لترف فوق بيوت غزة الحبيبة، لتوصل لأهلها منا كل سلام وحب، ومواساة لهم في محنتهم التي يعيشونها تحت ظل حصار خانق لا يفرق بين طفل وسيدة وعجوز.

نتابع بشغف ولهفة أخبار تخفيف الحصار وقوافل المساعدات والأساطيل البحرية التي تمخر عباب البحار وتصطدم بحدود بحرية موصدة، والأنفاق التي تمثل شريان الحياة لهذا القطاع البائس، حيث تمده بما يحتاج أهله من كل متطلبات الحياة، ومن بينها دخان الشيشة!

وكما نتابع نحن تلك الأخبار التي تتردد في لمح البصر بين جنبات القرية الصغيرة المسماة بالكون الفسيح، يتابعها الملايين في أرجاء المعمورة. منهم من يتلمس خبرا طيبا يطمئنه على أهله، ومنهم من يتربص بخبر يفتح به أبواق الدعاية المعادية لحركة حماس الحاكمة في قطاع غزة.

وبين أولئك وهؤلاء تتناقل الأخبار المبشرة والمنذرة، المأساوية والساخرة، المضحكة والمبكية. ولعل أحدث تلك الأخبار التي أفلتت من خلف أسوار القطاع الساحلي المحاصر، ذلك الخبر الذي تضمن حظرا أصدرته وزارة الداخلية في غزة، على تدخين الشيشة.

وقد عجبت لذلك الخبر لما يحمله من مفارقات عدة، لعل أولها أن قرارا صحيا من الدرجة الأولى كهذا يصدر عن جهة لا علاقة لها بالصحة، ولا أعتقد أن فيها متخصصين معنيين بالشأن الصحي. فدوائر الأمن في أي دولة في العالم، أو قل في أي قرية، لا تملك أن تصدر مرسوما أو قرارا متعلقا بأمور صحية، مثل منع تدخين الشيشة.

فليس عندي أدنى مشكلة عندما تصدر أي جهة صحية في أي بلد حظرا على تدخين الشيشة حرصا على صحة المواطنين مدخنين وغير مدخنين. وحري بأصحاب الرأي والمشورة والسلطة في غزة التدخل لسحب أجندة الشيشة من وزارة الداخلية، التي من واجبها حفظ الأمن والعمل على راحة المواطنين وهدوء بالهم بما فيهم مدخني الشيشة، وأن تعطى هذه الأجندة لوزارة الصحة.

أما المفارقة الثانية فهي أن الجهة صاحبة الحظر قصرت المنع على النساء دون الرجال، بدعوى أن مظهر النساء المدخنات يتعارض مع القيم والتقاليد، واسمحوا لي هنا ألا أتحدث عن المخالفات الشرعية التي يحملها دخان الشيشة معه، سواء صادر عن رجال أو نساء.

والمفارقة الثالثة أن الحظر خوفا على التقاليد والأعراف، لا يمتد ليطول الفنادق والمقاهي المغلقة، بل هو حظر مفروض على الأماكن المفتوحة فقط!! فهل التقاليد يجب الحفاظ عليها في الهواء الطلق خوفا من أن تصاب بلفحة هواء في هذا "الصقيع" الذي تعيشه الكرة الأرضية هذه الأيام؟!

والمفارقة الأخيرة أن يطير إلينا هذا الخبر من غزة؛ حيث مآس العيش لا آخر لها، واهتمامات الحياة وهمومها تطحن الصغير قبل الكبير.

أعترف أنني لست من أصدقاء الشيشة ولا الدخان، بل إنني من أشد المعجبين بالقوانين الأوروبية التي صدرت مؤخرا، وتحظر التدخين في الأماكن العامة.

ولكني أعترف أيضا بحبي اشتمام نكهات معسل الشيشة بطعم الفواكه، كما أنني أستمتع بمشاهدة أصحاب الوجوه التي تختفي وراء دخان الشيشة الكثيف وهي تبدو راضية وادعة مع كل نفس يخرجونه من أفواههم.

فما نسمع به من منع الشيشة على النساء في الأماكن المفتوحة في غزة، لهو أمر تضحك منه الثكلى. فشر البلية ما يضحك. فبينما العالم كله يعلن تضامنه اليوم مع شعبنا المظلوم في قطاع غزة، تعلن حكومته الحرب على الشيشة النسائية!

إننا لا نريد رجال أمن مهووسون يلاحقون "خدش الحياء". فمجتمعاتنا بحمد الله تفرق بجملتها بين ما هو لائق وغيره، ولا تحتاج إلى وصي أمني ولا بسطار عسكري. كما أن مثل هذه المحاولات التي أقدمت عليها دول إسلامية، لم تأت بمردود مطلوب، بل أدت إلى انتشار الظاهرة المطلوب منعها.

فليتم منع تدخين الشيشة في غزة لكل من هم دون الثامنة عشرة، شبابا وفتيات، ولكن اتركوا الناس، رجالا ونساءا في حالهم، فهم أدرى بشؤونهم ويعرفون عند أي حد تمتد حرياتهم الشخصية، ويدركون المدى الذي يجب أن تتوقف عنده .

طرفه بغجاتي

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مهندس/ طرفه عدنان بغجاتي

رئيس مبادرة المسلمين والمسلمات النمساويين

www.islaminitiative.at

عضو مجلس إدارة منتدى "من أجل أوروبا متعددة ثقافياً

Platform for Intercultural Europe PIE

عضو المجلس الاستشاري للشبكة الأوروبية لمناهضة العنصرية

ENAR - European Network against Racism

www.enar-eu.org

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baghajati [at] aon.at

Veranstaltungshinweise des Forum muslimische Frauen

Veranstaltungshinweise des Forum muslimische Frauen

Wie eine Hose zum Politikum wird

Der Sudan hat genügend Probleme zu lösen, die Hose von Lubna El-Husseini sollte nicht zu ihnen gehören.

Als die Männerhose in islamischen Ländern Anfang des letzten Jahrhunderts von jungen, meist nicht religiösen Intellektuellen als praktische Bekleidung benutzt wurde, gab es prompt Scheichs (nicht immer Gelehrte), die Dutzende Begründungen aufzuzählen wussten, warum die Hose „haram“ (d.h. islamisch verboten) sei. Die Begründungen reichten von vermeintlichen gesundheitlichen Aspekten (Druck auf Genitalien) bis zu sexuellen (schnelle Erregung durch Reibung) und kulturellen (unstatthaftes Nachäffen westlichen Lebensstils). Alles Argumente, die heute lustig erscheinen. Binnen zwei Jahrzehnten war der Aufreger keiner mehr und wurde die „westliche Hose“ als Kleidungsstück akzeptiert.

