Plattform Christen und Muslime

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Plattform „Christen und Muslime“ gegen Verunglimpfung von Tarafa Baghajati in der Kronenzeitung

In der KRONEN-ZEITUNG vom 18. Oktober werden schwere Vorwürfe gegen den Co-Vorsitzenden der Plattform „Christen und Muslime“, Obmann der „Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen“ und Kulturreferent der Religionsgemeinde Wien der IGGiÖ erhoben.

So wird er u. a. als „Muslimbruder“, Freund von „einem Befürworter von Selbstmordattentaten“, als „mitverantwortlich für gefährliche Zustände in islamischen Schulen und Kindergärten“ sowie als „Verschleierer und Verteidiger einer faschistisch-salafistischen Ideologie“ be-zeichnet. Diese Behauptungen entbehren jeder Grundlage.

Von Qualitätsjournalismus erwarten wir, dass im Falle jemandem „ein Naheverhältnis zu Fanatikern nachgesagt“ wird, eine solche „Nachsage“ sowie die jeweiligen „Nachsager“ vor einer Veröffentlichung dahingehend überprüft werden, ob deren Aussagen den Tatsachen entsprechen. Qualitätsjournalismus bedeutet auch, andere Meinungen einzuholen und die Person, der etwas nachgesagt wird, zu Wort kommen zu lassen.

Die Plattform „Christen und Muslime“ ist schockiert von solchen Anschuldigungen, die einem Rufmord gleichkommen, an einem Vertreter des Islams in Österreich, der sich um die Menschen- und Frauenrechte sowie um den interreligiösen, speziell muslimisch-christlichen Dialog über viele Jahre verdient gemacht hat. Die Plattform, der MuslimInnen sowie ChristInnen angehören, drückt ihre Solidarität mit Tarafa Baghajati aus und dankt der Wiener Landesregierung, dass sie ihm für seine langjährigen Verdienste das Goldene Ehrenzeichen verleihen will.

Univ. Prof. Dr. Susanne Heine

Co-Vorsitzende im Namen des Vorstands der Plattform „Christen und Muslime"

Plattform "Christen und Muslime" zu Gast im Stift Altenburg

Die im Jahr 2006 von Dr. Paul Schulmeister und Dr. Peter Pawlowsky initiierte Plattform Christen und Muslime besuchte auf Initiative von Botschafter a. D. Dr. Walter Greinert mit rund 20 Teilnehmern am 9. Mai das Benediktinerkloster Stift Altenburg.

Christlich-Muslimischer Dialog ist den Benediktinern von Altenburg eingrundsätzliches Anliegen. Der im Jahr 2006 eröffnete „Garten der Religionen“ zeugt davon ebenso wie die Vienna International Christian-Islamic Summer University, die im Jahr 2008 zum ersten Mal in Altenburg stattfand.

Neben den beiden Initiatoren der Plattform, Dr. Paul Schulmeister und Dr. Peter Pawlowsky, konnte Abt Christian Haidinger OSB als Hausherr des Klosters vor allem Carla Amina Baghajati, die Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich und Mitgründerin der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, sowie deren Ehemann Dipl. Ing Tarafa Baghajati, Mitgründer der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Member of ENAR's Advisory Council of Eminent Experts, ENAR - European Network against Racism, herzlich willkommen heißen. Besondere Gäste waren auch Prof. Mag. Dr. Ingeborg Gabriel, Vorständin des Instituts für Sozialethik der Katholischen Fakultät der Universität Wien mit dem international anerkannten Fachmann für Interreligiösen Dialog, Prof. DDDr. Leonard Swidler von der Temple University of Philadelphia USA.

Nach einem Rundgang durch die in Europa einzigartigen Ausgrabungen des Alten Klosters in Verbindung mit herausragender zeitgenössischer Architektur und die einmalige barocke Bibliothek nahmen die Gäste am Mittagsgebet der Mönchsgemeinschaft in der Stiftskirche teil.

Beim gemeinsamen Mittagstisch, zu dem Abt Christian die Gäste in guter benediktinischer Tradition einlud, entwickelten sich erste „interreligiöse“ Gespräche und Begegnungen auch mit den Gastgebern.

