Baghajati Tarafa

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Tarafa Baghajati

Interview mit Tarafa Baghajati: halal & haram im Islam

Tarafa Baghajati

Das Biber:

INFOKASTEN – was ist halal und was ist haram?

Beantwortet von Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

1. Ist Sex vor der Ehe im Islam erlaubt?

Tarafa Baghajati: Sex ist islamisch gesehen eine wunderbare Sache, zu der aber eine harmonische partnerschaftliche Verantwortung gehört und das ist die Ehe, wobei der Begriff Ehe im islamischen Konzept nicht 1:1 aus der christlichen Tradition zu übernehmen wäre.

2.  Viele muslimische Jugendliche interpretieren die Religion für sich neu, zB sagen sie, dass Sex in einer langjährigen Beziehung okay ist, da das eine Vorstufe der Ehe ist. Ist das erlaubt oder verwerflich? 

Die islamische Ehe hat einige Grundpfeiler:  a) Das gegenseitige Gelöbnis zweier erwachsener Personen, die sich in Liebe und Treue partnerschaftlich verbinden b) Das Bekenntnis vor Zeugen zu dieser Partnerschaft vor einer Vertrauensperson (in der Regel ein Imam) c) Die Bekanntmachung dieses Ereignisses d) Die Verpflichtung gemeinsam Verantwortung zu tragen, falls Kinder aus dieser Beziehung erwachsen. Natürlich ist es besser, diese Vereinbarungen zeremoniell in einem Ehevertrag schriftlich festzuhalten und auch die Familien beizuziehen, vor allem zum Schutz der Frauen vor Missbrauch und deren sozialer Absicherung. In diesem Sinne leben Personen, die die oben angeführten Bedingungen erfüllen, bereits islamisch-theologisch gesehen vor Gott und der Gesellschaft nicht in Sünde.

3. Gibt es irgendwelche „Richtlinien“ an denen sich dies Betroffenen hierbei orientieren können, wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie richtig handeln?

Das ist je nach kulturellem Hintergrund und Tradition verschieden. Bei manchen islamischen Gesellschaften ist es üblich, die in der vorigen Antwort angeführten Bedingungen privat noch vor einer staatlichen Registrierung durchzuführen. Die zwei Partner sind in einer Phase der "Vorstufe zur Ehe".  Außer dem sexuellen Akt an sich sind Küssen und Umarmungen möglich, auch gemeinsam Ausgehen bis hin zu einem gemeinsamen Urlaub. Wenn alles gut läuft, dann feiert man die offizielle Hochzeit und nimmt die staatliche Registrierung vor. Erst danach leben beide richtig zusammen und teilen Tisch und Bett. Bei manchen Muslimen ist diese "Vorstufe" aber verpönt. Dort wird darauf bestanden, gleich eine juristisch und staatlich besiegelte Ehe einzugehen. In Österreich findet man beides. Es gibt auch manche erwachsenen älteren und finanziell unabhängige Leute, die sich islamisch trauen lassen und auf das Standesamt verzichten. Diese wären theologisch Eheleute, aber juristisch vor dem Staat Lebensgefährten. Für mich ist das wichtigste jeglichen Missbrauch im Vorhinein auszuschließen.

3. Ist Alkohol trinken erlaubt?

Nein. Was in größeren Mengen betrunken macht, ist auch in kleineren Mengen zu vermeiden.

4. Ist Marihuana erlaubt?

Haram - "Verboten" hat mehrere Stufen. Haschisch (Marihuana) muss unbedingt vermieden werden, fällt aber nicht in die gleiche Kategorie wie Alkohol und harte Drogen. Faustregel: Generell ist von allen Mitteln, die zu einer Beeinträchtigung des geistigen Vermögens führen und die gesundheitsschädigend sind (also auch Ectasy-Tabletten und ähnliches) aus
islamischer Sicht Abstand zu halten.

5. Ist Glücksspiel erlaubt?

Dort wo Geld im Spiel ist, nein. Das ist absolut haram. An sich wird Geld-und Zeitverschwendung islamisch gesehen als Fehlverhalten eingestuft. Außerdem kann Glücksspiel auch süchtig machen.

7. Was passiert, dem Glauben nach, wenn sie diese Sünden begehen? Im Christentum gibt es ja die Beichte, wie sieht das im Islam aus?

Im Islam ist die Beichte ausschließlich zwischen dem/der Einzelnen und Gott.
Eine ehrliche Reue bringt eine Vergebung der Sünden, wenn damit die Absicht verbunden ist diese Verfehlung nicht wieder zu begehen. Aber Achtung: Sünden gegenüber Menschen sind erst mit den Menschen auszumachen. Bei Verleumdungen, Beleidigungen, Betrug etc. muss erst die Wiedergutmachung und die Verzeihung der Beschädigten kommen. Erst danach kann ein Muslim auch von Allah Vergebung erwarten.

Tarafa Baghajati: „Der IGGÖ-Präsident muss unabhängig sein“

Tarafa Baghajati

Die Vertretung der österreichischen Muslime steht vor einem umfassenden Reformprozess.

In der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) stehen die Zeichen auf Neuanfang. Nachdem der Schurarat Neuwahlen beschloss und nach 2,5 Jahren Amtszeit das vorzeitige Ende der Ära von Präsident Ibrahim Olgun einläutete, soll nun ein Reformprozess stattfinden. Im Gespräch mit dem KURIER erklärt Tarafa Baghajati, Imam und Obmann der Initiative Muslimischer Österreicher (IMÖ), vor welchen Herausforderungen der künftige Präsident steht.

Wer auch immer am 8. Dezember zu Olguns Nachfolger gewählt wird, müsse die Bedeutung der Glaubensgemeinschaft erhöhen – bzw. wieder herstellen. „Die IGGÖ muss wieder ein Faktor im Diskurs um Islam und Muslime werden“, meint Baghajati. „Zurzeit sind wir nur mehr Zuschauer.“ So sei die offizielle Vertretung der Muslime in Österreich etwa vor der 15a-Vereinbarung zum Kopftuchverbot im Kindergarten von der Bundesregierung nicht einmal zu Gesprächen eingeladen worden. Olgun sei in der aktuellen politischen Situation „zum Teil überfordert“ gewesen.

Wer immer ihm nachfolgt, habe drei Voraussetzungen zu erfüllen, sagt Baghajati: „Es muss indiskutable Bedingung sein, dass der Präsident und alle Funktionäre an Schlüsselstellen nicht nur kompetent, sondern auch unabhängig sind. Und dass sie strikt die Politik des Verbandes, aus dem sie kommen, von jener der IGGÖ trennen.“ Unabhängigkeit bedeute, dass Entscheidungsträger „ausschließlich im Dienst der österreichischen Muslime stehen und keinen Einfluss aus dem Ausland zulassen“. Die ethnische Zugehörigkeit sei den allgemeinen Bedürfnissen unterzuordnen.

Emanzipation

Dieses Amtsverständnis war bisher nicht klar festgelegt, im Zuge des Reformprozesses gebe es aber Bestrebungen in diese Richtung. „In unserem eigenen Interesse“, wie Baghajati betont. Um für alle Muslime gleichermaßen glaubwürdig zu sein, empfiehlt er dem künftigen Präsidenten, aus dessen Verband austreten.

Es ist durchaus möglich, dass das die der Milli-Görüs-Bewegung nahestehende Islamische Föderation betreffen wird. Denn obwohl bis dato niemand für Olguns Nachfolge kandidiert hat, werden dem Vorsitzenden des Schurarats, Ümit Vural, gute Chancen nachgesagt. Er selbst will das nicht kommentieren.

Vurals Zugehörigkeit zur Islamischen Föderation könnte zwar eine Steilvorlage für externe Kritiker sein. Dass die IGGÖ Schaden nehmen könnte, glaubt Baghajati aber nicht. Mit seiner Emanzipation vom Heimat-Verein würde der künftige Präsident beweisen, dass er kein Befehlsempfänger sei.

Davon abgesehen stellt der IGGÖ-Experte aber klar: „Wir wählen unsere Vertreter nicht auf Bestellung der österreichischen Politik oder der Medien. Das ist unsere interne Angelegenheit.“ Vural, der Reformbereitschaft mitbringe und sich punkto Krisenmanagement ausgezeichnet habe, habe seine volle Unterstützung. Andere ernst zu nehmende Namen hätten sich nicht herauskristallisiert.

Teamarbeit

Geht es nach den Reformwilligen in der IGGÖ könnte sich auch die Arbeitsweise des Präsidenten ändern. „Die Zeiten, in denen einer als alleiniger ‚Führer‘ handelt, müssen vorbei sein“, meint Baghajati. Der nächste Präsident sei gut beraten, sich ein unabhängiges Team der besten Köpfe zusammenzustellen, dass die Themenbereiche Bildung, Integration, Frauen, humanitäre Einsätze und Medien abdeckt.

Und noch mehr sei nicht in Stein gemeißelt, erklärt der IMÖ-Obmann. Etwa könne die IGGÖ „nicht ewig einen Mufti (einen islamischen Rechtsgelehrten; Anm.) beschäftigen, der nicht Deutsch kann“.

Baghajati plädiert weiters für ein freiwilliges Bekenntnis dazu, dass keine Ethnie mehr als 50 Prozent in einem IGGÖ-Gremium hat (Zurzeit sind zirka 60 Prozent des Schurarats türkischstämmig.) und für eine Mindestfrauenquote von 20 und später 30 Prozent. Zudem sollten Muslime, die keinem Verband angehören, die Möglichkeit zur Mitarbeit in der IGGÖ bekommen.