Bei den Frauen geistert bis heute noch das Argument „Nachahmen von Männern“ herum, was manche muslimischen Frauen davon abhält, Hosen zu verwenden. Andererseits gehört in manchen muslimischen Kulturen die Hose als traditionelles Kleidungsstück der Frau, kombiniert mit einer langen Tunika, zum normalen Outfit. Die Globalisierung macht auch hier keinen Halt: Hosen, vor allem Jeans mit weiten Oberteilen, sind schon aus praktischen Gründen weltweit anzutreffen. Über all die Jahrzehnte wurde das Thema ausschließlich als eine Modediskussion geführt. Keine Peitschenhiebe, keine Gesetze und keine Moralapostel, die nichts anderes im Kopf hätten, als die weiblichen Hosen zu inspizieren, traten auf den Plan. Und nun wird die Hose von Frau Lubna Hussein, die wohl eine weite, nicht enge und auch nicht transparente Form wählte, im Sudan per Gesetz als ein „unanständiges bzw. unsittliches“ Kleidungsstück angesehen. Das Gesetz wurde schon 1991 beschlossen und besagt „40 Peitschenhiebe für die Person, die grob unschickliche Taten setzt oder Taten, die das allgemeine Schamgefühl verletzen, oder sich unsittlich kleidet.“ Abgesehen davon, dass dieses Gesetz an sich eine Katastrophe darstellt, da es einen unglaublichen Auslegungsspielraum für Richter und Polizei zulässt, muss die Frage gestellt werden: Was ist unsittlich an der Hose von Frau Hussein? Die Antwort lautet natürlich: „Gar nichts.“

140 Euro statt 40 Peitschenhieben

Peinlich wurde die ganze Geschichte für die sudanesische Regierung und Gerichtsbarkeit spätestens angesichts der internationalen Berichterstattung, nicht nur im Westen, sondern vor allem in zahlreichen arabischen Medien. Die physische Strafe wurde auf eine Geldstrafe von 140 Euro als Ersatz für die 40 Peitschenhiebe umgelegt. Auch hier spielte Lubna nicht mit und lehnte die Bezahlung der Strafe ab. Die somit drohende Ersatzfreiheitsstrafe von einem Monat machte die Lage noch peinlicher. Elegant wurde dann die Summe schnell vom regierungsnahen Journalistenverband beglichen. Lubna Hussein musste daraufhin gegen ihren Willen das Gefängnis verlassen. Ihre Freundinnen tröstete sie mit der Erinnerung, dass sie als Menschenrechtlerin bereits dreimal im Gefängnis gesessen war.

Der Schritt der Journalistin, auf die ihr als UN-Mitarbeiterin zustehende Immunität öffentlichkeitswirksam zu verzichten und das Amnestieangebot des Präsidenten Omar Baschir abzulehnen, ist richtig und begrüßenswert. Die Hartnäckigkeit von Lubna Hussein ist als Weckruf gegen unsinnige Gesetze zu würdigen. Denn das „Sittengesetz“, Nr. 152, hat mit dem Islam nichts zu tun. Der sogenannte Sittenwächterberuf, der durch nichts islamisch zu belegen ist, sollte abgeschafft werden. Es ist einer mündigen Gesellschaft einfach unwürdig. Interessant ist die Rolle der sudanesischen Zivilgesellschaft. Dutzende Menschen demonstrierten - nicht ganz ungefährlich - gegen diese Verurteilung.

Für Muslime in Europa ist es besonders bedrückend, dass solche Gesetze scheinbar islamisch legitimiert werden. Ihre Aufklärungsarbeit, warum die islamische Religion in Frauenrechts- und Menschenrechtsfragen durch in ihr liegende Argumente Teil der Lösung sein kann, wird immer wieder auf eine harte Probe gestellt. Erfreulich ist aber, dass die innerislamische Kritik zu wirken beginnt. Zu durchschaubar ist es geworden, wenn, um von den großen ungelösten Aufgaben abzulenken, Ersatzpolitik betrieben wird.

Dipl.-Ing. Tarafa Baghajati ist Obmann der Initiative muslimischer
ÖsterreicherInnen und Vorstandsmitglied der „Platform for
Intercultural Europe PIE“.

meinung [at] diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.09.2009)
 
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"Uns eint, dass wir Frauen sind"

Im Projekt Fatima werden junge Musliminnen in Österreich für Beruf und Arbeitsmarkt trainiert - Aber auch Männer sollen miterzogen werden

Wien – Saime Öztürk ist 22 Jahre und studiert Geschichte und Germanistik in Wien. Sie strebt nach Erfolg im Beruf und will den eines Tages mit einer eigenen Familie in Einklang bringen. Man würde diese Ziele wohl als jene einer modernen Frau bezeichnen. Dass ihr Glaube – Saime Öztürk ist Muslimin – dazu im Widerspruch steht, ist ein "überholtes Vorurteil", sagt Carla Amima Baghajati von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGIÖ). "Gerade bei der zweiten Generation zeichnet sich seit Jahren ein Trend ab: Der Partizipationsgedanke im Bereich Bildung und Beruf scheint zu greifen. Die Mädchen erkennen, dass Bildung der Schlüssel ist. MuslimInnen wollen aus der unteren Schicht in die Mittelschicht aufsteigen."

Die IGGIÖ schätzt, dass in Österreich rund 420.000 MuslimInnen leben. Bei der jüngsten Volkszählung im Jahr 2001 wurden 338.998 MuslimInnen in Österreich registriert. Ihr Bevölkerungsanteil wuchs von zwei Prozent im Jahr 1991 auf 4,2 Prozent im Jahr 2001.

Saime Öztürk engagiert sich seit der Gründung 2005 für das Projekt Fatima – eine Qualifikationsoffensive für junge Musliminnen. Mehr als ein halbes Jahr lang werden die Mädchen dabei im Rahmen von Seminaren und Workshops in den Bereichen Kommunikation, Präsentation, Projektmanagement und Teamfähigkeit geschult. Mittlerweile sind es 22 Teilnehmerinnen, viele unter ihnen studieren, andere sind bereits berufstätig – gemeinsam ist ihnen der muslimische Glaube und ein Ziel: Das Bild, das über muslimische Frauen in der Gesellschaft herrscht, zu ändern.