Am Nachmittag übernahm P. Michael Hüttl OSB vom Stift Altenburg die Herausforderung, den Muslimischen Gästen nicht nur die Konzilserklärung „Nostra Aetate“, die sich mit der Haltung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen beschäftigt, zu erläutern, sondern auch den im „Garten der Religionen“ dargestellten Islamischen Glaubenszugang aus christlicher Sicht.

Beim gemeinsamen Abschluss im „Salettl“ rezitierten Tarafa Baghajati und Carla Amina Baghajati aus dem Koran und Peter Pawlowsky las aus den Apophthegmata Patrum. 

In Ihren Dankesworten hob Frau Carla Amina Baghajati vor allem die Bedeutung der christlichen Werte für die geschichtliche Entwicklung Österreichs heraus, die auch von den Muslimen anerkannt und geschätzt wird. Diese geschichtliche Bedeutung sei in den Räumen und Ausgrabungen des Klosters Altenburg ebenso eindrucksvoll erlebbar, wie das Bemühen, einander wertschätzend wahr und ernst zu nehmen im „Garten der Religionen“.

Khol und Baghajati diskutierten über "Demokratie und Integration"

"Jour fixe" der Plattform "Christen und Muslime" im Wiener Otto-Mauer-Zentrum - Khol kritisierte mangelndes Wissen über den Islam und forderte mehr gesellschaftlichen Respekt für alle Religionen: "Wenn die Halbmonde fallen, dann fallen irgendwann auch die Kreuze"

Wien, 12.3.09 (KAP) "Demokratie und Integration" war am Mittwochabend im Wiener Otto-Mauer-Zentrum das Zentralthema beim "Jour fixe" der Plattform "Christen und Muslime". Der frühere Nationalratspräsdident Andreas Khol und Tarafa Baghajati von der "Initiative muslimischer Österreicher" kreuzten zum Thema die Klingen. Khol kritisierte das mangelnde Wissen über die Muslime und richtete seine Kritik ganz generell an die Österreicher wie auch an die Medien im Speziellen. Die Muslime seien eine große Religionsgemeinschaft in Wien und Österreich und würden trotzdem "links oder rechts liegen gelassen", so Khol. Auch der Vielfalt der Muslime werde man nicht gerecht

Khol wies auch auf die vieldiskutierte Studie "Islamischer Religionsunterricht zwischen Integration und Parallelgesellschaft" des Soziologen Mouhanad Khorchide hin, wodurch die islamischen Religionslehrer pauschal unter Verdacht geraten waren, den Rechtsstaat abzulehnen. Hier seien die Muslime insgesamt völlig unberechtigt und unnötig an den Pranger gestellt worden, hielt Khol fest. Er plädierte zugleich dafür, die muslimische Minderheit noch viel stärker in die demokratischen Gremien zu integrieren.

Eine Schlüsselrolle im Bereich der Integration sahen sowohl Khol als auch Baghajati in der Schule. Khol ortete hier allerdings gravierende Mängel: Die Chance der Religionsgemeinschaften, einander auf dieser "kulturellen und sozialen Lern-Plattform" gegenseitig kennen zu lernen und somit eine "Partizipation zu ermöglichen", werde nicht wahrgenommen. Baghajati trat für ein drei Säulen-System ein: "Kompetenz" in der Pädagogik, der Theologie und der Sprachkenntnisse.

Khol erinnerte daran, dass die vom Konkordat festgelegten grundsätzlichen Rechte in der Zusammenarbeit zwischen katholischer Kirche und Staat gemäß dem Gleichheitsgrundsatz für alle Religionsgemeinschaften gelten. Sie hätten demnach einen eigenen autonomen Wirkungsbereich und das Recht auf freie Gestaltung ihrer inneren Verhältnisse und auf das Glaubenszeugnis in der Öffentlichkeit. Gerade was den Islam betrifft, werde dem in Österreich nicht ausreichend Rechnung getragen. Die Muslime würden oftmals nicht als gleichwertige Partner angesehen. Der frühere Nationalratspräsident mahnte in diesem Zusammenhag ganz generell mehr Respekt gegenüber Religionen ein: "Wenn die Halbmonde fallen, dann fallen irgendwann auch die Kreuze".