(kurier.at) | Stand: ‎15‎.‎11‎.‎2018, 6:00 | Autor: Bernhard Ichner

https://kurier.at/chronik/wien/neuwahlen-der-iggoe-praesident-muss-unabhaengig-sein/400324362

Wahlumfrage Nationalratswahlen 2017: Einladung zur Pressekonferenz der IMÖ

Pressekonferenz der IMÖ

den 2. Oktober, 10:00 Uhr im Presseklub Concordia,

Bankgasse 8, 1010 Wien

Muslime fordern von Parteien klare Statements zum Thema Islam

Präsentation und Analyse der Antworten auf den Fragenkatalog der IMÖ

 

Am Podium:

Dipl. Ing. Tarafa Baghajati,

Obmann der IMÖ, Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, 2008 Trägerin des Demokratiepreises der Margarete Lupac Stiftung des österreichischen Parlaments

Univ. Prof. Richard Potz,

Rechtswissenschaftler mit Schwerpunkt auf Rechtsphilosophie, Religions- und Kulturrecht, Experte zum Islamgesetz

Dr. Astrid Mattes,

Plattform „Religion and Transformation in Contemporary Society”, Trägerin des Dissertationspreises für Migrationsforschung 2016 der Österreichischen Akademie der Wissenschaften - ÖAW

Zehn Fragen rund um das Thema Islam und Muslime in Österreich versandte die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen an die Spitzenkandidatin und -kandidaten der Parteien im Parlament. In dieser Pressekonferenz werden die Antworten präsentiert und durch Univ. Prof. Richard Potz und Dr. Mattes analysiert. Auf die Fragen der  Journalisten gehen wir gerne ein.

Von den rund 700.000 Musliminnen und Muslimen in Österreich sind sehr viele österreichische Staatsbürger /innen. Sie bilden damit eine bedeutende Wählergruppe und verfolgen den Wahlkampf mit großem Interesse. Denn ähnlich wie bei der Wahl zum Bundespräsidenten 2016 geht es um eine Richtungsentscheidung, von der sich Musliminnen und Muslime besonders betroffen fühlen.

Im Wahlkampf ist das Thema Islam sehr präsent. Viele Musliminnen und Muslime haben aber bisher den Eindruck, dass in den Debatten über die Terrorgefahr, Islamismus und Flüchtlinge komplexe Thematiken zu wenig differenziert behandelt werden. Pauschalierende  Zuschreibungen über „den Islam“ und „die Muslime“ sind die Folge.  Populistisch zu Feindbildern überzeichnet verstärken sie Ängste und Ressentiments und gefährden den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Die Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen hat in diesem Kontext zentrale Fragen gesammelt, um sie den Spitzenkandidatinnen und – kandidaten der verschiedenen Parteien vorzulegen und die Antworten zu veröffentlichen. Auf diese Weise wollen wir einen Beitrag zu einer fundierten Wahlentscheidung und zu einer Verbesserung der politischen Auseinandersetzung leisten.

Rückfragehinweis:

Tarafa Baghajati,
Obmann der IMÖ, Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Was es mit islamischen Begräbnissen auf sich hat

Was es mit islamischen Begräbnissen auf sich hat

Nach den Attentaten in Deutschland und Frankreich wurden unter Muslimen Stimmen laut, den Mördern ein islamisches Begräbnis zu verweigern. Diese Entscheidung erntete auch Kritik.

Der Osnabrücker Religionssoziologe und Islamexperte Rauf Ceylan wendet sich in der jüngsten ZEIT-Beilage „Christ & Welt“ gegen das Vorhaben von Moscheegemeinden, den Attentätern von Würzburg und Ansbach in Deutschland sowie im französischen Rouen eine islamische Bestattung zu verweigern. Mohamed Abu El Qomsan, Bayern-Beauftragter des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) hatte sich dafür ausgesprochen, dass Attentätern sowohl ein Begräbnis auf einem islamischen Friedhof als auch eine islamische Zeremonie verweigert werden sollte. Laut Ceylan entspricht das auch der Mehrheitsmeinung unter Muslimen.

„Schwerste Sanktion des Islams“

Allerdings trifft diese „schwerste Sanktion des Islams“ laut Ceylan vor allem die Hinterbliebenen. „Familien sollten nicht mitbestraft werden. Sie sind schon bestraft genug“, sagt er. Die Moscheen hätten nur diese Möglichkeit, um die geforderte Distanzierung vom Terror zum Ausdruck zu bringen. Islamische Theologen und Seelsorger sollten aber ihre Position überdenken, so der Wissenschaftler, der als Sohn kurdischer Migranten in Duisburg geboren wurde.

Grabstein am islamischen Friedhof im Zentralfriedhof

APA/Herbert Pfarrhofer

Grabstein auf dem islamischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs

Wendet sich jemand vom Islam ab, ist die nichtislamische Bestattung logische Folge. Islamistische Attentäter hingegen würden sich dezidiert als Muslime verstehen. Ihre Schuld vergrößere sich zwar dadurch, dass sie sich für ihre Verbrechen auf Gott berufen, aber „auch schlechte Muslime bleiben Muslime“, so Ceylan.

Imam: Nicht in IS-Duktus fallen

Tarafa Baghajati, Imam und Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen gibt im Gespräch mit religion.ORF.at Ceylan insofern Recht, als auch er sagt, dass niemand jemand anderem absprechen könne, Muslim zu sein. Zudem müsse die islamische Community darauf achten, nicht in den Duktus der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu geraten, die stets in „gläubig“ und „ungläubig“ unterteile. Der IS rechtfertigt seine Taten scheinbar theologisch durch den Kampf gegen Ungläubige.

Die Position des ZMD sei aber vollkommen richtig, so Baghajati. Denn als offizielle Vertretung der Muslime könne man islamistische Attentäter nicht durch ein muslimisches Begräbnis würdigen. Er wendet sich aber gegen ein generelles Verbot und würde es der Familie überlassen, eine islamische Zeremonie abzuhalten. Denn dazu braucht es im Islam keinen Geistlichen, auch nahe Verwandte können die Gebete leiten.

Tarafa Baghajati

ORF/Marcus Marschalek: Tarafa Baghajati

Eine neue Dimension nach dem Tod

Grundsätzlich beginne mit dem Eintritt des Todes eine neue Dimension, in der die Beziehung zu den Menschen abbreche und nur die zu Gott übrigbleibe. „War jemand ein guter Mensch, ist er vor Gott gut, wenn er schlecht war, schlecht. Punkt“, sagt Baghajati. Wie jemand zu Tode kommt oder begraben wird, sei letztlich irrelevant, so Baghajati. Für die Gemeinschaft allerdings sei es von großer Bedeutung, wie und ob jemand begraben werde. Denn wie die Seele die Zeit zwischen dem Tod und dem Tag des jüngsten Gerichts verbringe, wisse niemand, daher werde für sie gebetet, so der Imam.

Im Islam wird die ordnungsgemäße Beerdigung Verstorbener als wichtig erachtet, da die Toten nach muslimischer Auffassung zu Allah zurückkehren. Bereits die sterbende Person wird mit Gebeten auf ihrem Weg begleitet. Nach dem Eintritt des Todes wird der Leichnam von Glaubensangehörigen rituell gewaschen. Männer werden von einem Mann, Frauen von einer Frau dreimal mit heißem Wasser und Seife gewaschen.

Danach wird die Person eingekleidet beziehungsweise in Tücher gehüllt. Darauf erfolgt die rasche Bestattung. Der Tote liegt dabei auf der rechten Seite und blickt Richtung Mekka. Muslimische Friedhöfe sind so angelegt, dass die Gebetsrichtung eingehalten werden kann. Die einzig gültige Art der Bestattung im Islam ist die Erdbestattung - möglichst ohne Sarg.

Islamische Gräber am islamischen Friedhof in Wien 23.

IGGiÖ: Der islamische Friedhof im 23. Bezirk in Wien

Rasche Beisetzung am Ort des Todes

Der Islam empfiehlt die Beisetzung innerhalb von 24 Stunden am Ort des Todes. Seit einigen Jahren gibt es in Österreich eigene islamische Friedhöfe und muslimische Abteilungen innerhalb anderer Friedhöfe. Hierzulande sind mindestens 48 Stunden Wartezeit vor der Beerdigung, sowie ein Sarg vorgeschrieben. Hier wird häufig auf naturbelassene Weichholzsärge zurückgegriffen.

Ließen sich lange Zeit Muslime in ihre Heimatländer oder die ihrer Eltern überführen und dort begraben, steigen die Bestattungen an den Orten, wo ein Großteil der Lebenszeit verbracht wurde. Für die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) sind die islamischen Friedhöfe deshalb auch ein Zeichen der Integration.

Die Ächtung Verstorbener hat übrigens eine lange Tradition. In der Antike wurden Namen und Bildnisse verhasster Personen aus Schriften und Darstellungen entfernt, um deren Andenken zu zerstören. Auch im Römischen Reich wurde die „Damnatio memoriae“ (lateinisch für „Verdammung des Andenkens“) praktiziert.

Nina Goldmann, religion.ORF.at

Syrisches Drama: Ausländische Einmischung stoppen

Wien (APA) - Die Einmischung ausländischer Akteure in Syrien müsse ein Ende nehmen, die Syrer müssten an einem Tisch gemeinsam über ihre Zukunft entscheiden. Darüber herrschte bei einer Diskussion von Nahost-Experten in Wien am Donnerstagabend weitgehend Einigkeit. Uneinig war das Podium, ob Machthaber Bashar al-Assad an der Schaffung eines „neuen Syrien“ mitwirken solle/dürfe.

In Syrien gehe es um eine Ost-West-Konfrontation, brachte es die in Damaskus lebende deutsche Journalistin Karin Leukefeld im vollbesetzten Presseclub Concordia auf den Punkt. „Die ausländische Einmischung muss aufhören“, forderte die Autorin des Buchs „Flächenbrand. Syrien, Irak, die Arabische Welt und der Islamische Staat“. Sie verwies auf Thinktanks, die Pläne über eine Aufteilung Syriens wälzen. Die ausländischen Mächte, von den USA über Israel, bis zu Russland und den arabischen Staaten, hätten nicht das Wohl der Syrer im Auge.

