Islamische Bräuche und Feiertage

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Interview mit Tarafa Baghajati: halal & haram im Islam

Tarafa Baghajati

Das Biber:

INFOKASTEN – was ist halal und was ist haram?

Beantwortet von Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen

1. Ist Sex vor der Ehe im Islam erlaubt?

Tarafa Baghajati: Sex ist islamisch gesehen eine wunderbare Sache, zu der aber eine harmonische partnerschaftliche Verantwortung gehört und das ist die Ehe, wobei der Begriff Ehe im islamischen Konzept nicht 1:1 aus der christlichen Tradition zu übernehmen wäre.

2.  Viele muslimische Jugendliche interpretieren die Religion für sich neu, zB sagen sie, dass Sex in einer langjährigen Beziehung okay ist, da das eine Vorstufe der Ehe ist. Ist das erlaubt oder verwerflich? 

Die islamische Ehe hat einige Grundpfeiler:  a) Das gegenseitige Gelöbnis zweier erwachsener Personen, die sich in Liebe und Treue partnerschaftlich verbinden b) Das Bekenntnis vor Zeugen zu dieser Partnerschaft vor einer Vertrauensperson (in der Regel ein Imam) c) Die Bekanntmachung dieses Ereignisses d) Die Verpflichtung gemeinsam Verantwortung zu tragen, falls Kinder aus dieser Beziehung erwachsen. Natürlich ist es besser, diese Vereinbarungen zeremoniell in einem Ehevertrag schriftlich festzuhalten und auch die Familien beizuziehen, vor allem zum Schutz der Frauen vor Missbrauch und deren sozialer Absicherung. In diesem Sinne leben Personen, die die oben angeführten Bedingungen erfüllen, bereits islamisch-theologisch gesehen vor Gott und der Gesellschaft nicht in Sünde.

3. Gibt es irgendwelche „Richtlinien“ an denen sich dies Betroffenen hierbei orientieren können, wenn sie sich nicht sicher sind, ob sie richtig handeln?

Das ist je nach kulturellem Hintergrund und Tradition verschieden. Bei manchen islamischen Gesellschaften ist es üblich, die in der vorigen Antwort angeführten Bedingungen privat noch vor einer staatlichen Registrierung durchzuführen. Die zwei Partner sind in einer Phase der "Vorstufe zur Ehe".  Außer dem sexuellen Akt an sich sind Küssen und Umarmungen möglich, auch gemeinsam Ausgehen bis hin zu einem gemeinsamen Urlaub. Wenn alles gut läuft, dann feiert man die offizielle Hochzeit und nimmt die staatliche Registrierung vor. Erst danach leben beide richtig zusammen und teilen Tisch und Bett. Bei manchen Muslimen ist diese "Vorstufe" aber verpönt. Dort wird darauf bestanden, gleich eine juristisch und staatlich besiegelte Ehe einzugehen. In Österreich findet man beides. Es gibt auch manche erwachsenen älteren und finanziell unabhängige Leute, die sich islamisch trauen lassen und auf das Standesamt verzichten. Diese wären theologisch Eheleute, aber juristisch vor dem Staat Lebensgefährten. Für mich ist das wichtigste jeglichen Missbrauch im Vorhinein auszuschließen.

3. Ist Alkohol trinken erlaubt?

Nein. Was in größeren Mengen betrunken macht, ist auch in kleineren Mengen zu vermeiden.

4. Ist Marihuana erlaubt?

Haram - "Verboten" hat mehrere Stufen. Haschisch (Marihuana) muss unbedingt vermieden werden, fällt aber nicht in die gleiche Kategorie wie Alkohol und harte Drogen. Faustregel: Generell ist von allen Mitteln, die zu einer Beeinträchtigung des geistigen Vermögens führen und die gesundheitsschädigend sind (also auch Ectasy-Tabletten und ähnliches) aus
islamischer Sicht Abstand zu halten.

5. Ist Glücksspiel erlaubt?

Dort wo Geld im Spiel ist, nein. Das ist absolut haram. An sich wird Geld-und Zeitverschwendung islamisch gesehen als Fehlverhalten eingestuft. Außerdem kann Glücksspiel auch süchtig machen.

7. Was passiert, dem Glauben nach, wenn sie diese Sünden begehen? Im Christentum gibt es ja die Beichte, wie sieht das im Islam aus?

Im Islam ist die Beichte ausschließlich zwischen dem/der Einzelnen und Gott.
Eine ehrliche Reue bringt eine Vergebung der Sünden, wenn damit die Absicht verbunden ist diese Verfehlung nicht wieder zu begehen. Aber Achtung: Sünden gegenüber Menschen sind erst mit den Menschen auszumachen. Bei Verleumdungen, Beleidigungen, Betrug etc. muss erst die Wiedergutmachung und die Verzeihung der Beschädigten kommen. Erst danach kann ein Muslim auch von Allah Vergebung erwarten.

Was es mit islamischen Begräbnissen auf sich hat

Was es mit islamischen Begräbnissen auf sich hat

Nach den Attentaten in Deutschland und Frankreich wurden unter Muslimen Stimmen laut, den Mördern ein islamisches Begräbnis zu verweigern. Diese Entscheidung erntete auch Kritik.

Der Osnabrücker Religionssoziologe und Islamexperte Rauf Ceylan wendet sich in der jüngsten ZEIT-Beilage „Christ & Welt“ gegen das Vorhaben von Moscheegemeinden, den Attentätern von Würzburg und Ansbach in Deutschland sowie im französischen Rouen eine islamische Bestattung zu verweigern. Mohamed Abu El Qomsan, Bayern-Beauftragter des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) hatte sich dafür ausgesprochen, dass Attentätern sowohl ein Begräbnis auf einem islamischen Friedhof als auch eine islamische Zeremonie verweigert werden sollte. Laut Ceylan entspricht das auch der Mehrheitsmeinung unter Muslimen.

„Schwerste Sanktion des Islams“

Allerdings trifft diese „schwerste Sanktion des Islams“ laut Ceylan vor allem die Hinterbliebenen. „Familien sollten nicht mitbestraft werden. Sie sind schon bestraft genug“, sagt er. Die Moscheen hätten nur diese Möglichkeit, um die geforderte Distanzierung vom Terror zum Ausdruck zu bringen. Islamische Theologen und Seelsorger sollten aber ihre Position überdenken, so der Wissenschaftler, der als Sohn kurdischer Migranten in Duisburg geboren wurde.

Grabstein am islamischen Friedhof im Zentralfriedhof

APA/Herbert Pfarrhofer

Grabstein auf dem islamischen Teil des Wiener Zentralfriedhofs

Wendet sich jemand vom Islam ab, ist die nichtislamische Bestattung logische Folge. Islamistische Attentäter hingegen würden sich dezidiert als Muslime verstehen. Ihre Schuld vergrößere sich zwar dadurch, dass sie sich für ihre Verbrechen auf Gott berufen, aber „auch schlechte Muslime bleiben Muslime“, so Ceylan.

Imam: Nicht in IS-Duktus fallen

Tarafa Baghajati, Imam und Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen gibt im Gespräch mit religion.ORF.at Ceylan insofern Recht, als auch er sagt, dass niemand jemand anderem absprechen könne, Muslim zu sein. Zudem müsse die islamische Community darauf achten, nicht in den Duktus der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu geraten, die stets in „gläubig“ und „ungläubig“ unterteile. Der IS rechtfertigt seine Taten scheinbar theologisch durch den Kampf gegen Ungläubige.

Die Position des ZMD sei aber vollkommen richtig, so Baghajati. Denn als offizielle Vertretung der Muslime könne man islamistische Attentäter nicht durch ein muslimisches Begräbnis würdigen. Er wendet sich aber gegen ein generelles Verbot und würde es der Familie überlassen, eine islamische Zeremonie abzuhalten. Denn dazu braucht es im Islam keinen Geistlichen, auch nahe Verwandte können die Gebete leiten.

Tarafa Baghajati

ORF/Marcus Marschalek: Tarafa Baghajati

Eine neue Dimension nach dem Tod

Grundsätzlich beginne mit dem Eintritt des Todes eine neue Dimension, in der die Beziehung zu den Menschen abbreche und nur die zu Gott übrigbleibe. „War jemand ein guter Mensch, ist er vor Gott gut, wenn er schlecht war, schlecht. Punkt“, sagt Baghajati. Wie jemand zu Tode kommt oder begraben wird, sei letztlich irrelevant, so Baghajati. Für die Gemeinschaft allerdings sei es von großer Bedeutung, wie und ob jemand begraben werde. Denn wie die Seele die Zeit zwischen dem Tod und dem Tag des jüngsten Gerichts verbringe, wisse niemand, daher werde für sie gebetet, so der Imam.

Im Islam wird die ordnungsgemäße Beerdigung Verstorbener als wichtig erachtet, da die Toten nach muslimischer Auffassung zu Allah zurückkehren. Bereits die sterbende Person wird mit Gebeten auf ihrem Weg begleitet. Nach dem Eintritt des Todes wird der Leichnam von Glaubensangehörigen rituell gewaschen. Männer werden von einem Mann, Frauen von einer Frau dreimal mit heißem Wasser und Seife gewaschen.

Danach wird die Person eingekleidet beziehungsweise in Tücher gehüllt. Darauf erfolgt die rasche Bestattung. Der Tote liegt dabei auf der rechten Seite und blickt Richtung Mekka. Muslimische Friedhöfe sind so angelegt, dass die Gebetsrichtung eingehalten werden kann. Die einzig gültige Art der Bestattung im Islam ist die Erdbestattung - möglichst ohne Sarg.

Islamische Gräber am islamischen Friedhof in Wien 23.

IGGiÖ: Der islamische Friedhof im 23. Bezirk in Wien

Rasche Beisetzung am Ort des Todes

Der Islam empfiehlt die Beisetzung innerhalb von 24 Stunden am Ort des Todes. Seit einigen Jahren gibt es in Österreich eigene islamische Friedhöfe und muslimische Abteilungen innerhalb anderer Friedhöfe. Hierzulande sind mindestens 48 Stunden Wartezeit vor der Beerdigung, sowie ein Sarg vorgeschrieben. Hier wird häufig auf naturbelassene Weichholzsärge zurückgegriffen.

Ließen sich lange Zeit Muslime in ihre Heimatländer oder die ihrer Eltern überführen und dort begraben, steigen die Bestattungen an den Orten, wo ein Großteil der Lebenszeit verbracht wurde. Für die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) sind die islamischen Friedhöfe deshalb auch ein Zeichen der Integration.

Die Ächtung Verstorbener hat übrigens eine lange Tradition. In der Antike wurden Namen und Bildnisse verhasster Personen aus Schriften und Darstellungen entfernt, um deren Andenken zu zerstören. Auch im Römischen Reich wurde die „Damnatio memoriae“ (lateinisch für „Verdammung des Andenkens“) praktiziert.

Nina Goldmann, religion.ORF.at

Aufklärungsvideo: Muslime und Hunde

Muslime Europas und Hundephobie

Es ist kein weltbewegendes Thema, aber im Alltag durchaus wichtig. Sonst hätten mich nicht so viele Freunde und Bekannte darauf angesprochen und darum gebeten, speziell wegen der vielen neu angekommenen Musliminnen und Muslime darüber zu sprechen. Wie steht der Islam zum Umgang mit Hunden? Daher habe ich diese 12. Islamische Botschaft diesem Thema gewidmet. Die arabische Fassung ist schon fertig (siehe Link). Die Fragen sind:

- Inwieweit gilt der Hund an sich al "unrein" und in welcher Rechtschule?
- Gilt dies für den Hund allgemein oder nur für seinen Speichel?
- Gibt es profunde Meinungen, die besagen, dass das Ganze mit der rituellen Reinheit (wichtig fürs Gebet) absolut nichts zu tun hat?
- Was machen Leute, die die ganze Zeit mit Hunden in Berührung kommen? Oder Muslime, die Hundebesitzer als Freunde haben?
- Was machen Muslime, die z.B. beruflich mit Hunden im Kontakt kommen müssen?