Alle müssen Demokratie anerkennen

Der frühere Nationalratspräsident forderte ausdrücklich einen "Grundwertesockel", der für jede Religion Geltung haben müsse. Dazu zählte er u.a. die Anerkennung der Demokratie, die Gleichberechtigung aller Glaubensgemeinschaften und die Akzeptanz des staatlichen Rechtes im Bildungssystem. Baghajati sprach übereinstimmend von Gleichberechtigung, Chancengleichheit, Meinungsfreiheit sowie Religionsfreiheit. Die Muslime würden nicht alle westlichen Lebensformen akzeptieren wollen, positiv zu bewerten sei aber auf jeden Fall, dass in westlichen Demokratien die Korruption bekämpft und Chancengleichheit geboten werde. Es sei jedenfalls "keine Schande für die islamische Gesellschaft, diesen Mechanismus zu übernehmen".

In Bezug auf islamisch dominierte Länder vermeinte Baghajati, Fortschritte bei der staatlichen Gewaltenteilung und freien demokratischen Wahlen feststellen zu können. Das betreffe auch die Akzeptanz des politisch-gesellschaftlichen Pluralismus. Zugleich kritisierte er ausdrücklich die "religiöse" Rechtfertigung und Begründung von Politik.

O-Töne von der Veranstaltung sind in Kürze auf "www.katholisch.at/o-toene" abrufbar. (ende)

"Kipferlsturm" am Peilstein

Aktion von Christen, Muslimen; BZÖ gegen Alpenverein

Neuhaus - Rund 50 Christen und Muslime marschierten am Samstag auf den 718 Meter hohen Peilstein, um oben Kipferln zu verteilen und damit an eine Polit-Groteske zu erinnern. Mit dabei bei der Aktion der "Plattform Christen und Muslime": Anas Schakfeh, Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, seine Sprecherin Amina Baghajati, die Vorsitzende der "Muslimischen Frauen in Österreich", Daniela Abu-Subhieh, der Wiener SP-Gemeinderat Omar Al-Rawi sowie Ex-ORF-Korrespondent Paul Schulmeister und Heinz Nussbaumer, Ex-Pressesprecher des verstorbenen Bundespräsidenten Thomas Klestil

Der Alpenverein (ÖAV), hatte BZÖ-Obmann Westenthaler im Wahlkampf 2006 vermeldet, unterstütze eine Forderung radikaler Muslime, wonach auf Bergen Gipfelkreuze durch Halbmonde ersetzt werden. Westenthalers "Beweis": Ein Brief, in dem ÖAV-Vizepräsident Andreas Ermacora dieses Ansinnen guthieß.

Bloß: Der Brief war die Fälschung eines Scherzboldes. Aber Westenthaler rückte auch nicht davon ab, nachdem Muslime wie Alpenverein erklärt hatten, dass seine Angst unbegründet sei.

Sicherheitshalber erklärte Anas Schakfeh am Peilstein-Gipfel aber nochmals: Niemand stelle die Insignien alpenländischer Gipfelidentität infrage. Ein wenig abseits schmunzelte ein Mann in sich hinein: Der Journalist Gert Millmann, Ex-Sprecher des neuen SPÖ-Chefs Werner Faymann, hatte jenen Brief geschrieben. "Die Posse", sagte Millmann, gehe weiter: "Westenthaler will seine Prozesskosten bei mir einklagen, weil er sich von mir getäuscht fühlt."

Gleich am Sonntag fand "die Posse" ihre Fortsetzung: BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz kritisierte den Alpenverein für dessen "Verharmlosung des expansiven Islam". Die Ausschreitungen nach dem EURO-Viertelfinalspiel Kroatien - Türkei "sollten für die blindesten und dümmsten Gutmenschen ein Signal sein", sagte Grosz.

Multireligiöser Gipfelsturm erfolgreich

Die "Plattform Christen und Muslime" lud zu einer gemeinsamen Wanderung im Andenken an die Halbmond-Affäre vor zwei Jahren.

Dutzende Frauen und Männer fanden sich am Samstagvormittag in der Teichanlage Neuhaus ein, um den Peilstein gemeinsam zu bezwingen. In einer groß angelegten Wanderung sollte an die Aussagen von BZÖ-Politiker Peter Westenthaler erinnert werden, der im vergangenen Wahlkampf einen gefälschten Brief in einer TV-Sendung vorlas.

Darin soll der SPÖ-Landtagsagbeordnete Omar al-Rawi vom Österreichischen Alpenverein die Bestätigung erhalten haben, dass in Zukunft Gipfelkreuze mit hölzernen Halbmonden ausgetauscht werden.

