Broder in Wien

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Eine FPÖ Aussendung (siehe unten) greift mich im Zusammenhang mit meinem Diskussionsbeitrag bei einem Auftritt des Autors Henryk M. Broder in einer Wiener Bücherei unqualifiziert persönlich an, wozu ich wie folgt Stellung nehme. Mit Herrn Broder ist eine inhaltliche Auseinandersetzung wichtig. Diese ist leider in fast allen medialen Beiträgen zu seinem Besuch in Wien ausgeblieben.

Um keine Missverständnisse im Raum zu lassen, lege ich zunächst meinen Originaltext an die Bücherei Wien zur Information offen:


Unten übermitteln wir Ihnen unsere Stellungnahme zur einseitigen Einladungspolitik der WeltStadt Wien zu Ihrer Information. Natürlich steht Ihnen gerade als Bücherei zu einzuladen wen immer Sie möchten und wir möchten uns hier in keinster Weise einmischen. Gleichzeitig wäre wichtig bei solcher Veranstaltung eine einseitige und noch dazu hetzerische Darbietung zu vermeiden. Wir hoffen, dass die Bücherei Wien durch geeignete Moderation und harte Infragestellung der islamfeindlichen Thesen von Herrn Broder entgegen wirkt.

Tarafa Baghajati, Wien, 23.02.2007

Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen ,
http://www.islaminitiative.at
baghajati [at] aon.at und
Vizepräsident von ENAR - European Network against Racism
 www.enar-eu.org/en/


Dankenswerter Weise wurde mir von der Abteilungsleitung der Städtischen Bücherei das Angebot gemacht, mit Herrn Broder nach seiner Lesung zu diskutieren. Dies habe ich selbstverständlich gerne angenommen. Dass die FPÖ es als „Skandal“ bezeichnet, wenn hier den Betroffenen die Möglichkeit gegeben wurde, ihre Stellungnahme zu den Thesen von Herrn Broder abzugeben, ist der wahre Skandal.

Denn wir halten es für selbstverständlich, dass bei Themen, die Minderheiten betreffen, auch die Betroffenen als Teil der Gesellschaft in geeigneter Form zu Wort kommen. Dafür möchten wir uns bei der Wiener Bücherei ausdrücklich bedanken. Nun ganz stichwortartig die Hauptpunkte aus meinem „Kurzreferat“:

  • Begrüßung und Dank an die Leiterin der Bücherei, dass sie die Situation der Asylwerber in Österreich und Europa (Thema der letzten Lesung) in ihrem ­Eingangsstatement solidarisch erwähnt hat, auch Dank an Herrn Broder für das Thematisieren der Situation der afghanischen Asylwerber in Deutschland und volle Übereinstimmung mit seinen Worten diesbezüglich.
  • Kurzvorstellung: Lebe in Wien inzwischen länger als in meiner Geburtsstadt Damaskus und daher ein Wiener mit Migrationshintergrund (Anmerkung: Herr Broder hat den Begriff Migrationshintergrund bei seiner Lesung einige Male ins Lächerliche gezogen).
  • Humor, Überspitzung Polemik und Ironie können zweifelsohne ein Mittel und Ausdruck gesellschaftspolitischer Kritik sein. Satire kann aufklärerisch aber auch hetzerisch wirken. Manche Passagen von Herrn Broder habe ich lustig und aufklärerisch gefunden, was die pauschalierende Haltung zu Islam und Muslimen betrifft, waren die meisten Aussagen hetzerisch.
  • Die Existenz der Islamfeindlichkeit bzw. Islamophobie zu leugnen ist auch von einem Polemiker nicht akzeptabel. Die offene und klare Haltung der IKG - Israelitische Kultusgemeinde, samt unmissverständlichen Worte des Herrn Präsidenten Muzikant während dem hetzerischen Wahlkampf der FPÖ wurde von mir erwähnt und nochmals ausdrücklich begrüßt.
  • Die These von Herrn Broder „alle Terroristen sind Muslime, somit muss es mit der Religion irgendwie zu tun haben“ ist nicht nur völlig falsch, sondern auch gefährlich. Mit der gleichen Argumentation könnte eine Verbindung zwischen Irakkrieg und Christentum oder eine Verbindung zwischen dem Verhalten des israelischen Militärs in den besetzten Gebieten mit Judentum hergestellt werden, somit wäre ein Weg in Richtung „Religionskrieg“ geöffnet. Dagegen treten wir mit aller Vehemenz auf.
  • Die Konstruktion von Stereotypen wird von Herrn Broder durchgehend gefördert, auch gesellschaftspolitisch problematisch und schädigend. - In Österreich haben die österreichischen Muslime einen Weg der Partizipation beschritten. Alle, teilweise berechtigten Kritikpunkte von Herrn Broder wurden auch im offiziellen Rahmen wie zuletzt bei der Europäischen Imame-Konferenz im April 2006 behandelt und thematisiert. Einen Ausdruck der Schlusserklärung habe ich Herrn Broder übergeben.