Einige Gedanken zum Thema ...

Link zur arabischen Version:
https://www.youtube.com/watch?v=LyV6Zi-Ho0o
 

Und hier ein Link zu den weiteren islamischen Botschaften:
https://www.youtube.com/playlist?list=PLmRHAKDHvXSyqOfch7GBAyhp9GLmvNOk8

Medienberichte zum Video:

KURIER:

http://kurier.at/chronik/oesterreich/video-aufklaerung-warum-muslime-keine-hunde-wollen/202.872.288

HEUTE:

http://www.heute.at/news/oesterreich/Hunde-Das-bedeuten-sie-fuer-Muslime;art23655,1296826

oe24:

http://www.heute.at/news/oesterreich/Hunde-Das-bedeuten-sie-fuer-Muslime;art23655,1296826

The Hufington Post Deutschland:

http://www.huffingtonpost.de/2016/06/06/muslime-hunde-phobie_n_10318270.html

Gedanken zum Beginn des Ramadans

Am letzten Juniwochenende begann für die Muslime der Fastenmonat Ramadan 2014, bzw. 1435 nach der Hidschra. Die religiöse Übung sich von Beginn der Morgendämmerung bis Sonnenuntergang von Essen und Trinken zu enthalten wirkt zugleich individuell und in die Gesellschaft. Gläubige streben danach, ihre persönliche Gottesbeziehung zu vertiefen und positive Charaktereigenschaften wie Geduld, Ausdauer und Empathie zu stärken. Ein Stück weit am eigenen Leibe zu spüren, wie es jenen geht, für die genug Nahrung, sauberes Trinkwasser und sichere Lebensumstände keine Selbstverständlichkeit sind, soll die Solidarität mit Bedürftigen steigern.

Das Bild des Körpers ist auch in einem bekannten Ausspruch des Propheten Muhammad präsent: "Das Gleichnis der Gläubigen in ihrer gegenseitigen Freundschaft und Barmherzigkeit sowie ihrem Mitgefühl füreinander ist wie der Körper eines Menschen: Wenn ein Glied leidet, so leidet der ganze Körper an Schlaflosigkeit und Fieber."   Die dramatische Situation in vielen Ländern, in denen Muslime leben, ist Anlass zu Sorge und Trauer.

In einem Monat, der im Zeichen besonders intensiver Gebete steht, soll um weltweiten Frieden und Versöhnung gebetet werden und Linderung des Leids vieler unschuldiger Zivilisten in Krisenregionen. Humanitäre Hilfe ist gefragt und die Spendenbereitschaft gerade im Ramadan groß. Solidarität und Zusammenhalt der Muslime muss aber auch einschließen, die innere Vielfalt positiv wahrzunehmen und umso entschiedener gegen jede Tendenz des Schürens von interkonfessionellem Hass und Missbrauch von Religion zur politischen Instrumentalisierung anzugehen.

Ramadan ist ein Monat des Friedens und der Mäßigung – wie das Wesen des Islams in einem Weg der Mitte liegt und im bewussten Vermeiden jeder Extreme. Die überwältigende Mehrheit aller Muslime will diese Prinzipien leben und soll in diesem Bestreben auch wahrgenommen werden.

Als Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich wünschen wir einen gesegneten und erfüllten Ramadan und hoffen, dass die positive Ausstrahlung dieses Monats möglichst viele Menschen erreicht.

Dr. Fuat Sanac, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft

Rückfragehinweis:

Carla Amina Baghajati, Medienreferentin der Islamischen Glaubensgemeinschaft

baghajati [at] derislam.at

Festwünsche / Opferfest 2013

15. Oktober 2013 ist der erste Tag des Opferfestes. Möge Allah den Duaa der Pilgern und unsere Bittgebete erhören und uns mit seiner Gnade und Barmherzigkeit erfüllen. Hier ein Link zu einem TV-Interview vom 2010 und ein Interview vom 2011 (beide inhaltlich aktuell) über das Opferfest und Hadj zur Information.
كل عام وأنتم بألف خير وعيدكم مبارك
ORF-Interview – Gerhard Tuschla

Jährlich findet das islamische Opferfest statt. Nach bestimmten Regeln wird ein Tier geschlachtet und gemeinsam verspeist, um an die Opferbereitschaft des Propheten Ibrahim zu erinnern.

M-Media: von Jana Rosenfeld

Das islamische Opferfest (auf Arabisch: Eid Al-Adha) ist das wichtigste Fest im Islam und dauert 4 Tage lang. Es wird am 10. Tag des Monats Dhu-I-hiddscha begangen, wobei sich das Datum im gregorianischen Kalender, der – anders als der islamische – kein Mondkalender ist,  jedes Jahr um 11 Tage verschiebt. Außerdem ist der Feiertag auch einer der Höhepunkte der zeitgleich stattfindenden Haadsch, der Pilgerfahrt nach Mekka, die für alle Muslime, die sich finanziell und gesundheitlich in der Lage befinden, einmal im Leben verpflichtend ist.

So beginnt das Opferfest mit dem Rezitieren von Bittgebeten, ähnlich denen, die zur gleichen Zeit von den Pilgern in Mekka gesprochen werden. Danach geht die ganze Familie zusammen in die Moschee, wo – anders als beim Freitagsgebet – laut mitgesungen wird. Nach der Festtagsansprache des Imam werden Geschenke und Spenden verteilt und die Familie geht wieder nach Hause, wo sie den Tag zusammen verbringt und ihr Festmahl genießt.

Schafe als Opfer

Alle Muslime, die es sich leisten können, sollen an diesem Tag ein Tier, meist ein Schaf, aber auch eine Ziege, ein Kamel oder eine Kuh, opfern. „Damals, in Damaskus, wurde bereits einige Tage vor dem Opferfest ein Schaf gekauft, mit dem die Kinder spielten und welches sie auf der Straße hin und her führten. Obwohl die meisten über den eigentlichen Zweck des Tieres aufgeklärt wurden, bauten manche Kinder eine Beziehung zu ihm auf, sodass es ihnen schwer fiel es gehen zu lassen“, erinnert sich Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Kulturreferent der islamischen Religionsgemeinde Wien.

Am ersten Tag des Opferfestes wird das Tier schließlich von einem Metzger geschlachtet. Dass jemand, der kein Profi ist, das Tier tötet und es somit womöglich unnötig quält, ist allerdings strikt verboten. „Der Mensch darf Tiere verspeisen, doch nur mit Maß und Verantwortung. Wenn man zum Beispiel in der Wüste ohne Kühlschrank lebt und es nicht genug Menschen gibt, die das Fleisch aufessen könnten, bevor es schlecht würde, ist das Tier umsonst gestorben. Das wäre eine Sünde“, erklärt Baghajati.

Heutzutage kaufen allerdings sowieso nur noch jene ein lebendiges Tier, die am Land leben. In Städten geben Muslime in der Regel einer Metzgerei den Auftrag ein Schaf zu schlachten, welches sie danach abholen, dritteln und unter Verwandten, Nachbarn und Freunden, Mittellosen und der eigenen Familie aufteilen. So handhaben es viele in Österreich lebenden Muslime. Doch es ist hier fast noch üblicher einer Organisation Geld zu spenden, die dann in einem anderen Land im Namen der Familie ein Schaf für Bedürftige schlachtet. Zwar kann man beim großen Festmahl dann nichts vom geopferten Tier verspeisen, doch das ist auch nicht der eigentliche Sinn des Festes. „Leider setzen sich nicht alle damit auseinander, warum an diesem Tag ein Tier getötet wird. Sie denken es sei bloß eine Tradition“, so der Kulturreferent der islamischen Religionsgemeinde Wien.

Ibrahim, der “Vater der Semiten” 

Die Erbringung des Opfers ist viel mehr ein symbolischer Akt, der an die Hingabe des Propheten Ibrahim zu Gott erinnern soll. Denn im Koran heißt es, dass Ibrahim seinen Glauben unter Beweis stellte, als er bereit war aufgrund eines Befehls Gottes seinen eigenen geliebten Sohn zu opfern. Während es sich laut der jüdischen Thora und dem alten Testament um Abraham und seinen Sohn Isaak, einen der 3 Erzväter der Israeliten, handelt, gehen die meisten muslimischen Gelehrten, obwohl es im Koran nicht explizit steht, davon aus, dass es Ismael war, der Stammvater vieler arabischer Stämme und Vorfahre des Propheten Mohammeds. Das Ergebnis ist jedoch für alle drei abrahamitischen Religionen dasselbe. Gott rettete den Sohn und der „Vater der Semiten“ Ibrahim, beziehungsweise Abraham, opferte stattdessen einen Widder.

Die Opferung eines Tieres symbolisiert somit die Bereitschaft der Individuen Opfer zu bringen, um am „richtigen Weg“ zu bleiben. Da Gott aber nicht wollte, dass ein Unschuldiger seinetwegen sterben solle, erinnert es auch an seine Barmherzigkeit und daran, dass man seinem Urteil vertrauen kann, so Baghajati. „Das ist die eigentliche Lehre des Islams. Wir Menschen wurden nicht geschaffen um getötet zu werden, sondern um in Würde zu leben.“

Ramadan

Sehr geehrte Damen und Herren!

Liebe Freundinnen und Freunde

Unten ein Fragenkatalog zum Thema Ramadan. Außerdem haben wir eine Zusammenstellung von Zitaten aus den Primärquellen von Quran und Sunna (Vorbild des Propheten), die sich speziell darauf beziehen,  eingefügt.

Beste Wünsche für eine gesegnete, erfüllte und friedliche Zeit in diesem Ramadan 2012/1433, der am 20. Juli begonnen hat. Der erste Feiertag nach der Fastenzeit liegt voraussichtlich am 19. August 2012.

Mit den besten Grüßen

Für die IMÖ: Carla Amina Baghajati, baghajati [at] aon.at


Ramadan - Texte aus den Quellen des Islam

Aus dem Koran:

„Oh ihr Gläubigen! Das Fasten wurde euch vorgeschrieben, wie es denen vorgeschrieben worden war, die vor euch waren, damit ihr wirklich fromm werdet. Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage fasten. Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet! Der Monat Ramadan ist es, in dem der Quran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tag fasten – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein. Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe. Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn Er mich ruft. Deshalb sollen sie auf Mich hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie den rechten Weg einschlagen.“ (2:183-186)

„Und die vor ihrer eigenen Habsucht bewahrt bleiben, denen wird es wohl ergehen.“ (64:16)

„Wer Gutes tut, tut es für seine eigene Seele.“ (45:15)

„Sie geben ihnen (den Bedürftigen) den Vorrang vor sich selbst, auch wenn sie selbst unter Entbehrungen leiden…“ (59:9)

„Und Gottesdiener sind die, wenn sie etwas spenden, weder verschwenderisch, noch knauserig sind, sondern das rechte Maß dazwischen finden….“ (25:67)

„Oh, ihr die ihr glaubt, spendet von den guten Dingen, die ihr erworben habt, und von dem, was Wir für euch aus der Erde hervorgebracht haben, und sucht nicht das schlechte davon aus, um es zu spenden, wo ihr es doch selbst nicht nehmen würdet, es sei denn, ihr würdet ein Auge dabei zudrücken. Und wisst, dass Allah sich selbst genügend ist, des Lobes würdig.“ (2:267)

„Niemals werdet ihr Frömmigkeit erlangen, ehe ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt….“ (3:29)

„Und es gibt kein Lebewesen auf Erden, dessen Versorgung nicht bei Allah liegt.“ (11:6)

„Sprich: Sind etwa diejenigen, die wissen, denen gleich, die nicht wissen? Doch nur die einsichtigen lassen sich ermahnen.“ (39:9)

„Und ihr gebt nichts als Spende hin, ohne dass ER es euch ersetzt.“ (34:39)

„Und wer Gutes im Gewicht eines Stäubchens getan hat, wird es sehen.“ (99:7)

„Und das, was ihr an Gutem für euch vorausschickt, das werdet ihr bei Allah wieerfinden. – Ja, sogar besser und größer an Belohnung.“ (73:20)