Persönlichkeiten wie Heinz Nußbaumer, Peter Pawlowsky, Paul Schulmeister und Susanne Heine wanderten gemeinsam mit muslimischen Vertretern wie Omar al-Rawi, Anas Schakfeh und Carla Amina Baghajati und zahlreichen begeisterten Sympathisant/innen.

Kipferl als Antwort

Während dem Aufstieg lasen die Veranstalter/innen immer wieder kurze spirituelle Texte vor, ehe am Gipfel die Festreden folgten. Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, Anas Schakfeh, betonte dabei das gute Zusammenleben und verwies auf die Vorbildrolle Österreichs in der Welt.

Als Antwort auf Peter Westenthaler, der bis heute vom Inhalt des Briefes überzeugt ist, wurden von allen Teilnehmer/innen kleine Halbmond-Kipferl verspeist. Auf einer Berghütte wurde schließlich mit musikalischer Untermalung von Bard.Allah und bekannten Hüttenspezialitäten der erfolgreiche Aufstieg ausgiebig gefeiert.

Moscheedebatte in Österreich: Bericht über die Veranstaltung vom 12.06.2008

Bad Vöslau: Moscheedebatte beruhigt sich

Moschee soll nach Mediationsverfahren Ende des Jahres fertiggestellt werden

Wien, 13.6.08 (KAP) Das Mediationsverfahren für einen Moscheebau in Bad Vöslau kann "Vorbildcharakter für ganz Österreich" haben. Das wurde bei Diskussionsveranstaltung der Plattform "Christen und Muslime" am Donnerstagabend in Wien festgestellt. Für die zum Teil hitzig geführte "Moscheebaudebatte" in Bad Vöslau hatte man sich schließlich auf ein Mediationsverfahren geeinigt. Dieses habe mit einem für alle Beteiligten "tragbaren Kompromissvorschlag" geendet, hieß es bei einem "Jour Fixe" zum Thema "Moscheen und Gebetsräume in Österreich" in der Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA) in Wien

Im Juni des Vorjahres war das Projekt eines türkischen Kulturzentrums mit Gebetsraum und Schulungsräumen in Bad Vöslau der Öffentlichkeit präsentiert worden. Die Kosten wurden damals mit rund einer Million Euro beziffert; Baubeginn war im Frühjahr 2008, die Fertigstellung ist für Herbst dieses Jahres geplant.

Christoph Prinz, Bürgermeister von Bad Vöslau, berichtete bei der jetzigen Veranstaltung aus erster Hand vor Mitgliedern der Islamischen Glaubensgemeinschaft sowie Mitgliedern der Plattform "Christen und Muslime" über die rund zwei Jahre andauernde Debatte in Bad Vöslau. Die Verhandlungen mit dem Betreiber des Bauvorhabens, dem Verein ATIB (Union der türkisch-islamischen Kulturvereine), seien von gegenseitiger Rücksichtnahme und beidseitiger Kompromissbereitschaft geprägt gewesen, so Prinz. So habe ATIB bereits nach kurzer Zeit von dem ursprünglichen Plan wieder Abstand genommen, eine Moschee mit zwei Minaretten von bis zu 30 Meter Höhe bauen zu wollen.

In einem moderierten Mediationsverfahren habe man mehrere Entwürfe durchgesprochen und sich schließlich auf einen Entwurf geeinigt, der einen modernen Bau vorsieht, der von seiner Höhe her den Nachbargebäuden angeglichen ist. Die Minarette werden nach derzeitigem Planungsstand aus Glas gefertigt und überragen den Hauptbau mit rund 14 Meter Höhe nur um wenige Meter.

Wie Prinz weiter berichtete, sei die Debatte von Medien aufgeheizt worden; Folgen waren eine "künstliche Skandalisierung" und eine Unterschriftenaktion gegen den Moscheebau, die schließlich von mehr als 1.300 Menschen unterschrieben wurde. "Für einen Bürgermeister, der den sozialen Frieden ineiner kleinen Gemeinde bewahren muss, ist das eine schwierige Ausgangssituation für Verhandlungen", so Prinz. Das anschließende Mediationsverfahren, an dem alle politischen Parteien sowie eine freie Bürgerliste beteiligt waren, konzentrierte sich laut Prinz schließlich auf die Frage der Optik des Moscheebaus sowie auf die Frage der Integration in Bad Vöslau. "Für uns war das mit einem 'Aha'-Erlebnis verbunden, da wir festgestellt haben, dass wir das Thema Integration in Bad Vöslau ganz neu anpacken müssen", betonte der Bürgermeister. Mittlerweile gebe es bereits erste Projekte zur Verbesserung der Integration wie etwa Sprachkurse.