Fritz Edlinger, Generalsekretär der Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen, zeichnete ein drastisches Bild: „Syrien ist alle nahöstlichen Probleme zum Quadrat.“ Das Land sei das Produkt einer „fremdbestimmten Gesetzgebung“, bezog sich Edlinger auf die Neuordnung des Nahen Ostens nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches und auf das Völkerbund-Mandat Frankreichs. „Es geht schon lange nicht mehr um Syrien, sondern die arabischen Bruderstaaten haben diesen Krieg programmiert.“ Viele nützten die Situation aus, Gruppen der Opposition genauso wie im Regime.

Tarafa Baghajati, aus Syrien gebürtiger Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, erläuterte in der von der Vereinigung für Medienkultur organisierten Diskussion, das Assad-Regime habe voll Brutalität auf die Forderungen des Arabischen Frühlings geantwortet und keinen Kompromiss angeboten. Jetzt gehe es nicht mehr um Assad: „Dieser gab das Kommando an den Iran, später an Russland ab.“ Das Resümee Baghajatis: „Heute muss Frieden ohne Assad geschaffen werden.“ Leukefeld sieht das anders: „Für eine Lösung braucht man anfangs auch Assad.“

Hart mit den USA ins Gericht ging Maamoun Chawki, Sprecher der Unabhängigen Syrer in Österreich. Auch warnte er vor dem Agieren Israels. Schon in Afghanistan habe Washington versucht, „Krieg zu inszenieren“, später in Syrien und in Libyen. Akteure wie Saudi-Arabien, Katar, USA ließen den Krieg eskalieren. Heute seien Terroristen am Werk, die von ausländischen Mächten unterstützt werden. Alle Welt befasse sich mit den Terroristen des „Islamischen Staates“, nicht aber jenen der „Al Nusra“. Beide, aber auch andere politische Kräfte, zielten auf eine Fortsetzung des Krieges. Viele Bewaffnete hätten im Zuge des Konflikts aus rein finanziellen Gründen die Seiten gewechselt, seien von der Freien Syrischen Armee (FSA) zu den Islamisten-Rebellen übergelaufen.

Chawki sieht nur eine Option: „Wir müssen uns an einen Tisch setzen und in die Zukunft blicken.“ Die Syrer müssten selbst über ihre Zukunft entscheiden. Die meisten wünschten sich einen säkularen Staat, ein Zurück zur historischen Koexistenz von Muslimen und Christen. Salma Reda, Sprecherin der syrischen Studierenden in Wien, stellte fest, in Syrien habe man ein anderes Verständnis von Demokratie. Die Studentin, die zuletzt 2011 heimreiste, kritisierte, viele Gruppen hätten Assad a priori von einer Verhandlungslösung ausgeschlossen.

Die Wirtschaftskomponente des Nahost-Kriegs hob Nahost-Expertin und Buchautorin Karin Kneissl hervor. Der Krieg habe direkt mit den Erdölressourcen zu tun. Auch asiatische Mächte wie China seien hier involviert. Nicht zuletzt wegen des Öls „agiert Russland im Tandem mit dem Iran und China.“ Kneissl erläuterte auch den Umstand, dass Assad seine Gegner als „Terroristen“ bezeichne. Eine solche Wortwahl sei autoritären Herrschern eigen, gelte genauso für Ägyptens gestürzten Staatschef Hosni Mubarak wie den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Als Moderator Udo Bachmair, Präsident der Vereinigung für Medienkultur, die Frage nach der Einschätzung der Zukunft Syriens stellte, erhitzten sich die Gemüter auf dem Podium. Alle Syrer wünschten sich „ein neues Syrien“, er sei optimistisch, meinte Baghajati. Dem widersprach Edlinger heftig; er befürchtet für 2016 „eine weitere Eskalation“ und die Ausweitung auf andere arabische Gebiete. Die Türkei spiele eine üble Rolle, sei auf dem Weg zu einem islamistischen Staat. Auch Saudi-Arabien komme eine Täterrolle zu. Edlinger: „Die Täter sitzen in Washington, in Ankara und in Mekka.“ Russland habe nicht interveniert, sondern gemäß seinem Beistandspakt gehandelt.

Kneissl äußerte in ihrem Schlusswort zu der Diskussion - Titel: „Das syrische Drama, Wege aus dem Dilemma“ - „eine gewisse Zuversicht“. Frieden sehe sie für Syrien zwar nicht, aber doch „eine klare Entschlossenheit“, dem Vormarsch der Islamisten Einhalt zu gebieten. Sie verwies auf die Beispiele Bosnien und Libanon: In beiden Fällen endeten die Kämpfe mit einem Schweigen der Waffen, allerdings kam es zu keinem Friedensschluss.

Plattform „Christen und Muslime“ gegen Verunglimpfung von Tarafa Baghajati in der Kronenzeitung

In der KRONEN-ZEITUNG vom 18. Oktober werden schwere Vorwürfe gegen den Co-Vorsitzenden der Plattform „Christen und Muslime“, Obmann der „Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen“ und Kulturreferent der Religionsgemeinde Wien der IGGiÖ erhoben.

So wird er u. a. als „Muslimbruder“, Freund von „einem Befürworter von Selbstmordattentaten“, als „mitverantwortlich für gefährliche Zustände in islamischen Schulen und Kindergärten“ sowie als „Verschleierer und Verteidiger einer faschistisch-salafistischen Ideologie“ be-zeichnet. Diese Behauptungen entbehren jeder Grundlage.

Von Qualitätsjournalismus erwarten wir, dass im Falle jemandem „ein Naheverhältnis zu Fanatikern nachgesagt“ wird, eine solche „Nachsage“ sowie die jeweiligen „Nachsager“ vor einer Veröffentlichung dahingehend überprüft werden, ob deren Aussagen den Tatsachen entsprechen. Qualitätsjournalismus bedeutet auch, andere Meinungen einzuholen und die Person, der etwas nachgesagt wird, zu Wort kommen zu lassen.

Die Plattform „Christen und Muslime“ ist schockiert von solchen Anschuldigungen, die einem Rufmord gleichkommen, an einem Vertreter des Islams in Österreich, der sich um die Menschen- und Frauenrechte sowie um den interreligiösen, speziell muslimisch-christlichen Dialog über viele Jahre verdient gemacht hat. Die Plattform, der MuslimInnen sowie ChristInnen angehören, drückt ihre Solidarität mit Tarafa Baghajati aus und dankt der Wiener Landesregierung, dass sie ihm für seine langjährigen Verdienste das Goldene Ehrenzeichen verleihen will.

Univ. Prof. Dr. Susanne Heine

Co-Vorsitzende im Namen des Vorstands der Plattform „Christen und Muslime"

Gastkommentar im "Der Standard": Das syrische Experiment

Countdown für einen Systemwechsel - Von Tarafa Baghajati

Nun sind es inzwischen nicht nur Zeichen der Zeit, sondern schrille Weckrufe, die das Regime in Syrien zum Handeln zwingen. Scharfschützen
ermordeten Demonstranten - unbewaffnete Menschen, die Freiheit und Korruptionsbekämpfung forderten. Aber dieser offene Hinweis, dass eine Systemänderung nötig ist, war wohl ihr Todesurteil.

Buthaina Shaaban, vertraute Beraterin des Präsidenten und freundliches Sprachrohr in heiklen Missionen meldet nun, dass Syrien "vor wichtigen Entscheidungen" stehe, die "den Sehnsüchten des Volkes Rechnung tragen werden" . Ja sogar, dass die Bevölkerung an der Entscheidungsfindung teilhaben werde. Allerdings sind dies Beteuerungen, die seit der Machtübernahme Bashar Al Assads von seinem Vater Hafez immer wieder zu hören waren: große Worte, der keinerlei Taten folgten. Der Unmut des Volkes ist daher verständlich.

Will der Präsident sein Amt behalten, wären umgehend Reformen einzuleiten:

1) Aufhebung des seit 1963 geltenden Ausnahmezustands. Denn unter diesem Deckmantel wird ein grausamer Geheimdienstapparat betrieben, für den Assads Bruder Maher und sein Schwager Asef Shaukat stehen;

2) Meinungs- und Pressefreiheit, Abschaffung von Folter und Freilassung der politischen Gefangenen, allen voran Minderjährige und Frauen;

3) Änderung der Verfassung von 1973, wobei vor allem jener Punkt gestrichen werden muss, der die Führungspositionen innerhalb des Staates und der Gesellschaft der arabischen sozialistischen Baath-Partei vorbehält;

4) Erlaubnis der Gründung von konkurrierenden politischen Parteien;

5) Streichung der Privilegien für die Mitglieder der Präsidentenfamilie, von denen vor allem Assads Cousin mütterlicherseits Rami Makhlouf profitiert: Ohne Arrangement mit dem 41-jährigen syrischen Oligarchen läuft bei größerenv wirtschaftlichen Projekten in Syrien praktisch gar nichts.

Werden die Weichen für diese fünf Punkte noch in diesem Jahr glaubwürdig gestellt, ist Optimismus angebracht. Niemand wünscht sich eine
Destabilisierung. Das weiß auch die syrische Regierung, die übers Staatsfernsehen vom Großmufti bis zum christlichen Patriarchen alle Meinungsmacher ins Rennen schickt, um ein Bild von "einigen vom Ausland gesteuerten Störenfrieden" zu zeichnen, dem die nationale Einheit entschlossen gegenüberstehe.