„Oh, die ihr glaubt! Sucht Hilfe in Geduld und Gebet; wahrlich Allah ist mit den Geduldigen.“ (2:153)

„Wer aber geduldig ist und verzeiht, dies ist fürwahr ein Zeichen fester Entschlossenheit.“ (42:43)

„Hast du denjenigen gesehen, der die Religion verleugnet? Er ist derjenige, der das Waisenkind schroff abweist, und auch nicht dazu ermutigt, den Bedürftigen zu speisen.“ (107:1-3)

„Nichts Gutes ist in vielen ihrer geheimen Besprechungen, es sei denn jemand ruft zur Mildtätigkeit auf oder zur Güte oder zur Versöhnung unter den Menschen….“ (4:114)

„Doch wenn ihr ein Haus betretet, dann begrüßt euch gegenseitig – mit einem Gruß gleichsam von Allah, voll Segen und Güte.“ (24:61)

„Wir haben fürwahr das Vertrauenspfand (Anvertrautes, Verantwortung) den Himmeln und den Bergen angeboten, doch sie weigerten sich, es zu tragen und schreckten davor zurück. Der Mensch aber nahm es auf sich. Er ist wahrlich ungerecht, unwissend.“ (33:72)

„… und die ihre Wut bezähmen und den Menschen vergeben – und Allah liebt die, die Gutes tun.“ (3:134)

 „Sprich: Oh meine Diener, die ihr euch gegen eure eigenen Seelen maßlos verhalten habt, verzweifelt nicht an Allahs Barmherzigkeit. Allah vergibt fürwahr alle Schuld. Er ist der Allverzeihende, der Barmherzige.“ (39:53)

 

Aus dem Hadith (vorbildliche Lebensweise des Propheten Muhammad):

"Wenn sich jemand nicht der Falschheit in Wort und Tat enthält, dann liegt Allah nichts daran, dass er sich des Essens und Trinkens enthält."

"Das Fasten ist ein Schutz. So soll der (der fastet) keine unzüchtigen Reden führen und sich nicht töricht verhalten; und wenn jemand ihn bekämpft oder ihn beschimpft, soll er zweimal sagen: 'Ich faste. Und bei Dem, in Dessen Hand meine Seele ist: Der Mundgeruch des Fastenden ist Allah angenehmer als der Duft von Moschus, denn [Gott sagt:] er lässt ab vom Essen und Trinken und von seinen Begierden um Meinetwillen. Das Fasten ist für Mich, und Ich gewähre die Belohnung dafür. Und die gute Tat wird zehnfach belohnt."

"Für alles ist Zakat zu entrichten, und die Zakat für den Körper ist das Fasten."

"Wer im Ramadan in (festem) Glauben und in der Hoffnung auf Belohnung fastet, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben; und wer im Ramadan (nachts im Gebet) steht in (festem) Glauben und in der Hoffnung auf Belohnung, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben."

„Wenn jemand, während er fastet, aus Vergessenheit isst oder trinkt, so soll er sein Fasten zu Ende leisten. Denn es ist Gott, der ihm da zu essen und zu trinken gegeben hat.“ (nach Bukhari, Muslim, Abu Dawud, Tirmidhi, Nasa’i)

Ein Mann kam zum Propheten und sagte: Ich gehe zugrunde, oh Gesandter Gottes. Er  sagte: Was hat dich zugrunde gehen lassen? Er sagte: Ich habe im Ramadan mit meiner Frau verkehrt. Er sagte: hast du die Möglichkeit einen Sklaven freizugeben? Er sagte: nein. Er sagte: Hast du die Möglichkeit sechzig Bedürftige zu speisen? Er sagte: Nein. Da setzte er sich. Es wurde dem Propheten ein Korb Datteln gebracht. Da sagte er: Gib dies als Almosen. Der Mann sagte: Jemandem, der ärmer wäre als wir, oh Gesandter Gottes? Bei Gott, es gibt in Medina keine Familie, die es nötiger hätte, als wir. Der Prophet lachte, bis seine Eckzähne sichtbar wurden. Dann sagte er: Geh und gib es deinen Angehörigen zu essen. (nach Bukhari, Muslim, Abu Dawud, Tirmidhi, Nasa’i)

„Wer einem Fastenden zum Fastenbrechen zu essen gibt, erhält einen gleichen Lohn wie er, ohne dass es den Lohn des Fastenden irgend schmälert.“ (nach Tirmidhi, Ibn Hanbal)

Der Prophet pflegte, wenn er das Fasten brach zu sagen: Oh unser Gott, für dich faste ich, und von deiner Versorgung breche ich das Fasten.“ (nach Abu Dawud)

„Das Fasten ist ein Schutz. So soll der, der fastet, keine lose Rede führen und sich nicht töricht verhalten; und wenn jemand ihn bekämpft oder ihn beschimpft, soll er zweimal sagen: Ich faste.“

Allah freut sich über Seinen Diener, der Nahrung zu sich nimmt und Ihn dafür preist und der Wasser trinkt und Ihn dafür preist.

Der Gesandte Gottes sagte: „Ich bürge demjenigen für ein Haus am Rande des Paradieses, der Streit meidet, auch wenn er im Recht ist und für ein Heim in der Mitte für jenen, der das Lügen aufgibt, selbst wenn er nur zum Spaß lügt und für ein Heim am höchsten Platz des Paradieses für denjenigen, der sich gut benimmt.“

„Wahrer Reichtum ist nicht Reichtum an Besitz, sondern wahrer Reichtum ist im Herzen.“

„Wenn ein Muslim einen Baum pflanzt, dann ist das, was von dem Baum gegessen wird, eine Sadaqa (Spende) für ihn (als hätte er gespendet), und was auch immer davon gestohlen wird, ist auch eine Sadaqa für ihn, und auch, was davon verloren geht.“

„Die obere Hand (also die gebende) ist besser als die untere Hand (also die empfangende), und du sollst beim Geben von Sadaqa (Spenden) bei denen anfangen, die von dir abhängig sind; und die beste Sadaqa ist die vom Überfluss gegebene, und wer Tugend erstrebt, dem wird sie Allah schenken, und wer Verzicht übt, den wird Allah reich machen.“

Der Gesandte Allahs sagte zu Anas: Mein Sohn, wenn du dein Zuhause betrittst, dann begrüße deine Leute mit dem Friedensgruß. Dies ist ein Segen für dich und für die Mitglieder deiner Familie.“

Allahs Gesandter sagte: Nur auf zweierlei darf man neidisch sein: Auf jemanden, der von Allah mit Reichtum bedacht wurde, und der es auf rechte Weise ausgibt. Auf jemanden, dem Allah Weisheit verliehen hat, und der danach lebt, urteilt und unterrichtet.“

Aisha berichtete Urwa: „Bei Allah, mein Neffe, wir haben drei Monde in zwei Monaten gesehen, ohne dass in den Wohnungen des Propheten das Herdfeuer entfacht worden wäre. Wir ernährten und von Datteln und Wasser, außer wenn der Prophet Gefährten als Nachbar hatte, die Milchvieh hatten. Sie sandten dann immer etwas Milch.“

„Als Allah die Geschöpfe schuf, schrieb er in ein Buch, das sich über seinem Thron befindet: Meine Barmherzigkeit überwältigt meinen Zorn.“


Ramadaninfo

Spannend gestaltet sich Jahr für Jahr die Bestimmung des Ramadanbeginns. Die Berechnung des muslimischen Fastenmonats nach dem Mondkalender verlangt die Sichtung der schmalen Mondsichel. Da diese in Europa erst später als in den Ländern rund um den Äquator zu erkennen ist, folgen viele Muslime in Österreich weiterhin der Praxis ihres Ursprungslandes, fasten mit jenem Land, das zuerst den Mond gesehen hat oder orientieren sich an der Mehrheit. So sehr die Gläubigen die entstehende Uneinheitlichkeit bedauern – theologisch gesehen ist die mitunter leicht abweichende Datierung ganz „normal“, hat sie doch natürliche Ursachen. Im Zeitalter der Globalisierung fällt diese Tatsache eines manchmal verschiedenen Beginns einfach mehr auf. Wichtig ist, dass der Geist des islamischen Fastens alle eint: die Suche nach innerem Frieden, der nach außen strahlen soll, das Bemühen um Mäßigung und um sozialen Ausgleich und die  Konzentration auf das Wesentliche. Hier Antworten auf häufig gestellte Fragen zur Praxis des Ramadan:

Ramadan – der Fastenmonat der Muslime
Ein praktischer Überblick mit Antworten auf häufige Fragen

 In der Glaubenspraxis der Muslime haben die „fünf Säulen“ eine zentrale Bedeutung.

Neben dem Bekenntnis des Einen Gottes und Seiner Propheten, an deren abschließender Stelle Muhammad steht, Friede sei mit ihnen allen, dem Gebet, der sozial-religiösen Pflichtabgabe Zakat, ist dies an vierter Stelle das Fastengebot im Monat Ramadan. Die fünfte Säule bildet die Pilgerfahrt nach Mekka, die bei Gesundheit und ausreichenden finanziellen Mitteln einmal im Leben erfolgen sollte.

Wird der Ramadan im Koran erwähnt?

Ja, besonders in der zweiten Sure, ab Vers 183.

„Oh ihr Gläubigen! Das Fasten wurde euch vorgeschrieben, wie es denen vorgeschrieben worden war, die vor euch waren, damit ihr wirklich fromm werdet. Es sind nur abgezählte Tage. Und wer von euch krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tage fasten. Und denen, die es mit großer Mühe ertragen können, ist als Ersatz die Speisung eines Armen auferlegt. Und wenn jemand freiwillig Gutes tut, so ist es besser für ihn. Und dass ihr fastet, ist besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet! Der Monat Ramadan ist es, in dem der Quran als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und Unterscheidung. Wer also von euch in dem Monat zugegen ist, der soll in ihm fasten. Und wer krank ist oder sich auf einer Reise befindet, soll eine Anzahl anderer Tag fasten – Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen – damit ihr die Frist vollendet und Allah rühmt, dass Er euch geleitet hat. Vielleicht werdet ihr dankbar sein. Und wenn dich Meine Diener über Mich befragen, so bin Ich nahe. Ich höre den Ruf des Rufenden, wenn Er mich ruft. Deshalb sollen sie auf Mich hören und an Mich glauben. Vielleicht werden sie den rechten Weg einschlagen.“ (Koran, 2:183-186)

Wann ist Ramadan?

Das islamische Jahr ist ein Mondjahr und damit um ca. 11 Tage kürzer als das Sonnenjahr. Von Jahr zu Jahr verschiebt der Kalender sich darum um diese Anzahl von Tagen gegenüber dem Sonnenjahr nach vorne. Daher kann der Ramadan in allen Jahreszeiten liegen. Muslimische SchülerInnen sind zu den islamischen Feiertagen vom Unterricht befreit.

Übersicht über die aktuellen Daten:

2012: 20. Juli bis 19. August (19. August voraussichtlich  erster Feiertag, der genau genommen am Vorabend mit Sonnenuntergang beginnt)

Wie wird gefastet?

Von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang halten praktizierende Muslime ein Fasten, das Enthaltung von Essen und Trinken, sowie Geschlechtsverkehr bedeutet.

Und das Rauchen?

Ist auch verboten. Ohnehin ist es als gesundheitsschädlich und verschwenderisch verpönt, bei manchen Gelehrten auch als „haram“, also immer verboten, eingestuft. Im Ramadan muss es beim Fasten unbedingt unterlassen werden. Eine gute Gelegenheit gleich ganz damit aufzuhören!

Aber überhaupt nichts zu trinken kann doch nicht gesund sein?

So wie man sich in den Abend- und Nachtstunden mit Essen stärkt, versorgt man den Körper auch mit ausreichender Flüssigkeit in Vorbereitung auf das Fasten tagsüber. Beklagen viele Mediziner die mangelnde Flüssigkeitsaufnahme aus Nachlässigkeit, ist gerade der Ramadan eine Gelegenheit sehr bewusst die empfohlene Menge von mehr als 2 Litern täglich einzuhalten.