Die unmittelbare "Moscheedebatte" habe sich in Bad Vöslau mittlerweile beruhigt, so Prinz. "Die Bevölkerung und die Beteiligten können mit dem jetzigen Plan leben", selbst die anfänglich auf verschiedenen Internetplattformen weiter geführte Debatte sei weitgehend verstummt.

"Geht um Präsenz des Islam in Österreich"

In der Debatte waren sich die Beteiligten einig, dass die Frage der Höhe der Minarette sowie die Höhe der Moscheekuppel letztlich nur ein Symptom einer tieferen Fragestellung nach der Präsenz des Islam in Österreich sei. So meinte Mouddar Khouja von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), dass ein Minarett zwar nicht zwingend zu einer Moschee gehöre, da der Bau eines Minaretts geschichtlich mit der Frage der akustischen Vernehmbarkeit des Muezzins zusammenhing, dennoch habe das Minarett heute gerade in Europa einen für Muslime hohen symbolischen Wert. "Ein Minarett demonstriert, dass wir in dieser Gesellschaft angekommen sind", so Khouja, es gehe dabei jedoch "eindeutig nicht um eine Machtdemonstration".

Zustimmung kam auch vom Integrationsbeauftragten der IGGiÖ, Omar Al-Rawi. Minarette drückten die "Sehnsucht der Muslime aus, sichtbar im jeweiligen Land zu sein". Es sei daher "frustrierend", so Al-Rawi, wenn die Eindeutigkeit der Moschee zugunsten des Begriffs des "Kulturzentrums" in den Hintergrund gedrängt werde.

Für ein offeneres Auftreten der Muslime in Österreich sprach sich auch Tarafa Baghajati von der IGGiÖ aus. "Warum müssen wir immer von einem Kulturzentrum sprechen, warum sagen wir nicht eindeutig, was wir wollen: Wir wollen eine Moschee", so Baghajati. Das Mediationsverfahren von Bad Vöslau habe deutlich gezeigt, dass durch einen intensiven Dialog mit allen Beteiligten und durch Einbindung der Bevölkerung Vorurteile abbaubar sind und gemeinsam eine Lösung gefunden werden kann. Zugleich bedürfe es jedoch auch einer "Entnationalisierung der Moscheen", so Baghajati. Gegenseitige Vorurteile und Verdachtsmomente würden oftmals durch die Verkettung von Religion und Nationalität entstehen, daher liege es an den Muslimen in Österreich, sich "eindeutiger als österreichische Muslime zu deklarieren" und auch den Moscheen den durch Herkunft geprägten "nationalen" Charakter zu nehmen.

"Kulturelles Tiefengedächtnis ernst nehmen"

Der Publizist und Präsident des Katholischen Akademikerverbandes Österreichs, Paul Schulmeister, betonte ebenfalls die Möglichkeit, die Struktur des koordinierten und moderierten Mediationsverfahrens "auf möglichst vielen Ebenen" österreichweit einzurichten, um zu einem breiteren gegenseitigen Verständnis beizutragen. Mit Sorge beobachte er eine derzeitige "Verhärtung der Fronten in Österreich", der nur durch "Klarheit der Positionen und beidseitige Empathie" begegnet werden könne. Vorbehalte gegenüber dem Islam sollten offen geäußert und angesprochen werden; die Muslime seien wiederum aufgefordert, diese Vorbehalte, die zum Teil aus dem "österreichischen kulturellen Tiefengedächtnis" stammen und mit Begriffen wie der "Türkenbelagerung" verknüpft sind, ernsthaft aufzugreifen.