"Die erste Generation hatte noch mit Sprachbarrieren zu kämpfen, deshalb haben sie sich schwer getan, sich zu öffnen", sagt Öztürk. Ihre Eltern leben seit den Achtziger Jahren in Österreich, sie fühlen sich wie ÖsterreicherInnen, so auch ihre beiden Töchter. "Das traditionelle Bild weicht zurück, unserer Eltern wollen, dass es uns einmal besser geht, Bildung spielt dabei eine große Rolle."

Die 22-Jährige rückt ihr Kopftuch zurecht, das farblich zu ihrem Outfit passt. Sie habe mehr als 50 Stück davon im Schrank, erzählt sie. Früher habe sie das Tuch nicht getragen, erst mit 18 Jahren habe sie sich dazu entschieden: "Ich hatte nie Probleme deshalb, manchmal sprechen mich Leute darauf an, fragen mich, warum ich das trage. Meistens antworte ich: Weil es mir gefällt." Die Mädchen, die sich bei Fatima engagieren, werden als Multiplikatoren und Aktivistinnen verstanden, sollen andere motivieren, ihrem Beispiel zu folgen.

Männer miterziehen

Das Projekt soll aber auch Männer erziehen: "Wenn man einen Mann erzieht, erzieht man eine Person, wenn man eine Frau erzieht, dann mit ihr eine ganze Gesellschaft", zitiert die Studentin und appelliert an den Zusammenhalt unter Frauen: "Österreicherinnen und Musliminnen sollten mehr zusammenhalten – uns eint, dass wir Frauen sind, und eigentlich wollen wir doch alle dasselbe: Partizipation in der Gesellschaft."

Seinen Abschluss fand das Projekt Fatima 08 am Freitag, bei einem Fest im Technischen Museum. Unterstützer aus Wirtschaft und Politik ehrten das Engagement der Mädchen – und das Integrationsprojekt wird fortgesetzt.

(Doris Nentwich/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.6.2008)

Fatwa aus Agypten: Frauen als Standesbeamte

Frauen können Eheverträge für das Brautpaar niederschreiben

Der Großmufti aus Ägypten Scheich Ali Gumaa hat in einer Fatwa dargelegt, dass der bisher auf Männer begrenzte Beruf eines "Maathun" von Frauen ausgeübt werden darf. Der Beruf umfasst das "Schließen von Eheverträgen". Aufgrund der Niederschrift dieser Verträge werden diese gerichtlich (zivilrechtlich) anerkannt. Diese Fatwa könnte ein Durchbruch in frauenrechtlichen Angelegenheiten bedeuten, da das Thema bereits vor einigen Jahren diskutiert wurde, allerdings noch ohne Ergebnis. Der Großmufti Scheich Ali Gumaa ist jedenfalls dafür ekannt sich für Frauenrechte einzusetzen, so zum Beispiel beim vielfach tabuisierten Thema FGM , der weiblichen Genitalverstümmelung, als deren entschiedener Gegner er auftritt.

Der theologische Beweis wurde von einem bekannten Großmufti aus der hanefitischen Rechtschule erbracht, jener Schule, der die meisten MuslimInnen in Österreich (de facto alle Türken und Bosnier) angehören. Beispiele aus der Sunna und ein wichtiges Zitat aus dem Koran wurden seitens des Großmufti in der Beweisführung vorgebracht. Eine schlüssige und allgemein nachvollziehbare Darlegung aus den Quellen ist bedeutsam, um der Fatwa Gewicht zu verleihen.

Die Fatwa wurde erlassen, nachdem die Rechtsabsolventin Amal Afifi sich für eine entsprechende Stelle bewarb und zuerst nicht aufgenommen wurde. Unterstützung bekam der Mufti von diversen anderen Gelehrten. Kritik kam jedoch von einem Professor der Azhar Universität namens Dr. Abdulfattah Idris, der aber nur unter Bezug auf die Tradition argumentierte und die theologische Gegenargumentation schuldig blieb.

Für Österreich ist das Thema nicht von Bedeutung, da der Beruf als solcher nicht ausgeübt wird. Allerdings ist die Signalwirkung einer solchen Fatwa nicht zu unterschätzen. Hier wird doch ein wichtiges Zeichen für Chancengleichheit von Frauen gesetzt.

Nachzulesen ist die Meldung in den oben genannten Homepages der ägyptischen Zeitung "Al Masri Alyaum/ Ägypten heute"). Link zur arabischen Quelle:

http://www.moheet.com/show_news.aspx?nid=84527&pg=1

http://www.moheet.com/show_news.aspx?nid=80879&pg=1

Tarafa Baghajati
Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
http://www.islaminitiative.at
baghajati [at] aon.at

Islam-Diskurs - Menschenrechte nicht verhandelbar

Bei einer Podiumsdiskussion forderte die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft mehr Selbstbestimmung für Frauen.

Menschenrechte sind nicht verhandelbar", sagte der SPÖ-Abgeordnete und Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ), Omar Al-Rawi am Freitag bei einer Podiumsdiskussion in Wien. Diese gelte für alle Kulturkreise und Religionen. Darin waren sich die Teilnehmer des Panels zum Thema "Europa und der Umgang mit der islamischen Kultur" einig.

Mehr Selbstbestimmung für Frauen

Die Sprecherin der Glaubensgemeinschaft, Carla Amina Baghajati, forderte in diesem Zusammenhang mehr Selbstbestimmungsrechte für muslimische Frauen - vornehmlich in Bezug auf das Tragen des Kopftuches.

Kunstinstallation "Turkish Delight"

Der Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Installation "Turkish Delight" des deutschen Künstlers Olaf Metzel. Dieser errichtete in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Wien vor deren Gebäude am Karlsplatz eine nur mit einem Kopftuch bekleidete lebensgroße Frau. Die Skulptur wurde bereits zweimal Opfer von Vandalenakten und schließlich Anfang Dezember entfernt.

Kunsthalle-Chef Matt: Große Resonanz auf Kunstwerk

Der Kurator der Wiener Kunsthalle, Gerald Matt, meinte, dass die negative Resonanz auf dieses Kunstwerk groß war. Er habe viele kritische Mails und Briefe bekommen. Dennoch sei zu bemerken, dass sich kaum Frauen über die Statue beschwert hätten. Dies bestätigte auch Metzel, welcher in Deutschland ähnliche Erfahrungen machte.