Und nach dem Fasten stopft man Mengen von Essen in sich hinein?

Das Fasten soll den Wert gesunder Nahrung bewusst machen und damit für einen vernünftigen Umgang mit Lebensmitteln sensibilisieren. Der Körper verlangt nach dem Fasten nach verträglichen Speisen und ist gar nicht in der Lage, übermäßige Mengen aufzunehmen. Völlerei wäre nicht im Sinne des Islam, da Fasten auch als sozialer Akt der Solidarität mit Bedürftigen verstanden wird.

Gibt es spezielle Fastenspeisen?

Nach dem Vorbild des Propheten Muhammad brechen viele Muslime ihr Fasten mit einigen Datteln und einem Glas Wasser oder Milch, ehe sie später zu Tisch gehen. Von Region zu Region gibt es Spezialitäten, die vor allem im Ramadan Saison haben, weil sie viel Flüssigkeit enthalten und leicht verdaulich sind. Prinzipiell sind alle vom Islam als „halal“, also „rein“ eingestuften Nahrungsmittel auch während der Fastenzeit zugelassen, da sich der Mensch der Gaben Gottes dankbar erfreuen soll.

Und was ist „halal“?

Es gilt das bekannte islamische Rechtsprinzip: „Was nicht verboten ist, ist erlaubt.“ Ausdrücklich untersagt sind der Verzehr von Schweinefleisch, Blut und Verendetem, sowie Alkohol.

Ich höre immer, dass das Fastenbrechen zu großen Gelagen mit vielen Gästen gerät?

Gastfreundschaft wird gerade im Ramadan hochgehalten. Wird für eine große Anzahl Personen gekocht, bietet man oft eine größere Auswahl von Speisen an. Wenn jemand zufällig etwas nicht mag, soll ja eine Alternative dabei sein. Sicher kann man kritisch anmerken, dass es dabei nicht zu übertriebener Luxusentfaltung kommen soll.

Fasten alle Muslime?

Das Fastengebot wird sehr verbreitet eingehalten. Schätzungen nach Umfragen gehen von 80% in Österreich aus. Vom Fastengebot ausgenommen sind Kinder, Reisende, Frauen im Wochenbett oder während ihrer Menstruation. Alle Menschen, für die Fasten gesundheitlich unmöglich oder nicht zuträglich wäre, sind befreit. Darunter fallen zum Beispiel Kranke, ältere Menschen, Schwangere, aber unter Umständen auch Menschen mit körperlich sehr anstrengenden Berufen. Die Gewissensentscheidung liegt beim Einzelnen. Der Körper gilt als ein so hohes Gut, dass man ihn nach Kräften durch einen verantwortungsvollen Umgang pflegen soll. „Gott will es den Menschen leicht machen.“ – ist eine koranische Aussage, die zusätzlich vor übertriebenen Kasteiungen bewahren soll.

Ist Fasten im Sommer nicht gefährlich?

Noch einmal: Niemand darf seinem Körper durch das Fasten Schaden zufügen. Wer diesbezüglich Sorge hat, sucht am besten einen Facharzt auf, um individuell zu klären, was zuträglich ist.

Geht das, dass man nichts isst, aber trinkt – gilt das als Fasten?

Nein, das religiöse Fasten der Muslime beinhaltet, sich von Essen und Trinken zu enthalten.

 Was passiert, wenn man nicht fastet?

Alle erwachsenen Menschen, die das Fasten versäumen, sollen die Anzahl der nicht gefasteten Tage im Laufe des Jahres nachholen. Wem das aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich ist, der kann für jeden nicht gefasteten Tag einen Bedürftigen mit Nahrungsmitteln für einen Tag versorgen. Dies kann auch eine finanzielle Leistung, muss also kein Essenspaket  sein. Aber man sollte so viel spenden, wie das auch dem eigenen Lebensstandard bei der Ernährung entspricht.

Ist das normal, dass schon Volksschulkinder fasten?

Für Kinder ist die Ramadanzeit ein Erlebnis, denn es herrscht eine besondere, im Idealfall sehr ausgeglichene und fröhliche Stimmung. Oft möchten Kinder dem Beispiel der Erwachsenen nacheifern und schon mitfasten. Tatsächlich sollen Kinder schrittweise an das Fasten herangeführt werden. Von Familie zu Familie kann variieren, wie das geschieht. Da wird die eine oder andere Mahlzeit ausgelassen, bis ein ganzer Fastentag erreicht ist. Natürlich ist auch die Konstitution der Kinder zu berücksichtigen. Die meisten Kinder aber schätzen sich selbst sehr gut ein und profitieren davon, so ganz bewusst mit Nahrung umzugehen. Als das Fasten in der Winterzeit lag, probierten mehr Kinder das Fasten aus als jetzt, wo die Fasttage wieder sehr viel länger geworden sind.

Was ist ein „Ramadankalender“?

Bei muslimischen Lebensmittelhändlern und in den Gebetsräumen liegen handliche Folder auf. Diese Kärtchen weisen für jeden Tag im Ramadan aus, wann die exakte Uhrzeit des Beginns der Morgendämmerung ist, die Gebetszeiten und natürlich dabei auch die Abenddämmerung. So lässt sich auf einen Blick die Fastenzeit für den jeweiligen Tag erkennen.

Aber gibt es nicht auch „Ramadankalender“ für Kinder?

Ja, in den letzten Jahren hat sich – wohl angeregt von den Adventkalendern – unter Muslimen in Österreich der Brauch zu entwickeln begonnen, dass Kinder einen Ramadankalender geschenkt bekommen. Für jeden Tag des Monats wartet ein kleines Päckchen darauf zu Sonnenuntergang, wenn die Großen das Fasten brechen, abgeschnitten zu werden. So nehmen auch jene Kinder, die noch nicht fasten, am Ramadan mehr persönlichen Anteil. Das Warten auf den Zeitpunkt, wann das kleine Geschenk abgeschnitten werden darf, ist auch eine Vorbereitung darauf beim späteren Fasten sich zurückhalten zu können, ja allgemein eine Übung in Geduld.

Wie ist das mit Impfungen?  Dürfen Fastende Injektionen annehmen?

Eine Injektion bricht das Fasten. Der Tag wäre also nachzuholen, bzw. wenn keine unmittelbare medizinische Notwendigkeit besteht, ein späterer Zeitpunkt zu wählen. Daher richten es sich die Muslime im Allgemeinen so ein, dass sie Schutzimpfungen, Zahnarztbesuche und ähnliches nicht gerade in diesem Monat absolvieren müssen. Finden an den Schulen Reihenimpfungen statt, so ist dies eine der Gesundheit dienende Maßnahme, die auch aus Sicht des Islam zu begrüßen ist. Ältere Schülerinnen und Schüler, die es mit dem Fasten bereits so ernst wie Erwachsene nehmen, werden sich an Terminen im Ramadan möglicherweise entschuldigen. Ein Hinweis auf die Möglichkeiten die Impfung etwa bei Eltern-Kind Zentren nachholen zu lassen, ist hier sinnvoll. Um den Ablauf möglichst reibungslos zu gestalten, wäre es wünschenswert, wenn die muslimischen Kinder und Jugendlichen schon vor dem Impftermin bekannt geben, ob sie teilnehmen oder nicht, damit man sich besser darauf einstellen kann. Im Trubel der Aktion aufbrechende Diskussionen führen wohl kaum weiter.

Ich finde schade, dass ich gar nicht weiß, ob die muslimischen Kinder in meiner Klasse fasten...

Mitunter trifft man seitens Muslimen auf die Befürchtung, dass das Fasten auf Unverständnis oder Ablehnung stoßen könnte. Darum versuchen manche muslimischen SchülerInnen kein Aufhebens davon zu machen und dies vor KlassenkollegInnen und LehrerInnen eher zu verbergen. Solche Dinge offen anzusprechen kann aber beiden Seiten nur nützen. Das muslimische Kind gerät nicht in Verlegenheit, wird ihm etwas zu essen angeboten,  die Lehrkraft weiß die Situation besser einzuschätzen.

Und wann wird das Fasten dann Pflicht?

Mit Erreichen der Pubertät, dem Zeitpunkt von dem ab der Heranwachsende als religiös mündig gilt.

Wie ergeht es Berufstätigen mit dem Fasten?

Während der Fastenzeit soll man seinen Alltag nach Kräften genauso meistern und mit dem gleichen Elan arbeiten wie sonst auch, denn Fasten soll nicht zu Müßiggang führen, sondern im Gegenteil zu Konzentration in aller Aktivität. Viele Berufstätige sind noch unterwegs, wenn die Dämmerung einsetzt und können nicht gleich zu Hause essen. Zum Fastenbrechen nehmen sie dann oft einfach ein paar Datteln zu sich, bis es Gelegenheit für eine größere Mahlzeit gibt. Berufstätige sollen also wie sonst auch möglichst voll im Leben stehen und sich als Teil der Gesellschaft sehen, für deren Wohlergehen sie Mitverantwortung tragen.

Dann hat der Ramadan also einen sozialen Aspekt?

Natürlich! Beim Fastenden wird ein Solidaritätsgefühl mit den Menschen geweckt, für die der Zugang zu Nahrung immer schwierig ist. Das soll auch dazu anspornen, gerade in diesem Monat freigiebig zu sein und unabhängig von der vorgeschriebenen Zakat (Pflichtabgabe von 2,5 % des stehenden Vermögens jährlich an selbst zu bestimmende Bedürftige) Spenden an Arme zu geben. Vor dem Ende des Monats muss die sogenannte „Zakat al fitr“ bezahlt werden, sonst wäre das Fasten nicht vollständig. Dieser Betrag geht auch an caritative Zwecke. Pro Kopf in der Familie muss der Gegenwert für eine Mahlzeit geleistet werden. Man soll dabei das geben, was auch dem eigenen Lebensstandard entspricht. Wenigstens am Feiertag soll kein Mensch in der Gesellschaft Hunger leiden müssen. Das hat auch etwas mit dem Anspruch des Islam zu tun, soziale Gerechtigkeit verwirklicht sehen zu wollen.

Und wohin geben die Muslime hier in Österreich ihre Spendengelder?

Viele der ca. 60 Gebetsstätten allein in Wien bietet zum Fastenbrechen ein Gratismenu für alle an, die sich einfinden. Das Geld dazu stammt aus solchen Spenden.

Daneben soll man im Islam schauen, wo in unmittelbarer Umgebung Hilfe gebraucht wird und dort möglichst unauffällig Unterstützung gewähren. Denn aus dem eigenen sozialen Engagement eine Show zu machen, könnte die gute Absicht in Frage stellen.

Viele Muslime geben aber auch Geld in Länder, wo Hilfe dringend gebraucht wird und aus denen sie vielleicht ursprünglich stammen, so dass es vielleicht sogar persönliche Kontakte gibt und die Hilfe direkt ankommt.

In den Gebetsräumen ist dann im Ramadan mehr los?

Ja, man kommt auch zu einem speziellen Gebet in der Dunkelheit zusammen. Dies wird oft so gestaltet, dass über den Ramadan hinweg während dieses Gebets der in dreißig Abschnitte geteilte Koran durch den Imam, den Vorbeter, mit schöner Stimme kunstvoll rezitiert wird. Manche Leute halten während der letzten zehn Nächte eine besondere Andacht, zu der sie die Moschee gar nicht verlassen.

Und die Frauen?

Die Moschee ist prinzipiell ein Ort für Frauen und Männer. Die Frauen nehmen gerade am Gebet im Ramadan zur späten Abendzeit gerne teil. Und wenn sie zum Beispiel  wegen kleiner Kinder zu Hause bleiben, so treffen sie sich doch nach Möglichkeit untereinander. Dann kann auch eine Frau die Vorbeterinnenrolle übernehmen.

 Liegt ein besonderes spirituelles Erlebnis im Ramadan?