Nach der Diskussion habe ich Herrn Broder ein Dossier überreicht mit den rassistischen, menschenverachtenden und islamfeindlichen Schriften, die wir nach der Veröffentlichung unserer kritischen Stellungnahme betreffend einseitiger Einladungspolitik der Organisation WeltStadt Wien und unseres Appells an ihren Präsidenten, Dr. Johannes Hahn, Bundesminister für Wissenschaft und Forschung, „der Sensibilität der Thematik Rechnung zu tragen und offensichtlicher Verhetzung entgegenzuwirken.“ erhalten haben. Dabei machte ich den Hinweis, dass die Absender sich mit den Thesen von Herrn Broder offensichtlich identifizieren, ja auch als „seine Verteidiger“ auftreten. Das Gespräch mit Herrn Broder war wie erwartet hart und kritisch, jedoch äußerst nett und angenehm. Er hat sich bei mir für das Kommen und für das Kurzreferat bedankt und den Wunsch geäußert, mal „auf einen Cafe“ gemeinsam zu gehen um weiterzudiskutieren. Sehr gerne würde ich das Gespräch jeder Zeit fortsetzen.

Dass die FPÖ sich jetzt als „Hüterin“ Herrn Broders aufstellt, passt offenbar in ihr Weltbild. Muslime als Prügelknaben zu missbrauchen ist bei ihnen schließlich nichts Neues. Dass Muslime „daham“ sind und so natürlich mitreden, wenn gegen sie polemisiert wird, können sie sich wohl schwer gewöhnen. Abschließend ein besonderer Dank an die Städtische Bücherei.

Bei allfälligen Fragen stehe ich gerne zur Verfügung

Tarafa Baghajati

Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen ,
http://www.islaminitiative.at
baghajati [at] aon.at und
Vizepräsident von ENAR - European Network against Racism
 www.enar-eu.org/en/

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Aussendung der FPÖ zur Information:

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Jenewein: Skandalöse Interventionen durch Mitarbeiter der MA 13 bei Lesung von Buchautor Henryk Broder! Mit der Androhung von Disziplinarmaßnahmen sollte die Leiterin der städtischen Bücherei in der Hütteldorfer Straße "gefügig" gemacht werden

Wien, 22-02-2007 (fpd) - Als Sittenbild roter Allmachtsphantasien und Skandal bezeichnete heute der Landesparteisekretär der Wiener FPÖ, Hans-Jörg Jenewein, die Vorgänge rund um eine Lesung des bekannten Buchautors Henryk Broder in einer Städtischen Bücherei am 22.Februar. Broders Buch "Hurra, wir kapitulieren!" war offenbar für manche Vertreter der Einbürgerungspartei SPÖ derart provokativ, dass man mit massiven Druck aus der MA 13 erzwingen wollte, die Lesung Broders zu einer Podiumsdiskussion umzuwandeln. Bereits Stunden vor der Veranstaltung forderte der allseits bekannte Islam-Aktivist Tarafa Baghajati gemeinsam mit Broder am Podium zu sitzen, was dieser jedoch ablehnte.

Die Vorgehensweise der MA 13 in diesem Bereich zeige einmal mehr, dass innerhalb der Wiener SPÖ offenbar bewusst daran gearbeitet werde, jene Stimmen unserer Gesellschaft mundtot zu machen, die nicht in den allgemeinen Gesang der "Multi-Kulti-Träumer" einstimmen möchten. Dass jedoch nicht einmal vor Interventionen und angedrohten Disziplinarmaßnahmen Halt gemacht werde, offenbare das wahre Ausmaß dieser gefährlichen Entwicklung.

Vizebürgermeisterin Grete Laska ist dringend aufgerufen ihre Mitarbeiter innerhalb der MA 13 zur Ordnung zu rufen und sich in aller Form für diesen Nötigungsversuch bei der Leiterin der Bücherei zu entschuldigen. So ein Vorgehen ist einer westlichen Weltstadt unwürdig und auch Herrn Baghajati sei eindringlich auf dem Weg mitgegeben, dass es in unserer Gesellschaft eine Frage von Anstand und Benehmen sei, auf Co-Referate - so wie er es im Anschluß an die Lesung getan hat - zu verzichten, und die primitivsten Regeln einer entsprechenden Diskussion einzuhalten, so Jenewein abschließend. (Schluß)

Rückfragehinweis:   

Klub der Freiheitlichen
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OTS0109    2007-02-22/11:38

Datum: 
Freitag, 23 Februar, 2007
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