 

 

 

Das alte Europa und eine neue Religion

Replik auf „Vormodern trifft auf Postmodern“, Leitartikel, von Michael Fleischhacker, 24. September.

Auf einem Empfang in Dubai beschrieb die Frau eines Diplomaten, die von Tokio berufsbedingt ihren Wohnort wechselte, den Unterschied so: Es hat sich nicht wirklich viel geändert. In beiden Städten ist es heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit. Japanisch und Arabisch ist schwer zu erlernen, Frauen haben nicht viel zu melden.

Nun ist es leider Fakt, dass oft die Gleichstellung der Geschlechter noch einen langen Weg vor sich hat. Selten habe ich jedoch erlebt, dass man beim Treffen mit japanischen Künstlern, Politikern diesen Zustand ansprach. Anders ist die Situation mit dem Islam oder den Muslimen. Kaum ein Artikel oder eine politische Aussage von Journalisten oder Politikern, die nicht damit schließen muss, dass sich die Muslime an den Rechtsstaat, die Demokratie und Menschenrechte zu halten haben. Dass die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu akzeptieren ist und der weiblichen Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und Ehrenmorden abgeschworen werden muss.

Diese Aussagen kommen sowohl von Gegnern als auch von Wohlgesinnten. Ist das nicht selbstverständlich, dass all diese Forderungen einzuhalten sind? Leben wir nicht in einem säkularen Rechtsstaat, wo alle Bürgerinnen und Bürger gleich vor dem Gesetz stehen? Muslime stehen doch nicht über dem Gesetz und auch nicht außerhalb des Gesetzes. Warum muss man diese gebetsmühlenartig vorgetragene Litanei ständig wiederholen? So suggeriert man doch, dass der Islam und die Muslime diese Werte nicht kennen und akzeptieren.

Wenn Michael Fleischhacker fordert, dass der Staat mit Hilfe der Exekutive einschreiten muss, um Rechte für Frauen gegen physische und andere Formen der Unterdrückung zu verhindern, genauso wie es bei einem Österreicher der Fall ist, tappt er da nicht in die Falle, dass Muslime keine Österreicher sind? Sind wir da nicht schon in der Nähe von „Islam ist gleich fremd“? Womöglich „artfremd“? Natürlich ist es auch legitim, erfahren zu wollen, wie die Muslime Österreichs zu all diesen Themen stehen.

Enttäuschend für uns ist, dass unsere Einstellungen trotz viel Arbeit nicht wahrgenommen werden. Ein Blick auf die Homepage der IGGiÖ hätte gezeigt, dass die Muslime durch Organisation von drei Imame-Konferenzen, zwei davon auf europäischer Ebene, klar Stellung bezogen haben. Dabei stand das Bekenntnis zu Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, Menschenrechten und Pluralismus im Zentrum. Wege der Integration wurden skizziert, und eine deutliche Absage an Terror, Gewalt, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit erfolgte unmissverständlich. Auch das Engagement gegen Genitalverstümmelung bei Frauen, Zwangsehe, Ehrenmorde, familiäre Gewalt war groß, und es wurde klar verurteilt und als unislamisch bezeichnet. Wieso all diese Arbeit nicht registriert und die Führung der IGGiÖ in einer Art „defensiven Rolle verharrt“ wahrgenommen wird, ist ein Rätsel.

Muslime müssen offensiv agieren

Ja, wir Muslime sind es der Gesellschaft schuldig, Stellung zu beziehen und offensiv zu agieren. Und die allgemeinen Bürgerrechte wie Religionsfreiheit, Gleichheitsgrundsatz und die Europäische Menschenrechtskonvention müssen für uns gleichermaßen ohne Wenn und Aber gelten. Der Jurist Murad Hofmann ordnet die Kopftuchfrage als ein Politikum ein, weniger als Rechtsfrage. Es ginge darum, ob das alte Europa eine neue Religion und das Anderssein ihrer Anhänger zu tolerieren bereit sei oder den Islam aus dem Bekenntnis zu religiöser Toleranz ausklammern möchte.

Niemand, auch kein Gericht – und schon gar keine Behörde – sollte sich anmaßen, für eine Muslima zu entscheiden, ob sie ihr Kopftuch tragen muss; denn das wäre bereits eine Verletzung des Grundrechtes auf Religionsfreiheit. Die Religion einer Einzelperson wäre ja auch dann zu respektieren, wenn es ihre Privatreligion wäre.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.10.2007)

Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi
Ist Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich
Und Mitbegründer der Initiative muslimische ÖsterreicherInnen

Integration ist wie ein Debreziner

Was die Integration von Muslimen behindert, warum Zwangsehen nicht islamisch sind und weshalb ein Würstel die Kulturen vereint.

In Österreich leben 400.000 Muslime. Die Forderung nach Anpassung und der Vorwurf mangelnder Integrationswilligkeit an Muslime finden regelmäßig Eingang in den Integrationsdiskurs.

Der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft, Omar Al-Rawi, macht dabei ein Grundproblem aus: Sowohl die Gesellschaft als auch die Muslime selbst hätten Integration lange mit Anpassung verwechselt. "Die Leute haben Angst, ihre Sprache, ihre Religion, ihre Gewohnheiten zu verlieren", so Al-Rawi. Die Folge: Die Muslime würden sich abkapseln und einigeln. Die Ghettobildung der Muslime ist also vorprogrammiert? Eher ein Generationsproblem, wie der Integrationsbeauftragte findet.

Vernetzung und Partizipation

Die Moscheen werden als Kulturvereine betrieben, dort treffen sich die Leute, trinken in der Kantine Tee, diskutieren und sehen sich Übertragungen von Fußball-Spielen an. Wichtig sei aber: "Community-Bildung darf nicht mit Parallelgesellschaften verwechselt werden". Erst wenn es keine Vernetzung der Community mehr nach außen gäbe, würden letztere entstehen. Das sei aber nicht der Fall. So würden evangelische Pfarrer, Polizisten und Schulklassen die Moscheen besuchen. Interreligiöse Zusammentreffen fänden regelmäßig statt.