Der Ramadan gilt als „Monat des Koran“, weil die erste Offenbarung an den Propheten Muhammad im Ramadan erging. Einige Nächte, besonders die „Nacht der Allmacht“, von der man nur weiß, dass sie im letzten Drittel des Ramadan liegt, gelten als besonders segensreich. So bemüht man sich um ein intensives Koranstudium und darum, den Koran wenigstens einmal ganz durchzulesen. Die Fastenzeit macht besonders empfänglich dafür, sich Zeit zum Innehalten zu nehmen. Meint „Islam“ Frieden finden und fördern zwischen sich und Gott und zwischen sich und den Menschen, so ist diese Zeit besonders reich, wieder ein Stück auf diesem Weg zu gehen.

Und ist das Verhältnis zu anderen Menschen im Ramadan dadurch ein anderes?

Vielleicht ein bewussteres. Denn das Fasten würde seinen Wert verlieren, wenn man gleichzeitig etwa schlechte Nachrede im Mund führen würde, im Umgang ungeduldig ist oder sich zu Streit herausfordern lässt. Gibt es im Ramadan noch etwas, was man im Verhältnis zu einem anderen Menschen gerne bereinigen würde, so ist jetzt ein besonders willkommener Zeitpunkt. Der Ramadan gilt auch als Monat der Versöhnung.

Aber wenn der Ramadan vorbei ist, dann gibt es ein Freudenfest, dass alles überstanden ist?

Ein Fest schon und auch aus Freude - in der Zuversicht, dass Gott das Fasten annehmen möge. Viele Muslime sind aber auch ein wenig wehmütig, weil die besondere Stimmung des Ramadan nun zu Ende geht. Man sagt ja, dass der Ramadan auch ein Motor für das übrige Jahr sein soll, sich mit sich selbst und seiner Umwelt im reinen zu finden.

Und wie wird gefeiert?

Das Fest nach Ramadan, arabisch Eid, türkisch und bosnisch Bayram, heißt mancherorts auch „Zuckerlfest“, weil vor allem die Frauen die Taschen voller Zuckerln haben, um alle Kinder damit beschenken zu können.

Der familiäre Charakter ist ganz wichtig. Kinder dürfen sich über neue Kleidung freuen, bekommen ein Extra-Taschengeld, um sich kleine Wünsche erfüllen zu können oder die Eltern haben Geschenke vorbereitet. Viele Männer beschenken auch ihre Frau mit neuem Gewand oder bereiten ihr eine andere Freude. Anschaffungen werden gerne jetzt getätigt. Verwandtenbesuche sind am ersten Tag üblich, am zweiten besucht man sich im Bekannten- und Freundeskreis. Die festlich hergerichteten Wohnungen stehen zu den Feiertagen weit offen, weil immer wieder auch überraschend Besucher vorbeikommen können.

Eine religiöse Feier gibt es auch?

Ganz in der Früh findet ein Gebet in der Moschee statt, zu dem die Familien zusammenkommen. Dieses Gemeinschaftsgebet wird möglichst zentral und allgemein gehalten. Die kleineren Gebetsräumlichkeiten haben daher häufig für diesen Anlass geschlossen, damit sich alle zusammenfinden. Bei schönem Wetter liegen manchmal sogar die Gebetsteppiche im Freien, um allen Menschen Platz bieten zu können. Das Fest kann ja in verschiedenen Jahreszeiten liegen  und gewinnt seinen Charakter so nicht unbedingt aus der jahreszeitlichen Stimmung.

Das ist auch von den Sprachen her ein buntes Gemisch, denn Menschen vieler verschiedener Ursprungsländer treffen sich. Dabei wächst die Gruppe der sogenannten zweiten und dritten Generation ständig. Deutsch ist immer selbstverständlicher die gemeinsame Sprache.

Carla Amina Baghajati
Frauenbeauftragte der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich
Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen
e-mail: baghajati [at] aon.at
www.islaminitiative.at
www.derislam.at

Geschenkaktion für einen besseren Zusammenhalt

ISLAMISCHES NEUJAHR

22.11.2011, 17:11

http://www.krone.at/Nachrichten/Geschenkaktion_fuer_einen_besseren_Zusammenhalt-Islamisches_Neujahr-Story-303204

Rund um das Islamische Neujahr am Samstag wollen Musliminnen ein Zeichen setzen: Das Verschenken von selbst gebackenen Süßigkeiten samt einer persönlichen Grußkarte an Nachbarn soll die sozialen Beziehungen verbessern. Die Aktion geht auf die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich, kurz IGGiÖ, zurück und wird von zahlreichen islamischen Vereinen unterstützt.

Musliminnen werde von Einheimischen oft Verschlossenheit vorgeworfen. Umgekehrt beteuerten aber viele muslimische Frauen, sich bessere Kontakte zu wünschen, sagte Carla Amina Baghajati (Bild links), Frauenbeauftragte im Obersten Rat der IGGiÖ. Mit der Nachbarschaftsaktion werde ein großes Bedürfnis getroffen, positiv wahrgenommen zu werden. Sie soll helfen, Opferklischees und negative Zuschreibungen zu überwinden.

"Wir machen das für die Kommunikation"

"Das Echo ist sehr groß. Die Frauen wollen von sich aus ein Zeichen setzen", so Baghajati. Zusammenhalt und Nachbarschaft seien wichtige Werte im Islam, unabhängig von der religiösen oder weltanschaulichen Einstellung der Nachbarn. "Wir machen das für die Kommunikation. Es geht darum, gelassener miteinander umzugehen."

Bisher hätten sich Hunderte Teilnehmerinnen mobilisiert und vernetzt, schlussendlich rechne sie mit mehreren Tausend Frauen, die sich engagieren werden. "Da gibt es Mädchen, die sagen, wir brauchen 200 oder 300 Grußkarten, denn wir gehen durch's Schöpfwerk", berichtete Baghajati. Das Schöpfwerk sind zwei städtische Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien, in denen etwa 8.000 Menschen leben. "Vor allem junge Frauen sehen es auch als 'umgekehrtes Halloween'. Man läutet bei den Nachbarn, aber man verschenkt etwas, anstatt etwas zu verlangen."

"Wir hoffen, die Aktion entwickelt sich zu einer Tradition"

Bisher sind 22 Vereine, darunter die Frauenabteilungen der großen Dachverbände und viele muslimische Frauenvereine, beteiligt. "Wir hoffen, die Aktion entwickelt sich zu einer Tradition", sagte Carla Amina Baghajati.

Die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Hidschra, dem Auszug des Propheten Mohammed aus Mekka nach Medina, am 16. Juli 622 christlicher Zeitrechnung. Gerechnet wird nach dem Mondjahr und dem Mondmonat. Wichtig ist die islamische Zeitrechnung für die religiös bestimmten Feste. Der Hidschra-Tag sei ein Gedenken an die Migrationsgeschichte der ersten Muslime und wie es ihnen gelungen ist, sich in einer neuen Umgebung zu orientieren, so Baghajati.


ISLAMISCHES NEUJAHR

Musliminnen wollen ein Zeichen setzen und verschenken Süßigkeiten

22. November 2011 12:13

http://derstandard.at/1319183464374/Islamisches-Neujahr-Musliminnen-wollen-ein-Zeichen-setzen-und-verschenken-Suessigkeiten

Das Verschenken von selbst gebackenen Süßigkeiten samt einer persönlichen Grußkarte an Nachbarn soll die sozialen Beziehungen verbessern

Rund um das Islamische Neujahr am Samstag (26. November) wollen Musliminnen ein Zeichen setzen: Das Verschenken von selbst gebackenen Süßigkeiten samt einer persönlichen Grußkarte an Nachbarn soll die sozialen Beziehungen verbessern. Die Aktion geht auf die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich zurück und wird von zahlreichen islamischen Vereinen unterstützt. 
Musliminnen werde von Einheimischen oft Verschlossenheit vorgeworfen. Umgekehrt beteuerten aber viele muslimische Frauen, sich bessere Kontakte zu wünschen, sagte Carla Amina Baghajati, Frauenbeauftragte im Obersten Rat der IGGiÖ, im APA-Gespräch. Mit der Nachbarschaftsaktion werde ein großes Bedürfnis getroffen, positiv wahrgenommen zu werden. Sie soll helfen, Opferklischees und negative Zuschreibungen zu überwinden. 

"Das Echo ist sehr groß. Die Frauen wollen von sich aus ein Zeichen setzen", so Baghajati. Zusammenhalt und Nachbarschaft seien wichtige Werte im Islam, unabhängig von der religiösen oder weltanschaulichen Einstellung der Nachbarn. "Wir machen das für die Kommunikation. Es geht darum, gelassener miteinander umzugehen."

Bisher schon hunderte Teilnehmerinnen

Bisher hätten sich hunderte Teilnehmerinnen mobilisiert und vernetzt, schlussendlich rechne sie mit mehreren tausend Frauen, die sich engagieren werden. "Da gibt es Mädchen, die sagen, wir brauchen 200 oder 300 Grußkarten, denn wir gehen durch's Schöpfwerk", berichtete Baghajati. Das Schöpfwerk sind zwei städtische Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien, in denen etwa 8.000 Menschen leben. 
Bisher sind 22 Vereine, darunter die Frauenabteilungen der großen Dachverbände und viele muslimische Frauenvereine, beteiligt. "Wir hoffen, die Aktion entwickelt sich zu einer Tradition", sagte Carla Amina Baghajati. 

Die islamische Zeitrechnung beginnt mit der Hidschra, dem Auszug des Propheten Mohammed aus Mekka nach Medina, am 16. Juli 622 christlicher Zeitrechnung. Gerechnet wird nach dem Mondjahr und dem Mondmonat. Wichtig ist die islamische Zeitrechnung für die religiös bestimmten Feste. Der Hidschra-Tag sei ein Gedenken an die Migrationsgeschichte der ersten Muslime und wie es ihnen gelungen ist, sich in einer neuen Umgebung zu orientieren, so Baghajati. (APA)

Interview mit Tarafa Baghajati zum Opferfest

04.11.2011 | 18:28 | Jana Rosenfeld

Am 6. November findet wieder das jährliche islamische Opferfest statt. Nach bestimmten Regeln wird ein Tier geschlachtet und gemeinsam verspeist, um an die Opferbereitschaft des Propheten Ibrahim zu erinnern.

Das islamische Opferfest (auf Arabisch: Eid Al-Adha) ist das wichtigste Fest im Islam und dauert 4 Tage lang. Es wird am 10. Tag des Monats Dhu-I-hiddscha begangen, wobei sich das Datum im gregorianischen Kalender, der – anders als der islamische – kein Mondkalender ist,  jedes Jahr um 11 Tage verschiebt. Außerdem ist der Feiertag auch einer der Höhepunkte der zeitgleich stattfindenden Haadsch, der Pilgerfahrt nach Mekka, die für alle Muslime, die sich finanziell und gesundheitlich in der Lage befinden, einmal im Leben verpflichtend ist.

So beginnt das Opferfest mit dem Rezitieren von Bittgebeten, ähnlich denen, die zur gleichen Zeit von den Pilgern in Mekka gesprochen werden. Danach geht die ganze Familie zusammen in die Moschee, wo – anders als beim Freitagsgebet – laut mitgesungen wird. Nach der Festtagsansprache des Imam werden Geschenke und Spenden verteilt und die Familie geht wieder nach Hause, wo sie den Tag zusammen verbringt und ihr Festmahl genießt.

Schafe als Opfer

Alle Muslime, die es sich leisten können, sollen an diesem Tag ein Tier, meist ein Schaf, aber auch eine Ziege, ein Kamel oder eine Kuh, opfern. „Damals, in Damaskus, wurde bereits einige Tage vor dem Opferfest ein Schaf gekauft, mit dem die Kinder spielten und welches sie auf der Straße hin und her führten. Obwohl die meisten über den eigentlichen Zweck des Tieres aufgeklärt wurden, bauten manche Kinder eine Beziehung zu ihm auf, sodass es ihnen schwer fiel es gehen zu lassen“, erinnert sich Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und Kulturreferent der islamischen Religionsgemeinde Wien.