Bashar Al Assad müsste daran gelegen sein, seine Chancen zu nutzen. Denn auf Grund seiner Biographie gilt er als eine zivile Führungspersönlichkeit (er war Augenarzt, ehe er vom tödlich verunglückten älteren Bruder Basel die Erbprinzenrolle übernahm). Vor allem kann Assad für sich verbuchen, dass seine Außenpolitik von der Mehrheit der Bevölkerung ebenso geschätzt wird wie die ökonomische Stabilität und die niedrige Kriminalitätsrate.

Zu den positiven Aspekten gehört auch das säkulare, traditionell minderheitenfreundliche System: Angesichts der Vielfalt von ethnischen und religiösen Minderheiten, darunter auch vielfältige Ausprägungen innerhalb des Islams und des Christentums, besteht ein berechtigtes Interesse, diese Balance nicht aufs Spiel zu setzen.

Schließlich kommt dem Präsidenten auch die Schwäche der syrischen Opposition entgegen. Diese ist im Ausland schwach und im Inland unglaubwürdig. Das gilt sowohl für die Muslimbruderschaft als auch für die zwei Hauptgegner des Regimes im Ausland, die beide einen sehr schlechten Ruf haben: der frühere Außenminister und Vizepräsident Abdulhalim Khaddam und der Onkel des Präsidenten Rifaat Al Assad. Beide sind alte, korrupte ehemalige führende Personen des Systems, die auch heute noch nur ihre eigenen Interessen, aber nie die des Landes verfolgen.

Eine gewaltfreie Lösung muss das bestehende System von der Wurzel her reformieren. Keine religiösen und schon gar keine starr panarabistische Agenden sind gefragt, sondern eine glaubwürdige Politik für alle. Daher genießen Modelle wie in der Türkei Sympathie in Syrien. Wichtig ist, dass die EU und die Türkei gemeinsam assistierend wirken, weise und ohne starke Einmischung.

Diese Vision ist realistisch, ja sogar im Interesse des Präsidenten dringend notwendig. Die Umsetzung hängt aber ganz alleine von der syrischen Führung ab. Die berechtigten Anliegen als feindliche ausländische Manöver abzutun, wird jedenfalls nicht mehr durchgehen. (DER STANDARD, Printausgabe, 30.3.2011)

Tarafa Baghajati (49), Austro-Syrer, geboren in Damaskus, ist Obmann der Initiative muslimischer Österreicherinnen, Gefängnisseelsorger und Imam in Wien.


Pressestimmen zum oben angeführten Artikel:

http://jmdinh.net/articles/international/13429

Der Standard – Autriche

Réaliser des visions communes

Les réformes en Syrie doivent avant tout être soutenues par l’UE et la Turquie. C’est ce que demande l’imam viennois Tarafa Baghajati dans une tribune au quotidien de centre-gauche Der Standard : « Une solution pacifique doit venir réformer le système existant jusqu’à ses racines. Il ne faut ni revendications religieuses ni même rigoureusement panarabiques, mais une politique crédible pour tous. C’est pourquoi des modèles comme celui de la Turquie bénéficient d’une certaine sympathie en Syrie. Il est important que l’UE et la Turquie apportent une assistance commune, de manière réfléchie et sans grande ingérence. Cette vision est réaliste et même urgemment nécessaire dans l’intérêt du président. Sa mise en œuvre dépend toutefois entièrement du leadership syrien. Ignorer des revendications justifiées en les taxant de manœuvres hostiles venues de l’étranger ne sera en tout cas plus accepté. » (29.03.2011)

http://www.eurotopics.net/de/archiv/results/archiv_article/DOSSIER85353-Syriens-Praesident-entlaesst-Regierung

Der Standard - Österreich

Reformen in Syrien müssen vor allem von der EU und der Türkei unterstützt werden, fordert der Wiener Imam Tarafa Baghajati in einem Gastbeitrag für die linksliberale Tageszeitung Der Standard: "Eine gewaltfreie Lösung muss das bestehende System von der Wurzel her reformieren. Keine religiösen und schon gar keine starr panarabistische Agenden sind gefragt, sondern eine glaubwürdige Politik für alle. Daher genießen Modelle wie in der Türkei Sympathie in Syrien. Wichtig ist, dass die EU und die Türkei gemeinsam assistierend wirken, weise und ohne starke Einmischung. Diese Vision ist realistisch, ja sogar im Interesse des Präsidenten dringend notwendig. Die Umsetzung hängt aber ganz alleine von der syrischen Führung ab. Die berechtigten Anliegen als feindliche ausländische Manöver abzutun, wird jedenfalls nicht mehr durchgehen." (29.03.2011)


http://www.eurotopics.net/en/archiv/archiv_dossier/DOSSIER85353-Syria-s-president-sacks-government

Der Standard - Austria

The reforms in Syria must be supported by the EU and Turkey, urges Tarafa Baghajati, chairman of the Austrian Muslim Initiative, in a commentary for the left-liberal daily Der Standard: "A non-violent solution must reform the existing system from the roots upwards. Religious agendas are not called for here, to say nothing of rigid pan-Arab ones. What is needed is a believable policy for all concerned. For that reason models such as that in Turkey enjoy sympathy in Syria. The important thing is that the EU and Turkey should both take a wise and helpful stance, keeping interference to a minimum. This vision is realistic and even essential for the president. But its implementation depends solely on the Syrian leadership. In any event, passing off justified demands as hostile foreign manoeuvring will no longer be tolerated." (29/03/2011)


Türkische Version des Artikels (Achtung nicht 1:1 Übersetzung) in der türkischen Zeitung Yeni Hareket

http://www.yenihareket.com/index.php?option=com_content&task=view&id=5783&Itemid=26

Suriye Dönüm Noktasında

Cuma, 08 Nisan 2011

Suriye’de sistem değişikliği için geri sayım başladı.

Tunus ve Mısır'da rejime karşı vuku bulan ayaklanmalar Suriye yönetimini halkın iradesine yönelik harekete zorluyor. Hürriyet için hak arayan ve yolsuzlukla mücadelede barışçıl çözümlere müteallik, mevcut sisteme karşı gösterilerde bulunan ve sistem değişikliği için mesaj veren insanlar hunharca katledildi.

Devlet Başkanının güvenlik danışmanı ve sözcüsü Buthania Shaaban, Suriye'nin ''Önemli kararlar verme“ aşamasında olduğunu ve halkın özlemlerinin ve beklentilerinin dikkate alınması ve bu kapsamda halk iradesinin gözardı edilememesi gerektiğini vurguladı. Somut olarak olağanüstü halin kaldırılmasını ve parti kararlarının değiştilmesi gerektiğini açıkladı. Ancak, bu vaadler Beşar Esad'ın babası Hafız'ın iktidarından buyana dile getirilen vaadlerdir. Lakin bu güçlü söylemleri hiç bir faaliyet takip etmedi. Söylemler akim kaldı. Binaenaleyh Halkın öfkesini ve hoşnutsuzluğunu bu çerçevede anlamak iktiza eder.

Suriye halkı Esad'ın bu va’adlerinin somut adımlar halinde gerçekçi bir planla uygulamaya geçmesini ümid ediyordu. Esad‘ın 30 Mart 2011 tarihindeki açıklaması bu isteklere bir meşruiyyet kazandırdı fakat maalesef bunu somut bir plan takip etmedi.

Eğer devlet Başkanı görevinde kalarak gerçekten refah ve hürriyet dönemini getirmek istiyorsa, aşağıdaki öngörülen reformların derhal başlatılması gerekmektedir:

1) 1963'den kalma olağanüstü halin kaldırılması. (Olağanüstü hâl bahanesiyle acımasız bir istihbarat çalişması yürütülmekte),

2) İfade ve basın özgürlüğünün verilmesi, işkencenin kaldırılması, (Siyasi mahkumların özellikle çocuk ve kadınların refaha kavuşması gerekmektedir),

3) 1973'den kalma anayasanın değiştirilmesi, özellikle yönetimi sadece Arap Sosyalist Baas Partisine layık gören 8.kararnamenin ortadan kaldırılması,

4) Siyasi partilerin kurulması için izin verilmesi ve bunun için gerekli altyapının oluşturulması,

5)Devlet Başkanının ailesine yönelik imtiyazların kaldırılması. (Örneğin Beşar Esad’ın kuzeninin izni haricinde suriyede hiç bir iktisadi, ekonomik işlem hayata geçirilemiyor).

Şayet bu beş madde 2011 yılı içersininde hayata geçirilirse, o zaman iyimser bir bakış sergilenebilir.

Mevcut Suriye Yönetimi devlet televizyonundan Müftü ve Hırıstiyan Patriği’ni de kullanarak yaptırmış olduğu propagandalarla halkı yatıştırma gayreti içersinde. Bu propagandalar saatlerce devletin tekelindeki TV kanalından halka dikta edilmektedir.

Ancak bu manipülasyonların halktan destek görmeyeceği açık ve net anlaşılmaktadır. Bu yüzden Beşar El Esad’ın yönetimde kalmak için kendisini diğer otokratlardan farklı kılması gerekir.

Beşar Esad’ın Suriye'nin kendi kimliğinden ödün vermeksizin diğer Arap olmayan ülkelerle ve aynı zamanda İran'la olan temasını sürdürmesi, Filistin ve Lübnan direniş hareketlerini desteklemesi ve İsrail'le bir barışa girmemesi, sadece kendi halkı tarafından değil, bütün Arap ülkelerinde de saygılığını artırmaktadır.

Suriye halkınca devlet içerisindeki İstikrar ve suç oranının düşüklüğü takdir ediliyor. Bu sistem de seküler, kültürel ve azınlıklara düşman olmayan bir anlayıştan bahsedilebilir. Azınlıklara Suriye'de eşitlik hatta ayrıcalık gösterilmekte, bunun icin hiç bir azınlık Suriye'de bir sistem değişikliğini istemez. Hırıstiyan azınlıkla ilişkiler Avrupa içinde bir örnek bir modeli olabilir.