Al-Rawi hat einen Leitsatz geprägt: "Integration durch Partizipation". Was er Muslimen zum Teil vorwirft, ist mangelnde Motivation, an der Gesellschaft aktiv teilzuhaben. Viele würden sich beispielsweise erst mit Politik auseinandersetzen, seit er Gemeinderat sei. "Sie fühlen sich gespiegelt". Grundsätzlich sei die rechtliche Anerkennung der Muslime in Österreich zwar ein Vorbild für andere Staaten, aber: "Rechtliche Anerkennung heißt noch nicht gesellschaftliche Akzeptanz." So ortet Al-Rawi das weitaus größere Problem in der gesellschaftlichen Diskriminierung, die Muslimen den Zugang zu Ressourcen verwehrt. Beispielsweise, wenn Frauen aufgrund ihres Kopftuchs keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben. Die aktive Teilhabe an der Gesellschaft und die Chance zu sozialem und ökonomischem Aufstieg seien Grundpfeiler für Integration.

Emanzipation der Frau

Zum Thema Frauenrechte fordert Al-Rawi die Emanzipation der muslimischen Frau. Wobei wiederum ein politisches Umdenken vonnöten sei: Einerseits müsste der Zugang zu Bildung geschaffen werden, andererseits müssten die Frauen auf dem Arbeitsmarkt ausreichend Chancen haben, um von ihren Ehemännern finanziell unabhängig zu sein. Es gebe aber erfolgreiche Ansätze in Zusammenarbeit mit der Stadt Wien. Sie bietet in Kulturvereinen Deutsch-Kurse für Frauen an, die sehr gut angenommen würden. Die Schwelle sei hier viel niedriger als bei Kursen der Volkshochschulen.

Die "Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen", die Al-Rawi mitbegründete, hat sich in den letzten Monaten mit dem Thema Zwangsehe beschäftigt. Dass die Zwangsehe oft als islamspezifisches Phänomen ausgelegt werde, kritisiert Al-Rawi. Zwangsehen kämen in einigen Religionen und in verschiedenen Kulturen vor. "Unsere Aufgabe ist es, Aufklärung bei den Muslimen über die Vorstellung im Islam zu betreiben." Viele Muslime glaubten, dass die Zwangsehe religiös begründet sei. Der Islam sehe aber die Liebe als Grundlage für eine Eheschließung vor. Eine Zwangsehe sei aus religiöser Perspektive als nichtig zu sehen.

Den Grund für das Verheiraten der hier lebenden Töchter und Söhne mit Personen aus dem Herkunftsland sieht Al-Rawi in der Sehnsucht der Eltern nach ihrer Heimat begründet. Es sei aber ein Irrglaube, dass "die Schwiegertöchter- oder söhne in der selben Kultur aufgewachsen sind, nur weil sie im selben Land geboren sind und dieselbe Sprache sprechen."

Multi-Tasking

Statt krampfhaft an der Kultur des Herkunftlandes festzuhalten, die sich dort möglicherweise schon stark verändert hat, spricht sich Al-Rawi für kulturelles Multi-Tasking aus, nämlich für "die Fähigkeit, Dinge aus unterschiedlichen kulturellen Blickwinkeln anzupacken und dadurch unterschiedliche Lösungsstrategien parat zu haben."

Als Mittel gegen Diskriminierung am Arbeitsmarkt wünscht sich Al-Rawi so etwas wie eine "Migranten-Quote", die Anleihe an der Frauenquote nimmt. Wenn "bewusst eine Frau mit Kopftuch als Apothekerin" eingestellt wird, würden Schranken in den Köpfen der Leute fallen.

Was ist letztlich für Al-Rawi der Inbegriff für gelungene Integration? "Der türkische Fleischhacker. Seine Produkte sind halal – islamkonform geschächtet – aber trotzdem typisch österreichisch: Krakauer, Extrawurst, Debreziner."

Zur Person:

Omar Al-Rawi wurde 1961 in Bagdad geboren und lebt seit 1978 in Österreich.
Seit 1999 ist er Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft. Im selben Jahr gründete er die "Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen" mit.
2001 kandidierte Al-Rawi für den Wiener Gemeinderat, seit 2002 ist er Abgeordneter zum Wiener Landtag und Gemeinderat.
Artikel vom 06.07.2007, 16:29 | KURIER ONLINE | Nicole Thurn

 

Conference of European Imams and Ministers Vienna 2006 (Englisch)

organized by the Islamic Religious Community in Austria in cooperation with the Austrian Federal Ministry for Foreign Affairs, the City of Vienna and the European Islam Conference

Final Declaration of the Conference

Islam in Europe is theologically compatible with the principles of democracy, the rule of law, pluralism and human rights. That was the view expressed by the “Conference of Leaders of Islamic Centres and Imams in Europe” in 2003 in Graz, then European Capital of Culture. Simultaneously every form of fanatism, extremism and fatalism was clearly condemned. This was not only an important signal to Muslims, but should also, through the emphasis on participation, promote the integration and identification processes of Muslims in Europe, who now constitute a community of approximately 50 million people of diverse origin. As evidence of Muslim self-awareness, an important explanatory signal should also be sent to non-Muslims in order to counteract their fear and reservations and to strengthen cooperation in peace, mutual understanding and respect.

In 2006, the conference participants clearly had to recognize that still greater efforts from all sides are required in order to achieve the acceptance of the Muslims by the majority society. In various European countries social and economic tensions are simultaneously related to an often aggressive and emotionally charged “foreigner debate”. Muslims are used as a group in order to create a picture of “foreigners”, which in times of insecurity strengthens discrimination.  It appears that a “We” feeling should be stimulated, which societies suffering under a loss of social cohesion have increasingly lost.

Simultaneously Muslims are exposed to strong pressure to justify themselves because, according to the principle “bad news is good news” in the public understanding, crisis reporting moves into the foreground pictures of aggression and violence, often from sites outside of Europe. In the discussion, criticisms repeatedly come up which, with the help of single misunderstandings, try to show “Islam” as incompatible with “Western” values. Here it will not be enough for Muslim scholars to say they are not responsible by explaining that such negative appearances, which are in contradiction to Islamic teachings, have their roots in outdated traditions. In fact, in the theological arguments lie great and proven opportunities to bring about sustainable changes in the consciousnesses. These should also be recognised and respected as part of the answer and be supported in public discourse.

Modernity moves the personal responsibility of every individual mature citizen more strongly than ever into the centre. We stand before great challenges as far as the preservation of peace and security, the question of social justice and the preservation of the environment are concerned. Religions make a significant contribution with their appeal for responsible behaviour, which should be carried by the wish for the others’ well-being. They can bring a positive balance to lifestyles focussed on consumption and individual pleasure.