Am ersten Tag des Opferfestes wird das Tier schließlich von einem Metzger geschlachtet. Dass jemand, der kein Profi ist, das Tier tötet und es somit womöglich unnötig quält, ist allerdings strikt verboten. „Der Mensch darf Tiere verspeisen, doch nur mit Maß und Verantwortung. Wenn man zum Beispiel in der Wüste ohne Kühlschrank lebt und es nicht genug Menschen gibt, die das Fleisch aufessen könnten, bevor es schlecht würde, ist das Tier umsonst gestorben. Das wäre eine Sünde“, erklärt Baghajati.

Heutzutage kaufen allerdings sowieso nur noch jene ein lebendiges Tier, die am Land leben. In Städten geben Muslime in der Regel einer Metzgerei den Auftrag ein Schaf zu schlachten, welches sie danach abholen, dritteln und unter Verwandten, Nachbarn und Freunden, Mittellosen und der eigenen Familie aufteilen. So handhaben es viele in Österreich lebenden Muslime. Doch es ist hier fast noch üblicher einer Organisation Geld zu spenden, die dann in einem anderen Land im Namen der Familie ein Schaf für Bedürftige schlachtet. Zwar kann man beim großen Festmahl dann nichts vom geopferten Tier verspeisen, doch das ist auch nicht der eigentliche Sinn des Festes. „Leider setzen sich nicht alle damit auseinander, warum an diesem Tag ein Tier getötet wird. Sie denken es sei bloß eine Tradition“, so der Kulturreferent der islamischen Religionsgemeinde Wien.

Ibrahim, der “Vater der Semiten”  

Die Erbringung des Opfers ist viel mehr ein symbolischer Akt, der an die Hingabe des Propheten Ibrahim zu Gott erinnern soll. Denn im Koran heißt es, dass Ibrahim seinen Glauben unter Beweis stellte, als er bereit war aufgrund eines Befehls Gottes seinen eigenen geliebten Sohn zu opfern. Während es sich laut der jüdischen Thora und dem alten Testament um Abraham und seinen Sohn Isaak, einen der 3 Erzväter der Israeliten, handelt, gehen die meisten muslimischen Gelehrten, obwohl es im Koran nicht explizit steht, davon aus, dass es Ismael war, der Stammvater vieler arabischer Stämme und Vorfahre des Propheten Mohammeds. Das Ergebnis ist jedoch für alle drei abrahamitischen Religionen dasselbe. Gott rettete den Sohn und der „Vater der Semiten“ Ibrahim, beziehungsweise Abraham, opferte stattdessen einen Widder.

Die Opferung eines Tieres symbolisiert somit die Bereitschaft der Individuen Opfer zu bringen, um am „richtigen Weg“ zu bleiben. Da Gott aber nicht wollte, dass ein Unschuldiger seinetwegen sterben solle, erinnert es auch an seine Barmherzigkeit und daran, dass man seinem Urteil vertrauen kann, so Baghajati. „Das ist die eigentliche Lehre des Islams. Wir Menschen wurden nicht geschaffen um getötet zu werden, sondern um in Würde zu leben.“

Pilgerfahrtszeit und Opferfest am 16.11.2010

Sehr geehrte Damen und Herren!

Liebe Freundinnen und Freunde!

Feste bieten im Jahreskreis eine willkommene Gelegenheit innezuhalten und sich auf Wesentliches zu besinnen. Muslime begehen dieser Tage ihre höchsten Feiertage. So wie sich beim Opferfest und der parallel stattfindenden Pilgerfahrt das religiöse Gedenken um den Propheten Ibrahim (Abraham), Friede sei mit ihm, dreht, ergibt sich eine Brücke für mehr gegenseitiges Verständnis gerade zwischen den abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Soziales und solidarisches Miteinander, Einstehen füreinander in der Gesellschaft und Vertrauen sind Werte, die wir teilen können und die gerade angesichts so mancher aktueller Debatten um Integration stärker als gemeinsame Basis ins Bewusstsein rücken sollten.

Wir wünschen allen Musliminnen und Muslimen gesegnete Feiertage und hoffen, dass dieser Anlass tatsächlich dazu beitragen mag, stärker aufeinander zuzugehen und Gemeinsamkeiten wahrzunehmen.

Mit den besten Grüßen

Carla Amina Baghajati
Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich
www.derislam.at


Pilgerfahrtszeit und Opferfest

Die höchsten Feiertage der Muslime stellen den Propheten Abraham (Ibrahim), Friede sei mit ihm, in den Mittelpunkt. Soziales Miteinander, Einstehen füreinander in der Gesellschaft und Gottvertrauen sind Werte, die bei diesem Fest besonders im Mittelpunkt stehen. Wissen über das Opferfest und die parallel verlaufende Pilgerfahrt nach Mekka mag eine Brücke im gegenseitigen Verständnis der abrahamitischen Religionen sein und Juden, Christen und Muslime an gemeinsame Werte und gemeinsame Propheten erinnern.

Die Pilgerfahrt nach Mekka sollte von jedem erwachsenen Muslim, gleich ob Mann oder Frau, wenigstens einmal im Leben vollzogen werden. Die Hadsch bildet die fünfte und letzte Säule des Islam nach dem Bekenntnis zu dem Einen Gott und zu Seinem letzten Propheten Muhammad, dem Gebet, der sozial-religiösen Pflichtabgabe in Höhe von 2,5 % des stehenden Vermögens an Bedürftige jährlich und dem Fasten im Ramadan.

In die Zeit der Pilgerfahrt fällt auch das viertägige Opferfest (türkisch Kurban Bayram, arabisch Eid al Adha), das 2010 auf den 16. November nach gregorianischem Kalender fällt. Muslimische Schulkinder bekommen in Österreich an diesem Tag frei. Lesen Sie im Anschluss einen ausführlichen Fragenkatalog rund um Pilgerfahrtszeit und Opferfest

Woher kommt der Name „Opferfest“?
Das Fest steht im Zeichen der Erinnerung an den Propheten Ibrahim (Abraham), der durch Gott in besonderer Weise geprüft wurde. Sein und seines Sohnes Ismail beispielloses Gottvertrauen bestätigte sich. Sie vertrauten, dass Gott ihnen nichts auferlegen würde, das nicht letztlich zu ihrem Wohl wäre. Das dem Propheten durch ein Traumgesicht abverlangte Sohnesopfer wurde durch ein Tieropfer ersetzt, nachdem Vater und Sohn Bereitschaft gezeigt hatten dieses zu vollbringen. Bei allen drei Buchreligionen steht dieses Ereignis an zentraler Stelle. Judentum, Christentum und Islam berufen sich auf Abraham und achten sein unbeirrtes Eintreten für den Glauben auch in Zeiten persönlicher Konflikte. Menschenopfer sind abzulehnen - das ist die befreiende Botschaft des Opferfestes. Muslime lassen zum Opferfest im Gedenken an Ibrahim ein Tier, meist ein Schaf, schlachten.

Was geschieht mit dem Fleisch?
Das Fleisch ist zu dritteln. Ein Teil geht an Bedürftige, ein weiterer an Nachbarn und Freunde und erst der letzte Teil ist für den Eigenverbrauch bestimmt. In Mekka wird die gewaltige Menge des anfallenden Fleisches, das von den Pilgern oft zur Gänze gespendet wird, sofort in gebrauchsfertige Portionen geteilt und tiefgekühlt, um später in bedürftige Länder ausgeflogen zu werden. Pilgerfahrtszeit und Opferfest konnte beispielsweise während des Bosnienkrieges der regelmäßige Verzehr zumindest kleiner Mengen für die Bevölkerung sichergestellt werden.

Was macht Mekka zu solch einem Anziehungspunkt? Warum die Pilgerfahrt dorthin?
Mekka ist das geistige Zentrum des Islam. Auch die Gebetsrichtung, die Qibla, weist nach Mekka. Die Muslime berufen sich dabei auf die Tradition des Propheten Abraham, der zusammen mit seinem Sohn Ismail das erste Gotteshaus für den Einen Gott an eben dieser Stelle errichtete. Die Kaaba, wie das berühmte würfelförmige Gotteshaus genannt wird, wurde laut Koran ursprünglich von ihnen erbaut. Die Hadsch knüpft an den Ritus, der durch Abraham, Friede sei mit ihm, gegründet wurde direkt an.
Auch die heidnischen Araber hatten die Kaaba als Ort der Versammlung und Pilgerstätte in Verwendung. Beispielsweise wurde die besonders entwickelte Kunstform der Poesie dort gepflegt. Die Werke der berühmtesten Künstler befestigte man an der Kaaba. Auch in diesen Zeiten des Polytheismus blieb der Bezirk um die Kaaba ein allseits respektierter Platz des Friedens. Der Ausdruck „bait al haram“ auf Arabisch für diesen Bereich drückt dies aus und wäre mit „Haus des Friedens“ frei zu übersetzen, da auf Arabisch auch das Tabu anklingt, sich anders als friedlich zu verhalten.
Außerdem ist Mekka die Stadt, in der der Prophet Muhammad 570 n. Chr. geboren wurde.

Wann ist die Pilgerfahrt?
Die Pilgerfahrt findet im letzten Monat des islamischen Jahres statt, das sich am Mondzyklus orientiert. Dieser Monat heißt Dhu al Hidscha. Ein Höhepunkt ist der Tag von Arafat am 9. des Monats, das Opferfest liegt am 10. Tag – diesmal am 16. November. Drei Tage später geht die Hadsch zu Ende. Auch die beiden vorausgehenden Monate Dhu al Qa’da und Schawwal werden bereits als Monate der Pilgerfahrt gerechnet. Hier muss man bedenken, dass früher Pilger oft wochenlang unterwegs waren, ehe sie Mekka erreichten. Saudi Arabien erteilt ab diesem Zeitpunkt im allgemeinen nur mehr Visa zum Zweck der Pilgerfahrt, was Reisende berücksichtigen sollten.

Wie funktioniert die islamische Zeitrechnung?
Gegenüber dem Sonnenjahr verschieben sich die Tage jährlich jeweils um die Zahl 11 nach hinten. Die Jahreszählung beginnt mit der Hidschra, als der Prophet Muhammad von Mekka nach Medina auswanderte, 622 n. Chr. nach christlicher Zeitrechnung. Die Muslime schreiben jetzt das Jahr 1431 und stehen vor dem Jahreswechsel zu 1432 am 7. Dezember nach gregorianischem Kalender.
Feiertage wandern also durch die Jahreszeiten und haben so von ihrer kulturellen Ausprägung her keinen Bezug auf eine jahreszeitlich bedingte Stimmung.

Und wer darf sich dann „Hadschi“ nennen? Nur wer genau zu diesen Tagen die Riten ausgeführt hat?
Ja, die Pilgerfahrt kann nur an diesen Tagen im letzten Monat vor dem Jahreswechsel unternommen werden. Übrigens haben auch Frauen, die ungefähr die Hälfte der Pilger stellen, danach einen Ehrentitel und werden mit „Hadsche“ angesprochen. Wer zu einem anderen Zeitpunkt die heiligen Stätten besucht und die entsprechenden gottesdienstlichen Handlungen vollzieht, begeht die sogenannte „Umrah“, die auch sehr verdienstvoll ist, aber noch nicht die Erfüllung der fünften Säule des Islam bedeutet.

Und das ist alles im Koran zu lesen? – Auch was auf der Pilgerfahrt zu tun ist?
Die Hadsch wird mehrfach angesprochen. Nachzuschlagen in den Versen 2/128, 158, 189, 194, 196-203, dann in 3/96, 97 und 5/1, 2, 95-97, 9/3,19, weiters 22/27 und 48/25.
Wer sich allerdings darüber informieren möchte, was genau die Pilger bei der Hadsch an Stationen durchlaufen, wird allein im Koran nicht fündig. Hier ist das Vorbild des Propheten Muhammad wichtig, der anlässlich der sogenannten Abschiedswallfahrt kurz vor seinem Tode im Jahre 632 n. Chr. die Riten beispielhaft vollzog und darauf achtete, dass die Gemeinde diesem allem auch folgen konnte. Dabei betonte er, dass alles sich direkt vom Propheten Abraham her ableite, arabisch Ibrahim.