Dem katholischen Publizisten Heinz Nußbaumer zufolge stellt die soziale Frage noch immer eines der zentralen Probleme im Blick auf die Akzeptanz des Islam in Österreich dar. In der öffentlichen Wahrnehmung existiere der Islam in den "sozialen Extremformen der Armut oder in Form superreicher Scheichs". Sozial sei der Islam noch nicht in der Mittelschicht und damit auch noch nicht ganz in Europa angekommen, so Nußbaumer. Dieser soziale Aspekt produziere wiederum starke Vorurteile und sei durch Diskussionen allein nicht auszuräumen (weitere Informationen im Internet: www.christenundmuslime.at).

O-Töne der Diskussion sind in Kürze unter www.katholisch.at/o-toene abrufbar. (ende)

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Freiheit im Islam: Einladung: Wichtige Veranstaltung am 01. Dezember 2006

Freiheit im Islam: Einladung: Wichtige Veranstaltung am 01. Dezember 2006

Plattform "Christen und Muslime" in der Schura-Moschee

Muslime luden Initiatoren der „Plattform Christen und Muslime“ zum Freitaggebet in ihre Moschee

Nußbaumer: Christen und Muslime haben als Geschwister eine unzerstörbare Nähe – Pawlowsky: Sorge vor kommendem Wahlkampf – Schulmeister: Brandstifter dürfen keine Chance erhalten!

Mehr als 500 Muslime waren zum traditionellen Freitagsgebet in der Wiener Shura-Moschee (2,. Bezirk an der Lasallestraße) versammelt, als Scheich Adnan Ibrahim die drei christlichen Gäste vorstellte: Prof. Heinz Nußbaumer, Dr. Peter Pawlowsky und Dr. Paul Schulmeister – die Initiatoren der „Plattform Christen und Muslime“. 

Begrüßung durch Scheich Adnan Ibrahim

Er stellte die drei Gäste als „Weise“ in Österreich vor und dankte ihnen für ihr Engagement. Dabei unterstrich er, dass die Initiative zur Gründung der Plattform von christlicher Seite ausgegangen war, ohne dass man dabei auf einen persönlichen Vorteil bedacht gewesen wäre oder dies in irgendeiner Weise „nötig gehabt hätte“. Im Vordergrund ständen das gute Zusammenleben und der gegenseitige Respekt zwischen Menschen unterschiedlicher Religion. Insbesondere nach der von vielen als Rückschlag empfundenen Stimmung nach dem so genannten Karikaturenstreit sei dies zu fördern.

Scheich Adnan betonte auch, dass Christen den Muslimen besonders nahe stünden. Im Koran werde dies in Beziehung zur Bescheidenheit gesetzt, die als charakteristisch für die Christen gelten könne.

Persönliche Vorstellung der Plattform und der drei Gäste von Tarafa Baghajati

Tarafa Baghajati von der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen rief kurz Eckpunkte aus der Biographie der Gäste ins Gedächtnis, um ihre herausragende Rolle auch für den gesellschaftspolitischen und religiösen Diskurs zu würdigen. Er bemerkte, dass das Zustandekommen der Plattform auch das Ergebnis des langjährigen intensiven interreligiösen Dialogs sei. Sich zu kennen und so ein Verhältnis des Vertrauens aufzubauen, mache ein gemeinsames Eintreten erst möglich.

Zusammenfassende Übersetzung der Rede Scheich Adnans durch Omar Al Rawi

Der Integrationsbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft schloss mit der Bemerkung, dass es an sich absolut unüblich sei in einer Moschee oder einem muslimischen Gebetsraum zu klatschen – dies aber heute gebrochen wurde, weil die Anwesenden einfach zeigen wollte, wie sehr sie die Worte der Gäste und das Anliegen der Plattform schätzten.


Hier der veröffentlichte Beitrag in der KAP www.kathpress.at mit einigen weiteren Detailinformationen:

"Christen und Muslime haben einen gemeinsamen Vater"