Islam carries the starting point for a solution, in which variety willed by god should not be questioned but be seen as bringing about more knowledge. One of the maxims of action is “do good”. The right for interaction free from discrimination, independent of origin, religion, societal standing or age, shows how close peace and justice lie together:

Those who believe and do not mix up their faith with iniquity, those are they who shall have the security and they are those who go aright” (Sure 6, Verse 82).

During the Conference, each working group focused on specific issues, bringing about the following considerations:

Integration sociology

  1. The religious claim to show personal readiness and to take responsibility for the general welfare forms the basis of an integrative access which puts each life in the radius of action. So it is natural that Muslims seek to overcome the guest worker image.  They regard themselves not as “foreign bodies”, but as a living part of Europe. Large, historically grown, Muslim populations are a fact. Islam is also a real component of the European identity through the accomplishments of its grand scientific and cultural heritage.
  2. The concepts of integration and assimilation should not be mixed as is often the case.  The interaction with the majority society should not have as a pre-requisite the unconditional abandonment of religion, culture and linguistic variety. The assumption of the inferiority of the “other”, which implies a demand for assimilation, leads to isolation and ghettoisation.
  3. Integration is not a one-way street, but a two-sided process. As an active and visible part Muslims try to participate in all areas in a complementary and enriching way: economically, culturally, scientifically, politically, socially. For this, the command of the local language as an instrument for communication is a prerequisite. From the majority society we expect a commitment to diversity, a position against racist and discriminatory tendencies. Incentives and options for improved participation lie in easier naturalisation procedures added to successful integration, family reunification, access to the employment market, diversity management, positive discrimination and quotas, the official recognition of foreign educational qualifications, democratic participation (e.g. municipal voting right).
  4. More care should be taken in the definition and the use of the term “parallel society”. Legitimate fostering of culture and religion within a given space should not be immediately interpreted as conscious self-encapsulation. Interconnection, networking and dialogue with the outside show that it is not about sealing off but about building a “community”, whose goals, for instance social, should be for the good of society. In a time of growing pluralism it would be an advantage if a general attitude, which considers it as a fact that the population encompasses different tendencies and interest groups overlapping and interacting, prevailed.
  5. Efforts from the Muslim side to strive for the institutionalisation of their own facilities should also be considered under this aspect. Kindergartens, schools or even the activities of the Mosque should not be interpreted as an “anti-integration model”. In fact, first records show that clever and well developed educational concepts, which also consider cooperation and networking with other institutions, can strengthen the empowerment of the young generation as well as function as bridge builders.
  6. Mosques are an essential part in the Muslim communal life. Their independence, on the spiritual-moral as well as financial level, is a key for the authentic development of the identity of an “Islam in Europe”. Imams and other active members of the Muslim community, both men and women, are important multipliers and serve as role models. The participation of women is to be promoted. In order to make use of the potential of the community in the working world, not only linguistic competence (i.e. the acquisition of the local language) but also knowledge of the societal structures and developments are a requirement. In fact, in Islam, the societal framework has imperatively to be considered when responding to religious questions on the basis of the sources. In the education and training of the Imams in Europe still lies a great potential of development. They should emerge from their roll as persons of respect and become persons of trust for which they need to increase their social competence. The community needs its own educational institutions, but also specific training programmes which are oriented on the local needs. The Mosque’s traditional roll as social nodal point should also become part of public awareness through the organisation of activities which show an open attitude towards the outside. In this respect, the example from Bradford, England, where the local Mosque-communities and Imams are involved in training projects, seems very promising.
  7. The freedom of press and expression is an essential right and a common property. It does not stand in contradiction with religious freedom because both are tightly connected. Freedom of expression should be practiced with responsibility and consideration of mutual respect. In Europe – with some differences from country to country – a certain societal consensus has developed in areas which need to be handled with special sensitivity. Laws also include – again in different forms – protection clauses. But we see that in dealing with Islam, such a consensus still needs to be built. As we think that dialogue is the best solution in the case of conflict, it is also the best way to reach better mutual understanding.

Education

  1. To Islam education is virtually a life attitude, lifelong learning being a requirement. The accessibility to education is to be guaranteed independently of the social strata. Many problems could be constructively tackled with educational measures when these involve the strengthening of the personality, the ability to self-reflection and self-criticism.
  2. However, the expansion of horizons will also ask for a specific promotion within the majority societies. The social permeability of the education system is problematic in many European countries, and it particularly affects children and youth with immigration backgrounds. The problem of “Ghetto schools” or the high number of immigrant children in special schools should be understood on the basis of social background and not be seen as a phenomenon based on culture or religion.
  3. Equal opportunity must be actively supported. This means, for instance, investing in early development of language skills, in educational monitoring and guidance, as well as mutual intercultural competence. Mosques and Muslim unions could be actively involved. Simultaneously there is a need for reduction of racism and Islamophobia. School education shapes for life, and this is why stereotypes on Islam which are propagated on that level are especially difficult to overcome, as a schoolbook study by Prof. Susanne Heine in Germany and Austria has proven. Today one tries harder to deal with Islam in schoolbooks in a more sensitive and enlightened manner. This tendency is still to be strengthened and supported.
  4. The positive roll of kindergarten in the development of a child is indisputable. The advantages for the linguistic and social development are so great that here lies the seed for later positive development. The suggestion that Muslim parents send their children to kindergarten can only be accepted if the attractiveness to do so is raised, for instance by responding in a better way to their specific needs within a policy of interculturality and observance of religious practice (e.g. halal food). Muslim kindergartens, tailored to Muslim needs, can often reach those children whose parents otherwise would have refrained from letting them attend. For better integration in compulsory school, they should receive more support.
  5. Religious instruction on Islam within the compulsory classes in public schools should finally be recognized as an effective instrument of integration. A treatment of Islam visibly equal to that of other religious communities has a positive effect on the feeling of belonging. The dialogue of the religions, which is of indisputable importance, will only reach the basis if also its members have religious roots and values. Moreover, religious instruction actively contributes to the forming of an identity by showing the differences between religious teaching and traditions determined by culture, and strengthening the consciousness of being part of the European community. Reality-based teaching in the respective host country language should expose extremist opinions as such and prevent a self-ethnisation through language or ghettoisation deriving from the country of origin. This quality of teaching should also positively affect the development of the Koranic schools within the communities, with an additional offer especially in the field of Koranic recitations and the fostering of the mother tongue. In doing so, special attention should be placed on the development of didactically suitable teaching materials. Song texts and books shall be in line with the officially approved curriculum and its objectives. The teaching plan and text books are being constantly reformed and adapted to the new realities.
  6. Adult education is more than simply language classes. Here specific programmes should foster meaningful recreational activities.