Tek istisna ana dili ve kültürü bakımından dezavantajlara uğrayan Kürtler. Bu da çözülmesi gereken önemli sorunlardan biri. Bu dengeyi korumak etnik ve dini çeşitlilik bakımından önemli.

Muhalefetin güçsüz oluşu yönetime avantaj sağlıyor. Gerek Müslüman Kardeşler gerekse iki ana rakip olan başkan yardımcısı Abdülhalim Khaddam ve amcası Rifaat Al Assad veyahutta yolsuzluğa bulaşmış oldukları için ülke içinde ve dışında inandırıcı değiller.

Dini veya pan-arabist bir yaklaşıma değil, herkes için güvenilir bir politikaya ihtiyaç var. Bunun için barışçıl ve köklü bir reform gerekmekterdir. Türkiye gibi örnek modeller bu yüzden Suriye'de büyük ilgi görmektedir.

Her şeyi birebir almamakla beraber Türkiye Cumhuriyetinin Başbakanı Recep Tayyip Erdoğan’ın izlemiş olduğu politikası Suriye için büyük örnek teşkil edebilir. AB ve Türkiye bu değişim sürecinde çok fazla müdahale etmektense "asistanlık" rolünü üstlenebilir. Bu Esad için de yararlı olacaktır.

Protestolara cevap olarak hükümet değişikliği yetmemeyeceği gibi, barışçıl gösterileri yabancı düşmanların manevrası olarak tanımlamak tamamen bir saptırmadır.

Tarafa Baghajati (1961 Şam doğumlu) İnitiative Muslimischer ÖsterreicherInnen, Avusturya Müslümanlar inisiyatifi Başkanı, Platform for Intercultural Europe ve European Muslim Initiative for Social Cohesion yönetim kurulu üyesi Başkanı. Aynı zamanda Imam ve Viyana cezaevi din görevlisidir.

Dipl.- Ing. Tarafa Baghajati
Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

Erklärung zum Israelischen Angriff auf Solidariätsflotte im Mittelmeer

Erklärung der unterzeichnenden Organisationen

Siehe Unterzeichnerliste unten

Am  Freitag, 4. Juni 2010 fand zwischen 15.00 und 18.00 Uhr eine Großdemonstration mit ca. 12.000 TeilnehmerInnen in Wien statt. Die Route führte nach dem Treffpunkt vor der Oper über den Ring zum Ballhausplatz, wo
eine Abschlusskundgebung gehalten wurde. Die Petition wurde  von der Delegation der Solidaritätsplattform (Tarafa Baghajati, Paula Hourani, Omar Al Rawi, Fritz Edlinger und Muhammad Turhan) im Bundeskanzleramt übergeben.

In einem ausführlichen Gespräch wurden die Anliegen der Solidaritätsplattform dargelegt und erörtert.

Auf das Schärfste verurteilen wir das blutige Vorgehen der israelischen Marine und Armee gegen die Hilfsflotte für Gaza. Diese  völkerrechtswidrige exzessive Gewaltanwendung in internationalem Gewässer kostete wahrscheinlich das Leben von mindestens zehn FriedenaktivistInnen. Einmal mehr ignoriert die israelische Regierung Mindeststandards des Völkerrechts – wie schon im Libanon Krieg 2006 und Gaza Krieg 2008/2009. Wenn ständig sanktionslos internationale Abkommen gebrochen werden, dann meint die israelische Regierung wohl, sie stünde über dem Völkerrecht und könne sich alles erlauben.

Dieser Angriff darf daher nicht allein als eine Angelegenheit des Nahen Ostens gesehen werden. Mit dieser Aktion nimmt Israel die Internationalisierung des Konflikts scheinbar bewusst in Kauf. Der Angriff ist nicht nur als Angriff auf die PalästinenserInnen zu verstehen, sondern betrifft vor allem Europa. Die irische Friedensnobelpreisträgerin Mairead Corrigan Maguire, der bekannte schwedische Autor Henning Mankell, die beiden deutschen Parlamentarierinnen Inge Höger und Annette Groth, sowie Abgeordnete aus Norwegen, Schweden, Bulgarien, Irland und viele weitere EuropäerInnen wurden hier zur Zielscheibe dieser aggressiven und menschenverachtenden Politik. Entlarvend ist die Verhängung einer Nachrichtenzensur, wodurch bis jetzt keine Aufklärung über die tatsächliche Zahl der Toten und Verletzten und deren Identität gegeben ist. Auch die Kommunikationssperre in Bezug auf die widerrechtlich verschleppten hunderten AktivistInnen, deren Schiffe mit Gewalt nach Israel gebracht wurden, fällt in dieses Bild der propagandistischen Unterdrückung für die israelische Regierung  unangenehmer Tatsachen. Die verschleppten Menschen sollen umgehend freigelassen werden. Es bedarf internationalen Drucks, um eine rasche und lückenlose Aufklärung, möglichst durch unabhängige internationale Organe, zu gewährleisten.

Wir fordern die Österreichische Bundesregierung und die Europäische Union auf, eine eindeutige Verurteilung des Gewaltakts auszusprechen und die militärische Kooperation des Bundesheeres mit Israel mit sofortiger Wirkung einzustellen. Kritische Worte reichen offensichtlich nicht aus, um die israelische Regierung zur Einhaltung internationaler Standards zu bringen. Wer beharrlich UNO-Resolutionen ignoriert und stattdessen immer neue Gewaltakte setzt, wird auch jetzt nicht auf die Sprache der Diplomatie reagieren, sondern nur auf politische, spürbare Konsequenzen. Sanktionen gegen Israel sehen wir als angezeigten Weg, diese Gewaltpolitik in die Schranken zu weisen.

Den österreichischen Außenminister Michael Spindelegger ersuchen wir eine Weisung an den österreichischen UN-Botschafter Thomas Mayr-Harting zu erteilen, die Frage von internationalen Sanktionen gegen Israel auf die
Tagesordnung des Sicherheitsrates zu setzen. Diese Sanktionen sollten solange in Kraft bleiben, bis Israel die völkerrechtswidrige Abriegelung des Gazastreifens aufhebt.

An den Herrn Bundeskanzler Werner Faymann appellieren wir, seine für den 23.und 24.  Juni  2010 geplante Reise nach Israel aus Protest abzusagen.

Den Hinterbliebenen und den Familien der Opfer gilt unser Mitgefühl.

Die Verantwortlichen für dieses Massaker im Mittelmeer müssen angeklagt und vor ein internationales Gericht gestellt werden.

Wien, 04.06.2010

Rückfragehinweis (auch für Ergänzungen in der Unterzeichnerliste):
Tarafa Baghajati, baghajati [at] aon.at