Muslime luden Initiatoren der "Plattform Christen und Muslime" zum Freitagsgebet in Leopoldstädter Moschee – Nußbaumer: Ob Religionen trennen oder zusammenführen, obliegt der Verantwortung jedes einzelnen - Pawlowsky äußert Sorge vor kommendem Wahlkampf - Schulmeister: Brandstiftern keine Chance geben

http://www.kathpress.at/content/site/home/database/6017.html?SWS=3e63fdf5d58

Wien, 18.6.06 (KAP) "Christen und Muslime haben einen gemeinsamen Vater": Das betonte der katholische Publizist Prof. Heinz Nußbaumer vor rund 500 Muslimen in der Shura-Moschee in Wien-Leopoldstadt, wo er und zwei weitere Initiatoren der "Plattform Christen und Muslime" - Peter Pawlowsky und Paul Schulmeister – Gäste beim Freitagsgebet waren. Wer Gott in die Mitte seines Lebens stelle, könne seinen Glauben gar nicht als trennend und spaltend empfinden, betonte Nußbaumer. Unter Christen und Muslime gebe es wie unter Geschwistern zwar Differenzen und auch Streit, "aber immer auch eine unzerstörbare Nähe", so Nußbaumer.

Leider wüssten Christen und Muslime zu wenig vom Glauben des jeweils anderen. Eine Mehrheit habe die Pflicht, sich um die Gedankenwelt der Minderheiten zu kümmern. Aber auch der Rückzug einer Minderheit in die Isolation wäre kein Beitrag zum Miteinander. Kardinal Franz König habe immer gesagt, dass man nur von festen Fundamenten aus Brücken zueinander bauen kann, betonte der Publizist: "Wir würden also nichts dadurch gewinnen, sollten wir in der Treue zu unserer eigenen Religion schwankend werden".

Immer wieder würden gläubige Menschen gefragt, "ob die Religion die tiefere Ursache für so viel Argwohn und Gegnerschaft in der Welt ist oder ob sie die Rettung aus all dem sein könnte, was uns trennt". Nußbaumer wörtlich: "Ich meine, es gibt darauf nur eine ehrliche Antwort: Beides ist möglich. Wir selbst sind es, die darüber entscheiden. Gott hat uns Menschen in die Freiheit entlassen. Aber auch in die Verantwortung. Wir gestalten heute, was morgen Geschichte sein wird".

Er selbst habe von Muslimen viel gelernt, so Nußbaumer weiter. Auf seinen vielen Reisen durch die islamische Welt habe er eine "ganz andere islamische Wirklichkeit" erlebt als jene, die ihm in den westlichen Medien gegenüber trete. Nußbaumer schloss seine Ausführungen mit einem Gebet aus dem ersten gemeinsamen Gebetbuch von Juden, Christen und Muslime in Deutschland.

"Gastgeber" Scheich Adnan Ibrahim stellte die drei christlichen Gäste in der Shura-Moschee als "Weise" in Österreich vor und dankte ihnen für ihr Engagement. Dabei würdigte er, dass die Initiative zur Gründung der "Plattform" von christlicher Seite ausgegangen war. Im Vordergrund stünden das gute Zusammenleben und der gegenseitige Respekt zwischen Menschen unterschiedlicher Religion.

Der frühere Leiter der ORF-TV-Abteilung Religion, Peter Pawlowsky, erinnerte daran, dass mit dem Engagement für ein friedliches Zusammenleben von Christen und Muslimen auch "eine österreichische Tradition verteidigt" werde: "Muslime haben bei uns seit einem Jahrhundert Heimatrecht". Um die politische Anerkennung der Religionsgemeinschaften beneide das Ausland Österreich. Gerade in den letzten Monaten hätten sich jedoch "gegenseitige Vorwürfe, Unterstellungen und Verunglimpfungen" gehäuft. "Und es ist zu befürchten, dass sich das im Wahlkampf noch steigert und zuspitzt", sagte der Publizist. Wählerstimmen durch das Schüren von Angst und Vorurteilen zu fangen, sei "zwar leider eine verbreitete Strategie, hat aber mit einer seriösen Vorstellung von Demokratie nichts zu tun".

In seinem Schlusswort erinnerte Paul Schulmeister von Präsidium der Katholischen Aktion an den Anlass zur Gründung der "Plattform Christen und Muslime", den in Dänemark entstandenen "Karikaturenstreit". In Österreich sollten "Brandstifter" keine Chance erhalten. Christen und Muslime in Österreich müssten sich als Bürger einer gemeinsamen Heimat verstehen. Als Demokraten müssten sie auf der Basis gemeinsamer Grundwerte der Verfassung solidarisch handeln, um Ausländerfeindlichkeit gerade in Wahlkampfzeiten abzuwehren, betonte Schulmeister.

(Informationen: Internet: www.christenundmuslime.at).

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