Politics

  1. A source of great misunderstandings lies in the allegation that Muslims have a split relationship towards the state as they have not implemented the idea of the division of power and tasks between the political and spiritual leadership. Here it would be very helpful to have a historically more accurate knowledge which also takes into account the development of the Islamic countries, something which is almost completely neglected in the school curriculum. This knowledge could positively broaden perceptions which Muslims often sense as arrogant and egocentric, and question the comparability of historical developments which now, under the heading of “poor enlightenment”, has become commonplace in the European discourse. The open-mindedness towards sciences was a fundamental factor in the development of Islamic societies, and Europe also benefited from this as an impulse for the age of enlightenment. De facto the political leadership was autonomous during most of Islamic history and was not one with the religious dignitaries.
  2. Conversely, a better historical understanding of the European history could explain to Muslims certain orientations and deepen mutual understanding.
  3. Also the term “Sharia” is constantly being interpreted (for instance as a “penal code”) and used in a completely wrong way, and this leads to great fear and defensiveness. Here also, we appeal for the necessary objectivity and a correct definition, which would be particularly suitable for the weakening of prejudices and would put emphasis on a dynamic interpretation of the sources. The repeated demands for the “abolishment of the Sharia” show how counterproductive bad knowledge can be. They are completely absurd because the Sharia regulates the practice of faith on the basis of the sources, e.g. questions relating to ablution before prayer, the amount of the obligatory social security or religious contributions to the needy, etc. Such unqualified comments can only hurt the necessary trust building process, because they are understood by Muslims as calls for the abolishment of Islam.
  4. Official Muslim declarations have repeatedly emphasised the compatibility of a democratic system with Islam. The identification with the State is by definition particularly high, when it is accompanied by the greatest possible congruence with the personal moral concepts. Consequently, the model of the status of recognition for Islam, as it exists in Austria, is actually especially suitable, because it brings with it, beyond the emotional level of belonging, an institutionalised dialogue. Thus, Muslims become interlocutors and not a discussion topic, and factual issues in the country can be clarified without having to fall back on foreign expert opinions, which is a problem in itself, as they are neither completely appropriate of the concrete situation nor have they grown from the local Muslim community, which would then see itself not as independent as it requests, but decided for “from the outside”.
  5. The participation of people with Muslim background in democratic decision making processes should be increased. The Imams recommend that not only should Muslims make use of passive individual election rights, but also actively support opportunities to participate, e.g. in parent associations at school, at employee representative bodies or inside the party scene.
  6. Politics is required to take seriously its part in the two-sided process of integration. Hand in hand with political integration policies should such measures be reached which seek to reduce xenophobia in all its forms, amongst them Islamophobia. It is with apprehension that tendencies to introduce discriminatory views against Muslims into politics are detected. Here there should be no special legislation, because Muslims cannot be faced with a kind of general suspicion. The reversal of the burden of proof is a violation of the rule of law.
  7. Racism is unjust and every authority based on it is illegitimate. Anti-Semitism and Islamophobia need to be eradicated.  Also Muslims are not immune from racism. The Conference of Imams speaks out against every form of racism and of ethnic discrimination inside the Muslim communities of Europe.

Economy

  1. Wealth should not be acquired in Islam at the costs of others, but be combined with responsibility – at the social level in the form of social justice and ecologically towards sustainable management, which handles the resources with care and seeks to nurse and protect Creation.
  2. From the Islamic economic point of view, the safeguarding of a humane life in the present and in the future is connected to a series of ethic rules. These include a ban on interest, a ban on monopoly, the proscription of speculation and the obligation to a responsible handling of consumption and raw materials.
  3. Islamic economic rules assume that money should remain in the economic stream. Parallel to that there is the third pillar of Islam, which commands that, as a social-religious contribution, 2.5% of the regular wealth have to be given to the needy in order to achieve “cleansing”. It is all about redistribution in the sense of securing the basic needs of every individual member of the community.
  4. Interest deals implicate that money fails to circulate due to the banks’ mechanism of capital stockpiling associated with them. The reduction of investment volume can cause unemployment and societal tension as well as distort competition. National debt is a huge problem not only in the Third World. Ruin and impoverishment affect whole population groups.
  5. Muslims should further develop and support alternatives to interest deals. Inquiries have brought forth, that Western banks should offer Islamic business branches and thereby employ Muslim experts.
  6. As consumers, Muslims in Europe are becoming an ever stronger factor. The market reacts increasingly to their presence, e.g. in the food sector, where halal certifications meet the purchasers’ requirements. The Islamic seal of quality ensuring purity should be used in standardised form throughout Europe and be awarded according to uniform criteria in order to guarantee security for Muslim consumers.