Unterzeichnerliste, Stand 4. Juni 2010

1.   Islamische Religionsgemeinde Wien für Wien, Niederösterreich und Burgenland
2.   Islamischer Koordinationsrat der muslimischen Vereine in Österreich (ISKORAT, ca. 45 Organisationen)
3.   Islamische Föderation Wien IFW
4.   Union Islamischer Kulturzentren
5.   ATIB Türkisch islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich
6.   IVAÖ Islamische Vereinigung Ahlul-Bayt – Österreich, Verband für dieschiitischen Vereine
7.   Koordinationsforum für Unterstützung Palästina
8.   Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost (EJJP-Österreich)
9.   Gesellschaft für Österreichisch-Arabische Beziehungen“ (GÖAB)
10. Frauen in Schwarz (Wien)
11. Wiener Friedensbewegung
12. WONDER
13. Palästinensische Vereinigung Österreich P.V.Ö.
14. Dachverband Bosnisch Islamische Vereine in Österreich
15. UETD Union of European Turkish Democrats
16. Türkische Föderation in Österreich
17. MJÖ Muslimische Jugend Österreich
18. Österreichisch-Arabische Union
19. Islamische Religionsgemeinde Bregenz für Vorarlberg und Tirol
20. Islamische Religionsgemeinde Graz für Steiermark und Kärnten
21. Islamische Religionsgemeinde Linz f. OÖ, RPR und Salzburg
22. Islamisches Bildungs- und Kulturzentrum - Österreich
23. Liga Kultur
24. Gesellschaft für Zusammenkunft der Kulturen (Schura Moschee)
25. ABIZ (Anatolisches Bildungszentrum)
26. Ägäisches Kulturzentrum
27. Ägyptische Gemeinde in Österreich
28. Ägyptischer Klub
29. Ahwazische Kommunikation
30. Al’Ahli Fanklub
31. ALIF
32. Anatolische  Kulturinitiative Neunkirchen
33. Arabische Organisation für Menschenrechte
34. Arabischer Kulturverein
35. Arge für Wehrdienstverweigerung, Gewaltfreiheit und Flüchtlingsbetreuung
36. ARGE Ja zur Umwelt, Nein zur Atomenergie
37. ATAM-Türkischer Akademiker in Österreich
38. AustroArab News
39. Bangladesch islamischer kulturverein Baitul Mukarram
40. Begegnungszentrum für aktive Gewaltlosigkeit
41. Bildungs Förderung (MEKTEB)
42. Bündnis Mosaik
43. CARIMA Caritative Arbeitsgemeinschaft
44. CIRDE-AUSTRIA - Zentrum der islamischen Forschung Dokumentation und Bildung
45. Dar Al Arqam Moschee
46. Dewa
47. EL-MUHLASUN" - Islamischer Sufiten Verein in Österreich
48. Forum Muslimischer Frauen Österreich
49. Gaza muss leben
50. Gesellschaft der palästinensischen Frauen in Europa / Austria
51. Hania Verein für Frauen und Kinder
52. Help Austria
53. IHH Austria
54. Im Glashaus – Kunst & Kultur
55. Information u. Kultur Ägypten, Bladi-Bladi
56. Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen IMÖ
57. Irakhilfswerk
58. Irakische Gemeinde in Österreich
59. Islamische Jugendorganisation in Wien
60. Islamische Sozial und Kulturverein Bad Vöslau
61. Islamische Sozialhilfe in Krems
62. Islamische Vereinigung Österreich „Al-Hidaya Moschee“ Isl.Kulturelle Vereinigung
63. Islamischer Kulturverein der Türk. Arb in Österreich
64. Islamischer Kulturverein der Türkischen Arbeiter in Österreich
65. Islamischer Kulturzentrum Sollenau
66. Islamisches Institut Österreich
67. Islamisches Zentrum Imam Ali Wien
68. ISV Interkulturelle Studenten Vereinigung
69. JUWA Jugend Föderation Österreich
70. JUWEL - Jugendwerk zum Licht
71. Kinder und Mütter im Not (Rahma)
72. KJÖ Kommunistische Jugend Österreichs - Ortsgruppe Wien
73. Kommunistische Gewerkschaftsinitiative International (KOMintern)
74. Kommunistische Initiative Österreich (KI)
75. KUGEL Kultur-Geschichte-Literaturverein
76. Kultur u.Wohltätigkeitsverein  St. Pölten
77. Kultur u.Wohltätigkeitsverein in Herzogenburg
78. Kultur und Solidaritätsverein Türkischer Arbeiter in Österreich
79. Kulturell-Caritative-Union der Muslimen
80. Kulturelle Vereinigung der Muslime in Pottendorf
81. Kulturhaus der Emigranten in Niederösterreich
82. Kulturverein Al-Andalus
83. Kuturverein Kanafani
84. Liga Kulturverein für Multi-Kulturellen Brückenbau – Graz
85. Linkswende
86. Menschenfreunde International
87. Mevlana Plattform in Österreich, Bilal Habashi Moschee
88. Moschee Ahl ul beit Salzburg
89. Moschee Ahl ul beit Wien (Irakische Schiiten)
90. Moschee Al Asr Wien (pakistanische Moschee)
91. Moschee Al-Mahdi (Türkische Schiiten)
92. Multikulturelle u.Caritative Vereinigung in Leopoldstadt
93. Multikulturelleverein der Migranten in Donaustadt
94. Muslemische Emigranten in Liesing
95. Muslimischer Akademikerbund
96. Muslimischer Arbeiter Union in Wien
97. Muslimischer Hilfsorganisation in Wien
98. Muslimischer Lehrerverein für  Wien, NÖ u. Bgld. MLV
99. Nigerian Islamic forum
100. Nordafrika Liga
101. ÖAIKD Verein für Kulturdialog - Alfath Moschee
102. Österr. –Türk. Kulturv. für Freund. und Solidarität von Sizir u. Umgebung
103. Österreichisch-Arabische Union
104. Österreichische Gesellschaft für medizinische Öffentlichkeitsarbeit
105. Österreichische Islamische Föderation
106. Österreichischer-Ägyptischer Verein
107. Österreich-Syrisches Ärztekomitee
108. Österreisch-Arabische Ärzte Und Apothekervereinigung
109. Palästina Forum
110. Perspektive
111. PGO Palästinensische Gemeinde in Österreich
112. RAMADAN Internetmedium, Wien
113. SAMDER
114. SOLMIT Solidarisches Miteinender
115. Sudanesischer Kulturverein
116. Syrische Gemeinde in Österreich
117. The colourful world of children
118. Türkisch-Islamischer Kultur Verein-Traiskirchen
119. Union albanischer Muslime in Österreich
120. Verband der Ägypter in Österreich
121. Verband der Österreicher Arabischer Abstammung
122. Verein der Erleuchtung
123. Verein für antirassistische und friedenspolitische Initiative/Dar Al Janub
124. Verein für Arabische Frauen
125. Verein Palästinensische Frauen in Europa
126. Verein von Immigranten Tunesiens in Österreich (VIT)
127. Vereinigung der syrischen Gemeinden in Österreich
128. Vereinigung zur Integration u. Solidarität der Muslime in Wien
129. WAKT Wien Ausbildung, Kultur, Toleranz

Falter-Bericht über "Ex-Muslime": "Ich habe abgeschworen!"

Sie wurden terrorisiert oder geächtet. Österreichs Ex-Muslime wollen nun den Abfall vom Glauben enttabuisieren

Sibel Beyoglu müsste vielleicht nicht um ihr Leben fürchten, würde sie ihre Geschichte unter ihrem echten Namen erzählen. Sie müsste sich aber ein neues suchen. Nach außen ist Beyoglu Ehefrau, Mutter und Muslima. Nur ihr Mann und ihre Eltern kennen ihr Geheimnis: Sibel Beyoglu glaubt nicht an Allah. Die Atheistin glaubt nicht daran, dass etwa Frauen weniger wert sind als Männer, dass sie sich verschleiern müssen und nur in den Himmel kommen, wenn sie den Islam praktizieren – und ihre Ehemänner das auch gutheißen. Deshalb hat sie dem Islam, wie sie ihn kennengelernt hat, in ihrer Jugend abgeschworen und erzieht auch ihre beiden Kinder atheistisch. Dazu gehört, dass sie außerhalb der Familie unter keinen Umständen darüber sprechen dürfen.

Beyoglu lebt nicht in Saudi-Arabien oder in Afghanistan, sondern in einem Dorf mitten in der österreichischen Provinz. „Als Ausländer wirst du ausgegrenzt und hast oft nur mehr deine Community“, sagt die Tochter türkischer Einwandererkinder. „Wenn die dich verstößt, bist du ganz isoliert.“

Die verschwiegene Abkehr

Cahit Kaya nennt solche wie Sibel Beyoglu „Ex-Muslime“: muslimisch sozialisierte Menschen, die ihren Glauben nicht praktizieren oder ihm abgeschworen haben. 516.000 Muslime leben laut einer aktuellen Studie des Integrationsfonds mittlerweile in Österreich. Umfassende Untersuchungen über ihre Religiosität existieren nicht. Glaubt man der Islamischen Glaubensgemeinschaft, die für sich die Vertretung aller Muslime beansprucht, sind sie gläubig bis sehr gläubig. Glaubt man Cahit Kaya, dann sind sie in ihrer Mehrheit Ex-Muslime. So wie er selbst.

„Sie trauen es sich bloß nicht zu sagen. Deshalb will ich in Zukunft in ihrem Namen sprechen“, sagt Kaya, 30, an einem trüben Jännertag im Wiener Café Korb in Vorarlberger Dialekt. Seit fünf Monaten arbeitet er zu diesem Zeitpunkt schon am mühsamen Aufbau des Zentralrats der Ex-Muslime Österreich. Mühsam deshalb, weil es zwar leicht sei, Sympathisanten zu finden, wie er sagt, doch nur wenige, die sich auch öffentlich dazu bekennen.

Die Ex-Muslime wollen künftig an vorderster Front in der heimischen Islamdebatte mitstreiten. Sie nennen sich laizistisch, humanistisch und freidenkend. Vordergründig geht es ihnen um die Enttabuisierung der Apostasie, des Abfalls vom Glauben (siehe Randspalte), den sie als ein in Österreich ebenso verbreitetes wie verschwiegenes Problem sehen. Mit ihren provokanten und polarisierenden Positionen könnten sie aber die Islamkritik selbst enttabuisieren. Denn erstmals kommt sie hierzulande nicht mehr von rechts, sondern von – ehemaligen – Muslimen selbst.

„Ich bin ein Insider und kenne die Alltagsprobleme in der Parallelgesellschaft. Auch die Öffentlichkeit soll sie kennenlernen“, sagt Kaya. Der junge Mann mit den langen Haaren hat weder Theologie studiert noch war er jemals ein frommer Muslim. Er hat die Bücher der Islamkritiker Henryk M. Broder, Necla Kelek und Ayaan Hirsi Ali gelesen und mit der antiiranischen Initiative „Stop the Bomb“ gegen das Gottesregime demonstriert.

Sein Unbehagen am Islam geht aber auf persönliche Erlebnisse mit engstirnigen Muslimen zurück. Kaya, der im Osten der Türkei geboren wurde und in Vorarlberg aufwuchs, erzählt davon, wie er von türkischen Mitschülern beschimpft wurde, wenn er eine Leberkäsesemmel aß, und vom „Psychoterror“, wenn er in einer Vorarlberger Fabrik, deren Arbeiterschaft zu 90 Prozent aus Türken bestand, bei Firmenfesten Bier trank. „Mit keiner der hunderten Diskussionen mit gläubigen Muslimen konnte ich etwas bewirken“, sagt Kaya, „sie wirken indoktriniert und werden schnell aggressiv.“ Von den beiden Möglichkeiten, in die innere Emigration zu gehen oder Muslime und ihre Gemeinschaft zu meiden, entschied er sich für die zweitere. Er zog nach Wien, begann Politik zu studieren und suchte lange nach Gleichgesinnten, ehe er vergangenes Jahr von Mina Ahadi hörte.

Als Strafe kann der Tod drohen

Die 53-jährige gebürtige Iranerin gründete vor drei Jahren in Deutschland den ersten Zentralrat der Ex-Muslime, dessen Ableger mittlerweile in England, in der Schweiz und in Skandinavien aktiv sind (siehe Randspalte). Als Studentin hatte Ahadi im Iran zunächst gegen das Regime des Schahs und dann gegen das der Mullahs gekämpft. Nachdem ihr Mann und fünf Bekannte von zuhause verschleppt und hingerichtet worden waren, floh sie nach Europa. Denn der Hausbesuch hatte ihr gegolten.

„Ich kenne den Islam, und für mich bedeutet er Tod und Schmerz“, lautet eine Losung der Kommunistin, deren Zentralrat in Europa ein Schleier- und Minarettverbot fordert und Islamorganisationen wegen Unrepräsentativität und Politisierung kritisiert. Ihr Hauptanliegen aber ist die Apostasie.