Aber ich dachte, der Muslim orientiert sich ganz am Koran?
Der Koran ist für die Gläubigen sehr wichtig, beantwortet aber nicht alle Fragen, vor allem was das praktische Leben betrifft. Er gilt als eine direkte Offenbarung Gottes an Seinen Gesandten, die getreulich Wort für Wort so in der arabischen Sprache weitergegeben wurde. Daher bildet er eine Basis für den muslimischen Glauben.
Vor allem geht es im Koran um ethische Prinzipien und das Verhältnis Gott – Mensch. Für die Glaubenspraxis ist wie im Beispiel der Hadsch oder auch des Gebetsritus aber immer wieder das beispielgebende Verhalten des Propheten wichtig, das mit Sunna bezeichnet wird. Es ist im Hadith (Einzelüberlieferung) in vielen Bänden später aufgezeichnet worden und bildet den Gegenstand für umfassende Forschungen, wobei zum Beispiel die Überliefererkette von besonderem Interesse bei der Einordnung jeder Begebenheit ist, um eine Klassifizierung der Verlässlichkeit etwa in „stark“ oder „schwach“ vornehmen zu können.
Aus Koran und Sunna können so von Gelehrten Ableitungen gewonnen werden. Hier liegt die Grundlage für die Scharia, die umfassende Auslegung der für das muslimische Leben relevanten Faktoren. Mitunter werden noch weitere Instrumente zur Einschätzung einer Frage oder bei der Rechtsfindung eingesetzt, damit die Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Gegebenheiten gewährleistet ist. Darum wäre es auch vergeblich, wollte man etwa einen Band „Die Scharia“ in einer Buchhandlung erwerben. Die Faktoren Zeit, Ort und handelnde Personen, kurz gesagt also die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bilden einen wichtigen Hintergrund, Antworten auf Fragen nach der religiösen Praxis immer wieder neu zu formulieren. Dies geschieht auf Basis der Quellen zeigt aber damit Flexibilität und ein dynamisches Selbstverständnis.

Und was muss ein Pilger nun unternehmen?
Zuerst müsste geprüft werden, ob neben der Volljährigkeit die Voraussetzungen für die Pilgerfahrt erfüllt sind. Werden Kinder von ihren Eltern mitgenommen, so müssen sie in späterem Alter die Hadsch vollziehen. Kinder werden aber so ernst in ihrer Persönlichkeit genommen, dass Erwachsene schwer zu vollziehende Riten stellvertretend ausführen.
Der Pilger soll körperlich zur Hadsch imstande sein und über ausreichende finanzielle Mittel verfügen, also auch frei von Schulden sein. Erst dann kann die Hadsch angetreten werden. Diese erfordert jetzt eine gründliche auch spirituelle Einstimmung. Denn wer die Pilgerfahrt erfolgreich vollzogen hat, darf - sozusagen wie ein Neugeborenes - noch einmal frei von jeglichem Fehlverhalten von vorne beginnen. Dazu muss man aber nicht nur mit sich selbst ins reine zu kommen suchen, sondern auch die Beziehung und das Verhältnis zu den Mitmenschen klären.

Was heißt das genau – wie macht man das – seine Beziehung zu anderen Menschen klären?
Bevor der Pilger seine Reise antritt, sucht er nach Möglichkeit alle Menschen auf, mit denen er in Kontakt steht oder meldet sich zumindest kurz auf anderem Wege bei ihnen. Man verabschiedet sich nicht nur, sondern bittet auch um Verzeihung für alle Dinge, die man bewusst oder unbewusst dem anderen zugefügt hat und sucht jegliche Missstimmigkeit aus dem Wege zu räumen.

Und warum ist es so wichtig um Verzeihung zu bitten? Auf der Pilgerfahrt ist doch reichlich Zeit nach Gottes Vergebung zu suchen?
Nach dem Islam kann Gott in Seiner Barmherzigkeit Fehler in der Erfüllung unmittelbar gottesdienstlicher Handlungen verzeihen. Doch wenn eine Schuld gegenüber den Mitmenschen besteht, soll man selbst dafür Sorge tragen, diese Angelegenheiten direkt zu bereinigen. Verzeihung kann von dem persönlich erlangt werden, dem Unrecht geschehen ist. Das soll auch vor Augen führen, dass man Verantwortung für die Konsequenzen des eigenen Handelns auf sich nehmen muss.

Aber jetzt endlich zur eigentlichen Pilgerfahrt! Wie geht die vor sich?
Zu Beginn begeben sich die Pilger nach einem rituellen Bad in den Weihezustand - Ihram. Ab diesem Zeitpunkt gilt Abstinenz von ehelichen Beziehungen. Tugenden, die auch sonst Maßstab sein sollten, wie Hilfsbereitschaft, Geduld, Güte und Bedacht auf eine niemanden verletzende Rede sind ab jetzt besonders entscheidend. Denn Nachlässigkeiten könnten den Erfolg der Hadsch in Frage stellen. Der Friedensgedanke spiegelt sich auch im Verbot der Jagd, selbst eine Ameise sollte nicht versehentlich zertreten werden. Kein Baum darf gefällt werden, kein Strauch geknickt.
Männer tragen alle die gleichen weißen ungesäumten Tücher, die Assoziationen an Totenkleider wecken. So wird der allen gemeinsame Ursprung und die allen gemeinsame Vergänglichkeit des Irdischen veranschaulicht. Frauen ist im Rahmen der islamischen Bekleidung freigestellt, welche Gewänder sie wählen. Soziale Unterschiede und Äußerlichkeiten dürfen gerade während der Hadsch keine Rolle spielen, denn alle Gläubigen sollen sich bewusst werden, dass vor Gott nur die Taten jedes einzelnen zählen und nicht sein gesellschaftliches Prestige.

Und danach beginnen die eigentlichen Riten?
Mit hörbarer Stimme bezeugen die Pilger nun die Bereitschaft vor Allah zu treten. Dieser Akt heißt Talbiya. Die Worte lauten: „Labbayka Allahumma Labbayk...“ Dies bedeutet: „O Allah! Ich trete vor Dich hin, ich stehe Dir zur Verfügung!“
Danach kommt der große Augenblick des Umschreitens der Kaaba, die siebenmal umrundet wird. Dieser Vorgang heißt Tawwaf.
Im Anschluss an ein Gebet wird aus dem „Zamzam“-Brunnen Wasser getrunken.

Was ist an diesem Wasser so besonders?
Zamzam wurde vom Propheten Ismail gefunden, als er noch ein Baby war. Er befand sich mit seiner Mutter Hagar ganz allein in der Wüste. Hagar war unruhig und besorgt, wie sie ihr Kind und sich durchbringen sollte. Daher lief sie zwischen den Hügeln Safa’ und Marwa hin und her, um mögliche Hilfe zu erspähen. Währenddessen spielte der kleine Ismail im Sand und stieß dabei auf die Quelle, die seither nie versiegt ist und noch heute alle Pilger mit einem wohlschmeckenden und als gesegnet geltenden Wasser versorgt.
Der Lauf Hagars zwischen den beiden Hügeln wird als Bestandteil der Hadsch nach dem Genuss des Wassers von den Pilgern nachgeahmt und nennt sich „Sa’i“.

Dann spielt sich nicht die ganze Hadsch ausschließlich in Mekka ab?
Richtig, zwei Tage vor dem Opferfest am 8. des Monats begeben sich die Pilger nach Mina, wo eine gewaltige Zeltstadt zu ihrer Unterbringung aufgebaut ist.

Und was geschieht am Berg Arafat?
Arafat oder „der Berg der Gnade“ ist ein Ort, an dem die Pilger am 9.12. einen ganzen Tag im Freien in intensivem Gebet verbringen. Dies gilt als der spirituelle Höhepunkt der Pilgerfahrt.

Wird auch die Nacht draußen verbracht?
Ja, aber nicht mehr in Arafat, sondern in Muzdalifah. Dorthin geht es nach Sonnenuntergang. Hier sammeln die Pilger sehr kleine Steinchen.

Wozu dienen die Steinchen?
Nach dem Morgengebet kehrt man zurück nach Mina. An einer markierten Stelle werden diese Steinchen benutzt, um ein symbolisches Zeichen des Widerstands gegen die Versuchungen des Schaitan zu setzen. Die Pilger werfen sie in Richtung des bezeichneten Punktes.

Ist jetzt der Tag des Opferfestes gekommen?
Genau. Darum ist im Anschluss an die „Steinigung des Teufels“ auch von jedem Pilger dafür Sorge zu tragen, dass in seinem Namen ein Schaf geschlachtet wird.

Ist mit dem Opferfest die Hadsch zu Ende?
Nicht ganz. Männliche Pilger lassen sich als Zeichen der Demut vor Gott die Haare zur Gänze oder bis auf eine sehr geringe Länge schneiden. Bei Frauen genügt auch ein einfaches Kürzen um wenige Zentimeter. Das besondere „Ihram“-Gewand wird abgelegt und ein Tawwaf, also das Umschreiten der Kaaba in Mekka ausgeführt. Drei Tage sind nun noch in Mina vorgesehen, wobei das Bewerfen der markierten Stelle mit Steinchen täglich ausgeführt wird. Zum Abschied gibt es noch einen Tawwaf.

Wenn damit alle Riten beschrieben sind, so ist eigentlich keine Handlung dabei, die der Person Muhammads gilt?
Ja. Muslime würden den Propheten Muhammad ja nie „anbeten“, weil dies dem Geist des Monotheismus widerspräche! Deswegen wird von ihnen übrigens die Bezeichnung „Mohammedaner“ als in dieser Richtung missverständlich abgelehnt. Auch daran zeigt sich, dass im Islam nur Gott allein aller Gottesdienst gelten kann.
Zum anderen ist es ein anschauliches Beispiel dafür, dass Muslime ihren Propheten Muhammad nicht als „Religionsstifter“ betrachten. Islam steht für sie in der Reihe von Judentum und Christentum. Der Prophet Abraham, auf den sich die Pilgerfahrt gründet, ist eine herausragende Prophetenfigur, die im Koran genauso wie Noah – Nuh, Moses – Musa, David – Daud, Josef – Yussuf, Jonas – Yunus oder Isa – Jesus - Friede sei mit ihnen allen, um nur einige zu nennen, vorkommen.

Aber wird nicht das Grab des Propheten Muhammad in Medina besucht?
Das stimmt. Entweder vor oder nach der Pilgerfahrt nutzen die Muslime die Gelegenheit um auch Medina und die dortige Moschee zu besuchen. Diese Moschee steht auf dem Boden der ersten Moschee überhaupt, an die sich das Haus des Propheten anschloss. Hier wurde er auch begraben. Diese Bereiche bilden inzwischen mit der stark erweiterten Moschee eine Einheit. Der Besuch ist aber kein Bestandteil der Hadsch.

Wie geht es einem Muslim nach Beendigung der Pilgerreise?
Da ist wohl bei jedem die Freude, seine religiöse Pflicht erfüllt zu haben. Und gleichzeitig müsste auch eine Bewusstheit dafür vorhanden sein, dass dieses neue Kapitel des eigenen Lebens, das man derart gereinigt beginnen darf, auch viel Verantwortung mit sich bringt. Denn als Mensch wird man wieder mit eigenen Fehlern und Unzulänglichkeiten konfrontiert werden und sehen, dass man immer an sich arbeiten muss. Der Titel Hadschi oder Hadsche will verdient sein.
Doch können die Erfahrungen der Hadsch und die Erinnerung daran sehr konkret dabei helfen. Es ist ja nicht allein das spirituelle Erlebnis, das den Menschen für die Zukunft prägt, sondern auch die Eindrücke bei der Reise.