Women

  1. Men and women are equal partners in Islam; they carry mutual responsibility and are equal in human dignity. The right to study and teach, the right to work, financial independence, the right to vote, the eligibility for political office and the participation in the social discourse are pillars which are to guarantee this status. Women should have equal opportunities and should be able to decide maturely and freely about their orientation. These basic statements from the previous conferences should be further elaborated as women’s concerns are of interest to the society as a whole.
  2. Therefore, every kind of violation of women’s rights should be criticised and fought. Forced marriage, female genital mutilation, honour killings and domestic violence have no grounding in Islam.
  3. From an outside perspective, the attitude towards the religion as such is often guided by the image one has of the woman in Islam. Through this, the majority society often justifies a position of superiority. Lack of knowledge makes an objective discussion difficult. If female Muslims are predominantly perceived as “victims”, this forces them into a cliché role. Paradoxically, it proves to be very difficult to distance oneself from this role as long as the majority society holds on to the image of the “religiously detained” passive Muslim woman and retains barriers when a Muslim woman, who visibly and actively practices her faith, tries to break the cliché.
  4. Here we should seek solidarity in our ways of thinking and behaving. Misogynous structures have various shapes. Religious and cultural thinking converge in working against domestic violence and structural disadvantages facing women. Reflecting on traditional roles and stereotypes can help overcome these and can support integration and co-operation.
  5. A stronger differentiation between religion and tradition, which often disadvantages women and runs against Islam, is indispensable. Otherwise, there is danger that religion as a whole is held responsible for deplorable acts; furthermore, one then overlooks which theological argumentation is indicated as being informative and capable of overcoming such traditions. At the same time, a narrowing to one unique religious perspective is unacceptable as the reality of life for Muslim women in Europe is shaped by a variety of factors, which have to be analysed as such.
  6. The sense of honour should be analysed by Imams and made understandable through religion as opposed to traditional and culturally influenced views.
  7. The strengthened participation of Muslim women requires a thorough political framework, which stands up against discrimination and tendencies of exclusion. Measures to support girls and women, which accept a basic religious attitude, would be one such step. State funded advisory and aid institutions sensitive towards culture and religion, run by and for Muslim women, are particularly appealing and give impulse towards self-empowerment. Women should be free of dependency. Unhindered access to labour market has top priority. Independence is strongly connected to financial freedom and therefore to employment. Here, politics can take balancing and just measures so that fathers and husbands do not have to be considered mainly as breadwinners.
  8. Headscarf bans are counterproductive because they exclude women from essential areas of life. In contradiction to the right to free practice of religion, headscarf bans exclude women dressed according to the Islamic tradition and lead in many cases to their withdrawal from society, a result the bans are in theory supposed to discourage. In addition, bans emotionally heat up the discussion and strengthen existing clichés by drawing their justification precisely from the argumentation which headscarf wearers try to overcome by visibly taking part in society: i.e. that the headscarf is a symbol of suppression and constraint, a political sign of extremist attitude and not in conformity with the European image of gender relations. Patronizing Muslim women by interpreting and condemning their religious practice from an outside point of view, denies them their maturity and can intensify polarisation tendencies. The right of women to self-determination should not be questioned – within as well as from the outside.
  9. Even within the Muslim community there is stronger need for action. The shaping of opinions against every form of religious abuse should be supported. Simultaneously the conference admits that new Islamic theological answers should be found in the field of marriage and family in response to the challenges of modern age. These answers could lie in the re-discovery and new definition of elements like the Islamic marriage contract. This contract offers the bridle couple the possibility to reconsider jointly the future and to lay down agreements.

Youth

  1. As bearers of the future, young people notably embody the vision of Muslim Europeans – European Muslims who, due to their naturally perceived sense of belonging, can be bridge builders in both directions and the connecting link between cultures.
  2. In this respect, Muslim youth should be conscious of their special responsibility. For this purpose, there must be an appropriate climate, which values their specific competences, which recognizes as personal values and encourages multilingualism, quick adaptability in an intercultural environment and open mindedness. The duty to communicate such appreciation for these values and from there to develop programmes which promote specifically these talents, lies in the hands as much of the Muslim families and communities as of the majority society. The potential of the Muslim youth should be recognized. Their self-confidence needs to be strengthened.
  3. Prejudice and latent xenophobia can lead to separation and isolation which in turn can nourish a hostile attitude towards “the others”. Thus polarisations could be forged which can be socio-politically explosive. In order to prevent these, there is a need for the measures mentioned in the area of “education”. Muslim youth should have access to the same opportunities as the youth of the majority society (i.e. European exchange programmes at school, vocational training and university level, independent from their nationality). Young people need a perspective. They should have the same opportunities to gain a foothold in working life or to find a flat.
  4. Furthermore, self-organisation of Muslim youth and their networking with other youth organisations should be supported. Muslim youth organisations show characteristics which are not to be found in those of the first generation: the national language as the language of communication, no membership restrictions on the basis of the country of origin, the offer of a range of activities specific to the reality of life in the country. Here meaningful leisure activities, the feeling of belonging and a sense of responsibility for a functioning community provide stability. Thereby youth delinquency, drug consumption and the spread of extremism can be effectively combated in an indirect way.
  5. The role of the media in the formation of opinion has to be addressed especially amongst youth. Science should concentrate more strongly on specific phenomena which concern Muslim youth and help to rationalise the discussion with serious results.

Ecology

  1. In his/her role as advocate of Creation, the human being carries high responsibility for its protection and preservation. Natural resources should therefore only be used with care and from the point of view of sustainability.
  2. The Koran warns the human being of arrogance in exercising his/her governorship: “Surely We offered the trust to the heavens and the earth and the mountains, but they refused to be unfaithful to it and feared from it, and man has turned unfaithful to it; surely he is unjust, ignorant” (33:72). The natural balance of nature should be protected and preserved. Just as water, air, earth, the living and inanimate nature, the animal and plant kingdom relate to each other, the Koran describes a cycle of life in which interventions could have a negative impact on the whole system. Respect for the wonder of God’s Creation is a command and should lead to respectful interaction with it. The Koran says about the animal kingdom: “And there is no animal that walks upon the earth nor a bird that flies with its two wings but (they are) genera like yourselves” (6:38).
  3. The balance between using nature and protecting it often results in its disadvantage. Environmental destruction as consequence of human greed for maximum exploitation is mentioned in Verse 30:41: “Corruption has appeared in the land and the sea on account of what the hands of men have wrought, that He may make them taste a part of that which they have done, so that they may return”. In their personal behaviour, Muslims are requested to prove to be appreciative of the problems and to actively contribute to the protection of the environment.
  4. There are numerous statements concerning water. It is recommended to handle water thriftily. It is frowned upon to let water run unnecessarily during ablution before prayer. There are rules concerning water protection. Water is perceived as such a precious good that access to it is defined as a basic human right. Drinking water should therefore be accessible to all and not become private property. In the field of religious donations, which believers dispose of by will, the building of a well is recommended in order to do a good deed for posterity.
  5. The commandment of „being moderate“ materializes in the food issue. The “middle path” recommended by Islam is the one to be taken, e.g. the “middle path” between pleasure and health-consciousness, between consumption and consciousness for broader economic issues which are not allowed to be damaging to the environment – neither to the fellow man nor to nature. This attitude directly applies to the modern demand for mature consumers, who, in conscious purchase decisions, act according to ethical standards (“fair trade”).
  6. Muslims should deal stronger with the issue of “environmental protection” and actively establish networks with environmental experts and relevant departments within the city administration for setting up specific projects.
  7. Islamic traditions should be revived, such as the foundation for the feeding and housing of homeless animals or the tradition of planting trees as a sustainable good deed.
  8. Islamic sites of prayer should reflect the ecological consciousness of Muslims and should be built with ecologically-friendly materials to advertise this attitude.
  9. There is a need for explicitly mentioning that Muslims watch with anxiety the negative effects wars and the use of chemical weapons have on the whole nature, and demand full documentation. The warmongers are to be required to compensate also for these destructions and their effects on human beings.

Vienna, April 8, 2006

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