Zwei Jahre ist es her, dass ein Fall aus Afghanistan in Europa für Empörung sorgte. Der zum Christentum konvertierte Muslim Abdul Rahman, der viele Jahre in Deutschland gelebt hatte, wurde damals in Afghanistan wegen Apostasie angeklagt und mit der Todesstrafe bedroht. Erst nach erheblichem internationalem Druck wurde der Prozess wegen Unzurechnungsfähigkeit eingestellt.

Der Asylwerber Majid Chavari hat eine ähnliche Geschichte zu erzählen, bloß, dass sie nicht für so viel Aufsehen sorgt, weil sie im Iran nicht Ausnahme, sondern Regel ist. Er sitzt im Wiener Café Schottenring und erzählt davon, wie er als Waise bei seinem strenggläubigen Bruder aufwuchs und den Koran Sure für Sure auswendig lernen musste. Islamkritische Fragen, die während seiner Jugend auftauchten, wurden mit öffentlichen Schlägen beantwortet. In einem geheimen Bibelkreis lernte er einen anderen Gott kennen, wie er sagt, „einen Gott, der von Liebe spricht und nicht vom Kampf“.

Als der Bibelkreis aufflog, wurde nach ihm gefahndet, seine Wohnung observiert. Auf Apostasie steht im Iran die Todesstrafe. Deshalb floh Chavari nach Europa. Seit bald sieben Jahren lebt er in Österreich, wo er sich politisch gegen das Regime engagiert, und hofft auf Asyl. „Im Iran erwartet mich der Tod“, sagt er. Weil er nichts mehr zu verlieren hat, ist er einer der wenigen Apostaten, die ihre Geschichte öffentlich erzählen. Nicht die Todesstrafe droht ihnen in Österreich, oft aber der soziale Tod.

Friederike Dostal, die in der Erzdiözese Wien für Erwachsenentaufen zuständig ist, kennt die Geschichten hinter dem Tabu. Vorsichtig geschätzt konvertieren jährlich etwa 150 Menschen in Österreich vom Islam zum Christentum. „Oft verheimlichen Täuflinge ihren Konversionsprozess oder gehen damit zumindest nicht hausieren“, sagt Dostal und erzählt Anekdoten aus ihrem Arbeitsalltag. So entschied sich etwa eine junge Jordanierin kurz vor der Zeremonie gegen ihre Taufe, nachdem ihre Familie in Jordanien deshalb bedroht worden war. Ein anderer junger Konvertit, so Dostal, habe den Satz zu hören bekommen: „Wären wir nicht in Österreich, würdest du mit dem Leben bezahlen.“

Tarafa Baghajati hingegen spricht von einem „virtuellen Problem“. Baghajatis Frau Amina ist als Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGIÖ) bekannt, der engagierte Muslim selbst ist einer der wichtigsten Fädenzieher im Hintergrund. Im Gespräch, das in der Bibliothek der Islamischen Religionspädagogischen Akademie stattfindet, plädiert er für eine freie Wahl: „Kein Zwang in der Religion, heißt es im Koran“, sagt Baghajati, ein freundlicher Herr, der gerne aus dem Koran zitiert und mit wirksamer Theatralik Gleichnisse schildert.

Eine neue Art der Islamkritik

„In Ländern, wo Apostasie rechtlich geahndet wird, liegt das „Missverständnis darin, dass zwischen dem persönlichen Religionswechseln und einem im militärischen Sinne deklarierten Hochverrat nicht unterschieden wird“, sagt Baghajati, der sich nicht als Anwalt von Gottesstaaten, sondern als kultureller Übersetzer sieht. „Unter Muslimen ist Religion eine im Herzen verankerte Sache. Man kehrt nicht nur Gott den Rücken, sondern der gesamten Familie und Gesellschaft.“

Man muss das nicht gutheißen, sagt Baghajati zwischen den Zeilen, nur verstehen muss man es, denn es sei nun einmal so. Von den sozialen, psychischen und menschlichen Krisen, von denen Cahit Kaya, Sibel Beyoglu und Friederike Dostal sprechen, sei der Glaubensgemeinschaft nichts bekannt, versichert Baghajati. Nur 21 Muslime wären 2009 ausgetreten.

„Wenn einer seine Religion wechseln will, soll er das tun. Aber er soll seine Probleme dann auch selber lösen“, sagt Baghajati. Den Zentralrat der Ex-Muslime bezeichnet er als „irrelevant“, der Name sei „falsch gewählt“. Schließlich könne jemand, der nie Muslim war, auch nicht vom Glauben abfallen.

Die Vertreter der Glaubensgemeinschaft befinden sich nun in einer neuen Situation. Bislang kam Islamkritik vor allem von rechts. Aussagen, wie jene der FPÖ-Politikerin Susanne Winter, die den Propheten Mohammed als Kinderschänder bezeichnet hat, waren unschwer als das zu entlarven, was sie sind: rassistische Verhetzung. Doch mit den Ex-Muslimen rund um Cahit Kaya melden sich jene zu Wort, die die sogenannten Parallelgesellschaften kennen, weil sie darin groß geworden sind. Cahit Kaya etwa stimmt mit Winters Aussage sprachlich nicht überein, inhaltlich hingegen schon. Noch reagieren die Glaubensvertreter einfach mit Nichtbeachtung.

Letztlich wirft das Engagement der Ex-Muslime aber eine wichtige Frage auf: Werden sie ihr Ziel erreichen und einen innerislamischen Diskurs in Gang setzen, oder werden sie bloß die Fronten zwischen Islamvertretern und Islamkritikern verhärten?

In einem Onlineinterview spricht Kaya von der Notwendigkeit einer aufklärerischen Bewegung innerhalb des Islam, er geißelt Zwangsheirat, Ehrenmorde, Steinigungen und Genitalverstümmelungen. Tarafa Baghajati würde Kaya zweifellos in vielen der Punkte zustimmen. Doch die jubelnden Kommentare unter dem Interview lassen erahnen, wer auf diese Kritik gewartet hat. Vom Islam als „Geisteskrankheit“ ist dort die Rede, davon, dass sie „heilbar“ und Österreich ein „Kolonisationsgebiet“ sei.

Als die Pressekonferenz des Zentralrats am vergangenen Freitag beginnt, wird umgehend klar, warum weder Muslime noch Islamvertreter dabei sind, um mit den neuen Kritikern zu diskutieren: Sie wären hier nicht erwünscht, die Ex-Muslime ziehen nicht in den Dialog, sondern in den Kampf. 60 Interessierte tummeln sich im Republikanischen Klub im ersten Bezirk, der bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Vor allem Atheisten, Frauenaktivistinnen und Linke sind gekommen, die jede Wortmeldung von Mina Ahadi und Cahit Kaya am Podium mit Kopfnicken und Applaus kommentieren.

Ahadi erzählt zunächst die bedrückende Geschichte ihrer Verfolgung, die auch in Deutschland kein Ende genommen hat. Nach der Gründung des dortigen Zentralrats stand sie wegen zahlreicher Morddrohungen sechs Monate lang unter Polizeischutz. Auch in Österreich erwarte sie Gewalt gegen die Initiative, sagt sie. Als sie dann von ihrem Kampf gegen europäische Islamverbände spricht, schreit sie beinahe, so empört ist sie.

Moscheen würden das Gegenteil von Integration betreiben, Islamverbände die Demokratie ablehnen und die „Islamlobby“ Islamophobie bloß als Schutzbehauptung instrumentalisieren, heißt es auf dem Podium. Gläubige Muslime werden als radikal und fanatisch dargestellt, sich selber bezeichnen die Kritiker als „normale Menschen“. Wer vor Verallgemeinerung und Islamophobie warnt, ist multikulti.

Für sie ist der Islam gefährlich

Ahadi deutet nicht etwa zwischen den Zeilen an, dass jemand als normaler Mensch in eine Moschee hineingeht und als Terrorsympathisant herauskommt. Sie sagt das ganz genau so und erntet dafür tosenden Applaus; von Menschen, die ihrer Angst endlich Luft machen wollen dürfen, ohne als rassistisch und islamophob abgestempelt zu werden, die endlich sagen wollen dürfen, dass der Islam politisch und gefährlich, dass er frauenfeindlich, ja menschenfeindlich ist und sie hier deshalb weder Minarette noch Kopftücher sehen wollen. Mina Ahadi erteilt ihnen diese Erlaubnis, denn sie ist eine von „denen“ und doch eine von „ihnen“.

„Die Gefahr besteht darin, dass sie, anstatt Teil der Lösung zu werden, Teil des Problems bleiben und auf muslimischer Seite keine selbstkritischen Debatten auslösen, sondern nur Abwehrreaktionen hervorrufen.“ Diesen Satz schrieb die Süddeutsche Zeitung einmal über die holländische Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali und ihre Mitstreiter. Er könnte sich aber ebenso gut auf den neuen Zentralrat beziehen. Denn wie dessen Exponenten da so im Republikanischen Club sitzen und gegen den Islam rasen, erwecken sie nicht den Eindruck, als würden sie für die 95 Prozent der heimischen Muslime sprechen, die keine Moschee besuchen, sondern für jene 30 Prozent Österreicher, die laut Umfragen nicht neben Muslimen leben wollen.


Nun auch die Übersetzung auf Englisch, Achtung (IMÖ-Anmerkung): Aus dem web übernommen, nicht autorisiert und von uns nicht genau auf Übereinstimmung geprüft:

"I renounced!"

They were terrorized or despised. Austria’s ex-Muslims want to remove the condemnation of leaving the faith.