Ich verstehe nicht ganz, wie eine solche Massenveranstaltung mit Gedränge und Trubel der Kontemplation dienen kann?
Das Erlebnis innerhalb einer großen Menschenmenge zu sich selbst zu finden, ist eines der Dinge, die man in den Alltag übernehmen könnte. Spiritualität braucht nicht unbedingt die Abgeschiedenheit von aller Welt. Und dann ist es natürlich eine gewaltige Erfahrung, Teil zu haben, wenn zwei Millionen Pilger aus aller Welt sich im gemeinsamen Gottesdienst treffen.

Kommt es auf so engem Raum nicht automatisch zu Spannungen?
Die Vielfalt der Nationalitäten der Teilnehmer ist beeindruckend. Jeder findet sich auf einmal in einer Minderheitensituation. Wer im Kopf hatte, Muslime seien in erster Linie Araber, wird sehr schnell eines Besseren belehrt. Die Pilger sind nicht nur angehalten, eine Stimmung der Geschwisterlichkeit zu pflegen, diese entsteht aus der Situation heraus ganz natürlich. Hier demonstriert sich der Gedanke des Anti-Rasssismus im Islam sehr deutlich. Malcolm X, der bekannte zum Islam konvertierte schwarze Menschenrechtskämpfer, erkannte auf der Hadsch, dass es kein Weg sein könne, nach dem erlittenen rassistischen Unrecht umgekehrt alle Menschen weißer Hautfarbe zur Zielscheibe zu machen.
Selbstverständlich sind aber Geduld, Verständnis für andere und innere Gelassenheit Haltungen, die in diesen Tagen besonders gefragt sind. Gelehrte weisen immer wieder darauf hin, dass die Hadsch damit auch eine Art Training für moralisch gutes Verhalten im Alltag darstellt.

Falls ein Muslim bis zu seinem Tod nicht dazu kommt auf Pilgerreise zu gehen, stirbt er dann mit einer Sünde?
Die Absicht ist im Islam immer ein entscheidendes Kriterium. Wenn also prinzipiell der Wunsch und die ehrliche Absicht dazu besteht, die Pilgerfahrt zu unternehmen, aber Umstände dies verhindern, so liegt in scha’ Allah – so Gott will – auch keine Verfehlung in diesem Punkt vor.

Und wie begehen die Muslime, die nicht auf Hadsch sind, jene Tage?
Viele haben Verwandte oder Bekannte, die die Pilgerfahrt unternehmen und bekommen die Stimmung daher mit. Der Tag von Arafat, den die Pilger auf diesem Berg verbringen, ist ein zum Fasten empfohlener Tag. Von der Dämmerung bis Sonnenuntergang wird hier von den Muslimen, die dazu in der Lage sind gerne gefastet, also auf Essen und Trinken bewusst verzichtet.
Am nächsten Tag ist das Opferfest. In Österreich schlachtet fast niemand persönlich. Nicht nur fehlen die praktischen Möglichkeiten, man müsste auch dazu kundig sein. Es wird also an die muslimischen Fleischer der Auftrag dazu gegeben. Sehr gebräuchlich ist aber auch die Form, Geld in Länder zu schicken, wo die Bevölkerung Not leidet und so für Fleisch zu sorgen.

Wie lange dauert das Fest?
Das Opferfest oder arabisch Eid al Adha, bzw. türkisch Kurban Bayrami währt vier Tage. Am frühen Morgen des ersten Tages versammelt sich die Gemeinde in der Moschee für ein spezielles Feiertagsgebet. Dieses findet bevorzugt im Freien statt, so es das Wetter zulässt. Danach stehen die sozialen Kontakte im Mittelpunkt. Man trifft Familie und Freunde und pflegt Bekanntschaften. Das Fest hat auch einen Charakter der Versöhnung unter den Menschen. Sollte es Missstimmungen geben, so ist jetzt der ideale Zeitpunkt um diese auszuräumen, da allgemein die Gemeinschaft nicht dadurch belastet werden sollte.
Die Kinder freuen sich über Geschenke. In den Ländern der islamischen Welt stehen neue Kleider für die ganze Familie im Vordergrund und ein Taschengeld für die Feiertage. Hier kommt auch Spielzeug dazu oder wird so mancher lang gehegte Wunsch erfüllt. Gerne veranstaltet man Feiern, um den Gemeinschaftscharakter zu betonen.

Über das Schlachten der Tiere will ich mehr wissen. Wird da geschächtet?
Im Islam wird wie auch im Judentum ein Tier durch Schächten getötet. Ausschließlich fachmännisch darf das rasche Durchtrennen der Halsschlagadern vorgenommen werden. Damit tritt auch eine Betäubung ein. Gleichzeitig ist gewährleistet, dass das Fleisch ausbluten kann. Im Islam sind der Verzehr von Blut, Verendetem und Schweinefleisch und das Trinken von Alkohol verboten. Respekt vor der Schöpfung und Bewusstheit für die Verantwortung im Umgang mit Tieren gebieten die Berücksichtigung weiterer Faktoren: Kein Tier darf getötet werden, das nicht zum Verzehr bestimmt ist, so nicht sehr zwingende Gründe vorliegen. Tiere sollen artgerecht gehalten werden. Dies schließt zum Beispiel die Verwendung von Tiermehl als Futter aus. Jeder Stress und Leiden rund um die Schlachtung ist zu vermeiden. Also soll es keine endlosen Transportwege geben, noch das Tier im Schlachthof sehen müssen, wie vor ihm Tiere getötet werden.
Das neue bundeseinheitliche Tierschutzgesetz sichert den Muslimen weiterhin die Möglichkeit des Schächtens zu, das an Schlachthöfen von ausgewiesenen Fachkräften in Gegenwart eines Tierarztes ausgeführt werden soll. Direkt nach dem Schächtstreich wird noch eine zusätzliche Betäubung vorgenommen.

Beaufsichtigt die Islamische Glaubensgemeinschaft das Schächten?
Die IGGiÖ stellt die Zertifikate aus, die Fleischhauer, die das Schächten betreiben, als Fachleute auf diesem Gebiet ausweisen. Es gibt einen eigenen Ansprechpartner, Herrn Mag. Nouredinne Boufalgha, der für diesen Aufgabenbereich zuständig ist. Anträge können über das Büro der IGGiÖ gestellt werden.

Und wie ernst nehmen es die Muslime mit dem Opfer?
In Österreich hat in den letzten Jahren die finanzielle Abgeltung große Verbreitung gefunden. Das heißt, dass Muslime den sozialen Gedanken des Teilens sehr bewusst aufgreifen und verschiedenen privaten oder über Vereine organisierten Hilfsinitiativen den Gegenwert eines Schafs in Österreich, also 100 Euro übergeben. Mit diesem Geld wird dann vor Ort, wo besonderer Bedarf besteht, geschächtet. Also z.B. in Palästina, Irak, Afghanistan, usw. Ansonsten ist es üblich zu einem muslimischen Fleischhauer zu gehen und dort das Schlachten in Auftrag zu geben. Im Koran heißt es, dass nicht das Blut oder das Fleisch des Opfertieres Allah erreiche, sondern die Frömmigkeit. Beim Opfer geht es also keinesfalls um ein „Schlachtritual“, sondern um das Praktizieren sozialen Verantwortungsbewusstseins.

Was bekommt man von diesen Tagen in Österreich vom Opferfest mit, wenn man kein Muslim ist?
Per Erlass wird den muslimischen Schulkindern die Teilnahme am Unterricht freigestellt. Sonst hängt es von der Flexibilität der Arbeitszeit ab, ob muslimische Arbeitnehmer wenigstens zum Gebet frei nehmen können. Vielleicht erlebt man auch, von Nachbarn oder Bekannten ein Stück Fleisch oder eine Kostprobe der Feiertagsmahlzeit geschenkt zu bekommen. Denn beim Aufteilen des Opferfleischs ist es wie erwähnt üblich, andere Menschen zu bedenken.

Carla Amina Baghajati

Bericht: Iftar "Juden und Muslime" am 26. August 2010

Der Fastenmonat Ramadan ist im islamischen Jahreskreis ein Monat der Begegnung, der Pflege sozialer Kontakte und der Freude am Zusammensein in einem offenen Dialog. Zu einem gemeinsamen Iftar-Mahl im Ramadan lud die IMÖ Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen auch in diesem Jahr in den Festsaal der IRPA (Ausbildungsstätte zukünftiger islamischer ReligionslehrerInnen in der Wiener Neustiftgasse) ein. Stand unsere Iftar-Einladung des vergangenen Jahres im Zeichen des christlich muslimischen Dialogs, so wollten wir heuer zur Belebung des jüdisch muslimischen Dialogs beitragen.

Es war eine große Freude, zu diesem geselligen Abend eine interessante Gästerunde mit Persönlichkeiten aus diversen Bereichen des öffentlichen Lebens begrüßen zu dürfen. Selbst zubereitete Spezialitäten trugen zu Herzlichkeit und Gastfreundschaft bei. Alle Speisen waren schweinefleischfrei/halal und es gab ein erweitertes vegetarisches Angebot, um  jenen, die möglichst koscher essen, entgegenzukommen.

Nach einem spirituellen Auftakt mit der Rezitation der Koranverse über das Fasten, rezitiert durch Imam Nejati Genc, verwies Mouddar Khouja auf die historische Dimension des jüdisch-muslimischen Dialogs und der oft gemeinsamen Geschichte. Carla Amina Baghajati reflektierte über das vertiefte Bewusstsein in Bezug auf den Wert von Nahrung im Ramadan. Nach dem Iftar-Mahl gab Omar Al Rawi einen allgemeinen Überblick über die Arbeit der IMÖ in den letzten 11 Jahren. Tarafa Baghajati schloss mit Ausführungen über die muslimisch-jüdische Zusammenarbeit und Kooperation in den letzten Jahren an. Dabei konnte er sich auf konkreten Projekte und Aktivitäten, die gemeinsam mit den geladenen Gäste und Institutionen durchgeführt worden waren, beziehen.

Die renommierte Sprachwissenschaftlerin Ruth Wodak betonte die Notwendigkeit solche Zusammenkünfte bekannter zu machen, um gerade in diesen Zeiten einer drohenden Verschlechterung des Klimas die Bevölkerung über Fortschritte informieren zu können. Neben Ruth Wodak waren als weitere bekannte Universitätsprofessoren John Bunzl und Frank Stern unter den Gästen. Der große Schauspieler und Friedensaktivist Otto Tausig sowie die Filmmacherin Ruth Beckermann waren ebenfalls dabei. Vertreter und führende Persönlichkeiten diverser  Organisationen, NGOs und Institutionen waren vertreten u.a. das Jüdische Filmfestival, die Or Chadasch Gemeinde, ReligionslehrerInnen, Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden im Nahen Osten, Frauen in Schwarz sowie die Jüdisch-Muslimische Konferenz, die Anfang August in Wien getagt hatte.

Nach den Süßspeisen sorgten der einzige Wanderschäfer Österreichs und Musiker Hans Breuer sowie der Musiktherapeut und Obmann des WIIEB Wiener Islamisches Institut für Erwachsenenbildung Galib Stanfel mit gemeinsam vorgetragener Musik für einen stimmungsvollen Abschluss des Abends. Inzwischen traf der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Anas Schakfeh ein und präsentierte eine Einschätzung  der jüngsten Debatte um Moscheebauten und Minaretten.

Einig waren sich alle jüdischen und muslimischen TeilnehmerInnen darin, dass dieser Abend wiederholt werden soll. Es ist ein weiterer Schritt gelungen für ein besseres und schöneren Miteinander.

Mit dem Hinweis darauf, dass dieses Jahr Ied al Fitr (muslimisches Fastenbrechenfest) und das jüdische Neujahr zeitgleich begangen werden und mit einem herzlichen Dank an alle, die für den Erfolg des Abends beitrugen wurde der Abend von Tarafa Baghajati mit den Worten: Schana towa, schönes Neues Jahr und Assalamu Alaiku abgeschlossen.

Rückfragehinweis:

Tarafa Baghajati, baghajati [at] aon.at

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