Perhaps Sibel Beyoglu would have to fear for her life if she told her story under her real name. But she would have to seek a new life. To the outside world Beyoglu is a wife, mother, and Muslim woman. Only her husband and her parents know her secret: Sibel Beyoglu doesn’t believe in Allah. Being an atheist, she doesn’t believe that women are less worthy than men, that they have to hide under a veil and that the can only enter heaven if they practice Islam actively — and also if their husbands approve. That is why she renounced Islam, as she had learned it, when she was young, and she raises her children as atheists. Under no circumstances are they allowed to talk about this outside the family.— translator] and about the "psychological terrorism" by workers of a company in Vorarlberg with 90% Turkish workers whenever he drank beer at company get-togethers. "I was able to accomplish nothing talking with hundreds of faithful Muslims,", Kaya said, "they seem indoctrinated and become aggressive quickly."

Beyoglu does not live in Saudi Arabia or in Afghanistan, but in a village in the middle of the Austrian countryside. "As a foreigner you are segregated, and often there is only your community." said the daughter of Turkish Immigrants. " If they throw you out you are isolated completely."

Silent renunciation

Cahit Kaya calls people like Sibel Beyoglu "Ex-Muslims": people socialized as Muslims, but who don’t practice their faith or have renounced it. Meanwhile 516,000 Muslims are living in Austria, according to a recent study by the integration fund. There is no broad research regarding their religiousness. If we believe the Islamic community, which claims to represent all Muslims, they are all either faithful or very faithful. According to Cahit Kaya the majority consists of Ex-Muslims. Like himself.

"They don’t have the confidence to admit it. Therefore I will speak in their names in the future," the 30-year-old Kaya said in his Vorarlberg dialect, sitting in the Cafe Korb in Vienna on a cloudy day in January. For five months he has been working on the painstaking organization of a Central Council for Ex-Muslims in Austria.

Painstaking, because although it is easy to find sympathizers, as he says, only few admit this in public.

In the future, the Ex-Muslims want to join in the struggle in the first line of domestic debate about Islam. They call themselves laicist, humanistic and freethinkers. Ostensibly they are concerned with removing the censure of apostasy, of leaving the faith, which in their opinion is a widespread but undiscussed problem in Austria. With their provocative and polarizing positions, they could remove the taboo from criticism of Islam itself. For the first time this no longer comes from the political Right, but from former Muslims themselves.

"I am an insider and I know the everyday problems within a parallel society. But the public should get to know them as well," Kaya said.

The young long-haired man neither studied theology nor has he ever been a faithful Muslim. He read books written by the Islam critics-Henry M.

Broder, Necla Kelek, and Ayaan Hirsi Ali and he demonstrated against the theocratic regime with the anti-Iranian initiative "Stop the bomb".

His discomfort with Islam is grounded on personal experiences with narrow-minded Muslims. Kaya was born in Eastern Turkey and grew up in Vorarlberg, and he tells us how he was insulted by his Turkish classmates whenever he ate Leberkäsesemmel [liver loaf = type of meat loaf popular in Austria

Between the possibilities of joining the "inner emigration" or avoiding Muslims and their society company, he decided to chose the latter. He moved to Vienna, started to study politics and kept looking for like-minded people, until last year he heard of Mina Ahadi.

Death Can be a Punishment

Three years ago the 53-year-old native of Iran founded the first Central Council of Ex-Muslims in Germany, whose offshoots are now active in England, Switzerland and Scandinavia (see column). As a student in Iran Ahadi had initially opposed the regime of the Shah and then fought against the mullahs. After her husband and five friends had been kidnapped from home and put to death, she fled to Europe. That home visit had been directed at her.

"I know Islam, and for me it means death and pain" is a slogan of this Communist, whose Central Council of Europe calls for a ban on veils and minarets and criticizes Islamic organizations for not representing the majority and for politicization. Their main concern, however, is apostasy.

Two years ago, a case from Afghanistan caused outrage in Europe. Abdul Rahman, a Muslim convert to Christianity, who had lived many years in Germany, was indicted in Afghanistan for apostasy and threatened with the death penalty. It was only after considerable international pressure that the trial was terminated by reason of insanity.

The asylum-seeker Majid Chavarie has a similar story, except that it does not attract so much attention, because it is the rule rather than the exception in Iran. He sits in the Viennese Café Schottenring and tells of how he grew up as an orphan with his devout brother and had to memorize the Koran sura by sura. During his youth, critical questions about Islam were met with public beatings. In a secret Bible study, he became acquainted with another god, as he says, "a God who speaks of love and not of battle."

When the Bible study group was uncovered, he was hunted and his house was under surveillance. Apostasy in Iran is punished by death. Therefore Chavarie fled to Europe. For nearly seven years he has lived in Austria, where he is politically active against the (Iranian) regime, and is hoping for asylum here. "In Iran the death penalty awaits me" he says. Because he has nothing left to lose, he is one of the few apostates to tell his story publicly. They do not face the death penalty in Austria, but often a social death.

Friederike Dostal, who is responsible for baptizing adults in the archdiocese of Vienna knows the stories behind the taboo. By conservative estimate, about 150 people a year convert from Islam to Christianity in Austria. "Often baptized candidates conceal their conversion process or at least don’t spread the news," says Dostal and tells anecdotes of her everyday work. For instance, a young Jordanian woman shortly before her ceremony decided against her baptism, after her family in Jordan was threatened. Another young convert, according to Dostal, had to hear the sentence: "If we were not in Austria, you would pay with your life."

Tarafa Baghajati, on the other hand, speaks of a "virtual problem".

Baghajati’s wife Amina is known as the spokesperson of the Islamic Religious Community (IGGIÖ); he himself, as a committed Muslim is one of the most important string-pullers in the background. In the conversation taking place in the library of the Academy of Islamic Religious Pedagogy, he pleads for free choice: "No compulsion is the word in the Koran," says Baghajati, a friendly man who likes to quote from the Koran to demonstrate parables with effective theatricality.

A new kind of criticizing Islam

"In countries where apostasy is punishable by law, the misunderstanding consists of making no distinction between the person changing his religion and high treason declared in a military sense,"

says Baghajati who does not see himself as the advocate of theocratic states, but as a cultural interpreter. "Among Muslims, religion is enshrined in the heart. You not only turn your back on God, but on your entire family and society. "

One does not have to approve of that, Baghajati says between the lines, but must understand it, because that is the way it is. The social, psychological, and human crises of which Cahit Kaya, Sibel Beyoglu, and Friederike Dostal speak are not known to the faith community, Baghajati assures. Only 21 Muslims left the faith in 2009.

"If someone wants to change his religion, he should do that. But he should then solve his problems on his own," Baghajati said. He refers to the Central Council of Ex-Muslims as "irrelevant"; the name was "a false choice". Finally, someone who has never been a Muslim could not also fall from the faith.

The representatives of the faith community are now in a new situation.

So far, criticism of Islam came mainly from the Right. Statements like that of FPÖ politician Susanne Winter, who has called the Prophet Muhammad a child molester, were not difficult to debunk as what they

are: racist incitement. But of the ex-Muslims of Cahit Kaya, those who know the so-called parallel society, because they grew up in it, step forward to comment. Cahit Kaya does not agree with the language of Winter’s remark, but with its content. Religious representatives still pay no attention.

Ultimately, the involvement of ex-Muslims, raises an important

question: Will they reach their target and launch an inner-Islamic discourse, or will they just harden the battle lines between Islamic representatives and critics of Islam?

In an online interview Kaya speaks of the need for an enlightenment movement within Islam. He condemns forced marriages, honor killings, stoning, and genital mutilation. Tarafa Baghajati would undoubtedly agree with Kaya on many of these points. However, the jubilant comments below the interview hint at who has been waiting for this criticism.

There is talk of Islam as a "mental illness" and that it is "curable", and that Austria is a "territory of colonization."

When the press conference of the Central Council started last Friday, it was immediately clear why neither Muslims nor Islamic representatives were present to discuss with the new critics: they were not welcome here. The ex-Muslims are not looking for dialogue, but a fight. Sixty interested people gathered in the Republican Club in the first district, which was packed to the rafters. Above all, atheists, feminists and leftists came and commented on every remark made from the podium by Mina Ahadi and Cahit Kaya, with nods and applause.

Ahadi first tells the depressing story of her persecution, which did not stop even in Germany. After the founding of the Central Council she was under police protection for six months because of numerous death threats. In Austria too, she expects violence against the initiative, she says. When she speaks of her struggle against European Islamic organizations, she almost shouts, she is so outraged.

Mosques would advance the opposite of integration, Islamic groups would reject democracy, and the "Islamic lobby" simply uses Islamophobia as a defensive statement: these are the things that are said on the podium. Devout Muslims are portrayed as radical and fanatic, the critics described as "normal people." Anyone who warns against generalization and Islamophobia is called multi-culti.

Islam is Dangerous for her

It is not that Ahadi implies "between the lines" that someone enters a mosque as a normal person and comes out as a supporter of terror. She says it straight out and earns thunderous applause, from people who want to finally be allowed to express their fear freely without being branded racist and Islamophobic, people who want to finally say that Islam is political and dangerous, is anti-feminine and indeed anti-human, and that they therefore want to see neither minarets nor headscarves. Mina Ahadi grants them this permission, because she is one of "those" and yet one of "these".

"The danger is that, rather than being part of the solution, they remain part of the problem, and do not cause any self-critical debate on the Muslim side, but merely defensive reactions." This sentence appeared one time in Sueddeutsche Zeitung about the Dutch Islam critic Ayaan Hirsi Ali and her companions in the struggle. It could, however, relate equally well to the new Central Council. For, as its exponents are sitting at the Republican Club and raging against Islam, they do not give the impression that they would speak for 95 percent of the local Muslims who do not attend mosques, but rather for those 30 percent of Austrians, who according to surveys, do not want to live next door to Muslims.

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